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Das Gelände
im Wandel der Zeit


The compound over the course of time

Herzlich willkommen!
An dieser interaktiven Recherche-Station können Sie die Veränderungen und Umnutzungen des Geländes des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau tiefer erforschen.

Welcome!
At this interactive research station you can explore the various changes and different uses of the grounds of the former Dachau concentration camp.

Pulver- und Munitionsfarbik +
Gun Powder and Munitions Factory +

Pulver- und Munitionsfabrik

Gun Powder and Munitions Factory

Pulver und Munitionsfabrik

Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik
© BayHStA/Abt. IV, FL. Beob. Sch

Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory
© BayHStA/Abt. IV, FL. Beob. Sch


Kriegsrüstung in Dachau: Die Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik geht in Betrieb (1915-1918)

Wartime Armaments Production in Dachau: the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory (1915-1918)


Das Konzentrationslager Dachau wurde im März 1933 auf dem ehemaligen Gelände der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik eingerichtet. Die Fabrik, etwa fünf Kilometer östlich von der Stadt Dachau zwischen den Flüssen Amper und Würm gelegen, stammte aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Sie wurde zwischen 1915 und 1916 im Auftrag des Bayerischen Kriegsministeriums erbaut.

Das Gelände bot alle Vorzüge für die Produktion: Anbindung an eine Eisenbahnstrecke, die Nähe zu einem Industriestandort mit gut ausgebildeten Facharbeitern. Auf einer Gesamtfläche von fast 200 Hektar wurden insgesamt 304 Gebäude und die dazugehörige Infrastruktur wie Wasser- und Stromanbindung, eine Heizkraftanlage, Hochwasserschutz sowie Straßen und Gleise gebaut.

Außer der Fabrik entstanden auf dem südlichen Teil des Geländes auch Wohnhäuser für Offiziere und Beamte, sowie Arbeiterwohnungen östlich der Würm. Für Munitionstests wurden Schießstände errichtet.

The Dachau concentration camp was set up in March 1933 on the former grounds of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory. Located around five kilometers to the east of the town of Dachau between the Amper and Würm Rivers, the factory was commissioned by the Bavarian War Ministry and built between 1915 and 1916.

The grounds offered all the advantages needed for production: connection to a railway line and close proximity to an industrial base with skilled workers. On an area covering almost 200 hectares, a total of 304 buildings and the requisite infrastructure were built, including water and electrical mains, a heating and power station, flood protection facilities as well as roads and rail tracks.

Besides the factory, residential houses were built for officers and civil servants on the southern section of the grounds, as were apartments for workers to the east of the Würm. Shooting stands were erected to test the munitions.


Eugen Mondt

Nachdem die Pulver-und Munitionsfabrik gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags ihre Produktion einstellen musste, berichtet der Dachauer Eugen Mondt in den 1920er Jahren:

„Da ist die große Pulverfabrik gekommen, der ein ganzer Wald zum Opfer fiel. Was standen dort für herrliche Kiefern und für prächtige Föhren. Jetzt steht eine lange Reihe Doppelvillen: Beamtenhäuser mit roten Dächern; wo sie aufhören, beginnt eine unendliche lange Betonmauer, die den Fabrikkomplex abschließt. […] Jetzt liegt das Werk lahm. Es wirkt wie eine Totenstadt“.


After the munitions factory ceased production in line with the Versailles Peace Treaty, the Dachau resident Eugen Mondt reported on the situation in the 1920:

“A huge munitions factory was built, a whole forest area had to be cleared. Splendid pines had to make way. Standing there now is a long row of double mansions: homes for civil servants with red roofs; right where they stop begins an endlessly long concrete wall that closed off the factory complex. […] Now the plant lies dormant. It’s like a ghost town.”


Pulver und Munitionsfabrik

Eugen Mondt (l.) im Sommer 1925 mit Gottfried Kölwel © Münchner Stadtbibliothek / Monacensia

Eugen Mondt (l.) in the summer of 1925 with Gottfried Kölwel © Münchner Stadtbibliothek / Monacensia

Wasserturm und Wasserleitungen + Water Tower and Mains +

Wasserturm und Wasserleitungen

Water Tower and Mains

Lorem ipsum

Aufnahme aus den 1940er Jahren
© BA Berlin, R 2/28350

Photo from the 1940s
© BA Berlin, R 2/28350

Aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik (1915) stammt die eigenständige Wasserversorgungsanlage des späteren SS-Lagers. Herzstück der Anlage bildeten ein Wasserturm und ein Pumpenhaus, hier zu sehen auf einer Aufnahme aus den 1940er Jahren. Im Turm konnten 100 cbm Trinkwasser und 420 cbm Gebrauchswasser gespeichert werden. Das Wasser wurde über ein Pumpensystem verteilt.

The water supply facility serving the later SS camp was built for the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory (1915). A water reservoir tower and a pump house formed the heart of the facility, seen here on a photo from the 1940s. The tower was able to store 100 m³ drinking water and 420 m³ service water. A pump system distributed the water.

Heizkraftwerk + Heat and Power Station +

Das Heizkraftwerk der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik (1910-1983)

The Heat and Power Station of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory (1910-1983)

Das 1910 errichtete Gebäude diente bis 1983 als Heizkraftwerk für das gesamte Areal der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik und deren Nachnutzungen. Da es ab 1937/38 die ehemalige SS-Kaserne und das Häftlingslager mit Fernwärme und Elektrizität versorgte, ist das Heizkraftwerk auch ein Denkmal aus der Zeit des Konzentrationslagers.

Built in 1910, the building served as a heat and power station for the entire grounds of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory and all its later utilizations until 1983. Because it provided the former SS compound and the prisoner camp with long-distance heating and electricity from 1937/38, the station is also a monument from the time of the concentration camp.

Holländerhalle + Holländer Hall +

Holländerhalle

Holländer hall

Holländerhalle (1915-1933)

Die Holländerhalle während des Zweiten Weltkrieges
© BA Berlin, R 2/28350

The Holländer hall during the Second World War
© BA Berlin, R 2/28350

Die sogenannte Holländerhalle von 1915 war der größte Gebäudekomplex auf dem Gebiet der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik. Die dreischiffige Halle stammt aus der Anfangszeit des Stahlbetonskelettbaus und diente zur Aufnahme der als „Holländer“ bezeichneten Maschinen. Diese wurden benötigt, um Holz und Textilien zu zerfasern. Als bedeutsames Industriedenkmal mit Anklängen an den Jugendstil ist sie heute stark baufällig erhalten und darf nicht mehr betreten werden.


The so-called Holländer hall from 1915 was the largest complex of buildings on the grounds of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory. The three-aisled hall is an early example of precast concrete skeleton construction and served to house the machinery known as “Holländer”, which were used to defiber timber and textiles. An important industrial monument with elements reminiscent of Jugendstil, the hall remains preserved today although in disrepair and may no longer be entered.


Holländerhalle (1915-1933)

Die Holländerhalle 1997
© KZ-Gst. Dachau, Fotograf: A. Knoll

The Holländer hall 1997
© KZ-Gst. Dachau, photographer: A. Knoll

Munitionsbunker + Munitions Bunkers +

Munitionsbunker

Munitions Bunkers

Für die Pulver- und Munitionsfabrik wurden um 1915 neun oder zehn Munitionsbunker erbaut. Detaillierte Angaben können nach der aktuellen Quellenlage nicht gemacht werden. Nach den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags blieben sie nach dem Ersten Weltkrieg ungenutzt. Ab 1940/41 nutzte die Schraubenfabrik Präzifix die Munitionsbunker zur Fertigung von Präzisionsteilen für Flugmotoren. Diese wurden der Messerschmitt AG und der Bayerischen Motorenwerke AG zugeliefert.

Nine or ten munitions bunkers were built around 1915 for the factory. The currently available sources do not allow for any detailed information. In line with the stipulations of the Versailles Peace Treaty, they remained unused after the First World War. From 1940/41 these munitions bunkers were used by the Präzifix screw factory to manufacture precision components for aircraft engines. These were then delivered to the Messerschmitt AG and the Bayerische Motorenwerke AG.

Holländerhalle + Holländer hall +

Holländerhalle (1933-1945)

Holländer hall (1933-1945)

Holländerhalle (1933-1945)

Die Holländerhalle während des Zweiten Weltkrieges
© BA Berlin, R 2/28350

The Holländer hall during the Second World War
© BA Berlin, R 2/28350

Die sogenannte Holländerhalle von 1915 diente der SS als Großgarage und Pferdeställe. Als bedeutsames Industriedenkmal mit Anklängen an den Jugendstil ist sie heute stark baufällig erhalten und darf nicht mehr betreten werden.


The building known as the Holländer hall, completed in 1915, was used by the SS as a large garage and stables. An important industrial monument with typical Jugendstil features, today the building is in a state of disrepair and may not be entered.


Holländerhalle (193-1945)

Die Holländerhalle 1997
© KZ-Gst. Dachau, Fotograf: A. Knoll

The Holländer hall 1997
© KZ-Gst. Dachau, photographer: A. Knoll

1. Häftlingsunterkunft + 1. Prisoner Quarters +

Erste Häftlingsunterkunft (1933)

First Prisoner Quarters (1933)

Nach der Instandsetzung der Licht- und Wasserleitungen wurden Mitte März 1933 die ersten 120 Häftlinge für eine Woche im Gebäude 281 der ehemaligen Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik untergebracht. In dieser kurzen Zeit setzten die Häftlinge zehn ebenerdige, gemauerte Arbeiterbaracken aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik instand. Die Einrichtung für die ersten Häftlinge bestand lediglich aus Strohsäcken, die auf dem Betonfußboden lagen.


After the lighting and water mains were repaired, in mid-March 1933 the first contingent of prisoners, numbering 120, were accommodated for a week in building 281 at the former Royal Gunpowder and Munitions Factory. In just this short period the prisoners had refurbished ten ground-level, brick-built workers’ barracks erected for the munitions factory. The first prisoners slept solely on straw mattresses laid out on the concrete floor.


Heizkraftwerk und Kohlenhof + Heat and Power Station +

Heizkraftwerk und Kohlenhof (1937-1945)

Power Station and Coal Yard (1937-1945)

Heizkraftwerk und Kohlenhof (1937-1945)

Heizkraftwerk und Kohlenhof (1941)
© ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 32

Power station and coal yard (1941)
© ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 32

Das 1910 errichtete Gebäude versorgte auch die ehemalige SS-Kaserne und das Häftlingslager mit Fernwärme und Elektrizität. Bei der Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 kam es auf dem Kohlenhof am Heizkraftwerk zur Erschießung von SS-Wachleuten durch amerikanische Soldaten. Unter dem schockierenden Eindruck der Tausenden Leichen auf dem gesamten Gelände des Häftlingslagers, im Krematoriumsbereich und in vorgefundenen Waggons töteten sie etwa 39 SS-Wachmänner. Die völkerrechtswidrigen Erschießungen wurden von der amerikanischen Armee umgehend vor einem Militärgericht verhandelt.


Built in 1910, the power station also supplied the former SS barracks complex and the prisoner camp with long-distance heating and electricity. During the liberation of the Dachau concentration camp on April 29 1945, American soldiers shot SS guards at the station’s coal yard. Shocked by the thousands of corpses they encountered in the prisoner camp, the crematorium area, and abandoned railroad wagons, they killed 39 SS guards. Contravening international law, the U.S. Army immediately brought the cases before a military court.

Unterkünfte SS-Verfügungstruppe + Quarters of the SS-Verfügungstruppe +

Unterkünfte der SS-Verfügungstruppe (1934-1939)

Quarters of the SS-Verfügungstruppe (1934-1939)

Westlich des Pollnbachs befanden sich aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik eingeschossige Werkstattgebäude. Zwischen 1934 und 1939 entstanden hier Unterkünfte für die SS-Verfügungstruppen, das sogenannte "Übungslager Prittlbach". Während des Zweiten Weltkriegs wurde hier das SS-Lazarett eingerichtet.


Located to the west of the Pollnbach was a single-story workshop from the time of the munitions factory. Quarters for the SS Verfügungstruppen (‘Dispositional Troops’, a special paramilitary unit) were built here between 1934 and 1939, the so-called "Prittlbach training camp". The SS infirmary was located here during the Second World War.


Gleisstück + Rail-Track Section +

Das Gleisstück

The Rail-Track Section

Das KZ Dachau war über ein Nebengleis mit dem Dachauer Bahnhof verbunden. Auf den Schienen, die entlang eines heutigen Fuß- und Radweges an der heutigen Friedensstraße verliefen, wurden während des Krieges Häftlinge mit Güterwaggons in das Lager transportiert. Die Züge endeten im SS-Bereich des KZ Dachau. Der größte Teil der Gefangenen musste vom Bahnhof Dachau zu Fuß entlang der damaligen „Adolf-Hitler-Straße“ (heute: Frühlingsstraße) über die Friedensstraße und „die Straße der SS“ (heute: Straße der KZ-Opfer) in das Lager marschieren. Andere Transporte in das KZ Dachau führte die SS mit Lastwagen durch. Die SS hatte eigens für diese Transporte 1938 die „Lagerstraße“ (heute: Theodor-Heuss-Straße) bauen lassen. Am 29. April 1945 stießen Einheiten der US-Armee auf einen auf dem Gleisstück abgestellten Güterzug, in dem 2.310 Tote lagen. Es handelte sich um einen ,,Evakuierungstransport“ aus dem Konzentrationslager Buchenwald.


The Dachau concentration camp was linked to the Dachau railway station via a sidetrack. During the war prisoners were transported to the camp in goods wagons using this section of track, which ran parallel to the footpath and bicycle track on today’s Friedensstraße. The trains terminated in the SS area of the Dachau concentration camp. The majority of prisoners had to march to the camp from Dachau station, passing through the then „Adolf-Hitler-Straße“ (today: Frühlingsstraße), across Friedensstraße and the „die Straße der SS“ (today: Straße der KZ-Opfer). The SS also used trucks to transport prisoners to the Dachau camp. In 1938 the SS had the „Lagerstraße“ (today: Theodor-Heuss-Straße) specially built for this purpose. On April 29 1945 units of the U.S. Army came across a goods train on this section of track. 2 310 dead were inside. It was an “evacuation transport” from the Buchenwald concentration camp.


Kommandantur + Commandant
Headquarters +

Kommandantur (1933-1941)

Commandant Headquarters (1933-1941)

Kommandantur (1933-1941)

Das Kommandanturgebäude bei der Errichtung des KZ Dachau 1933, SS-Foto
© BA Berlin

The commandant headquarters building in 1933 as the Dachau concentration camp was founded, SS photo
© BA Berlin

Das Gebäude der SS-Kommandantur, des Dienstsitzes des Lagerkommandanten, stammt aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik. Östlich, aber außerhalb des Gebäudes gelegen, ist eine zweischiffige Kellerhalle, die der SS als Kegelbahn diente.

Freizeiteinrichtungen wie die Kegelbahn, sollten den Gemeinschaftssinn innerhalb der SS fördern. Dazu stellten sie einen Versuch dar, die SS-Wachmannschaften an das Konzentrationslager zu binden und die Weitergabe über die Geschehen im Konzentrationslager zu minimieren.

Stark baufällig kann die Kegelbahn heute nicht mehr betreten werden.


The SS headquarters and camp commandant’s office is a building from the period of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory. To the east, but located outside the building, is a two-aisled basement hall that the SS used as a bowling alley.

Recreational facilities like the bowling alley were designed to bolster the sense of community within the SS. They were also an attempt to strengthen the ties of the SS guard squads to the concentration camp and thus prevent news about what was going on in the camp from spreading.

In a state of severe disrepair, entering the bowling alley is no longer permitted.


Kommandantur (1933-1941)

Kegelbahn der Kommandantur (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII

Bowling alley in the commandant headquarters area (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII

Kommandanturbereich + Commandant Headquarters Area +

Kommandanturbereich

Commandant Headquarters

Kommandanturbereich

Luftaufnahme des ehemaligen SS-Kommandanturbereichs nach der Befreiung
© US-Army

Aerial shot of the former SS commandant headquarters after liberation
© US-Army

Im Kommandanturbereich waren die SS-Verwaltung des Lagers, die Politische Abteilung, Werkstätten und die Unterkünfte der Wachmannschaften angesiedelt. Diesem schloss sich der größere Bereich des SS-Übungslagers an. Das zentrale Gebäude des Kommandanturbereiches war die Kommandantur. Sie war die Zentrale der uneingeschränkten Willkür- und Terrorherrschaft im Lager.

Located in the commandant headquarters were the SS administrative offices, the Political Department, various workshops, and the accommodation of the guard squads. It adjoined the larger area of the SS training camp. The main building in these headquarters was the commandant’s office. It was the hub of the unlimited reign of terror in the camp.


Auf dem Luftbild aus den 1950er Jahren sind drei große Hallen aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik zu erkennen. Ab März 1933 wurden in den Hallen die Hauptwache der SS, Garagen der SS-Fahrbereitschaft, eine Großbäckerei, die Häftlingsküche und verschiedene Werkstätten und SS-eigene Betriebe wie eine Schlosserei, Metzgerei, Schneiderei, Sattlerei und eine Schusterwerkstatt eingerichtet. Häftlinge wurden in allen Arbeitsbereichen eingesetzt. Auch der Schubraum, wo die Gefangenen der demütigenden Einlieferungsprozedur unterworfen wurden, befand sich bis zur Erweiterung des Konzentrationslagers (1937/38) in einer der Hallen. Zwei Hallen wurden in den 1980er Jahren abgerissen und zu dem heute noch vorhandenen Erdwall angehäuft.

On the aerial photograph from the 1950s it is possible to recognize three large halls from the time of the munitions factory. Located in these halls from March 1933 were: the main guardhouse of the SS, the garages of the SS motor pool, a large bakery, the prisoner kitchen, as well as various workshops and SS enterprises such as a metalworking shop, a butchery, a tailor workshop, a saddlery, and a shoemaker’s workshop. Prisoners were deployed in all these work areas. The shuntroom, where the prisoners were subjected to the humiliating arrival procedure, was also located in one of the halls until the concentration camp was enlarged (1937/38). Two of the halls were demolished in the 1980s and an earth wall piled up, still present today.

Eingang SS-Übungslager + Entrance to the SS Training Camp +

Eingang SS-Übungslager

Entrance to the SS Training Camp

Westliches Eingangstor zum SS-Übungslager nach der Befreiung.

Westliches Eingangstor zum SS-Übungslager nach der Befreiung
© KZ-Gst. Dachau

Western entrance gate to the SS training camp after liberation
© KZ-Gst. Dachau


SS-Übungslager

SS-Übungslager (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII

SS Training Camp (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII


Postkarte mit SS-Übungslager aus dem Jahr 1938.

Postkarte mit SS-Übungslager aus dem Jahr 1938
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 363

Post card of the SS Training Camp (1938)
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 363


Das SS-Übungslager diente der ideologischen und militärischen Schulung der SS-Angehörigen. Dieser Bereich und das eigentliche Konzentrationslager bildeten formal getrennte Bereiche auf dem Gesamtgelände des KZ Dachau. Die SS-Einheiten des SS-Übungslagers gehörten, wie das KZ-Personal ab 1939/40 zur Waffen-SS.


The SS training camp is where members of the SS received ideological and military instruction. This camp and the actual concentration camp were two formally separate areas making up the grounds of the Dachau concentration camp. The SS units stationed in the training camp were, like the concentration camp personnel, were attached to the Waffen-SS as of 1939/40.


Maschinengewehrtürme
mit Scheinwerfern +
Machinegun Towers
with Searchlights +

Bewachungsanlage (1933)

Guard Installations (1933)

Bewachungsanlage

Plan des ersten Häftlingslagers mit farbiger Kennzeichnung der Bewachungsanlagen im Jahr 1933 © BayKA

Plan of the first prisoner camp with the guard installations marked in color, 1933 © BayKA


Das Konzentrationslager von 1933 war von einer etwa drei Meter hohen stacheldrahtbewehrten Mauer umgeben. Diese Mauer umschloss das Häftlings- wie das SS-Lager. Zudem waren die Häftlingsunterkünfte mit einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun und einem Lattenzaun umgrenzt. Vier mit Maschinengewehrständen und Schweinwerfern bestückte Wachtürme umgaben den Häftlingslagerbereich. Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung des KZ Dachau ab 1937 erfolgte der Abriss und Neubau der Wachtürme und der Sicherungsanlagen im Häftlingslagerbereich.


Häftlingsunterkünfte +
Prisoner Quarters +

Die Unterbringung der Häftlinge 1933-1937

Accommodating the Prisoners 1933-1937

Häftlingsunterkünfte

Die Baracken des ersten Lagers, NS-Propagandafotografie
© KZ-Gst. Dachau

The barracks of the first camp, Nazi propaganda photo
© KZ-Gst. Dachau

Von 1933 bis 1937 waren die Häftlinge in zehn ebenerdigen, gemauerten Arbeiterbaracken aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik untergebracht. Die Instandsetzungsarbeiten hatten die ersten 120 Häftlinge Mitte März 1933 leisten müssen. Jede Baracke war in fünf Stuben aufgeteilt, die zugleich als Aufenthalts- und Schlafraum dienten. Die Häftlingsunterkünfte wurden mit dreistöckigen Bettgestellen, langen Tischen und Stühlen ausgestattet. Noch hatte jeder Häftling eine eigene Schlafstelle und einen Platz am Tisch.


From 1933 to 1937 the prisoners were accommodated in ten ground-level, brick workers’ barracks from the time of the munitions factory. The first 120 prisoners were forced to do the necessary refurbishing work in mid-March 1933. Each barrack was divided into five rooms, which served both as living and sleeping quarters. The prisoner quarters were furnished with triple-bunk beds, long tables, and stools. Each prisoner still had his own sleeping spot and a place at a table.


