Gedenkfeier

Gedenken an den Hungerstreik deutscher Sinti in Dachau 1980

 |  04.04.2025  | 14:00—20:00

schwarz-weiß Bild der Sinti am siebten Tag ihres Hungerstreiks in den Räumen der Evangelischen Versöhnungskirche,. Alle liegen auf Betten und sehen deutlich geschwächt aus.

Die Sinti am siebten Tag ihres Hungerstreiks in den Räumen der Evangelischen Versöhnungskirche, darunter die KZ-Überlebenden Franz Wirbel (im Vordergrund), Jakob Bamberger (links mit Tuch auf der Stirn) und Hans Braun (hinten rechts) (© Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma)

Mit einem Hungerstreik auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau machten deutsche Sinti 1980 auf das ungebrochene Schweigen über die nationalsozialistischen Verbrechen an ihrer Minderheit aufmerksam. Zugleich protestierten sie gegen die anhaltende gesellschaftliche Ausgrenzung von Sinti*zze und Rom*nja. Ihr Protest trug wesentlich dazu bei, dass der Holocaust an den Sinti*zze und Rom*nja von der Bundesregierung offiziell anerkannt wurde; damit stellt die Aktion einen Meilenstein in der Bürgerrechtsbewegung der Minderheit dar. Zum 45. Jahrestag lädt das Netzwerk Sinti Roma Kirchen zu einer Gedenkveranstaltung am Ort des damaligen Geschehens ein.

Das Jahr 1945 stellte für Sinti*zze und Rom*nja keinen Neuanfang dar. Im Gegenteil, für viele Angehörige der Minderheit ging die gesellschaftliche Ausgrenzung nahtlos weiter: Ihnen wurde die Rückgabe ihrer Wohnungen verwehrt. Entschädigungsanträge wurden von Beamten abgelehnt, die in der Zeit des Nationalsozialismus bei Deportationen mitgewirkt hatten. Die behördliche Erfassung griff vielerorts auf NS-Akten zurück bzw. setzte diese fort. Dieses Unrecht wird heute als „Zweite Verfolgung“ bezeichnet; ihre Aufarbeitung ist eine der zentralen Forderungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus.

Vom 4. bis zum 12. April 1980 setzten zwölf Hungerstreikende, darunter mehrere Holocaust-Überlebende, vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein sichtbares Zeichen gegen den Umgang mit der NS-Vergangenheit wie auch gegen die andauernde Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja. Weil den Protestierenden von staatlicher Seite der Zugang zum Gelände der KZ-Gedenkstätte nur während der Öffnungszeiten gewährt wurde, öffnete die Evangelische Versöhnungskirche ihre Pforten. Dieses Zeichen der Solidarität war ein früher Lichtblick in der Beziehung zwischen der evangelischen Kirche und der Bürgerrechtsbewegung.

Programm

Um 16.00 Uhr findet eine Kranzniederlegung am Internationalen Mahnmal mit Erich Schneeberger, Vorsitzender des Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverbands Bayern und Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, statt.

Weitere Programmpunkte können Sie der Website der Evangelischen Akademie zu Berlin entnehmen.