Häftlingsunterkünfte

Das Innere der Baracken des ersten Lagers, NS-Propagandafotografie
© KZ-Gst. Dachau

The interior of the barracks of the first camp, Nazi propaganda photo
© KZ-Gst. Dachau


Häftlingsunterkünfte

Baracken 6 und 7 des ersten Lagers, NS-Propagandafotografie
© KZ-Gst. Dachau

Barracks 6 and 7 of the first camp, Nazi propaganda photo
© KZ-Gst Dachau

Augenzeugenbericht von Ludwig Schecher

Eyewitness Account Ludwig Schecher

„Die Baracken hatten Betonböden, die mit großen Holzrosten bedeckt waren. Jede Baracke war in fünf Räume abgeteilt, die zugleich als Wohn- und Schlafräume für je etwa fünfzig Häftlinge dienten. Dreistöckige primitiv gezimmerte Bettgestelle trugen die Strohsäcke. Es gab keine Schränke. Bekleidungsstücke, Handtücher, Emailgeschirre waren in offenen Regalen untergebracht.“

„Rückblick auf Dachau“, Häftlingsbericht von Ludwig Schecher, 1960er-Jahre (Auszug).

Der Jurist Ludwig Schecher lebte in den 1930er Jahren in München. Von 1935 bis 1945 war als „Schutzhäftling“ in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg. Am 29. April 1945 erlebte er seine Befreiung im KZ Dachau. Von 1945 bis 1947 war Ludwig Schecher der erste Landrat im Landkreis Kehl am Rhein. Er starb im Jahr 1954 in München.


“The barracks had concrete floors which were covered with large wooden grates. Every barrack was divided into five rooms, and they served as living and sleeping quarters for around fifty prisoners in each. Three-tiered bunks, primitively made, with straw mattresses on them. There weren’t any lockers. Clothes, towels, enamel dishes were stored on open shelves.”

„Rückblick auf Dachau“, report of Ludwig Schecher, 1960er-Jahre (excerpt).

Ludwig Schecher, a lawyer, lived in Munich during the 1930s. From 1935 to 1945 he was detained in the Dachau and Flossenbürg concentration camps as a “protective custody” prisoner. He was liberated on April 29 1945 while in Dachau. From 1945 to 1947 Ludwig Schecher served as district commissioner for Kehl am Rhein. He died in Munich in 1954.


Funktionsgebäude Nord + Functional Building North +

Funktionsgebäude Nord

Functional Building North

Werkstätten der Deutschen Ausrüstungswerke (DAW)


Workshops of the “Deutsche Ausrüstungswerke” (DAW)


Lagergefängnis / Bunker (1933 bis 1937) Camp Prison / the Bunker (1933 to 1937)

Lagergefängnis / Bunker (1933 bis 1937)

Camp Prison / the Bunker (1933 to 1937)

Zu den ersten Maßnahmen der SS nach der Gründung des KZ Dachau gehörte die Errichtung eines Lagergefängnisses im ehemaligen Toilettentrakt der Pulver- und Munitionsfabrik, das die Häftlinge Bunker nannten. Da schon im Herbst 1933 der erste improvisierte Bunker unzureichend war, wurde mit dem Bau eines zusätzlichen Lagergefängnisses mit 20 Zellen begonnen. Dieses lag nicht im Häftlingslager, sondern im Bereich des SS-Areals. Hier konnte die SS ohne Zeugen missliebige Häftlinge foltern und morden. Die Häftlinge im Bunker befanden sich in Einzelhaft, bei eingeschränkter Verpflegung. Es ist belegt, dass manche Häftlinge elf Monate in verdunkelten und unbeheizten Zellen eingesperrt waren. Die Ernährung bestand in der Regel aus einem Brot, das für Tage reichen musste. Nur jeden vierten Tag erhielten die Arrestgefangenen die gleiche Lagermahlzeit, wie die übrigen Gefangenen. Ab Juni 1933 wurden die Häftlinge zusätzlich mit einem Fuß an schwere Eisenketten gefesselt.


One of the first measures taken by the SS after the founding of the Dachau concentration camp was to set up a camp prison in the former toilet block of the munitions factory. The prisoners called it the bunker. Already in the fall of 1933, as the first improvised bunker was proving inadequate, building work began on an additional camp prison with 20 cells. This was not located in the prisoner camp but in the SS area. Here the SS could torture and murder prisoners without any witnesses. The prisoners in the bunker were kept in solitary confinement and received limited rations. There is evidence that some prisoners were locked up in darkened and unheated cells for eleven months. They were generally given only bread to eat and this had to last for days. The detention prisoners received the same camp meal as the other prisoners only every fourth day. From June 1933 the prisoners were bound on one foot to heavy iron chains.


Bericht von Ludwig Göhring über seinen Arrest im Bunker

Ludwig Göhring on his detention in the bunker


Der im September 1933 internierte Häftling Ludwig Göhring schildert seinen Arrest im Bunkerbau, nachdem er durch die SS misshandelt wurde: „Ich kam in die Zelle […] auf der Pritsche gab es keinen Strohsack, gegenüber der Türseite oben unter der Decke gab es eine Luke mit Bretterverschlag. Nachdem das Licht ausgegangen war, stand ich in totaler Finsternis. […] Solange das Licht brannte, konnte ich mich im Wasserspiegel [des Kruges] sehen. Nach etwa acht Tagen konnte ich feststellen, dass meine bis dahin verschobenen Gesichtszüge wieder normale Form annahmen. Die Trommelfelle ließen allerdings, beim Schnauben Luft durch; sie waren demnach zerfetzt. Einige Zähne wackelten. […] Das Kommissbrot machte ich essbar, indem ich es in Wasser aufweichte. So gestaltete sich der Alltag in der Zelle.“


Interned in September 1933, the prisoner Ludwig Göhring describes his detention in the bunker after he had been beaten by the SS: “I entered the cell […] there wasn’t a straw mattress on the plank bed, opposite the door, underneath the ceiling, was a boarded-up skylight. After lights out I stood there in total darkness. […] As long as the lights were on outside I could see my reflection in the water [of the jug]. After about eight days I could make out that my distorted facial features were returning to normal. My eardrums though let air through whenever I snorted; they were obviously mangled. A few of my teeth were loose. […] I softened the dark-rye army bread in water so that I could eat it. That was life in the cell, day in, day out.”


Funktionsgebäude Ost + Functional Building East +

Speiseraum

Dining Room

Siehe Markierung in der Karte


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Aborte

Toilets

Siehe Markierung in der Karte


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Kommandanturbereich - Politische Abteilung

Commandant Headquarters – Political Department

Kommandanturbereich - Politische Abteilung

Blick vom Jourhaus in den Kommandanturbereich. Links das Gebäude der Gestapo
© KZ-Gst. Dachau

View from the Jourhaus into the commandant headquarters. The Gestapo building is on the left © KZ-Gst. Dachau

Die Politische Abteilung leitete als Außenstelle der Politischen Polizei die Registrierung der Häftlinge und verwaltete die Häftlingsakten. Sie unterstand der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Unter Einsatz von Folter führte sie Vernehmungen durch. Die Politische Abteilung hatte ein Vernehmungszimmer im Jourhaus. Dazu befand sich vor dem Eingang des Jourhauses eine lang gestreckte, parallel zur Würm verlaufende Baracke für die Registrierung der Häftlinge. Die Baracke der Politischen Abteilung wurde vermutlich zwischen 1978 und 1982 abgerissen. Den Standort der ehemaligen Politischen Abteilung kennzeichnen seit 2005 Eisenwinkel, die im Boden eingelassen sind.


The Political Department, a branch office of the Political Police, was responsible for registering the prisoners and administering the prisoner files. It was under the authority of the Secret State Police (the Gestapo). The Department conducted interrogations, using torture. An interrogation room was in the Jourhaus. There was also, in front of the entrance to the Jourhaus, a long barrack running parallel to the Würm, used to register prisoners. The barrack of the Political Department was demolished presumably between 1978 and 1982. The location of the former Political Department is marked since 2005 by angle irons embedded in the ground.


Häftlingsküche mit Keller

Prisoner Kitchen with Basement

Siehe Markierung in der Karte


See marker on the map


Funktionsgebäude West + Functional Building West +

SS-Bereich: Lagerbäckerei

SS-Area: Camp Bakery

SS-Bereich: Lagerbäckerei

SS-Wirtschaftsbetriebe (1941). In diesem Fabrikgebäude befand sich auch die Lagerbäckerei © ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 43

SS Economic Enterprises (1941). The camp bakery was located in this factory buildind © ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 43

Die Lagerbäckerei befand sich in einem Gebäude, das schon 1916 errichtet und als Fabrikationshalle genutzt wurde. Eine Besonderheit waren zwei gegenüberliegende Tore, die eine Durchfahrt durch die Halle ermöglichten. Ab 1934 wurde die Halle als Lagerbäckerei genutzt, die auch die SS-Einheiten versorgte. 1938 wurde die Bäckerei ein direkter Bestandteil des Lagers. Ab dem 13. Oktober 1941 gehörte der Betrieb zur Deutschen Lebensmittel GmbH und versorgte den gesamten SS-Stützpunkt und das Häftlingslager. Die Backleistung erreichte einen immer größeren Umfang: Im September 1941 betrug die monatliche Backleistung 143.000 Brote. Im Herbst 1944 wurden täglich 20.000 Brote produziert.


The camp bakery was located in a building from 1916 that was used as a manufacturing hall. One special feature were the two gates at the opposite ends of the hall which allowed vehicles to drive in and out. The hall was turned into the camp bakery in 1934. It also supplied the SS units. In 1938 the bakery was integrated fully into the camp. As of October 13 1941 it was owned by the Deutschen Lebensmittel GmbH and supplied the entire SS base and the prisoner camp. Production increased continuously: in September 1941 the monthly output was 143000 loaves; in the fall of 1944 20000 loaves were produced daily.


SS-Bereitschaft mit Küche, Kantine und Speiseraum für die SS

Standby Guard Facilities with Kitchen, Canteen, and Dining Room for the SS

Siehe Markierung in der Karte

See marker on the map


Hauptwache + SS Main
Guardhouse +

SS-Hauptwache (1935)

SS Main Guardhouse (1935)

SS-Bereich: Lagerbäckerei

SS-Hauptwache. Foto: SS-Propagandafoto (ca. 1939) © Yad Vashem

SS main guardhouse. Photo: SS propaganda photo (ca. 1939) © Yad Vashem

Die SS-Hauptwache bildete seit 1935 den äußeren Zugang zum KZ Dachau und zum SS-Kommandanturbereich. Dieser war seit 1936 durch eine Mauer vom SS-Übungslager getrennt. Das Torgebäude ist heute nicht mehr erhalten. Bei den Bauarbeiten für das Besucherzentrum konnten im Jahr 2008 Fundamente und der historische Straßenbelag der ehemaligen Tordurchfahrt freigelegt werden.


From 1935 the SS main guardhouse was the entrance to the Dachau concentration camp and the SS commandant headquarters. The latter area was separated from the SS training camp by a wall in 1936. The gate building is not preserved today. During construction work on the Visitors' Center in 2008, the foundations and the original road surface of the former gate thoroughfare were uncovered.


Jourhaus +
Jourhaus +

Jourhaus

Jourhaus

Jourhaus

Blick von der Westseite Mai 1945 © KZ-Gst. Dachau

View from the western side, May 1945 © KZ-Gst. Dachau

Das 1936 errichtete Jourhaus war der Ein- und Ausgang des Häftlingslagers und das Dienstgebäude der Lager-SS. Das Gebäude mit dem schmiedeeisernen Tor und der Inschrift „Arbeit macht frei“ war aus Sicht der Häftlinge die passierbare Grenze zwischen dem „Innen“ und „Außen“. Es verband das Häftlingslager mit dem SS-Lager.
Im oberen Stockwerk des Hauses befanden sich der Büroraum des Schutzhaftlagerführers, der das Häftlingslager leitete, sowie Räume der Politischen Abteilung, die für Vernehmungen und Strafen zuständig waren. Im Erdgeschoss waren die Diensträume der Rapportführer, die den Appell und Häftlingsstand überwachten, der Blockführer, in deren Verantwortung die einzelnen Wohnbaracken fielen und der für die Bewachung zuständige Postenführer untergebracht.


Built in 1936, the Jourhaus was the entrance and exit to the prisoner camp and the service building for the camp SS. With its wrought-iron gate and the inscription “Arbeit macht frei”, in the eyes of the prisoners it marked the boundary between “inside” and “outside”. The building connected the prisoner camp with the SS camp. Located on the upper floor were the office of the protective custody camp leader, who was responsible for running the prisoner camp, and rooms used by the Political Department, responsible for interrogations and imposing punishments. On the ground floor were the offices of the report leader, who was in charge of roll call and monitoring prisoner numbers, the block leader, responsible for the prisoner barracks, and the guard squad leader.

Jourhaus

Blick vom Appellplatz Mai 1945 © V.Balon

View from the roll call area, May 1945 © V.Balon

Jourhaus

Blick vom Bunker Mai 1945 © V.Balon

View from the bunker, May 1945 © V.Balon


Augenzeugenbericht von Edgar Kupfer-Koberwitz

Eyewitness account by Edgar Kupfer-Koberwitz

Die Lüge am Tor

„Arbeit macht frei –„ ist mitten im Tor
in Eisen geschmiedet zu sehn, -
die Augen halten staunend davor,
jedes Mal wenn durchs Tor wir gehen. -

Arbeit macht frei, - so lügen sie,
Arbeit macht frei, - so trügen sie,
Arbeit macht frei, - so prahlen sie,
Arbeit macht frei, - doch zahlen sie,
Arbeit mit Tod zurück. –

Arbeit macht frei, - das ist ein Hohn,
Arbeit macht frei, o Deutschlands Sohn,
Arbeit macht hier nicht frei! –

So sei es doch, was alle sehn.
„Der Tod macht frei! –„ das sollte stehn:
„= Tod löst die Tyrannei! =“


Edgar Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher. Die Aufzeichnungen des Häftlings 24814, München 1997, S. 540.

The Lies in the Gate

“Work sets one free” is in the middle of the gate
To see forged in iron, -
Wide-eyed we stare
Every time we go through the gate.

Work sets one free, - so they lie
Work sets one free, - so they deceive
Work sets one free, - so they boast
Work sets one free, - but they pay
Work back with death.

Work sets one free, - oh what a taunt,
Work sets one free, - oh Germany’s son,
Here work doesn’t set one free!

At least see it as it is,
“Death sets one free!” – should stand:
“= death releases from tyranny!=”


Edgar Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher. Die Aufzeichnungen des Häftlings 24814, München 1997, p. 540.


SS-Siedlung & "Theodor-Eicke-Platz" + SS Residential Estate & "Theodor-Eicke-Platz" +

SS-Siedlung & "Theodor-Eicke-Platz"

SS Residential Estate & "Theodor-Eicke-Platz"

Die SS-Siedlung an der „Straße der SS“

The SS Residential Estate on the “Straße der SS”


Die SS-Siedlung an der „Straße der SS“

Die SS-Siedlung „Straße der SS“ (1938-41), SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 687


The SS residential estate “Straße der SS” (1938-41), SS photographer Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 687

An der heutigen Straße der KZ-Opfer, in der NS-Zeit „Straße der SS“ befanden sich wie am „Theodor-Eicke-Platz“ Wohnhäuser der SS-Angehörigen und ihrer Familien. Einige Gebäude stammen aus dem Ersten Weltkrieg; zusätzliche Bauten mussten Häftlinge für die SS errichten.
Die Siedlung befand sich in der NS-Zeit außerhalb des Lagergeländes und war öffentlich zugänglich.
Nach der Befreiung wurden die heute noch sichtbaren Häuser von der US-Armee genutzt. Heute sind sie Dienstgebäude der Bayerischen Bereitschaftspolizei und nicht frei zugänglich.

Located on today’s Straße der KZ-Opfer, which was called “Straße der SS” in the Nazi period, were – as on “Theodor-Eicke-Platz” – residential houses for members of the SS and their families. Some of these buildings were built during the First World War; prisoners were forced to build additional housing for the SS.
The estate was outside the camp grounds in the Nazi years and accessible to the general public.
After liberation, the houses still visible today were used by the U.S. Army. They are currently used as service buildings by the Bavarian Riot Police and are out of bounds to the general public.



Die SS-Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz“

The SS residential estate on “Theodor-Eicke-Platz”


SS-Bereich: Die SS-Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz

Postkarte „Dachau, Eicke-Platz“, Poststempel von 1941
© StadtA Dachau


Postcard “Dachau, Eicke-Platz”, postmark 1941
© StadtA Dachau

Die Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz“ wurde von KZ-Häftlingen erbaut. Neben Wohnhäusern umfasste sie eine Bäckerei, einen Laden, eine Gastwirtschaft, eine Poststelle und das Gemeinschaftshaus mit Veranstaltungsräumen. Benannt war der Platz nach dem zweiten Lagerkommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke. Er hatte maßgeblich Anteil daran, dass das KZ Dachau zum Modell für die späteren Konzentrationslager wurde.

Die Siedlung lag außerhalb des ummauerten KZ-Bereichs und war öffentlich zugänglich. 1937 richtete die Stadt Dachau eine eigene Buslinie vom Bahnhof zum Konzentrationslager ein.

In den 1980er Jahren wurden die Gebäude abgerissen und mit neuen Wohnhäusern überbaut. Nur im Nordwesten sind noch Reste alter Bordsteine des ursprünglichen Platzes erhalten.

The residential estate on “Theodor-Eicke-Platz” was built by concentration camp prisoners. Besides residential buildings, it included a bakery, a general store, an inn, a post office, and a community center with rooms for holding events. The square was named after the second camp commandant of Dachau, Theodor Eicke. He was instrumental in turning the Dachau concentration camp into the model for later concentration camps.

The estate was located outside the SS area and was accessible to the general public. In 1937 the City of Dachau authority introduced a bus line connecting the rail station to the concentration camp.

In the 1980s the buildings were demolished and replaced by new residential buildings. The only remains are those of the old curbs of the original square in the northwest corner.



„Theodor-Eicke-Platz“

„Theodor-Eicke-Platz“


Theodor-Eicke-Platz

Der „Theodor-Eicke-Platz" von Westen aus. Links die Hauptwache. SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 695

“Theodor-Eicke-Platz” from the west. To the left the main guardhouse. SS photographer Friedrich Franz Bauer © StadtA Dachau, Slg. Postkarten 695

Der „Theodor-Eicke-Platz“ war benannt nach dem zweiten Kommandanten des KZ Dachau. Alte Aufnahmen lassen einen weitläufigen, begrünten Platz erkennen. Der Platz wurde zivil von den anwohnenden SS-Angehörigen und ihren Familien genutzt. Heute ist der Platz überbaut. Er befand sich unweit des heutigen Besucherzentrums der KZ Gedenkstätte Dachau, ungefähr an der Straßenkreuzung Pater-Roth-Straße und Pfarrer-Lechner-Weg.

The “Theodor-Eicke-Platz” was named after the second commandant of the Dachau concentration camp. Old photographs show a spacious, greened square. The square was used by members of the SS and their families who lived nearby. Today the square is built over. It was located not far from the Visitor Center in the Dachau Memorial Site, roughly at the intersection between Pater-Roth-Straße and Pfarrer-Lechner-Weg.


Lagerbücherei + Camp Library +

Lagerbücherei 1933–1937

Camp Library 1933–1937

Lagerbücherei

Bücherausweis vom Häftling Michael Rauch, 1933/34
© KZ-Gst. Dachau

Library card of the prisoner Michael Rauch, 1933/34
© KZ-Gst. Dachau


Die ersten Häftlinge brachten bei ihrer Einlieferung in das Konzentrationslager auch Bücher mit. Anfangs war der individuelle Besitz von Büchern die einzige Gelegenheit, an Lesestoff zu kommen. Dazu war es möglich, dass Angehörige Bücher ins Lager schicken konnten, die allerdings von der SS zensiert wurden. Auf Vorschlag des Häftlings Heinrich Bergmann wurde in der zweiten Jahreshälfte 1933 in der Baracke 10 eine Lagerbücherei eröffnet. Der Dachauer Pfarrer Pfanzelt stiftete eine größere Anzahl religiöser Schriften. Schließlich waren es die Häftlinge selbst, die Unterhaltungsromane, Klassiker und Reiseliteratur sowie wissenschaftliche Fachbücher sammelten. Die Lagerleitung steuerte Standardwerke der NS-Ideologie bei. Der Ausleihbetrieb ermöglichte eine verdeckte Kontaktaufnahme unter den Häftlingen. Jedoch blieb den jüdischen Häftlingen prinzipiell der Zutritt versagt. Nach dem Umbau des Lagers zog die Bücherei in die Baracke A. Die alte Lagerbücherei von 1933 ist nicht mehr erhalten.


The first prisoners interned in the concentration camp brought books with them. At first, owning books was the only chance the prisoners had to read. It was possible to have relatives send books to the camp; these had to pass through an SS censor however. Following a suggestion by the prisoner Heinrich Bergmann, a camp library was opened in barrack 10 in the second half of 1933. The Dachau parish priest, Father Pfanzelt, donated a large number of religious works. Ultimately, it was the prisoners who collected the light novels, the classics, and travel literature as well as science books. The camp leadership contributed standard works of Nazi ideology. Borrowing from the library enabled the prisoners to covertly establish contact with one another. Jewish prisoners were principally denied access however. After the renovation work on the camp was finished, the library moved into barrack A. The old camp library from 1933 is no longer preserved.


Kaserne + Barracks Complex +

Sanierte und neue Gebäude 1936

Redeveloped and New Buildings 1936

Kaserne

Die 1936 erbaute Kaserne
© BA Berlin/R 2/28350

The barracks complex built in 1936
© BA Berlin/R 2/28350


1936 entstanden für die SS-Totenkopfverbände eine neue Kaserne mit L-förmigem Grundriss, eine Großküche mit Speisesaal für 1.200 Personen, Mannschaftsheime mit Kantine sowie Bäder, eine Friseurstube und Verwaltungsbüros. Am 25. März 1936 weihte Heinrich Himmler die Anlage ein.


In 1936 a new barracks complex with an L-shaped layout, a large kitchen with a dining hall seating 1 200 persons, enlisted clubs with messes, as well as bathhouses, barber shops, and administrative offices were built for the SS Death’s Head Units. The complex was officially opened by Heinrich Himmler on March 25 1936.


SS-Schwimmbad + SS Swimming Baths +

SS-Schwimmbad

SS Swimming Baths

SS-Schwimmbad

Das Schwimmbad innerhalb des SS-Bereichs (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37-1, Nr. 44

The swimming pool within the SS area (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37-1, Nr. 44


Kommandanturbereich + Commandant Headquarters Area +

Kommandanturbereich

Commandant Headquarters Area

Kommandanturbereich

Luftaufnahme des ehemaligen SS-Kommandanturbereichs nach der Befreiung
© US-Army

Aerial shot of the former SS commandant headquarters after liberation
© US-Army

Im Kommandanturbereich waren die SS-Verwaltung des Lagers, die Politische Abteilung, Werkstätten und die Unterkünfte der Wachmannschaften angesiedelt. Diesem schloss sich der größere Bereich des SS-Übungslagers an. Das zentrale Gebäude des Kommandanturbereiches war die Kommandantur. Sie war die Zentrale der uneingeschränkten Willkür- und Terrorherrschaft im Lager.

Located in the commandant headquarters were the SS administrative offices, the Political Department, various workshops, and the accommodation of the guard squads. It adjoined the larger area of the SS training camp. The main building in these headquarters was the commandant’s office. It was the hub of the unlimited reign of terror in the camp.


Auf dem Luftbild aus den 1950er Jahren sind drei große Hallen aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik zu erkennen. Ab März 1933 wurden in den Hallen die Hauptwache der SS, Garagen der SS-Fahrbereitschaft, eine Großbäckerei, die Häftlingsküche und verschiedene Werkstätten und SS-eigene Betriebe wie eine Schlosserei, Metzgerei, Schneiderei, Sattlerei und eine Schusterwerkstatt eingerichtet. Häftlinge wurden in allen Arbeitsbereichen eingesetzt. Auch der Schubraum, wo die Gefangenen der demütigenden Einlieferungsprozedur unterworfen wurden, befand sich bis zur Erweiterung des Konzentrationslagers (1937/38) in einer der Hallen. Zwei Hallen wurden in den 1980er Jahren abgerissen und zu dem heute noch vorhandenen Erdwall angehäuft.

On the aerial photograph from the 1950s it is possible to recognize three large halls from the time of the munitions factory. Located in these halls from March 1933 were: the main guardhouse of the SS, the garages of the SS motor pool, a large bakery, the prisoner kitchen, as well as various workshops and SS enterprises such as a metalworking shop, a butchery, a tailor workshop, a saddlery, and a shoemaker’s workshop. Prisoners were deployed in all these work areas. The shuntroom, where the prisoners were subjected to the humiliating arrival procedure, was also located in one of the halls until the concentration camp was enlarged (1937/38). Two of the halls were demolished in the 1980s and an earth wall piled up, still present today.

Appellplatz + Roll Call Area +

Appellplatz

Appellplatz

Kommandanturbereich

Illegal von Jean Brichaux gemachte Aufnahme des Appellplatzes bei der Ankunft eines französischen Häftlingstransports im Jahr 1944.
© KZ-Gst. Dachau

Secretly taken photo of the roll call area by Jean Brichaux during the arrival of a French prisoner transport in 1944.
© KZ-Gst. Dachau

Der ehemalige Appellplatz erstreckt sich heute zwischen dem Internationalen Mahnmal des Künstlers Nandor Glid und den beiden rekonstruierten Baracken. Der Platz wurde gemäß dem Zustand des Appellplatzes nach der Vergrößerung des Lagers 1937/38 rekonstruiert. Die Fläche konnte 40.000 bis 50.000 Menschen fassen und diente vor allem den morgendlichen und abendlichen Häftlingsappellen. Ebenso wurden auf dem Appellplatz öffentliche Strafen vollzogen und die Häftlinge zur Arbeit eingeteilt. In den letzten Monaten vor der Befreiung des Konzentrationslagers trafen in Dachau große Gefangenentransporte ein. Viele der kranken und erschöpften Häftlinge starben auf dem Appellplatz.

The former roll call area is today located between the International Monument by the artist Nandor Glid and the two reconstructed barracks. The area was reconstructed in accordance with the layout after the enlargement of the camp in 1937/38. Capable of holding between 40,000 and 50,000 persons, the area was mainly used for the morning and evening roll calls of the prisoners. Corporeal punishment was also meted out in full view of the other prisoners, while the prisoners were divided into their work details here. Large prisoner transports arrived in Dachau during the months prior to the liberation of the concentration camp. Many of the ill and exhausted prisoners died on the roll call area.


Lagerstraße + Camp Road +

Häftlingslager-Lagerstraße (1937 bis 1945)

Camp Road (1937 to 1945)

Häftlingslager-Lagerstraße (1937 bis 1945)

NS-Propagandafoto von Häftlingskolonen auf der Lagerstraße 1938 © BA Koblenz, Film 152-23-20

Nazi propaganda photo of prisoner columns on the camp road 1938 © BA Koblenz, Film 152-23-20

Die Lagerstraße war die Hauptverbindung zwischen den Unterkunftsbaracken und dem Appellplatz. Rechts und links der Lagerstraße erstreckten sich die Baracken. Die Lagerstraße war so konzipiert worden, dass beim Antreten der Häftlinge zwei Blocks in Zehnerreihen gleichzeitig nebeneinander her marschieren konnten. In den wenigen freien Stunden konnten sich Häftlinge aus verschiedenen Baracken treffen und Informationen austauschen. Der „Geist der Lagerstraße“, wie es die Häftlinge ausdrückten, war ein Symbol für die Solidarität unter den Gefangenen, die sich trotz der allgegenwärtigen Gewalt entwickelte. In Erinnerung an den Terror bei der Errichtung der Straße 1938, wurde die Lagerstraße unter den Häftlingen auch „Blutstraße“ genannt. Die Betonfundamente und Nummern aus den 1960er Jahren kennzeichnen die Umrisse und Nummerierung der ehemaligen Häftlingsbaracken aus der Zeit nach dem Um- bzw. Neubau des Lagers 1937/38.

The camp road was the main link between the accommodation barracks and the roll call area. The barracks lined the camp road to the left and right. The road was planned to be wide enough so that the prisoners could fall into two blocks of rows of ten which could then march alongside one another. In the few hours of free time they had, the prisoners from the different barracks could met here and exchange information. The “spirit of the camp road”, as the prisoners called it, was a symbol of the solidarity that developed amongst them despite the ever-present violence. In remembrance of the terror imposed while being built in 1938, the prisoners called it the “blood street.” The concrete foundations and numbers from the 1960s mark the outlines and numbering of the former prisoner barracks after the rebuilding and redevelopment of the camp in 1937/38.


Holländerhalle + Holländer hall +

Holländerhalle (1933-1945)

Holländer hall (1933-1945)

Holländerhalle (1933-1945)

Die Holländerhalle während des Zweiten Weltkrieges
© BA Berlin, R 2/28350

The Holländer hall during the Second World War
© BA Berlin, R 2/28350

Die sogenannte Holländerhalle von 1915 diente der SS als Großgarage und Pferdeställe. Als bedeutsames Industriedenkmal mit Anklängen an den Jugendstil ist sie heute stark baufällig erhalten und darf nicht mehr betreten werden.


The building known as the Holländer hall, completed in 1915, was used by the SS as a large garage and stables. An important industrial monument with typical Jugendstil features, today the building is in a state of disrepair and may not be entered.


Holländerhalle (193-1945)

Die Holländerhalle 1997
© KZ-Gst. Dachau, Fotograf: A. Knoll

The Holländer hall 1997
© KZ-Gst. Dachau, photographer: A. Knoll

Heizkraftwerk und Kohlenhof + Power Station and Coal Yard +

Heizkraftwerk und Kohlenhof (1937-1945)

Power Station and Coal Yard (1937-1945)

Heizkraftwerk und Kohlenhof (1937-1945)

Heizkraftwerk und Kohlenhof (1941)
© ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 32

Power station and coal yard (1941)
© ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 32

Das 1910 errichtete Gebäude versorgte auch die ehemalige SS-Kaserne und das Häftlingslager mit Fernwärme und Elektrizität. Bei der Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 kam es auf dem Kohlenhof am Heizkraftwerk zur Erschießung von SS-Wachleuten durch amerikanische Soldaten. Unter dem schockierenden Eindruck der Tausenden Leichen auf dem gesamten Gelände des Häftlingslagers, im Krematoriumsbereich und in vorgefundenen Waggons töteten sie etwa 39 SS-Wachmänner. Die völkerrechtswidrigen Erschießungen wurden von der amerikanischen Armee umgehend vor einem Militärgericht verhandelt.


Built in 1910, the power station also supplied the former SS barracks complex and the prisoner camp with long-distance heating and electricity. During the liberation of the Dachau concentration camp on April 29 1945, American soldiers shot SS guards at the station’s coal yard. Shocked by the thousands of corpses they encountered in the prisoner camp, the crematorium area, and abandoned railroad wagons, they killed 39 SS guards. Contravening international law, the U.S. Army immediately brought the cases before a military court.

SS-Lazarett + SS-Infirmary +

SS-Lazarett

SS-Infirmary

SS-Bereich: Lazarett

SS-Lager, Lazarettanlage
© BA Berlin, R 2/28350

SS camp, infirmary
© BA Berlin, R 2/28350

Westlich des Pollnbachs gelegen befand sich das Lazarett der SS in den Werkstattgebäuden der ehemaligen Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik. Mit zunehmender Kriegsdauer wurde es vergrößert und erstreckte sich über fast sämtliche Gebäude westlich des Pollnbachs. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte auch die US-Armee das ehemalige SS-Lazarett. Zunächst wurden hier kranke ehemalige KZ-Häftlinge behandelt, später auch deutsche Kriegsgefangene.


The SS infirmary was located to the west of the Pollnbach in the workshop buildings of the former munitions factory. It was enlarged as the war progressed and eventually included almost all of the buildings to the west of Pollnbach. After the Second World War, the U.S. Army also used the former SS infirmary. At first, ill former concentration camp prisoners received treatment, later German prisoners of war.


Gleisstück + Rail-Track Section +

Das Gleisstück

The Rail-Track Section

Das KZ Dachau war über ein Nebengleis mit dem Dachauer Bahnhof verbunden. Auf den Schienen, die entlang eines heutigen Fuß- und Radweges an der heutigen Friedensstraße verliefen, wurden während des Krieges Häftlinge mit Güterwaggons in das Lager transportiert. Die Züge endeten im SS-Bereich des KZ Dachau. Der größte Teil der Gefangenen musste vom Bahnhof Dachau zu Fuß entlang der damaligen „Adolf-Hitler-Straße“ (heute: Frühlingsstraße) über die Friedensstraße und „die Straße der SS“ (heute: Straße der KZ-Opfer) in das Lager marschieren. Andere Transporte in das KZ Dachau führte die SS mit Lastwagen durch. Die SS hatte eigens für diese Transporte 1938 die „Lagerstraße“ (heute: Theodor-Heuss-Straße) bauen lassen. Am 29. April 1945 stießen Einheiten der US-Armee auf einen auf dem Gleisstück abgestellten Güterzug, in dem 2.310 Tote lagen. Es handelte sich um einen "Evakuierungstransport“ aus dem Konzentrationslager Buchenwald.


The Dachau concentration camp was linked to the Dachau railway station via a sidetrack. During the war prisoners were transported to the camp in goods wagons using this section of track, which ran parallel to the footpath and bicycle track on today’s Friedensstraße. The trains terminated in the SS area of the Dachau concentration camp. The majority of prisoners had to march to the camp from Dachau station, passing through the then "Adolf-Hitler-Straße” (today: Frühlingsstraße), across Friedensstraße and the "Straße der SS” (today: Straße der KZ-Opfer). The SS also used trucks to transport prisoners to the Dachau camp. In 1938 the SS had the “Lagerstraße” (today: Theodor-Heuss-Straße) specially built for this purpose. On April 29 1945 units of the U.S. Army came across a goods train on this section of track. 2 310 dead were inside. It was an “evacuation transport” from the Buchenwald concentration camp.


Kaserne + Barracks Complex +

Die Kaserne

The barracks complex

Kaserne Um- und Neubauten 1936

Die 1936 erbaute Kaserne
© BA Berlin/R 2/28350

The barracks complex built in 1936
© BA Berlin/R 2/28350

1936 entstanden für die SS-Totenkopfverbände eine neue Kaserne mit L-förmigem Grundriss, eine Großküche mit Speisesaal für 1.200 Personen, Mannschaftsheime mit Kantine sowie Bäder, eine Friseurstube und Verwaltungsbüros. Am 25. März 1936 weihte Heinrich Himmler die Anlage ein.


In 1936 a new barracks complex with an L-shaped layout, a large kitchen with a dining hall seating 1 200 persons, enlisted clubs with messes, as well as bathhouses, barber shops, and administrative offices were built for the SS Death’s Head Units. The complex was officially opened by Heinrich Himmler on March 25 1936.

Kommandantur + Commandant
Headquarters +

Kommandantur

Commandant Headquarters

Kommandantur (1933-1941)

Das Kommandanturgebäude bei der Errichtung des KZ Dachau 1933, SS-Foto
© BA Berlin

The commandant headquarters building in 1933 as the Dachau concentration camp was founded, SS photo
© BA Berlin

Das Gebäude der SS-Kommandantur, der Dienstsitz des Lagerkommandanten, stammt aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik. Östlich, aber außerhalb des Gebäudes gelegen ist eine zweischiffige Kellerhalle, die der SS als Kegelbahn diente.

Freizeiteinrichtungen wie die Kegelbahn, sollten den Gemeinschaftssinn innerhalb der SS fördern. Dazu stellten sie einen Versuch dar, die SS-Wachmannschaften an das Konzentrationslager zu binden und die Weitergabe über die Geschehen im Konzentrationslager zu minimieren.

Stark baufällig kann die Kegelbahn heute nicht mehr betreten werden.


The SS headquarters and camp commandant’s office is a building from the period of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory. To the east, but located outside the building, is a two-aisled basement hall that the SS used as a bowling alley.

Recreational facilities like the bowling alley were designed to bolster the sense of community within the SS. They were also an attempt to strengthen the ties of the SS guard squads to the concentration camp and thus prevent news about what was going on in the camp from spreading.

In a state of severe disrepair, entering the bowling alley is no longer permitted.


Kommandantur (1933-1941)

Kegelbahn der Kommandantur (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII

Bowling alley in the commandant headquarters area
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII

Politische Abteilung + Political Department +

Kommandanturbereich - Politische Abteilung

Commandant Headquarters – Political Department

Kommandanturbereich - Politische Abteilung

Blick vom Jourhaus in den Kommandanturbereich. Links das Gebäude der Gestapo
© KZ-Gst. Dachau

View from the Jourhaus into the commandant headquarters. Left the Gestapo building
© KZ-Gst. Dachau

Die Politische Abteilung leitete als Außenstelle der Politischen Polizei die Registrierung der Häftlinge, verwaltete die Häftlingsakten. Sie unterstand der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Unter Einsatz von Folter führte sie Vernehmungen durch. Die Politische Abteilung hatte ein Vernehmungszimmer im Jourhaus. Dazu befand sich vor dem Eingang des Jourhauses die Baracke für die Registrierung der Häftlinge. Die Baracke der Politischen Abteilung wurde vermutlich zwischen 1978 und 1984 abgerissen. Ihren kennzeichnen seit 2005 Eisenwinkel, die im Boden eingelassen sind.


The Political Department, a branch office of the Political Police, was responsible for registering the prisoners and administering the prisoner files. It was under the authority of the Secret State Police (the Gestapo). The Department conducted interrogations, using torture. An interrogation room was in the Jourhaus. There was also, in front of the entrance to the Jourhaus, a long barrack running parallel to the Würm, used to register prisoners. The barrack of the Political Department was demolished presumably between 1978 and 1984. The location of the former Political Department is marked since 2005 by angle irons embedded in the ground.


Kommandanten-Villa + Commandant’s Villa +

Kommandanten-Villa

Commandant’s Villa

Kommandantenvilla

Die ehemalige Kommandantenvilla in den 1970er Jahren
© KZ-Gst. Dachau


Former Commandant’s Villa in the 1970s.
© KZ-Gst. Dachau

Abteilung "F" + Dept. “F” +

Abteilung “F”, Dr. Fahrenkamp:

Dept. “F”, Dr. Fahrenkamp

Ernährungswissenschaftliches Versuchsgut. Fahrenkamps Aufgabe bestand vor allem in der Entwicklung von Präparaten u.a. zur Förderung des Pflanzenwachstums.


Nutritional science. Fahrenkamp's task consisted primarily in the development of preparations for the promotion of plant growth.


SS-Siedlung & "Theodor-Eicke-Platz" + SS Residential Estate & "Theodor-Eicke-Platz" +

SS-Siedlung & "Theodor-Eicke-Platz"

SS Residential Estate & "Theodor-Eicke-Platz"

Die SS-Siedlung an der „Straße der SS“

The SS Residential Estate on the “Straße der SS”


Die SS-Siedlung an der „Straße der SS“

Die SS-Siedlung „Straße der SS“ (1938-41), SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 687


The SS residential estate “Straße der SS” (1938-41), SS photographer Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 687

An der heutigen Straße der KZ-Opfer, in der NS-Zeit „Straße der SS“ befanden sich wie am „Theodor-Eicke-Platz“ Wohnhäuser der SS-Angehörigen und ihrer Familien. Einige Gebäude stammen aus dem Ersten Weltkrieg; zusätzliche Bauten mussten Häftlinge für die SS errichten.
Die Siedlung befand sich in der NS-Zeit außerhalb des Lagergeländes und war öffentlich zugänglich.
Nach der Befreiung wurden die heute noch sichtbaren Häuser von der US-Armee genutzt. Heute sind sie Dienstgebäude der Bayerischen Bereitschaftspolizei und nicht frei zugänglich.

Located on today’s Straße der KZ-Opfer, which was called “Straße der SS” in the Nazi period, were – as on “Theodor-Eicke-Platz” – residential houses for members of the SS and their families. Some of these buildings were built during the First World War; prisoners were forced to build additional housing for the SS.
The estate was outside the camp grounds in the Nazi years and accessible to the general public.
After liberation, the houses still visible today were used by the U.S. Army. They are currently used as service buildings by the Bavarian Riot Police and are out of bounds to the general public.



Die SS-Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz“

The SS residential estate on “Theodor-Eicke-Platz”


SS-Bereich: Die SS-Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz

Postkarte „Dachau, Eicke-Platz“, Poststempel von 1941
© StadtA Dachau


Postcard “Dachau, Eicke-Platz”, postmark 1941
© StadtA Dachau

Die Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz“ wurde von KZ-Häftlingen erbaut. Neben Wohnhäusern umfasste sie eine Bäckerei, einen Laden, eine Gastwirtschaft, eine Poststelle und das Gemeinschaftshaus mit Veranstaltungsräumen. Benannt war der Platz nach dem zweiten Lagerkommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke. Er hatte maßgeblich Anteil daran, dass das KZ Dachau zum Modell für die späteren Konzentrationslager wurde.

Die Siedlung lag außerhalb des ummauerten KZ-Bereichs und war öffentlich zugänglich. 1937 richtete die Stadt Dachau eine eigene Buslinie vom Bahnhof zum Konzentrationslager ein.

In den 1980er Jahren wurden die Gebäude abgerissen und mit neuen Wohnhäusern überbaut. Nur im Nordwesten sind noch Reste alter Bordsteine des ursprünglichen Platzes erhalten.

The residential estate on “Theodor-Eicke-Platz” was built by concentration camp prisoners. Besides residential buildings, it included a bakery, a general store, an inn, a post office, and a community center with rooms for holding events. The square was named after the second camp commandant of Dachau, Theodor Eicke. He was instrumental in turning the Dachau concentration camp into the model for later concentration camps.

The estate was located outside the SS area and was accessible to the general public. In 1937 the City of Dachau authority introduced a bus line connecting the rail station to the concentration camp.

In the 1980s the buildings were demolished and replaced by new residential buildings. The only remains are those of the old curbs of the original square in the northwest corner.



„Theodor-Eicke-Platz“

„Theodor-Eicke-Platz“


Theodor-Eicke-Platz

Der „Theodor-Eicke-Platz" von Westen aus. Links die Hauptwache. SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 695

“Theodor-Eicke-Platz” from the west. To the left the main guardhouse. SS photographer Friedrich Franz Bauer © StadtA Dachau, Slg. Postkarten 695

Der „Theodor-Eicke-Platz“ war benannt nach dem zweiten Kommandanten des KZ Dachau. Alte Aufnahmen lassen einen weitläufigen, begrünten Platz erkennen. Der Platz wurde zivil von den anwohnenden SS-Angehörigen und ihren Familien genutzt. Heute ist der Platz überbaut. Er befand sich unweit des heutigen Besucherzentrums der KZ Gedenkstätte Dachau, ungefähr an der Straßenkreuzung Pater-Roth-Straße und Pfarrer-Lechner-Weg.

The “Theodor-Eicke-Platz” was named after the second commandant of the Dachau concentration camp. Old photographs show a spacious, greened square. The square was used by members of the SS and their families who lived nearby. Today the square is built over. It was located not far from the Visitor Center in the Dachau Memorial Site, roughly at the intersection between Pater-Roth-Straße and Pfarrer-Lechner-Weg.


Lagerbäckerei + Camp Bakery +

SS-Bereich: Lagerbäckerei

SS-Area: Camp Bakery

SS-Bereich: Lagerbäckerei

SS-Wirtschaftsbetriebe (1941). In diesem Fabrikgebäude befand sich auch die Lagerbäckerei
© ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 43

SS Economic Enterprises (1941). The camp bakery was located in this factory building © ISO/A 700, Bd. 37-1, Nr. 43

Die Lagerbäckerei befand sich in einem Gebäude, das schon 1916 errichtet und als Fabrikationshalle genutzt wurde. Eine Besonderheit waren zwei gegenüberliegende Tore, die eine Durchfahrt durch die Halle ermöglichten. Ab 1934 wurde die Halle als Lagerbäckerei genutzt, die auch die SS-Einheiten versorgte. 1938 wurde die Bäckerei ein direkter Bestandteil des Lagers. Ab dem 13. Oktober 1941 gehörte der Betrieb zur Deutschen Lebensmittel GmbH und versorgte den gesamten SS-Stützpunkt und das Häftlingslager. Die Backleistung erreichte einen immer größeren Umfang: Im September 1941 betrug die monatliche Backleistung 143.000 Brote. Im Herbst 1944 wurden täglich 20.000 Brote produziert.


The camp bakery was located in a building from 1916 that was used as a manufacturing hall. One special feature were the two gates at the opposite ends of the hall which allowed vehicles to drive in and out. The hall was turned into the camp bakery in 1934. It also supplied the SS units. In 1938 the bakery was integrated fully into the camp. As of October 13 1941 it was owned by the Deutsche Lebensmittel GmbH and supplied the entire SS base and the prisoner camp. Production increased continuously: in September 1941 the monthly output was 143,000 loaves; in the fall of 1944 20,000 loaves were produced daily.


Hauptwache + Main Guardhouse +

SS-Hauptwache

SS Main Guardhouse

SS-Bereich: Lagerbäckerei

SS-Hauptwache. Foto: SS-Propagandafoto (ca. 1939) © Yad Vashem

SS main guardhouse. Photo: SS propaganda photo (ca. 1939) © Yad Vashem

Die SS-Hauptwache bildete seit 1935 den äußeren Zugang zum KZ Dachau und zum SS-Kommandanturbereich. Dieser war seit 1936 durch eine Mauer vom SS-Übungslager getrennt. Das Torgebäude ist heute nicht mehr erhalten. Bei den Bauarbeiten für das Besucherzentrum konnten im Jahr 2008 Fundamente und der historische Straßenbelag der ehemaligen Tordurchfahrt freigelegt werden.


From 1935 the SS main guardhouse was the entrance to the Dachau concentration camp and the SS commandant headquarters. The latter area was separated from the SS training camp by a wall in 1936. The gate building is not preserved today. During construction work on the Visitors' Center in 2008, the foundations and the original road surface of the former gate thoroughfare were uncovered.


Kommandantur-Arrest + Detention Facility +

Kommandantur-Arrest

Detention Facility

Kommandantur-Arrest (1937-1941)

Detention Facility in the Commandant Headquarters(1937-1941)


Häftlingslager- Kommandantur-Arrest (1937-1941)

Blick in den Bunkerhof von Westen im Mai 1945
© K. Kašák, KZ-Gst. Dachau

View into the bunker courtyard from the west in May 1945
© K. Kašák, KZ-Gst. Dachau

Der heute noch erhaltene Kommandantur-Arrest, von den Häftlingen Bunker genannt, wurde im Oktober 1937 errichtet. Die vorherigen Gefängnisbauten existieren nicht mehr. Durch die Lage des Baus entstand zwischen ihm und dem Wirtschaftsgebäude ein Hof. Im Westen schirmte eine Mauer den Hof vom Häftlingslager ab, eine weitere Mauer zwischen Zellenbau und Wirtschaftsgebäude trennte einen kleineren Platz ab. Hier ließ die SS eine Erschießungswand mit Kugelfang und Hinrichtungspfahl errichten und bis 1941 Lagerstrafen vollstrecken. Der Arrestbau bestand aus mehr als 130 Einzelzellen, welche in Dunkelzellen umgewandelt werden konnten. Im mittleren Gebäudeteil befanden sich zudem mehrere Funktionsräume wie eine Wachstube und ein Vernehmungszimmer. Der Bunker war der zentrale Ort des Terrors. Häftlinge wurden dort wochen- und monatelang eingesperrt und gefoltert. Sie erhielten lediglich Wasser und Brot und nur an jedem vierten Tag das gleiche Essen, wie die übrigen Häftlinge.

Still preserved, the detention facility located in the commandant headquarters, called the bunker by the prisoners, was built in October 1937. Previous prison buildings no longer exist. Due to its position, a courtyard was formed between it and the maintenance building. To the west, a wall screened this courtyard off from the prisoner camp, while another wall between the cells and the maintenance building partitioned off a smaller area. Here the SS installed an execution wall with a bullet catcher and stake; up until 1941 punishments were carried out here. The detention building held more than 130 single cells; these could be converted into dark cells. Various functional rooms were located in the middle of the building, for instance a guardroom and an interrogation room. The bunker was the main place of terror. Prisoners were confined and tortured there for weeks and months on end. Given merely bread and water, they received the same food as the other prisoners only every fourth day.



Erweiterungen des Kommandantur-Arrests (1941-1945)

Extensions to the Commandant Headquarters Detention Facility (1941-1945)


Erweiterungen des Kommandantur-Arrests (1941-1945)

Die Gittertür im Bunker die das SS- und Polizeigefängnis vom Häftlingsarrest trennte (2011)
© KZ-Gst. Dachau

The grille gate in the bunker that separated the SS and police prison from the prisoner detention (2011)
© KZ-Gst. Dachau

1941 wurde der Kommandantur-Arrest um einen querstehenden Anbau erweitert. Dieser Neubau diente als SS- und Polizeigefängnis, in dem bis zu 400 Personen inhaftiert werden konnten. Im Unterschied zu dem bereits bestehenden Häftlingsbunker gab es im angebauten Quergebäude keine Zellen sondern Hafträume, die mit der Ausstattung einer Häftlingsbaracke vergleichbar waren. Die dort Inhaftierten wurden strikt von den KZ-Häftlingen getrennt, eine Gittertür grenzte die beiden Bunkerbereiche voneinander ab. Sie hatten gegen Grundsätze der SS und Polizei verstoßen, teilweise wurden auch Todesurteile gegen SS- und Polizeimitglieder im Bunkerhof von Dachau vollstreckt.

Im Januar 1944 richtete die SS als weitere Foltermethode in mindestens zwei Gefangenenräumen des westlichen Bunkerflügels sogenannte Stehzellen ein. In den ca. 80 mal 80 cm kleinen Unterteilungen hatten die KZ-Häftlinge, die teilweise über Tage darin eingesperrt waren, weder Platz für Bewegungen noch zum Sitzen.

In 1941 the detention facility in the commandant headquarters was extended by an annex. The new building was used as an SS and police prison in which up to 400 persons could be held. In contrast to the already existing prisoner bunker, the rear annex had no cells but prisoner rooms, similarly fitted to a prisoner barrack. The prisoners detained there were kept strictly apart from the concentration camp prisoners, a grille gate separating the two bunker areas. The prisoners kept here had violated the principles of the SS and police; some death sentences passed against members of the SS and police were carried out in the bunker courtyard at Dachau.

In January 1944, the SS had standing cells built in at least two prisoner rooms of the western bunker wing. Used to inflict torture, these cells measured a mere 80 x 80 cm; concentration camp prisoners were locked in for days at a time, unable to either move or sit.



„Prominente Sonderhäftlinge“

High-Profile “Special Prisoners”


Neben den zu Arreststrafen Verurteilten, wurden im Kommandantur-Arrest ab dem 11. Juni 1941 auch prominente Sonderhäftlinge inhaftiert, die als Geiseln des Regimes festgehalten wurden. Unter ihnen befanden sich die katholischen Geistlichen Johannes Neuhäusler und Michael Höck und der evangelische Priester und Wortführer der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs kamen prominente Militärs, Diplomaten und Angehörige des Widerstands in den besetzten Gebieten hinzu. Zu den bekanntesten Sonderhäftlingen gehörte Georg Elser, der Anfang 1945, nach fünfjähriger Haft in Sachsenhausen, nach Dachau verlegt und am 9. April 1945 im Krematoriumsbereich ermordet wurde.

Besides those prisoners put in special detention, beginning on June 11 1941 high-profile special prisoners were also kept as hostages of the regime in the commandant headquarters detention building. They included the Catholic priests Johannes Neuhäusler and Michael Höck as well as the pastor and prominent voice of the Confessing Church, Martin Niemöller. Over the course of the Second World War an array of high-profile military officers, diplomats, and members of the resistance in occupied countries were all imprisoned here. One of the best-known special prisoners was Georg Elser, who in early 1945, after five years imprisonment in Sachsenhausen, was transferred to Dachau and murdered in the crematorium area on April 9 1945.

Krankenrevier & Zugangsblock +
Prisoner Sickbay & Arrivals Block +

Krankenrevier & Zugangsblock

Prisoner Sickbay & Arrivals Block

Krankenrevier

Prisoner Sickbay


Häftlingslager-Krankenrevier (1937 bis 1945)

Schmaler Gang zwischen den Hochbetten in einer Revierbaracke kurz nach der Befreiung
© NA Washington

Narrow aisle between the bunks in a sickbay barrack shortly after liberation
© NA Washington

Das Krankenrevier bestand 1937/38 aus den Baracken A und B mit Verwaltung, Operationssälen, Ambulanzen und der Totenkammer, in der SS-Ärzte Leichensektionen durchführten. Die moderne und gute technische Ausstattung des Reviers diente gegenüber Besuchern des Lagers zur Tarnung. Die ansteigende Zahl der Häftlinge führte schon Anfang 1940 zur Erweiterung des Krankenreviers um Block 1, wo eine zweite Chirurgie und die Innere Abteilung eingerichtet wurden. Im September 1940 kamen Block 3 mit einer weiteren Inneren Abteilung zum Revier, bald darauf Block 5 für Tuberkulosekranke und Block 7 für Kranke mit Infektionskrankheiten. Auf den Luftbildern sind die Erweiterungen an den hinzu gebauten Übergängen zwischen den Baracken zu erkennen. Aufgrund von Epidemien, des Mangels an Medikamenten und Verbandsmaterial dehnte sich der Krankenbereich bis Ende 1944 bis Block 21 aus. Das gesamte Krankenrevier wurde in den 1960er Jahren abgerissen.

In 1937/38 the prisoner sickbay was located in barracks A and B. It included an administrative office, operating rooms, casualty rooms, and the death chamber, where SS doctors carried out postmortem dissections. The modern and well-equipped facility served merely to hide what was really going on from camp visitors. Already in early 1940 the rising number of prisoners meant that the sickbay had to be extended to include block 1, where a second surgery and an internist section were set up. In September 1940 block 3 with a further internist section was then included in the sickbay, followed by block 5 for tuberculosis sufferers, and block 7 for infectious diseases. The extensions made can be seen on the aerial shots – they are the built sections between and joining the barracks. Due to epidemics, shortages of medicine and dressing materials, the sickbay area extended to block 21 by the end of 1944. All the buildings in the sickbay area were demolished in the 1960s.



Zugangsblock ab 1941

Arrivals Block from 1941 onwards


Der Zugangs- oder Quarantäneblock in der Baracke Nr. 9 wurde 1941 eingerichtet. Er diente dazu, neue Häftlinge für vier bis sechs Wochen zu isolieren, bevor sie auf die Wohnbaracken verteilt wurden. Der Zugangsblock war zusätzlich umzäunt, um den Kontakt mit anderen Häftlingen zu unterbinden. In der Zeit der „Quarantäne“ wurden die neuen Häftlinge auf das Lagerleben „vorbereitet“. Sie lernten die Befehle und auch die Lagersprache. Die Lebensbedingungen im Zugangsblock waren nach Aussagen vieler Überlebender sehr hart, denn hier mussten sich die Häftlinge an das Leben im Lager anpassen. Durch die Ausweitung des Krankenreviers wurde der Zugangsblock erst nach Baracke 15 verlegt, dann zusätzlich auf Baracke 17 ausgeweitet. 1945 bestanden vier Zugangsblöcke im Häftlingslager.

The arrivals or quarantine block in barrack no. 9 was set up in 1941. It served to isolate new prisoners for four to six weeks before they were assigned to the accommodation barracks. The arrivals block was additionally enclosed with a fence to prevent contact with other prisoners. In the “quarantine” period the new prisoners were “prepared” for camp life. They learnt the commands and the language of the camp. Many survivors reported that the living conditions in the block were extremely hard because they were forced to adjust to life in the camp. With the extension of the sickbay, the arrivals block was first moved to barrack 15, then extended to include barrack 17. In 1945 there were four arrivals blocks in the prisoner camp.


Augenzeugenbericht von Heinrich Stöhr zu den zu den medizinischen Versuchen

Eyewitness account by Heinrich Stöhr of the medical experiments

In verschiedenen Blöcken führten SS-Ärzte, teilweise auch Funktionshäftlinge im Auftrag der SS, ab 1942 grausame medizinische Experimente an Häftlingen durch. Dazu zählten Malaria-, Phlegmone, Unterdruck- und Unterkühlungsversuche. Für viele Häftlinge, die nicht schnell geheilt werden konnten, war das Revier ein Ort des Sterbens.

Der frühere Revierpfleger Heinrich Stöhr sagte während der Dachauer Prozesse aus: „Kapo Heiden befahl den Gefangenen, sich auf den Untersuchungstisch zu legen und gab ihnen eine leichte Dosis Betäubungsmittel. Wenn der Gefangene nach Heidens Meinung simuliert, schlugen sie ihn mit nassen Handtüchern. Dann wickelten sie den Patienten in wollene Decken ein und stellten drei bis vier Stunden unter eine kalte Dusche. Die Wolldecken saugten sich voll und der Patient starb an hohem Fieber und Unterkühlung.“

From 1942, SS doctors, and at times prisoner functionaries under SS orders, carried out cruel medical experiments on prisoners in several blocks. These included malaria, phlegmon, high-altitude, and hypothermia experiments. For many prisoners who were not able to recover quickly, the sickbay became a place of death.

The former sickbay orderly Heinrich Stöhr gave the following evidence at the Dachau Trials: “Kapo Heiden ordered the prisoners to lie on the examination table and gave them a light dose of anesthetics. If Heiden thought that the prisoner was faking, they beat him with wet towels. Then they wrapped up the patient tightly in woolen blankets and placed him under a cold shower for three to four hours. The woolen blankets became saturated and the patient died of high fever and hypothermia.”


DAW + DAW +

Werkstätten der Deutschen Ausrüstungswerke (DAW)

Workshops of the “Deutsche Ausrüstungswerke” (DAW)

Unterkunftsbaracken +
Accommodation
Barracks +

Unterkunftsbaracken 1937/38-1945

Accommodation Barracks 1937/38-1945

Unterkunftsbaracken

Die Wohnstube einer Baracke (1938). Mit der steigenden Überbelegung wurden auch die Wohnstuben abgeschafft. NS-Propagandafotografie
© KZ-Gst. Dachau

The day quarters of a barrack (1938). As prisoner numbers rose, the day quarters were done away with. Nazi propaganda photo
© KZ-Gst. Dachau

In den Jahren 1937/38 errichteten die Häftlinge 34 Baracken. Sie hatten eine einheitliche Größe von ca. 100 Metern Länge, 10 Metern Breite und 4 Metern Höhe. Die Baracken wurden aus Weichfaser- und Eternitplatten gebaut. Bis 1941 wurden sie mit grüner Ölfarbe angestrichen. Die ersten beiden Baracken westlich der Lagerstraße wurden im Laufe der Jahre für verschiedene Zwecke genutzt. So befanden sich dort u. a. die Kantine und die Bücherei. Dahinter lagen die Unterkünfte der Häftlinge, die die Häftlinge als „Block“ bezeichneten. Jede Baracke gliederte sich in vier so genannte Stuben, die aus Aufenthaltsraum und Schlafsaal bestanden. Die Unterkünfte waren für 200 Gefangene eingerichtet, gegen Kriegsende mit bis zu 2.000 Häftlingen jedoch völlig überfüllt. Östlich der Lagerstraße befand sich in den Baracken mit der Bezeichnung „A“ und „B“ das Krankenrevier. Bis 1945 wurde das Krankenrevier um die Baracken 1-7 und 13-21 erweitert. Dahinter lagen die Strafblöcke und die Quarantänebaracken.

In the years 1937/38 the prisoners built 34 barracks. They were a uniform size: 100 meters in length, 10 meters wide, and 4 meters high. The barracks were made of soft fiber and eternit panels. They were painted green, using an oil-based paint. The first two barracks to the west of the camp road were used for different purposes over the years, for example the canteen and the library were located there. Set behind them were the barracks accommodating the prisoners, who called them “blocks”. Each barrack was divided into four large rooms, which contained both day and sleeping quarters. Built for 200 prisoners, towards the end of the war the barracks were fully overcrowded, with up to 2 000 prisoners crammed in. On the eastern side of the camp road was the prisoner sickbay in the barracks “A” and “B”. Up until 1945 the sickbay was extended to include the barracks 1-7 and 13-21. Further behind them were the punishment blocks and the quarantine barracks.



Augenzeugenberichte von Sales Heß & Hugo Burkhard

Eyewitness accounts by Sales Heß & Hugo Burkhard

Augenzeugenbericht von Sales Heß

Eyewitness account by Sales Heß


Sales Heß (1899-1989), katholischer Priester und ab September 1941 Gefangener des KZ Dachau beschreibt die peniblen Ordnungs- und Sauberkeitsprinzipien der SS, deren Nichtbefolgung mit strengen Strafen geahndet wurden:

„Im Schrank durfte nicht der leiseste Hauch eines Fleckens zu finden sein. Da das Aluminiumgeschirr leicht schwarze Spuren auf dem Holz hinterlässt, musste es alle paar Tage das Holz mit Glaspapier abgerieben werden. […] Becher, Teller, Schüsseln durften nur auf Hochglanz poliert im Spinde stehen“.

Sales P. Heß, KZ Dachau. Eine Welt ohne Gott. Erinnerungen an 4 Jahre Konzentrationslager Dachau. 3. Aufl., Münsterschwarzach 1985, S. 75.

Sales Heß (1899-1989), Catholic priest and imprisoned in the Dachau concentration camp from September 1941, describes the fastidious principles of order and cleanliness imposed by the SS. Not observing them resulted in severe punishment:

“Not the tiniest speck of dust was allowed to be found in the locker. Because the aluminum utensils left behind black marks on the white wood, sandpaper had to be used every few days to rub the surface clean […] Cups, plates, and bowls were only permitted to stand in the locker when brightly polished.”

Sales P. Heß, KZ Dachau. Eine Welt ohne Gott. Erinnerungen an 4 Jahre Konzentrationslager Dachau. 3. ed., Münsterschwarzach 1985, p. 75.



Augenzeugenbericht von Hugo Burkhard

Eyewitness account by Hugo Burkhard


Der Neubau der Baracken musste von den Häftlingen selbst durchgeführt werden. Dabei waren sie dem Terror der sie zur Arbeit antreibenden SS-Wachmannschaft ausgesetzt. Der ehemalige Häftling Hugo Burkhard erinnert sich an den Arbeitsablauf:

„Wir hatten die Aufgabe, die Grundpfeiler für die neu zu erbauenden Baracken mittels eines schweren, eisernen Gewichts, das an einem Seil befestig war – dem sogenannten Rammbock – in den Boden zu rammen. Der Häftling zog das Seil mit dem schweren Gewicht in die Höhe und ließ es auf den Pfahl niedersausen.“

(Hugo Burkhard, Tanz mal Jude! Meine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald, Getto Shanghai, 1933-1948, R. Reichenbach Vlg., 1967, S. 101.)

The prisoners had to build the new barracks themselves. While driven on to work at an unrelenting pace, they were also exposed to the terror of the SS guard details. The former prisoner Hugo Burkhard recalls one instance of how work was done:

“We had to ram the foundations pillars for the new barracks into the ground using a heavy, iron weight that was attached to a rope – a device known as the battering ram. The prisoner pulled the rope with the heavy weight upwards and then let it drop down onto the pillar.”

(Hugo Burkhard, Tanz mal Jude! Meine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald, Getto Shanghai, 1933-1948, R. Reichenbach pub.comp., 1967, p. 101.)


Sicherungsanlage + Security Facility +

Häftlingslager-Sicherungsanlage (1937/38 bis 1945)

Prisoner Camp Security Facility (1937/38 to 1945)

Häftlingslager-Sicherungsanlage (1937/38 bis 1945)

Die Lagerbegrenzung an der Westseite kurz nach der Befreiung, Mai 1945
© W. Jacowicz

The camp fencing on the west side shortly after liberation, May 1945
© W. Jacowicz

Das Häftlingslager war von einer Umzäunung umgeben, die jede Flucht unmöglich machen sollte. Von insgesamt sieben Wachtürmen überwachten SS-Männer mit Maschinengewehren rund um die Uhr das Lagergelände. Die Befestigung des Häftlingslagers bestand aus fünf Hindernissen: Mit Ausnahme zur Westseite, also zum SS-Bereich hin, war das Areal von einer Außenmauer umgeben, über der vier Reihen Stacheldraht gespannt waren. Es folgten der Postengang, der elektrisch geladene Lagerzaun, der Graben und die Sperrzone, auch Todesstreifen genannt. Sobald ein Häftling dieses acht Meter breite Rasenband betrat, wurde auf ihn ohne Vorwarnung geschossen. Zur Straße hin lag der Patrouillestreifen, auf dem SS-Hundeführer Wache liefen. Die Lagerumzäunung wurde 1965 teilrekonstruiert. Die teilweise Rekonstruktion der heute vorhandenen Wachtürme erfolgte in den späten 1960er Jahren.


The prisoner camp was enclosed by a boundary fence designed to make escape impossible. Positioned in seven towers, SS men armed with machineguns kept watch around the clock. The on-ground fortification around the prisoner camp was made up of five obstacles. With the exception of the western side, i.e. facing the SS area, the grounds were surrounded by an outer wall spanned with four rows of barbed wire. Then came the guard walkway, the electrically-charged camp fence, the ditch, and the restricted zone, also known as the death strip. Guards opened fire without warning as soon as a prisoner entered this eight meter-wide strip of grass. In the direction of the camp road was the patrol strip where SS dog leaders kept watch. The camp fence was partly reconstructed in 1965. The part reconstruction of the guard towers existing today was undertaken in the 1960s.

Funktionsgebäude + Functional Buildings +

Häftlingslager-Funktionsgebäude

Functional Buildings

Häftlingslager-Funktionsgebäude

Häftlinge bei der Zwangsarbeit nördlich der Baracken (1938), NS-Propagandafotografie
© BA Koblenz, 152-27-16a

Prisoners performing forced labor to the north of the barracks (1938), Nazi propaganda photo
© BA Koblenz, 152-27-16a

Im Zuge der Eingliederung des KZ-Systems in das Wirtschaftssystem der SS und der damit einhergehenden Ausweitung der Zwangsarbeit der Häftlinge entstand 1940 im Bereich hinter den Wohnbaracken ein abgezäunter Bereich mit Produktionsstätten und Funktionsgebäuden. Dazu zählten zunächst eine Lagergärtnerei und ein Stallgebäude für die Zucht von Angorakaninchen. 1941 entstand ein Desinfektionsgebäude für die Kleidung der Gefangenen. Im Frühjahr 1944 richtete die SS die sogenannte Sonderbaracke ein. Dies war das Lagerbordell, in dem weibliche Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück zur Prostitution gezwungen wurden. Der Abriss der Gebäude erfolgte während der Umgestaltung des Geländes zur Gedenkstätte im Jahr 1964. Heute befinden sich dort verschiedene religiöse Gedenkorte.


As part of the integration of the concentration camp system into the economic operations of the SS, which entailed increasing the burden of forced labor on the prisoners, a fenced-off area with production workshops and functional buildings was set up in 1940 behind the accommodation barracks. These included at first a camp market garden and sheds for breeding Angora rabbits. In 1941 a facility was built for disinfecting the clothes of the prisoners. In the spring of 1944 the SS set up the so-called special barrack. This was the camp bordello, where female prisoners from the Ravensbrück concentration camp were forced into prostitution. These buildings were demolished during the remodeling of the grounds into a memorial site in 1964. Today different religious memorials are located there.

SS-Schwimmbad + SS Swimming Baths +

SS-Schwimmbad

SS Swimming Baths

SS-Schwimmbad

SS-Schwimmbad

SS Swimming Baths


Krematorien + Crematorium Area +

Das erste Krematorium (1940)

The First Crematorium (1940)

Das erste Krematorium (1940)

Frontansicht des ersten Krematoriums
© KZ-Gst. Dachau

Front view of the first crematorium
© KZ-Gst. Dachau

Dieses Krematorium wurde im Sommer 1940 erbaut, nachdem mit dem Eintreffen der ausländischen Häftlinge die Sterblichkeit stark angestiegen war. Das Gebäude lag etwas abseits zwischen Bäumen auf dem SS-Gelände. Der Zugang zum Kreamtoriumsbereich zweigte vor dem Jourhaus ab; die heutige Brücke zum ehemaligen Häftlingslager wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen.
Das erste Krematorium war mit einem sogenannten Doppelmuffelofen ausgestattet. Ein spezielles Häftlingskommando, das „Arbeitskommando Krematorium“ durfte das Gelände betreten, um die Einäscherungen vorzunehmen. Das Kommando hatte keinerlei Kontakt zu den übrigen Häftlingen. Bereits 1941 reichte die Kapazität des Krematoriums nicht mehr aus. Es war noch bis etwa April 1943 in Betrieb. In diesem Zeitraum wurden hier rund 11.000 Leichen eingeäschert.

This crematorium was built in summer 1940 after the death rate increased dramatically with the arrival of foreign prisoners. The building was somewhat isolated, located between trees on the SS grounds. Access to the crematorium area forked off in front of the Jourhaus; the bridge that today leads to the former prisoner camp was first built after the Second World War. The first crematorium was fitted with a so-called double muffle oven. A special prisoner detail, the “crematorium work detail”, was permitted to enter the area. The members of the detail had no contact to the other prisoners. The capacity of the crematorium was already insufficient by 1941. It remained in operation until around April 1943. Up until then, around 11,000 bodies were cremated here.


Das erste Krematorium (1940)

Seitenansicht des ersten Krematoriums (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Side view of the first crematorium (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Das ehemalige große Krematorium, die „Baracke X“ nach 1945

The Former Large Crematorium, “Barrack X” after 1945


Das große Krematorium, die „Baracke X“ (1942/43)

Ostseite des Krematoriums (Baracke X), Gruppe von US-Soldaten vor einem Leichenberg (1945)
© KZ-Gst. Dachau

Eastern side of the crematorium (Barack X), a group of US soldiers in front of a pile of corpses (1945)
© KZ-Gst. Dachau

Das große Krematorium, die „Baracke X“ (1942/43)

Großes Krematorium (2010)
© Müller-Naumann

Large crematorium (2010)
© Müller-Naumann

Das große Krematorium, die „Baracke X“ (1942/43)

Großes Krematorium (2010)
© Müller-Naumann

Large crematorium (2010)
© Müller-Naumann

Das große Krematorium, die „Baracke X“ (1942/43)

Planzeichnung des Großen Krematoriums
© KZ-Gst. Dachau

Plan of the large crematorium
© KZ-Gst. Dachau

Das ehemalige große Krematorium, die „Baracke X“ nach 1945

Großes Krematorium (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Large crematorium (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Das Gebäude wurde vom Mai 1942 bis April 1943 als Tötungseinrichtung und zur Einäscherung von Leichen errichtet. In den Baudokumenten wurde es zunächst als „Gebäude X“, später als „Baracke X“ bezeichnet. In der Mitte des Baus befand sich das „Brausebad“. Diese als Dusche getarnte Gaskammer wurde Überlebenden zufolge von der SS zur Ermordung einzelner Häftlinge und kleinerer Gruppen durch Giftgas genutzt. In der „Baracke X“ befanden sich zudem die Kleiderdesinfektionskammern, der Eingangs- , Warte- und Auskleideraum, zwei Totenkammern und der Verbrennungsraum mit vier Verbrennungsöfen. Dahinter lagen die Räume für den SS-Kommandoführer, die Garage und Unterkünfte für ein Häftlingskommando. Im Februar 1945, eventuell auch schon im Oktober 1944, wurde das Krematorium wegen Kohlemangels außer Betrieb gesetzt. Häftlinge wurden gezwungen, die Leichen auf dem Leitenberg in Dachau-Etzenhausen zu begraben. Mit dem Näherrücken der alliierten Truppen wurden die Leichen im Krematoriumsbereich und in der Nähe des Krankenreviers gesammelt.

Constructed between May 1942 and April 1943, the building served as a killing facility and for incinerating the corpses. On the architectural plans it was first called “Building X”, then later “Barrack X”. Located in the middle of the building was the “shower” room. According to survivors, the gas chamber, disguised as a shower facility, was used by the SS to murder individual prisoners and smaller groups with poison gas. Also located in “Barrack X” were the clothing disinfection chamber, the entrance, waiting, and undressing room, two death chambers, and the crematorium room with four ovens. Behind this section of the building lay the rooms for the SS detail leader, the garage, and sleeping quarters for a prisoner detail. In February 1945, or possibly even earlier in October 1944, the crematorium ceased operations because of a coal shortage. Prisoners were forced to bury the bodies on the Leitenberg in Dachau-Etzenhausen. As Allied troops approached, the corpses were piled in the crematorium area and close to the sickbay.


Entomologisches Institut + Entomological Institute +

SS-Bereich - Entomologisches Institut

SS Area – Entomological Institute

Auf Anordnung von Heinrich Himmler wurde 1942 das Entomologische Institut im KZ Dachau zur Erforschung und biochemische Bekämpfung der für Menschen schädlichen Ungezieferinsekten gegründet. Die Leitung des Instituts übernahm der parteilose Zoologe Dr. Eduard May im Februar 1942. Für das Institut waren zwei Holzbaracken vorgesehen, die auf einem Grundstück in der Nähe der Würmmühle im Herbst 1943 bezugsfertig wurden. Knapp 20 Mitarbeiter nahmen 1944 ihre Arbeit zur Erforschung der Schädlingsbekämpfung auf. Das als Wohnbaracke genutzte Gebäude wurde bereits 1945 abgerissen. Die Forschungsbaracke diente bis 1965 zur Unterbringung von Flüchtlingen und Überlebenden des KZ Dachau. Heute steht auf dem Gelände ein Wohnhaus.


Following orders issued by Heinrich Himmler, the Entomological Institute was founded in the Dachau concentration camp in 1942 to research insect pests harmful to humans and find biochemical methods to combat them. Dr. Eduard May, a zoologist without any party affiliations, was named director in February 1942. Two wooden barracks were set aside on a property near the Würm mill and the Institute was able to move in during the fall of 1943. Some 20 staff began researching pest control methods in 1944. The building used as a housing barrack was torn down as early as 1945, while the research barrack served to accommodate survivors of the Dachau concentration camp und refugees until 1965. Today a residential house is on the grounds.

"Wildpark" +
"Deer Park" +

SS-Bereich: "Wildpark"

SS-Area: "Deer Park

SS-Bereich: Wildpark

Blockhütte im "Wildpark"
© KZ-Gst. Dachau

Log cabin in the "deer park"
© KZ-Gst. Dachau

Der „Wildpark“ der SS befand sich im Norden der Häftlingsbaracken, außerhalb der Umzäunung des Häftlingslagers. 1937/38 mussten Häftlinge dieses weitläufige Gelände, das sie selbst auch Fuchsbau nannten, in ein Freigehe mit einem Schwanenweiher, Fischteichen und Wegen umgestalten. Es wurden ein Blockhaus, mehrere Schuppen, Lager- und Gerätehäuser sowie Geflügelställe errichtet. Der „Wildpark“ war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein persönliches Bauprojekt des damaligen KZ-Kommandanten Hans Loritz, das nicht von der "Inspektion der Konzentrationslager" genehmigt worden war. Heute ist der „Wildpark“ nicht mehr erhalten. Seit 1964 befinden sich auf seinem Gelände ein Teil des Golfplatzes und das Karmel Heilig Blut. Nur der dicht bewaldete Klostergarten zeugt von der ursprünglichen Geschichte des Ortes.


The SS “deer park” was located to the north of the prisoner barracks, outside the perimeter fence of the prisoner camp. In 1937/38 the prisoners had to redevelop these spacious grounds, which they called the fox den, into an outdoor enclosure with swan and fish ponds as well as paths. A log cabin, several sheds for various purposes, and poultry coops were also built. The “deer park” was most likely a personal building project of the camp commandant of the time, Hans Loritz, and was not approved by the Inspectorate for Concentration Camps. The “deer park” no longer exists today. Since 1964 a section of the golf course and the Carmelite convent are located on the grounds. Only the densely wooded convent garden testifies to the original history of the site.

Augenzeugenbericht von Alfred Hübsch

Eyewitness account by Alfred Hübsch

Die Errichtung des „Wildparks“ war mit schwerster körperlicher Arbeit verbunden, die meist jene Häftlinge verrichten mussten, die in der Lagerhierarchie weit unten standen. Alfred Hübsch schildert die Zustände, die im Februar 1938 herrschten:

„Zu allem Unglück für uns Karrenfahrer setzte gerade jetzt Tauwetter ein, [das] das ganz große Gelände in einem einzigen Breimatsch verwandelte. […] Diese Erdbewegungen, dieses ‚Fahren‘ machte uns derart fertig, daß wir nur noch in dumpfer Verzweiflung dahin trotteten und auf die Anfeuerung der Posten und der Capos überhaupt nicht mehr achteten. […] Zu allem Hohn dann unter Zwang noch singen […].“

Alfred Hübsch, Insel des Standrechts, unveröff. Manuskript (1961), Nr. 9438, Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau, S. 65.


The development of the “deer park” involved extremely strenuous work, and it was detailed to those prisoners who were on the lowest rungs of the camp hierarchy. Alfred Hübsch describes the conditions in which the prisoners were forced to work in February 1938:

“To the grave misfortune of us who had to push the wheelbarrows a thaw in the weather set in, turning the whole grounds into one single expanse of mud. […] Moving the earth around, this ‘driving’ of the cart was so exhausting that we could only keep trudging along in a dull despair and pay no more attention to the guards and kapos spurring us on. […] To add insult to injury, we were then forced to sing […].”

Alfred Hübsch, Insel des Standrechts, unpublished manuscript(1961), No. 9438, Archive of the Concentration Camp Dachau memorial site, p. 65.

Desinfektionsbaracke + Disinfection Barrack +

Desinfektionsbaracke

Disinfection Barrack

Häftlingslager – Desinfektionsbaracke

Die Desinfektionsbaracke (1945) © Unbekannt

The disinfection barrack (1945) © Unknown

Die Bebauung des Geländes nördlich der Häftlingsbaracken wurde 1941 durch ein Gebäude zur Desinfektion der Kleidung der Gefangenen erweitert. Genauere Angaben zu diesem Gebäude sind nicht überliefert. Während der Zeit des Flüchtlingswohnlagers Dachau Ost wurde die ehemalige Desinfektionsbaracke zu einem Restaurant umgenutzt. 1963 erfolgte der Abriss des Gebäudes.


A facility for disinfecting prisoner clothing was added to the buildings on the grounds to the north of the prisoner barracks in 1941. Precise details on this building have not survived. During the years of the residential estate for refugees, known as Dachau East, the former disinfection barrack was converted into a restaurant. The building was demolished in 1963.

Lagerbordell +
Camp Bordello +

Lagerbordell

Camp Bordello

Häftlingslager-Lagerbordell

Das als Lagerbordell genutzte Gebäude (hinter dem Strohzaun) nach der Befreiung © V. Balon

The building used as the camp bordello (behind the thatch fence) after liberation © V. Balon

Das Lagerbordell existierte zwischen Mai 1944 und dem Jahreswechsel 1944/45 und sollte die Produktivität der Häftlinge für die Arbeit in der Kriegswirtschaft steigern. Bis zu 14 Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück wurden hier von der SS zur Prostitution gezwungen.
Der Bordellbesuch der männlichen KZ-Häftlinge wurde durch die Einführung von Vergünstigungen per Dienstvorschrift geregelt. Einen Antrag für einen Besuch im Bordell durften nur „arische“ Häftlinge stellen. Die Bordellbesucher wurden meist mit Pfiffen und spöttischen Zurufen bedacht. Anhand einer Bordellabrechnung vom 24. Oktober 1944 lässt sich rekonstruieren, dass an diesem Tag 76 Häftlinge das Bordell besucht haben und jede der Frauen Kontakt zu acht bis zehn Männern hatte.


The camp bordello existed between May 1945 and the turn of the year 1944/45. It was supposed to raise the productivity of the prisoners in the war economy. Up to 14 women from the Ravensbrück concentration camp were forced by the SS into prostitution here. For the male concentration camp prisoners, visiting the bordello was regulated by the introduction of privileges per a SS reward system. Only “Aryan” prisoners were permitted to apply for a bordello visit. Those visiting the bordello were accompanied by whistles and mocking shouts. A bordello account statement from October 24 1944 shows that 76 prisoners visited the bordello on this day and each of the women had contact with eight to ten men.

Augenzeugenbericht von Edgar Kupfer-Koberwitz

Eyewitness Account Edgar by Kupfer-Koberwitz

Der Häftling Edgar Kupfer-Koberwitz notierte in seinen Tagebüchern über den Bau des Lagerbordells: „12. Juli 1943 […] Es wird im Lager eine Baracke gebaut, man sagt, ein Bordell. Die Frauen, die man hineintun will, sollen auch Häftlinge sein, denen man für diesen Dienst anscheinend die Freiheit versprochen hat.“


The prisoner Edgar Kupfer-Koberwitz made the following entry in his diary on the building of the camp bordello: “July 12, 1943 […] A barrack is being built in the camp, it’s said that it’s a brothel. The women who are to work there are also supposed to be prisoners, and they’ve apparently been promised freedom for their services.”


Angorakaninchenzucht + Breeding of Angora Rabbits +

Angorakaninchenzucht

Breeding of Angora Rabbits

Häftlingslager - Angorakaninchenzucht

Häftlinge beim Arbeitseinsatz Angorazucht nach 1938 vor 1941, NS-Propagandafotografie
© KZ-Gst. Dachau

Prisoners working at the Angora breeding stalls, after 1938, before 1941, Nazi propaganda photo
© KZ-Gst. Dachau

1940 wurde in Konzentrationslagern mit der Zucht von Angorakaninchen begonnen. Besonders bei der Luftwaffe bestand zur Wärmeisolierung der Fliegerjacken eine große Nachfrage nach Angorawolle. Eine der größten Zuchtanlagen befand sich im KZ Dachau im nordöstlichen Bereich des Häftlingslagers. Bis 1945 wurden in den Ställen über 4.500 Tiere gehalten.
Während der Umbaumaßnahmen zur Gedenkstätte wurden die Stallanlagen abgerissen. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Areal der Zuchtanlage die jüdische Gedenkstätte.


In 1940 the breeding of Angora rabbits was begun with in the concentration camps. The German Air Force was particularly interested in Angora wool for the thermal isolation of flight jackets. One of the largest breeding facilities was in the Dachau concentration camp, located in the northeastern area of the prisoner camp. Up until 1945 over 4 500 animals were kept in the stalls.
The stalls were torn down during the reconstruction work to turn the grounds into a memorial site. The Jewish memorial is located today on the area once covered by the breeding facility.

Jourhaus + Jourhaus +

Jourhaus

Jourhaus

Jourhaus

Blick von der Westseite Mai 1945 © KZ-Gst. Dachau

View from the western side, May 1945 © KZ-Gst. Dachau

Das 1936 errichtete Jourhaus war der Ein- und Ausgang des Häftlingslagers und das Dienstgebäude der Lager-SS. Das Gebäude mit dem schmiedeeisernen Tor und der Inschrift „Arbeit macht frei“ war aus Sicht der Häftlinge die passierbare Grenze zwischen dem „Innen“ und „Außen“. Es verband das Häftlingslager mit dem SS-Lager.
Im oberen Stockwerk des Hauses befanden sich der Büroraum des Schutzhaftlagerführers, der das Häftlingslager leitete, sowie Räume der Politischen Abteilung, die für Vernehmungen und Strafen zuständig waren. Im Erdgeschoss waren die Diensträume der Rapportführer, die den Appell und Häftlingsstand überwachten, der Blockführer, in deren Verantwortung die einzelnen Wohnbaracken fielen und der für die Bewachung zuständige Postenführer untergebracht.


Built in 1936, the Jourhaus/Gatehouse was the entrance and exit to the prisoner camp and the service building for the camp SS. With its wrought-iron gate and the inscription “Arbeit macht frei”, in the eyes of the prisoners it marked the boundary between “inside” and “outside”. The building connected the prisoner camp with the SS camp.
Located on the upper floor were the office of the protective custody camp leader, who was responsible for running the prisoner camp, and rooms used by the Political Department, responsible for interrogations and imposing punishments. On the ground floor were the offices of the report leader, who was in charge of roll call and monitoring prisoner numbers, the block leader, responsible for the prisoner barracks, and the guard squad leader.

Jourhaus

Blick vom Appellplatz Mai 1945 © V.Balon

View from the roll call area, May 1945 © V.Balon

Jourhaus

Blick vom Bunker Mai 1945 © V.Balon

View from the bunker, May 1945 © V.Balon

Wirtschaftsgebäude + Maintenance Building +

Wirtschaftsgebäude

Maintenance Building

Häftlingslager-Wirtschaftsgebäude (1937-1945)

Das Wirtschaftsgebäude im Jahr 1939. Fotografiert durch die SS © KZ-Gst. Dachau

The maintenance building in 1939 as photographed by the SS © KZ-Gst. Dachau

Anfang 1937 begannen die Bauarbeiten im Zuge der Erweiterung des KZ Dachau. Während dieser Bauphase entstand das Wirtschaftsgebäude, in dem der Schubraum lag, wo sich die neu angekommenen Häftlinge in einer demütigen Einlieferungsprozedur erfassen lassen mussten und aller persönlichen Gegenstände beraubt wurden. Im Wirtschaftsgebäude befanden sich zudem die Lagerküche, das Häftlingsbad, die Lagerwäscherei, Lagerräume und Werkstätten. Auf dem Dach des Gebäudes prangte ab März 1939 in weißer Schrift der zynische Spruch: „Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauberkeit, Nüchternheit, Fleiß, Ordnung, Opfersinn, Wahrhaftigkeit, Liebe zum Vaterlande“. Es handelte sich um ein Zitat aus einer Rundfunkrede Heinrich Himmlers. Anfang Oktober 1943 wurde das Wirtschaftsgebäude von einer Leuchtbombe getroffen, so dass der Dachstuhl über dem Häftlingsbad ausbrannte. Nach der Reparatur, wurde die Aufschrift auf diesen Teil des Daches nicht wieder aufgemalt.

Building work to enlarge the Dachau concentration camp began early in 1937. It was in this phase that the maintenance building was constructed, the location of the shunt room, where newly arrived prisoners were registered in a humiliating procedure and dispossessed of all their personal belongings. The maintenance building also housed the camp kitchen, the prisoner baths, the camp laundry, storerooms, and workshops. In March 1939 a cynical saying was painted in white across the roof of the building: “There is one path to freedom. Its milestones are obedience, honesty, cleanliness, sobriety, diligence, order, sacrifice, truthfulness, love of the Fatherland.” This was a quote from a radio address given by Heinrich Himmler. At the beginning of October 1943 the maintenance building was hit by a flare bomb, gutting the truss over the prisoner baths. After the repairs were finished the saying was not repainted on this part of the roof.



Häftlingsbad Prisoner Baths Küche Kitchen Werkstätten Workshops Schubraum Shunt Room

Wirtschaftsgebäude-Häftlingsbad

Maintenance Building-Prisoner Baths

Wirtschaftsgebäude-Häftlingsbad (1937 bis 1945)

Ehemalige Häftlinge kurz nach ihrer Befreiung im Häftlingsbad
© KZ-Gst. Dachau

Former prisoners shortly after their liberation in the prisoner baths
© KZ-Gst. Dachau

In der großen Duschanlage konnten sich zwischen 100 und 150 Personen gleichzeitig waschen. Im Bad wurden die neuen Häftlinge nach ihrer Ankunft einer Ganzkörperrasur unterzogen und im Anschluss in ein Fass mit brennendem Desinfektionsmittel getaucht. Nach einer Dusche erhielten sie ihre Häftlingskleidung. Doch auch die übrigen Häftlinge hatten im Bad die seltene Gelegenheit, sich auf Anordnung zu waschen. Ab 1940 vollzog die SS im Bad auch Körper- und Folterstrafen, wie das „Pfahlhängen“. Ab 1943 wurden im Häftlingsbad auch Propagandaveranstaltungen mit Tanz-, Musik- und Gesangsprogrammen durchgeführt.


Between 100 and 150 persons could wash at one time in the large shower facility. After arriving in the camp, prisoners had their whole bodies shaved and were then dunked in a tub of burning disinfectant. They then showered and received their prisoner clothing. But the rest of the prisoners also had the rare opportunity, when the order was issued, to shower in the baths. Beginning in 1940 the SS also used the baths to mete out corporeal punishment and inflict torturous procedures such as the “pole hanging”. From 1943 the prisoner baths served as a venue for propaganda events with dance, music, and singing programs.


Küche

Kitchen

Küche

Die Lagerküche, Propagandafotografie der SS (1938)
© BA Koblenz/Film 152-23-25

The camp kitchen, SS propaganda photo (1938)
© BA Koblenz/Film 152-23-25

Die Küche diente zur Zubereitung des Essens für die Gefangenen. Zu den Mahlzeiten holten die dafür eingeteilten Häftlinge das Essen in Kesseln und verteilten es in allen Wohnbaracken.


The kitchen was where the meals were prepared for the prisoners. At mealtime the detailed prisoners had to fetch the food in large pails and carry them to all the residential barracks.


Wirtschaftsgebäude- Werkstätten

Maintenance Building: Workshops

Die Werkstätten befanden sich im Westflügel des Wirtschaftsgebäudes. Die Häftlinge arbeiteten hier als Schreiber, Schlosser, Elektriker, Installateure und Maler. In einem Laboratorium für Hochfrequenztechnik wurden ab 1943 Funkgeräte untersucht, die aus abgeschossenen Flugzeugen der Alliierten stammten.


The workshops were located in the west wing of the maintenance building. The prisoners worked here as clerks, metalwork fitters, electricians, plumbers and painters. From 1943 radio equipment from downed Allied planes was examined in a laboratory for high-frequency technology.


Wirtschaftsgebäude-Schubraum

Shunt Room

Wirtschaftsgebäude-Schubraum

Der ehemalige Schubraum als Teil der heutigen Dauerausstellung. © KZ-Gst. Dachau

The former shunt room is part of the current permanent exhibition. © KZ-Gst. Dachau

Das Wort „Schub“ bezeichnet einen Häftlingstransport.
Im Schubraum vollzog sich die Einlieferungsprozedur. Getrennt durch lange Tische mussten sich die neu angekommenen Häftlinge registrieren lassen. Hier erhielten sie ihre Häftlingsnummern. Ihr mitgeführter Besitz wie ihre Kleidung („Effekten“) gingen an die Gefangenen-Eigentums-Verwaltung, ihr Geld an die Gefangenen-Geld-Verwaltung über. Die Effekten wurden in der „Effektenkammer“ über dem Schubraum und im Schubraum selber verwahrt.
Die Gefangenen-Geld-Verwaltung befand sich im Kassenraum neben dem Schubraum. Dort erfassten Häftlinge auf Karteikarten und Listen die Häftlings-Eigengelder. Häftlinge durften sich für den Kantinenbesuch monatlich bis zu 30 RM auszahlen lassen. Im Mai 1943 wurden der bargeldlose Zahlungsverkehr und Prämienscheine eingeführt.

The word “Schub” (“shunt”) refers to a prisoner transport.
The arrival procedure was carried out in the shunt room. Separated by long tables, the newly arrived prisoners were registered and given their prisoner number. They had to hand over their belongings such as their clothes (“effects”) to the prisoner possession administration, while their money was placed in the prisoner money administration. The effects were stored in the “effects room” located above the shunt room and the shunt room itself.
The office of the prisoner money administration was located in the cash office next to the shunt room. Here prisoners kept an account of an inmate’s money on file cards and lists. Prisoners were permitted to withdraw up to 30 Reich marks a month to spend in the canteen. In May 1943 cashless payment and premium certificates were introduced.


Zeitzeugenbericht von Edgar Kupfer-Koberwitz

Eyewitness Account by Edgar Kupfer-Koberwitz

Edgar Kupfer-Koberwitz schildert seine Einlieferung in das KZ Dachau und sein Betreten des Schubraums:

„Wir kamen durch einen Vorraum und dann in eine große Halle. Viereckige Pfeiler trugen die Decke. Zwischen ihnen standen Tische, die das Ganze in zwei Hälften teilten. Darüber hingen Plakate: A-K, L-P, Q-Z. Hinter den Tischen standen einige Männer mit kahlgeschorenen Köpfen, gestreiften Anzügen und intelligenten Gesichtern. Wieder wurden unsere Personalien aufgenommen. Im Hintergrund schrie ein SS-Mann: ‚Vorwärts, schneller!’ Der SS-Mann, der uns gebracht hatte, kommandierte: ‚ Ausziehen, los, schnell! Kleider und Wäsche, alles auf einen Haufen!’ […] Wir waren alle pudelnackt. Nackt stramm stehen, das erschien mir wie ein schlechter Witz.“

Edgar Kupfer-Koberwitz, Die Mächtigen und die Hilflosen. Als Häftling in Dachau. Bd. I, Stuttgart, 1960, S. 58f.


Edgar Kupfer-Koberwitz describes the arrival procedure at the Dachau concentration camp and entering the shunt room:
“We passed through a kind of outer office and entered a large, long hall. Square columns supported the ceiling. Between them stood tables that divided the whole room into two parts. Signs hung above the tables: A-K, L-P, Q-Z. Standing behind the tables were a few men with shaved heads, striped clothes, and intelligent faces. Our particulars were once again taken down. In the background a SS man shouted: ‘move on, faster!’ The SS man who escorted us here ordered: ‘Undress, come on, get going, faster! Clothes and underwear, everything in one pile!’ […] We were all stark naked. Standing at attention naked, that seemed like a bad joke.”

Edgar Kupfer-Koberwitz, Die Mächtigen und die Hilflosen. Als Häftling in Dachau. Vol. I, Stuttgart, 1960, p. 58f.


Baracke B + Barack B +

Lagerbücherei

Camp Library

Häftlingslager-Lagerbücherei (1937 bis 1945)

Gestelltes SS-Foto der Lagerbücherei zwischen 1938 und 1941
© KZ-Gst. Dachau

Staged SS photo of the camp library taken between 1938 and 1941
© KZ-Gst. Dachau

Nach dem Neubau des Lagers zog die Lagerbücherei neben Kantine und SS-Lagermuseum in die erste Baracke am Appellplatz ein. Besuchern des Lagers wurde die Bücherei von der SS präsentiert. Die Bücherei enthielt vorrangig klassische Literatur und nationalsozialistische Schriften. Während des Krieges kamen auch fremdsprachige Bücher hinzu. Im Laufe der Zeit gelang es den Häftlingen zudem, verbotene Bücher einzuschmuggeln. Das Lesen dieser war für die Häftlinge ein Akt der Selbstbehauptung. Bis ins Jahr 1945 wuchs der Bestand auf etwa 12.000 bis 15.000 Bände an.

Nicht allen Häftlingen war erlaubt, die Bücherei zu besuchen: Jüdische Häftlinge, Häftlinge der Strafkompanie und die Kranken auf dem Krankenrevier waren ausgeschlossen. Vor allem den Sozialdemokraten diente die Bücherei zwischen 1935 und 1943 als ein Zentrum des politischen Lebens und heimlicher Treffpunkt, als der vormalige SPD-Reichstagsabgeordnete Kurt Schumacher die Lagerbücherei leitete.


After the rebuilding of the camp, the library moved to the first barrack on the roll call area along with the canteen and the SS camp museum. The SS showed the library to camp visitors. The library held mostly the classics and National Socialist works. Foreign-language books were also added during the war. Over time the prisoners found ways to smuggle in banned books. Reading these books was an act of self-assertion for the prisoners. The collection continued to grow until 1945, ultimately rising to between 12,000 and 15,000 items.

Not all of the prisoners were allowed to visit the library: Jewish prisoners, prisoners assigned to the penal company, and ill prisoners confined to the sickbay were excluded from loaning. Above all the Social Democrats used the library as a hub of political life and secret meeting place between 1935 and 1943 when it was run by the former SPD Reichstag deputy Kurt Schumacher.


Augenzeugenbericht von Pfarrer Heinrich Grüber

Eyewitness Account by Pastor Heinrich Grüber


Der ebenfalls inhaftierte Pfarrer Heinrich Grüber erinnerte sich später: „Die Sozialdemokraten standen […] unter dem Einfluss von Kurt Schumacher, der die Lagerbücherei zu einer Zelle des sozialdemokratischen Widerstands im KZ Dachau gestaltete“. Viele Zeugnisse bescheinigen Schumacher, er habe „manchem Genossen Halt gegeben für die schweren Tage im Lager und für die Zukunft nach der Beseitigung der Macht der NSDAP“.


The imprisoned pastor Heinrich Grüber later recalled: “The Social Democrats were under the influence of Kurt Schumacher, who turned the camp library into a cell of Social Democratic resistance in the Dachau concentration.” Many acknowledged that Schumacher “gave the comrades the strength they needed for the difficult days in the camp and for the future after disposing the NSDAP from power.”


Kantine

Canteen Barrack

Häftlingslager-Kantine (1937 bis 1945)

Geldverwertungskarte des Häftlings Valentin Zander
© ITS

Money card of the prisoner Valentin Zander
© ITS

Die Kantinenbaracke von 1937 grenzte unmittelbar an den Appellplatz. Neben der Kantine beherbergte der Block noch die Lagerbücherei und das Lagermuseum der SS. Der SS diente die Kantine als „Schaustück“ gegenüber Besuchern. Heute befindet sich an dieser Stelle die rekonstruierte westliche Modellbaracke.
Häftlinge konnten in der Kantine ihre Lebensmittelrationen aufbessern. Bei ihrer Einlieferung hatten sie ihr Eigengeld an die Gefangenen-Geld-Verwaltung übergeben müssen. Von ihr konnten sie sich monatlich Geld auszahlen lassen, um in zwei- bis dreiwöchentlichen Abständen sonntags gruppenweise die Kantine zu besuchen. Ab Frühjahr 1941 wurden die Besuche zunehmend eingeschränkt. Im Mai 1943 wurde die Barzahlung zugunsten von „Prämienscheinen“ und der Abbuchung der Auslagen vom „Konto“ des Häftlings aufgegeben.


The canteen barrack from 1937 adjoined the roll call area. Along with the canteen, the block also housed the camp library and the camp museum of the SS. The canteen was a “show piece” the SS used to impress visitors. Located here today is the reconstructed western model barrack.
Prisoners were able to supplement their food rations in the canteen. Upon arrival in the camp they were forced to hand over their money to the camp administration. Once a month they could withdraw money and visit the canteen in groups every two to three weeks on Sundays. Opportunities to visit the canteen were increasingly limited from spring 1941. In May 1943 the cash payout system was replaced by “premium certificates” and debiting purchases from the “account” of a prisoner.


Lagermuseum

Camp Museum

Häftlingslager-Lagermuseum (1937 bis 1945)

NS-Foto vom Inneren des Lagermuseums
© KZ-Gst. Dachau

Nazi photo of the interior of the camp museum
© KZ-Gst. Dachau

Das sogenannte Lagermuseum der SS war im gleichen Gebäude wie die Bücherei und die Kantine untergebracht. Das Gebäude existiert heute nicht mehr.

Der Aufbau des „Museums“ unterstand der Politischen Abteilung. Das „Museum“ inszenierte in verunglimpfender und rassistischer Weise Darstellungen der inhaftierten Häftlingsgruppen. Einen Schwerpunkt bildeten modellierte Wachs- oder Gipsköpfe und großformatige Fotos von Gefangenen. Des Weiteren wurden medizinische Präparate von Missbildungen und Abbildungen von Tätowierungen von Lagerinsassen ausgestellt. Schautafeln zeigten Statistiken über die Häftlinge und das Lager, nicht jedoch die korrekten Todeszahlen.

Das „Museum“ diente einzig der Propaganda und wurde Besuchern des Konzentrationslagers präsentiert, um die Fassade der „Umschulung“ und „Erziehung“ aufrecht zu erhalten. Die Besucher waren meist SS-Führer, deutsche Generäle und Militärangehörige verbündeter Staaten. Vereinzelt hatten auch ausländische Pressevertreter Zugang zum „Museum“.


The so-called camp museum of the SS was located in the same building as the library and canteen. The building no longer exists.

The Political Department was responsible for what was shown in the “museum.” The “museum” presented derogatory and racist characterizations of the prisoner groups. Modelled wax or plaster busts and large-format photos of prisoners formed one main topic. Also exhibited were medically dissected deformities and illustrations of the tattoos of camp inmates. Wall charts featured statistics on the prisoners and the camp, but not the correct number of deaths.

The “museum” served solely propaganda purposes and was presented to visitors of the concentration camp to maintain the façade of “retraining” and “education.” The visitors were mainly SS leaders, German generals and members of the military of allied states. In isolated cases foreign press representatives also had access to the “museum.”


Arbeitseinsatzbüro und Schreibstube

Work Detail Office and Orderly Room

Das Arbeitseinsatzbüro war eine Lagerdienststelle, die ebenfalls in der westlich gelegenen Baracke direkt am Appellplatz eingerichtet worden war. Von den Häftlingen wurde die Dienststelle kurz „Arbeitseinsatz“ genannt. Von hier aus wurde die Einteilung der Häftlinge in Arbeitskommandos koordiniert. Es musste dafür gesorgt werden, dass für die unterschiedlichen Aufgaben die entsprechende Zahl von Häftlingen bereitstand. Ebenso wurde hier über die Eignung der Gefangenen entschieden und die Funktionshäftlinge (Kapos) bestimmt. Die Häftlinge, die im Arbeitseinsatzbüro arbeiteten, hatten wichtige Sonderrechte und konnten bei den Zuteilungen ihrer Mitgefangenen in Arbeitskommandos oder deren Abtransport in andere Lager mitbestimmen.


The work detail office was a camp agency set up in the western barrack direct on the roll call area. The prisoners simply called it the “work detail.” The office was responsible for coordinating the assignment of the prisoners to the respective work details. One major task was ensuring that the necessary number of prisoners was available and ready for the various details. Also decided here was the suitability of the prisoners for a type of work and which prisoners became functionaries (kapos). The prisoners who worked in the office enjoyed important privileges and had a say in assigning their fellow prisoners to work details or their transport to other camps.


Pfarrerblöcke +
Clergy Blocks +

Pfarrerblöcke

Clergy Blocks

Pfarrerblöcke

Der Altar im Block kurz nach der Befreiung. Während der Lagerzeit war die Ausstattung provisorischer © KZ-Gst. Dachau

The altar in the block shortly after liberation. The arrangement was more provisional during the time of the concentration camp. © KZ-Gst. Dachau

Die SS erklärte das KZ Dachau Ende 1940 zum Sammellager für Geistliche. Unter ihnen waren 1.870 Priester aus Polen, etwa 450 aus Deutschland, Österreich, Frankreich und der Tschechoslowakei und zwei als Albaner registrierte Imame.
Die Pfarrerblöcke befanden sich in den Baracken 26, 28 und zeitweise im Block 30. In der Baracke 26 wurde den Geistlichen erlaubt, eine kleine Kapelle einzurichten. Laien war der Besuch dort verwehrt. Ab Herbst 1941 war es nur noch deutschen und österreichischen Geistlichen erlaubt, die Kapelle aufzusuchen. Zur gleichen Zeit trennte die SS deutsche und österreichische Priester von Geistlichen aus anderen Nationen. Durch weitere Einlieferungen polnischer Priester ab Oktober 1941 waren die Priesterblöcke hoffnungslos überbelegt. Infolge der rücksichtslosen Brutalität der Lagerleitung gegenüber den polnischen Geistlichen, kam beinahe die Hälfte von ihnen ums Leben. Insgesamt wurden nur 643 Geistliche im KZ Dachau und seinen Außenlagern befreit.


At the end of 1940, the SS declared the Dachau concentration camp to be a collection camp for the clergy. From the 2 700 clergy, there were 1 870 priests from Poland, some 450 from Germany, Austria, France, and Czechoslovakia, with two imams registered as Albanians. The clergy blocks were located in the barracks 26, 28, and at times also in 30. In barrack 26 the clergy were allowed to set up a small chapel. Laypersons were not permitted to visit. From the fall of 1941 only German and Austrian clergy were allowed to enter the chapel. At this time the SS separated the German and Austrian clergy from those of other nations. Following the deportation of Polish priests in October 1941 the clergy blocks became hopelessly overcrowded. Almost half of the Polish priests died as a result of the ruthless brutality of the camp leadership. Only 643 were liberated in the Dachau concentration camp and its subcamps.


Augenzeugenbericht Priesterblock

Eyewitness Account Clergy Block

Vom belgischen Jesuitenpater Leo de Coninck sind folgende Schilderungen aus dem Alltag von Geistlichen im KZ Dachau überliefert: „[Den Priestern] oblag die schwere Fron, den Schnee im Lager zu beseitigen. […] Zweimal täglich musste man aus der Küche die schweren Esskübel holen: jeder wog 75 KG und man goss das gleiche Gewicht ‚Suppe‘ hinein. Zu Zweien, in erbärmlichen Sandalen, die man fast unmöglich an den Füßen behalten konnte, mussten wir sie zu den Blocks bringen. […] Aufsicht bei diesen Arbeiten, bei denen es oft zu schlimmsten Verbrennungen kam, hatte der berüchtigte Lagerkapo Rudolf Hentschel.“


The Belgian Jesuit priest, Leo de Coninck, described the everyday routine imposed on the clergy in the Dachau concentration camp: “[the priests] had to do the drudgery of clearing snow from the camp. […] Twice a day they had to fetch the heavy food pails from the kitchen; each one weighed 75 kilograms and the same weight of ‘soup’ was poured in. In teams of two, wearing pitiful sandals one could barely keep on your feet, we had to carry them to the blocks. […] Watching over this work, during which we often suffered severe burns, was the notorious camp kapo Rudolf Hentschel.”


Präzifix-Werk +
Präzifix Factory +

Das Präzifix-Werk: Vom Munitionsbunker zur Schraubenfabrik

The Präzifix Factory: from Munitions Bunker to Screw Factory

Das Präzifix-Werk

Häftlinge des Kommandos Präzifix nach der Befreiung; im Hintergrund Schlafbaracke und Verwaltung © KZ-Gst. Dachau, Füser

Prisoners of the Präzifix work detail after liberation; in the background sleeping quarters and office © KZ-Gst. Dachau, Füser

Die Schraubenfabrik Präzifix wurde etwa 1940/41 am Ort der Munitionsbunker der ehemaligen Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik, am sog. Floßlände, in der Nähe der Würmmühle errichtet. Die Bunkerbauten wurden vermutlich 1941 mit eingeschossigen Hallen verbunden, sodass größere Produktionsstätten entstanden. In dem extra umzäunten Bereich arbeiteten zunächst 37, bald 400 Häftlinge in der Fertigung von Präzisionsteilen für Flugmotoren, die der Messerschmitt AG und der Bayerischen Motorenwerke AG zugeliefert wurden. Mit dem Bau eines SS-Bereichs und von Häftlingsbaracken im Werk (1943), kehrten die Häftlinge fortan abends nicht mehr ins Stammlager zurück. Bei einem Luftangriff Ende Oktober 1944 wurden Teile des Werks zerstört; einige Häftlinge kamen zu Tode, 13 wurden verletzt.

The screw factory Präzifix was built in 1940/41 at the site of the munitions bunker of the former Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory, on a stretch of land known as the “raft landing”, close to the Würm mill. The bunker constructs were presumably connected with single-story halls in 1941, creating larger production facilities. In the separately fenced-off area, at first 37, then soon 400 prisoners worked in the manufacturing of precision parts for aircraft engines, which were supplied to the Messerschmitt AG and the Bayerische Motorwerke AG. With the building of a section for the SS and prisoner barracks in the plant (1943), it was no longer necessary for the prisoners to return to the main camp in the evening. Sections of the plant were destroyed during an air raid at the end of October 1944; a few prisoners died, 13 were injured.



Augenzeugenbericht von Edgar Kupfer-Koberwitz

Eyewitness account by Edgar Kupfer-Koberwitz

Der ehemalige Häftling und Schriftsteller Edgar Kupfer-Koberwitz schreibt über seine Arbeit in den Präfix-Werken:

„Ich arbeitete im Büro der kleinen Schraubenfabrik ‚Präzifix‘.- Das Präzifix lag außerhalb des inneren Lagers, etwa 1 ½ Kilometer von diesem entfernt, jedoch noch auf dem Boden des dritten Lagerbereiches, der auch noch mit einem Zaun umgeben war. – Es war dieses Terrain absolutes Lager und von außen nur durch die bewachten Tore erreichbar. – Die kleine Schraubenfabrik war an der Grenze dieses Bereiches, an dem kleinen Fluss Amper gelegen; - es war ein kleines Lager im Lager, wiederum von einem Zaun und 6 Wachttürmen und von elektrisch geladenem Stacheldraht umgeben. – In diesem wohlbewachten Gehege befanden sich die Werkstätten und Büros. – Später dann, nach der ersten Typhus-Epidemie, wurden auch unsere Schlafbaracken dort aufgestellt, sodass wir, die wir im Präzifix arbeiteten, von da an nun ganz in diesem kleinen Lager hausten und es nur selten verließen.“

Edgar Kupfer-Koberwitz kam in Koberwitz zur Welt und arbeitete als Angestellter und Schriftsteller in Stuttgart. 1934 emigrierte er nach Paris und 1937 auf die italienische Insel Ischia. Im September 1940 wurde er nach Deutschland ausgeliefert und zunächst im Gestapogefängnis Innsbruck inhaftiert. Am 11. November 1940 wurde er als „Schutzhäftling“ ins KZ Dachau eingeliefert. Ab November 1942 arbeitete er im Arbeitskommando Präzifix, wo seine heimlichen Aufzeichnungen entstanden. Er konnte seine Schriften im Werk verstecken. Seine Befreiung erlebte er im Krankenrevier. Er starb 1991 in der Nähe von Stuttgart.

The former prisoner and write Edgar Kupfer-Koberwitz writes about working in the Präzifix factory.

“I worked in the office of the small screw factory ‘Präzifix’. – Präzifik was located outside the inner camp, some 1.5 kilometers away, but still on the grounds of the third camp area, which was still surrounded by a fence. – This was the terrain of an absolute camp and reachable from the outside solely through guarded gates. – The small screw factory was situated on the edge of this area, near the small Amper River; - it was a small camp within a camp, surrounded by another fence and 6 watchtowers and electrically-charged barbed wire. – The workshops and offices were located in this well-guarded enclosure. – Later, after the first typhus epidemic, our sleeping barracks were also set up there, so that we, those working in Präzifx, were from now on housed entirely in this small camp and rarely left it.”

Edgar Kupfer-Koberwitz was born in Koberwitz and worked as a clerk and writer in Stuttgart. In 1934 he emigrated to Paris and in 1937 moved to the Italian island of Ischia. In September 1940 he was deported to Germany and first held in the Gestapo prison at Innsbruck. On November 11 1940 he arrived at the Dachau concentration camp as a “protective custody prisoner”. From November 1942 he was assigned to the Präzifix work detail, where he started to secretly take notes. He was able to hide them in the factory. He was in the sickbay at the time of liberation. He died in 1991 near Stuttgart.


Plantage +
Plantation +

Plantage mit Kräutergarten

Plantation / Herb Garden

„Plantage“ („Kräutergarten“)

Gewächshäuser der Plantage, 1941
© KZ-Gst. Dachau

Greenhouses of the plantation, 1941
© KZ-Gst. Dachau

1937/1938 mussten KZ-Häftlinge östlich des Häftlingslagers eine zunächst 7,5 Hektar große Plantage, bestehend aus einem "Heilkräutergarten" und landwirtschaftlichen Nutzflächen anlegen. Den baulichen Kern der Anlage bildeten zwei lang gestreckte Bauten in West-Ost-Ausrichtung. Zwischen 1939 und 1942 wurden fünf Gewächshäuser errichtet. Ab 1939 betrieb das SS-Wirtschaftsunternehmen „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ (DVA) die Plantage. Im März desselben Jahres wurde mit dem Bau der Gewürzmühlen und des Verwaltungsgebäudes, des Wirtschaftsgebäudes und des Forschungsinstituts begonnen. Flächenmäßig gliederte sich die „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ damit in drei Bereiche: den Heil- und Gewürzkräuteranbau, die Pfeffermühle als Verarbeitungsstätte und das Lehr- und Forschungsinstitut.


In 1937/38 the prisoners had to lay out a plantation to the east of the prisoner camp. At first covering 7.5 hectares, it comprised a "medicinal herb garden" and agricultural land. The main buildings on the facility were two elongated constructs. Five greenhouses were erected between 1939 and 1942. From 1939 the “German Research Institute for Nutrition and Provisions", a SS business enterprise specializing in foodstuffs and provisions, ran the plantation. In March of the same year building work began on the spice mills and administrative office, the maintenance building and the research institute. In terms of its area, the DVA was divided into three sections: the medicinal and spice cultivation, the spice mill as a processing operation, and the training and research institute.

Augenzeugenbericht von Karel Kašák

Eyewitness account by Karel Kašák

„Plantage“ („Kräutergarten“)

Zeichnung: Rückkehr von der Plantage von Hans Quaeck, 1955 (1941-1945 Häftling im KZ Dachau)
© KZ-Gst. Dachau

Drawing: Returning from the plantation by Hans Quaeck, 1955 (1941-1945 prisoner in the Dachau concentration camp)
© KZ-Gst. Dachau

Der tschechische Journalist Karel Kašák arbeitete auf der Plantage als botanischer Maler und führte von 1940 bis 1945 heimlich Tagebuch. Am 8. Mai 1941 notierte er:

„8. Mai. Auf dem Freiland II wurden zwei Juden zu Tode geprügelt. Auf einem zweirädrigen Wagen lagen einige Bewusstlose, nach Hause brachten sie nur noch ihre Leichen.“

Aus: Die Aufzeichungen von Karel Kašák. Zusammengestellt, kommentiert und mit Anmerkungen versehen von Stanislav Zámečnik. In: Dachauer Hefte 11 (1995), S. 167-251, hier: S. 175.


The Czech journalist Karel Kašák worked on the “plantation” as a botanical painter and kept a secret diary from 1940 until 1945. On May 8, 1941 he noted:

“May 8. Two Jews were beaten to death on Freiland II. A few men knocked senseless lay on a two-wheel cart, they only brought home their corpses.”

Taken from: Die Aufzeichungen von Karel Kašák. Compiled, commented and annotated by Stanislav Zámečnik. In: Dachauer Hefte 11 (1995), p. 167-251, here: p. 175.

Eingang SS-Übungslager + Entrance to the SS Training Camp +

Eingang SS-Übungslager

Entrance to the SS Training Camp

Westliches Eingangstor zum SS-Übungslager nach der Befreiung.

Westliches Eingangstor zum SS-Übungslager nach der Befreiung
© KZ-Gst. Dachau

Western entrance gate to the SS training camp after liberation
© KZ-Gst. Dachau


SS-Übungslager

SS-Übungslager (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII

SS Training Camp (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37 I-VII


Postkarte mit SS-Übungslager aus dem Jahr 1938.

Postkarte des SS-Übungslagers aus dem Jahr 1938
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 363116a

Post card of the SS training camp (1938)
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 363


Das SS-Übungslager diente der ideologischen und militärischen Schulung der SS-Angehörigen. Dieser Bereich und das eigentliche Konzentrationslager bildeten formal getrennte Bereiche auf dem Gesamtgelände des KZ Dachau. Die SS-Einheiten des SS-Übungslagers gehörten, wie das KZ-Personal ab 1939/40 zur Waffen-SS.


The SS training camp is where members of the SS received ideological and military instruction. This camp and the actual concentration camp were two formally separate areas making up the grounds of the Dachau concentration camp. The SS units stationed in the training camp were, like the concentration camp personnel, were attached to the Waffen-SS as of 1939/40.


Porzellanmanufaktur + Porcelain Manufacturing +

Porzellanmanufaktur

Porcelain Manufacturing

Postkarte eines SS-Mannes mit handschriftlicher Markierung der Porzellanmanufaktur (1938).

Postkarte eines SS-Mannes mit handschriftlicher Markierung der Porzellanmanufaktur (1938)
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 363

Post card from a SS member with manual marking of the Porcelain Manufacturing (1938)
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 363


Heinrich Himmler versuchte für die SS eine Monopolstellung in der Porzellanherstellung zu erringen. Die SS betrieb eine Porzellanmanufaktur in München-Allach und im SS-Bereich des KZ Dachau. Ab 1936 wurden in Allach Kunst- und Gebrauchsgegenstände hergestellt. Die Produktion im KZ Dachau setzte am 1. Oktober 1937 in einem sanierten Gebäude aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik ein. Ab 1940 waren dort zehn Häftlinge eingesetzt. Zwischen Ende 1941 und 1944 arbeiten zeitweise bis zu 90 Häftlinge als Former, Porzellanmacher, Porzellanmaler und als Brenner. Die produzierte Keramik reichte von Geschirr für SS-Kasernen bis zu Porzellan-Figuren, die als Geschenke an SS-Angehörige ausgegeben oder auch in den freien Verkauf gingen. Das Haupterzeugnis war ein sogenannter Julleuchter, den alle SS-Führer zu Weihnachten erhielten.
Das Gebäude der Manufaktur wurde in den 1970er Jahren abgerissen.


Heinrich Himmler sought to gain a monopoly position for the SS in porcelain manufacturing. The SS ran porcelain factories in Munich-Allach and the SS area of the Dachau concentration camp. Beginning in 1936, art and everyday objects were produced in Allach. Production in the Dachau camp began on October 1 1937 in a renovated building originally from the time of the munitions factory. From 1940 ten prisoners were deployed there. Between the end of 1941 and 1944 up to 90 prisoners worked there at times as molders, porcelain makers and painters, and kiln operators. The ceramics produced ranged from crockery for SS barracks through to porcelain figures which were given to members of the SS as gifts or sold commercially. The main product was a so-called yule lantern, given to all SS leaders at Christmas.
The building used at Dachau was demolished in the 1970s.


Lagergärtnerei + Camp Garden +

Lagergärtnerei

Camp Garden

Gebäude, Schuppen und Gewächshäuser der Gärtnerei.

Gebäude, Schuppen und Gewächshäuser der Gärtnerei
© Albert Theis

Buildings, sheds, and greenhouses on the camp garden site
© Albert Theis

Hinter den Häftlingsunterkünften befand sich ein abgezäunter Bereich mit Funktionsgebäuden. Dazu zählte auch die Lagergärtnerei. Dort wurden Pflanzensetzlinge für die Plantage gezogen.
Seit 1967 befindet sich in diesem Bereich die Evangelische Versöhnungskirche.


Located behind the prisoner barracks was a fenced-off area with functional buildings. These included the camp horticultural garden. Seedlings and saplings were grown for the plantation.
The Protestant Church of Reconciliation, built in 1967, now stands on the site.

Kriegsgefangenenlager + Prisoner-of-War Camp +

Kriegsgefangenenlager (1945-1946)

Prisoner-of-War Camp (1945-1946)

Zwischen Juli 1945 und Juni 1946 bestand auf dem Gelände der vormaligen SS-Kaserne als weiterer Teilbereich des Internierungslagers ein Kriegsgefangenenlager. Hier waren überwiegend solche Wehrmachtsangehörige interniert, die aus den mittlerweile sowjetisch besetzten Gebieten stammten. Man sonderte sie strikt von den deutschen Generälen und den ungarischen Kriegsgefangenen ab. Von Juli 1946 bis zum 3. Oktober 1947 diente dieser Bereich auch als Entlassungslager für aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft repatriierte deutsche Kriegsgefangene. Der aktuelle Forschungsstand lässt eine genaue räumliche Verortung des Kriegsgefangenlagers nicht zu.

Between July 1945 and June 1946 a prisoner-of-war camp was set up on the grounds of the former SS barracks complex. Interned here were mainly German soldiers from territories meanwhile under Soviet occupation. They were strictly isolated from German generals and Hungarian prisoners of war. From July 1946 to October 3 1947 this area also served as a release camp for German prisoners of war repatriated from captivity in U.S. hands. Polish squads were mainly entrusted with the guard duties. The current state of research does not permit an exact location of the prisoner-of-war camp.

Umbau der Baracken zu Wohnungen +
Converting the Barracks into Apartments +

Umbau der Baracken zu Wohnungen

Converting the Barracks into Apartments

Postkarte der „Wohnsiedlung Dachau-Ost“, Mitte der 1950er Jahre.

Postkarte der „Wohnsiedlung Dachau-Ost“, Mitte der 1950er Jahre
© StadtA Dachau, Slg. Fotos 3, A 485

Post card of the “Dachau East Residential Estate”, mid-1950s.
© StadtA Dachau, Slg. Fotos 3, A 485

Die Baracken selbst wurden so umgebaut, dass sich jeweils 24 Wohnungen (16 Zweizimmerwohnungen und acht Einzimmerwohnungen) darin befanden. Zusätzlich wurden die sanitären Anlagen verändert.

The barracks were rebuilt to fit in 24 apartments (16 two-room and 8 one-room). The sanitary facilities were also changed.

Augenzeugenbericht von Nico Rost

Eyewitness account by Nico Rost

Nico Rost in den 20er jahren

Nico Rost in den 20er Jahren
© LetMu

Nico Rost in the 1920s
© LetMu

... dass die Mörder die Schuldigen waren und nicht die Ermordeten „[…] Und wenn wir dann bei meinem nächsten Besuch wieder zusammen heraus nach Dachau fahren, dann steht der Hofgarten vielleicht wieder in Blüte [..]. Vielleicht sind dann die Baracken im KZ bereits geräumt, haben die jetzigen Bewohner* ein menschenwürdigeres Unterkommen gefunden. […] vielleicht gehen dann die Kinder der ‚Invaliden-Baracken-Schule’ bereits in geeignete Schulen und lernen dort auch, wie und was die alten KZ-ler waren, was wir wollten und noch immer wollen; vielleicht wird man ihnen auch endlich, endlich beibringen, dass die Mörder die Schuldigen waren – und nicht die Ermordeten….“
* Gemeint sind Flüchtlinge und Vertriebene, die von 1948 bis zur Gründung der Gedenkstätte in den historischen Lagerbauten lebten.


Brief von Nico Rost an einen deutschen Freund, der mit ihm im KZ war, in: Rost, Ich war mal wieder in Dachau.

…that the murderers were the guilty and not the murdered “[…] And when we again journey out to Dachau during my next visit, then perhaps the court garden is once more in blossom […]. Perhaps the barracks in the concentration camp are then vacated, the current inhabitants* having found more decent, humane accommodation. […] perhaps the children of the ‘invalid barracks school’ are attending suitable schools and learning there who and what the old concentration camp prisoners were, what we wanted, and still want; perhaps they’ll finally be taught, at long last, that the murderers were the guilty – and not the murdered…”
*Refugees and expellees who from 1948 to the founding of the Memorial Site lived in the historical camp buildings.

Letter by Nico Rost to a German friend who was a fellow prisoner in the Dachau concentration camp, pub. in: Rost, Ich war mal wieder in Dachau.

Erste-Hilfe- und Zahnstation + First-Aid and Dental Station +

Erste-Hilfe- und Zahnstation

First-Aid and Dental Station

US-Kaserne - Erste-Hilfe und Zahnstation

Ehemalige Kommandantur (1997)
© KZ-Gst. Dachau

Former commandant headquarters (1997)
© KZ-Gst. Dachau

In der früheren Kommandantur des Konzentrationslagers brachte die US-Armee eine Erste-Hilfe- und eine Zahnstation unter. Östlich, aber außerhalb des Gebäudes gelegen ist eine zweischiffige Kellerhalle, die der SS als Kegelbahn diente. Ob die US-Armee sie nutzte, ist nicht belegt. Stark baufällig kann sie heute nicht mehr betreten werden.


In the former commandant headquarters the U.S. Army set up a first-aid and dental station. To the east but located outside the building is a basement hall that the SS used as a bowling alley. It is not known whether the U.S. Army also used it for this purpose. In a state of severe disrepair, access is no longer permitted.


US-Kaserne - Erste-Hilfe und Zahnstation

Blick auf die einsturzgefährdete Kegelbahn der Kommandantur (1997)
© KZ-Gst. Dachau

View of the bowling alley, in danger of collapsing, in the former commandant headquarters (1997)
© KZ-Gst. Dachau

Der ehemalige Appellplatz + The Former Roll Call Area +

Der ehemalige Appellplatz (1953-1964)

The Former Roll Call Area (1953-1964)

Im Jahr 1948 fiel das Gelände des ehemaligen Häftlingslagers an den bayerischen Staat zurück. Dieser richtete dort ein Auffanglager für Flüchtlinge und Heimatlose ein, das später als Wohnsiedlung Dachau Ost bezeichnet wurde. Auf dem ehemaligen Appellplatz entstand 1953 neben der katholischen Kapelle des Interniertenlagers die evangelische Golgatha-Kirche. Beide Kirchen-Gebäude wurden 1964 im Zuge der Umbauten zur Gedenkstätte wieder entfernt. Die Golgatha-Kirche steht bis heute im acht Kilometer entfernten Ort Ludwigsfeld.

In 1948 the grounds of the former prisoner camp reverted to the Bavarian state, which set up a reception camp for refugees and expellees, later called the Dachau East residential estate. In 1953 the Protestant Golgotha Church was built on the former roll call area, next to the Catholic chapel of the internment camp. Both church buildings were removed in 1964 as part of redeveloping the grounds into a memorial site. Today, the Golgotha Church is located eight kilometers away in Ludwigsfeld.


Kommandanturbereich

Illegal von Jean Brichaux gemachte Aufnahme des Appellplatzes bei der Ankunft eines französischen Häftlingstransports im Jahr 1944
© KZ-Gst. Dachau

Secretly taken photo of the roll call area by Jean Brichaux during the arrival of a French prisoner transport in 1944
© KZ-Gst. Dachau

Ehemaliger „Theodor-Eicke-Platz“ + Former “Theodor-Eicke-Platz” +

Ehemaliger „Theodor-Eicke-Platz“

Former “Theodor-Eicke-Platz”

Ehemaliger Theodor-Eicke-Platz

Der „Theodor-Eicke-Platz" von Westen aus. Links die Hauptwache (1936-40). SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 695

The “Theodor-Eicke-Platz” from the west. On the left the main guardhouse (1936-40). SS photographer Friedrich Franz Bauer
© StadtA Dachau, Slg. Postkarten 695

Am ehemaligen „Theodor-Eicke-Platz“, der ab 1946 den Namen Kreuz-Platz trug, bezogen die US-Kommandeure und Offiziere mit ihren Familien die zuvor von den SS-Angehörigen bewohnten Häuser.
In das frühere Postamt zog ein kleines Geschäft ein, das Waren des täglichen Gebrauchs verkaufte. Im ehemaligen Kino entstanden Gemeinschaftseinrichtungen. Heute ist der Platz überbaut.

On the former “Theodor-Eicke-Platz”, renamed Kreuz-Platz in 1946, U.S. commanders and officers with their families moved into the houses previously inhabited by members of the SS. A small store moved into the former post office, selling goods of everyday use. Community facilities were set up in the former cinema. Today the square is built over.

Heizkraftwerk + Power Station +

Heizkraftwerk

Power Station

 Heizkraftwerk

Die letzten Reste des Heizkraftwerks nach dem Teilabriss. Aufnahme von 2007
© KZ-Gst. Dachau

The remains of the power station after its partial demolishment (2007)
© KZ-Gst. Dachau

Das 1910 errichtete Heizkraftwerk versorgte bis 1973 auch die US-Kaserne mit Fernwärme und Elektrizität. Erst 1983 wurde es stillgelegt.

The heat and power station supplied long-distance heating and electricity to the U.S. barracks complex until 1973. It was first taken out of service in 1983.

Holländerhalle + Holländer hall +

Holländerhalle

Holländer hall

Holländerhalle

Die Holländerhalle während des Zweiten Weltkrieges
© BA Berlin R 2/28350

The Holländer hall during the Second World War
© BA Berlin R 2/28350

Die dreischiffige Holländerhalle von 1915 stammt aus der Anfangszeit des Stahlbetonskelettbaus und diente ursprünglich zur Aufnahme der als „Holländer“ bezeichneten Maschinen. Die US-Armee richtete in der Halle eine Wäscherei ein. Einen Teil der Halle nutzte sie vermutlich wie zuvor die SS als Unterstellplatz für Fahrzeuge oder als Werkstatt.
Als bedeutsames Industriedenkmal mit Anklängen an den Jugendstil ist sie heute stark baufällig erhalten und darf nicht mehr betreten werden.


The three-aisled Holländer hall from 1915 was built as precast concrete skeleton construction was just beginning and originally served to house the machinery known as the “Holländer”. The U.S. Army equipped the hall with a laundry. Presumably the U.S. Army used one section of the hall – like the SS before them – as a garage for vehicles or as a workshop. An important industrial monument with elements reminiscent of Jugendstil, the hall is in a state of disrepair and may no longer be entered.


Holländerhalle

Die Holländerhalle 1997
© KZ-Gst. Dachau, Fotograf: A. Knoll

The Holländer hall 1997
© KZ-Gst. Dachau, photographer: A. Knoll

Gerichtssaal Dachauer Prozesse + Court Room of the Dachau Trials +

Gerichtssaal Dachauer Prozesse (1945-1948)

Court Room of the Dachau Trials (1945-1948)

US Kaserne - Gerichtssaal Dachauer Prozesse

Im ehemaligen Bekleidungswerk der Waffen-SS fanden zwischen 1945 und 1948 die Dachauer Kriegsverbrecherprozesse statt
© KZ-Gst. Dachau

The Dachau Trials against war criminals took place in the former clothing works of the Waffen-SS between 1945 and 1948 © KZ-Gst. Dachau

Zwischen 1945 und 1948 verhandelten im ehemaligen Bekleidungswerk der Waffen-SS verschiedene Gerichtshöfe der US-Warcrimes-Group Kriegsverbrecherprozesse. Nach dem Ende der als Dachauer Prozesse in die Geschichte eingegangenen Gerichtsverfahren wurden Kriegsverbrecher nicht mehr auf dem Gelände interniert.


Between 1945 and 1948 different tribunals of the U.S. War Crimes Group heard proceedings brought against war criminals in the former clothing works of the Waffen-SS. After the cases were heard, which became known as the Dachau Trials, no more war criminals were interned on the grounds.


Ehemaliger Kommandantur-Arrest + Former Detention Building +

Ehemaliger Kommandantur-Arrest während der US-Zeit

Former Detention Building during the U.S. Period

US Kaserne - Ehemaliger Kommandantur-Arrest

Ehemaliges Lagergefängnis (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Former camp prison (2011) © KZ-Gst. Dachau

Nach 1945 internierte die US-Armee in dem Gefängnisbau mutmaßliche Kriegsverbrecher bis zu ihrem Prozess. Danach wurde das Gebäude bis zum Jahr 1972 als Militärgefängnis der US-Streitkräfte genutzt.

1945 nutzte die US-Armee das ehemalige Lagergefängnis (Bunker) des KZ Dachau ebenfalls als Gefängnisbau. Zuerst wurden hier mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher festgehalten, zwischen 1948 und 1965 straffällig gewordene US-Soldaten. In dieser Zeit erhielten die Zellen größere Fenster. Im Bunkerhof wurden die Trennmauern abgerissen. 1972 übergab die US-Armee das Gebäude an den Freistaat Bayern.

After 1945 the U.S. Army interned suspected war criminals in the detention building until their trial. The building was then used as a U.S. Armed Forces military prison until 1972.

In 1945 the U.S. Army also used the former camp prison (the bunker) of the Dachau concentration camp as a prison facility. Initially, suspected Nazi war criminals were detained here, then between 1948 and 1965 U.S. soldiers convicted of offences. In this period the cells were fitted with larger windows. The partition walls were demolished in the bunker courtyard. The U.S. Army handed over the building to the Free State of Bavaria in 1972.

Präzifix-Werk + Präzifix Factory +

Das Präzifix-Werk nach dem Zweiten Weltkrieg

The Präzifix Factory after the Second World War

Das Präzifix-Werk, in welchem zeitweise 400 Häftlinge des KZ-Dachau Zwangsarbeit leisten mussten, konnte schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Produktion von Küchenwaagen und Gewindewalzen mit der alten Zivilbelegschaft wieder aufnehmen. 1949 stellte sich bei einer Gebäudebestandsaufnahme auf dem Fabrikgelände heraus, dass die ehemaligen Häftlingsbaracken abgerissen worden waren. Das Areal wechselte in den folgenden Jahrzehnten mehrmals den Besitzer, blieb jedoch stets ein Fabrikgelände.

The Präzifix factory, where at times 400 prisoners from the Dachau concentration camp had to perform forced labor, was able to resume manufacturing kitchen scales and screw thread rollers with its old civilian workforce shortly after the end of the Second World War. In 1949 an inventory of the buildings on the factory grounds revealed that the former prisoner barracks had been demolished. While ownership of the premises changed hands several times in the ensuing decades, it was always used as factory site.

Ehem.
Häftlingslager-
Lagerbordell +
Former
Bordello +

Die Umnutzung des ehemaligen Häftlingslager-Lagerbordells 1948

The use of the former bordello in the prisoner camp, 1948

In der Zeit des Flüchtlingswohnlagers Dachau Ost wurde das Gebäude bis zu seinem Abriss Mitte der 1950er Jahre wahrscheinlich als gastronomischer Betrieb genutzt. An der markierten Stelle wird der historische Standort angezeigt.

For the years of the Dachau East refugee camp, the building was probably used as a gastronomic premises up until its demolition in the mid-1950s. The historical location is shown on the marked position.

Ehem. Wirtschaftsgebäude + The Former Maintenance Building +

Das ehemalige Wirtschaftsgebäude (1945-1965)

The Former Maintenance Building (1945-1965)

Ehemalige Wirtschaftsgebäude

Blick auf das ehemalige Wirtschaftsgebäude (Foto entstanden 1938-1941)
© KZ-Gst. Dachau

View of the former maintenance building (picture from 1938-1941)
© KZ-Gst. Dachau

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers übernahmen die US-Amerikaner die Verwaltung des Gebäudes. Im Keller des Westflügels wurden Werkstätten und eine Kleinkaliberschießanlage untergebracht. Im Erdgeschoss fanden ein Speisesaal, eine Küche und Unterkünfte mit Waschräumen Platz. Im östlichen und mittleren Teil des Gebäudes siedelte sich eine private Lederfabrik an. Zur Einrichtung des Museums waren umfangreiche Um- und Rückbaumaßnahmen erforderlich.

After the liberation of the concentration camp the U.S. Army moved into the building. Workshops and a small-caliber shooting range were set up in the western wing. Located on the ground floor was a mess hall, a kitchen and accommodation quarters with washrooms. A private leather factory located in the eastern and middle section of the building. Extensive renovation and dismantling work was necessary to build the museum.

Ehem. Desinfektionsbaracke + Former Disinfection Barrack +

Wohnlager Dachau-Ost - ehemalige Desinfektionsbaracke

Residential Camp Dachau East – former Disinfection Barrack

Ehemalige Desinfektionsbaracke

Desinfektionsgebäude nach 1945
© R. Fischer

Disinfection building after 1945 © R. Fischer

Die ehemalige Desinfektionsbaracke des Konzentrationslagers am nördlichen Ende des Geländes wurde zu einem Restaurant umgebaut. Der Abriss der Gebäude erfolgte während der Umgestaltung des Geländes zur Gedenkstätte im Jahr 1964.

The former disinfection barrack of the concentration camp, located on the northern end of the grounds, was converted into a restaurant. The building was then demolished during the redevelopment of the grounds into a memorial site in 1964.

Jourhaus + Jourhaus/
Gatehouse +

Jourhaus

Jourhaus

Jourhaus

Das Jourhaus vom inneren der Gedenkstätte (2011)
© KZ-Gst. Dachau

The Jourhaus/Gatehouse from inside the Memorial Site (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Nach 1945 wurde das Jourhaus während der Nutzung unter US-Verwaltung leicht umgebaut. Der Wachturm wurde entfernt, die Inschrift „Arbeit macht frei“ am Gittertor demontiert. Nachdem das Gebäude 1972 wieder freigegeben war, erfolgte der Rückbau in seinen weitgehend ursprünglichen Zustand.
An den Wänden des Torbogens sind heute zwei Gedenktafeln angebracht, die an die Befreiung des Lagers durch amerikanische Einheiten am 29. April 1945 erinnern.

After 1945 slight building modifications were made to the Jourhaus/Gatehouse during its use by the U.S. Army. The guard tower was dismantled, the inscription on the paled gate – “Arbeit macht frei” – was removed. After the building was once again vacated in 1972 it was then restored to something closer to its original state. Today two memorial plaques are attached to the walls of the archway, both of which commemorate the liberation of the camp by American units on April 29 1945.

Grundschule + Primary School +

Grundschule

Primary School

Grundschule

Gruppe von Schulkindern mit Lehrerin vor der Grundschule in der Wohnsiedlung Dachau-Ost in den 50er-Jahren
© Privatbesitz W. Ebert

Group of school children with a teacher in front of the primary school in the Dachau East estate in 1950s
© private property W. Ebert

Im ehemaligen „Block“ 30 bestand bis zur Auflösung der Wohnsiedlung eine Grundschule für die ortsansässigen Kinder.

A primary school for children was located in “block” 30 until the residential estate was closed.

Großes Krematorium + Large Crematorium +

Das ehemalige große Krematorium, die „Baracke X“ nach 1945

The Former Large Crematorium, “Barrack X” after 1945

Das große Krematorium, die „Baracke X“ (1942/43)

Ostseite des Krematoriums (Baracke X), Gruppe von US-Soldaten vor einem Leichenberg (1945)
© KZ-Gst. Dachau

Eastern side of the crematorium (Barack X), a group of US soldiers in front of a pile of corpses (1945)
© KZ-Gst. Dachau

Das ehemalige große Krematorium, die „Baracke X“ nach 1945

Großes Krematorium (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Large crematorium (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Das Gebäude wurde vom Mai 1942 bis April 1943 als Tötungseinrichtung und zur Einäscherung von Leichen errichtet. In den Baudokumenten wurde es zunächst als „Gebäude X“, später als „Baracke X“ bezeichnet. In der Mitte des Baus befand sich das „Brausebad“. Diese als Dusche getarnte Gaskammer wurde Überlebenden zufolge von der SS zur Ermordung einzelner Häftlinge und kleinerer Gruppen durch Giftgas genutzt. In der „Baracke X“ befanden sich zudem die Kleiderdesinfektionskammern, der Eingangs- , Warte- und Auskleideraum, zwei Totenkammern und der Verbrennungsraum mit vier Verbrennungsöfen. Dahinter lagen die Räume für den SS-Kommandoführer, die Garage und Unterkünfte für ein Häftlingskommando. Im Februar 1945, eventuell auch schon im Oktober 1944, wurde das Krematorium wegen Kohlemangels außer Betrieb gesetzt. Häftlinge wurden gezwungen, die Leichen auf dem Leitenberg in Dachau-Etzenhausen zu begraben. Mit dem Näherrücken der alliierten Truppen wurden die Leichen im Krematoriumsbereich und in der Nähe des Krankenreviers gesammelt.


In late fall 1945 the first documentary exhibition on the Dachau concentration camp was opened in the former “barrack X”. Held at the same time as the Dachau Trials, the exhibition showed the horrific conditions which had prevailed in the concentration camp. The Bavarian government closed this exhibition in 1953. This move was part of the effort to have the Dachau concentration camp disappear from official public memory. In about 1958 the large chimney needed to be repaired for static reasons and was shortened by four meters.

Krematoriumsbereich + Crematorium Area +

Der Krematoriumsbereich

The Crematorium Area

Der Krematoriumsbereich

Krematorium im Jahr 2011
© KZ-Gst. Dachau

Crematorium 2011
© KZ-Gst. Dachau

Der Krematoriumsbereich ist der zentrale Gedenkort und Friedhof der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Der Bereich mit dem ersten Krematorium von 1940 sowie dem 1942/43 erbauten großen Krematorium, der so genannten „Baracke X“, war ursprünglich vom Häftlingslager strikt getrennt. Vor dem Jourhaus zweigte der Weg innerhalb des SS-Lagers hierher ab und nur die Häftlinge, die für die Arbeiten im Krematorium eingesetzt waren, durften das Gelände betreten.
Im hinteren Bereich liegt der Exekutionsort, an dem sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge der Gestapo erschossen wurden.
Schon im Sommer 1945 wurde hier eine Ausstellung gezeigt, die im Zusammenhang mit den im November 1945 beginnenden Prozessen gegen SS-Angehörige deren Verbrechen dokumentieren sollte. Die Ausstellung wurde 1953 vom Bayerischen Staat geschlossen. Zwischen 1960 und 1964 wurde eine weitere Ausstellung des CID gezeigt.
Die heutige Verbindung zwischen Häftlingslagerbereich und Krematoriumsbereich entstand nach dem Zweiten Weltkrieg.

The crematorium area is the main place of remembrance and cemetery at the Dachau Memorial Site.
The area with the first crematorium from 1940 and the large crematorium built in 1942/43, the so-called “barrack X“, was originally strictly separated from the prisoner camp. In front of the Jourhaus the path within the SS camp forked here and only those prisoners detailed to work in the crematorium were allowed to enter the grounds.
At the back of the area is the execution site where Soviet prisoners of war and prisoners of the Gestapo were shot.
An exhibition was shown here in the summer of 1945, which, together with the trials against members of the SS that begun in November 1945, were to document the crimes committed. The exhibition was closed by the Bavarian state in 1953. A second exhibition by the CID was shown between 1960 and 1964.
The connection between the prisoner camp grounds and the crematorium area was created after the Second World War.



Denk- und Mahnmale im Krematoriumsbereich

Memorials and Monuments in the Crematorium Area


Im Krematoriumsbereich sind verschiedene Denk- und Mahnmale entlang eines Rundweges angelegt. Aus dem Jahr 1950 stammt der Findlingsstein mit der Inschrift: „Denket daran, wie wir hier starben“ kurz hinter der Brücke in einer Nische auf der rechten Seite. Ein jüdisches Denkmal mit dem Text „Grab Tausend Unbekannter“ befindet sich auf der rückwärtigen Seite des Krematoriums. Es wird ergänzt durch einen dahinter aufgestellten Grabstein mit dem Namen eines bekannten jüdischen Häftlings „Czitron Dezsö, gestorben 1945“. Daneben steht ein steinernes Denkmal, das den Davidstern mit der Menorah und den Worten „vergiss nicht“ verbindet. Das Denkmal des Bildhauers Fritz Koelle ist dem „Unbekannten Häftling“ gewidmet. In der „ Baracke X“ erinnert eine Gedenktafel an die weiblichen Offiziere der britischen Streitkräfte, die zur Unterstützung der Résistance in Frankreich mit dem Fallschirm abgesprungen waren und in der Nähe des Krematoriums erschossen wurden.

Various memorials and monuments are positioned along a circular path in the crematorium area. From 1950 is the boulder inscribed: “Think of how we died here”, located behind the bridge in a niche on the right-hand side. A Jewish monument with the text “Grave of the Unknown Thousands” is at the rear side of the crematorium. It is complemented by a headstone positioned behind it with the name of a known Jewish prisoner “Czitron Dezsö, died 1945”. Next to it is a stone monument that joins the Star of David with the menorah and the words “don’t forget”. The monument by the sculptor Fritz Koelle is dedicated to the “unknown prisoner”. In “barrack X” a memorial plaque recalls the female officers of the British Armed Forces who had been captured after parachuting into France to support the Résistance and were executed near the crematorium.


Kirchen auf dem ehemaligen Appellplatz + Churches on the Former Roll Call Area +

Kirchen auf dem ehemaligen Appellplatz

Churches on the Former Roll Call Area

Kirchen auf dem ehemaligen Appellplatz

Die Katholische Heiligkreuz-Kirche auf dem ehemaligen Appellplatz
© R. Fischer

The Catholic Holy Cross Church on the former roll call area
© R. Fischer

Die im November 1945 auf dem ehemaligen Appellplatz für das Internierungslager errichtete katholische Heiligkreuz-Kirche blieb bis 1964 bestehen. Für das Flüchtlingslager wurde 1951 zusätzlich die evangelische Golgatha-Kirche errichtet. Beide Kirchen-Gebäude wurden 1964 im Zuge der Umbauten zur Gedenkstätte wieder entfernt. Die Golgatha-Kirche steht bis heute im acht Kilometer entfernten Ort Ludwigsfeld.

Built in November 1945 on the former roll call area for the internment camp, the Catholic Holy Cross Church stood until 1964. In 1951 the Protestant Golgotha Church was additionally built for the refugee camp. Both churches were removed in 1964 as part of the redevelopment of the grounds into a memorial site. The Golgotha Church was relocated to Ludwigsfeld, some eight kilometers away, where it stills stands today.

SS-Compound + SS-Compound +

SS-Compound

SS-Compound

Von Juli 1945 bis Juni 1946 wurde auf dem Areal des ehemaligen Häftlingslagers ein so genannter SS-Compound eingerichtet, der auch die Bezeichnungen „Cage 1“ oder „Freiland“ trug. Hier wurden zwischen 10.000 und 13.000 Angehörige der SS, Waffen-SS sowie Funktionäre der NSDAP und ihrer Organisationen interniert. Im Januar 1946 kam es zur Entlassung von SS-Männern mit niedrigeren Dienstgraden. Nach weiteren Entlassungswellen löste die US-amerikanische Lagerleitung ab dem 27. Mai 1946 den Bereich vollständig auf. Die verbliebenen SS-Männer verlegte sie in die Internierungslager in Bad Aibling bei Rosenheim bzw. Plattling in Niederbayern.
Nach der Auflösung des SS-Compound wurde das Zivilinternierungslager Camp Nr. 29 geschaffen. Es bildete den vierten Funktionsbereich des Internierungslagers Dachau und bestand bis zum 31. August 1948.

From July 1945 to June 1946, a so-called SS Compound was set up on the area of the former prisoner camp, which was also known as “Cage 1” or “Freiland”. Here between 10,000 and 13,000 members of the SS, Waffen SS as well as functionaries of the Nazi Party and its organizations were interned. In January 1946, low-ranking SS men were released. After further waves of releases, the US camp leadership completely disbanded the area on May 27 1946. The remaining SS men were transferred to the internment camps at Bad Aibling near Rosenheim or Plattling in Lower Bavaria.
After the disbanding of the SS compound, a civilian internment camp, called Camp No. 29, was set up. It was the fourth functional area of the internment camp Dachau and existed until August 31 1948.


Ehemalige Plantage + Former Plantation +

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau nach 1945
Transformation eines Geländes:
Vom Häftlingskommando zur Gärtnerei und Sozialwohnheim

The Former Plantation of the Dachau Concentration Camp after 1945
Transformation of the Grounds:
from Prisoner Work Detail to a Horticultural Business and Hostel

Ehemaliger Kräutergarten

Wohnheim für Sozialbedürftige Mitbürger (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Residence for people in need of social welfare(2006)
© KZ-Gst. Dachau

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau wurde nach dem Krieg unter dem neuen Namen Deutsche Versuchsanstalt weitergeführt. Der Betrieb stand unter staatlicher Aufsicht, wurde jedoch am 1. April 1949 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Eine Privatfirma übernahm das Gelände und errichtete zwischen 1954 und 1957 weitere Gewächshäuser. In den 1970er Jahren kam es infolge weiterer Besitzerwechsel zu Umbaumaßnahmen und Abrissen. Die Agrarflächen wurden mit dem Gewerbegebiet Dachau-Ost überbaut. Weitgehend zerstört sind die drei historischen Gewächshäuser, sanierungsbedürftig die historischen Kopfbauten. Gut erhalten sind der ehemalige Verkaufsladen und das ehemalige Bienenhaus. Das Gebäude des ehemaligen Forschungsinstituts und der Verwaltung wird heute noch als Wohnheim für Obdachlose genutzt. Sie befinden sich im Besitz der Stadt Dachau.


The former plantation of the Dachau concentration camp was continued after the war under the new name of Deutsche Versuchsanstalt. The enterprise was now run by the state, but ceased operations however on April 1 1949 for economic reasons. A private firm took over the grounds and built additional greenhouses between 1954 and 1957. In the 1970s more reconstruction work and demolitions followed as ownership changed hands. The agricultural land was overbuilt with the new industrial zone Dachau-East. Largely destroyed are the three historical greenhouses, while the historical gables are in need of renovation. In good condition are the former commercial store and the former bee house. The building of the onetime research institute and administrative offices is still in use today as a hostel for homeless persons. These are all owned by the City of Dachau authority.


Ehemaliger Kräutergarten

Hauptgebäude des ehemaligen Kräutergartens mit Treibhaus (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Main building of the former “herb garden” with greenhouse (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Todesangst-Christi-Kapelle + Mortal Agony of Christ Chapel +

Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle

The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel

Katholische Todesangst-Christi-Kapelle

Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle (2010)
© KZ-Gst. Dachau

The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel (2010)
© KZ-Gst. Dachau

Am 5. August 1960 wurde die katholische Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht.
Sie entstand auf Initiative des Münchner Weihbischofs und ehemaligen Dachauer KZ-Häftlings Johannes Neuhäusler. Den monumentalen Rundbau aus unbehauenen Kieselsteinen aus der Isar entwarf der Münchner Architekt Josef Wiedemann. An ihrer Rückseite ist eine Gedenktafel mit einem Christusbildnis angebracht, die von ehemals inhaftierten Geistlichen aus Polen gestiftet und am 19. August 1972 enthüllt wurde. Die Tafel berichtet in verschiedenen Sprachen von den Leiden polnischer Häftlinge im KZ Dachau.
Die Glocke vor dem Gebäude wurde von ehemaligen österreichischen Häftlingen gestiftet und von Emmerich Hornich, selbst ein ehemaliger Dachau-Häftling, gegossen. Am 22. Juli 1961 wurde sie geweiht. Seitdem läutet sie jeden Nachmittag um 14:50 Uhr zum Gebet für die Opfer des Konzentrationslagers.

On August 5 1960 the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel, located at the end of the former camp road, was consecrated.
The chapel was built on the initiative of the Munich auxiliary bishop and former Dachau camp prisoner Johannes Neuhäusler. The monumental circular building made of unhewn pebble stones from the Isar River was designed by the Munich architect Josef Wiedemann. Attached at the back of the building is a memorial plaque with a portrait of Christ, dedicated by former imprisoned Polish priests. It was unveiled on August 19 1972. In several languages the plaque tells of the suffering of the Polish prisoners, the largest prisoner group, in Dachau. The bell in front of the building was donated by former Austrian prisoners and was cast by Emmerich Hornich, a former Dachau prisoner. It was consecrated on July 22 1961. Since then it rings out every afternoon at 2:50 p.m., calling for prayers for the victims of the concentration camp.

Ehemaliges SS-Lazarett + Former SS Infirmary +

Ehemaliges SS-Lazarett

Former SS Infirmary

Im ehemaligen SS-Lazarett wurden zunächst erkrankte ehemalige KZ-Häftlinge behandelt, später auch deutsche Kriegsgefangene.

The onetime SS infirmary was first used to treat the former concentration camp prisoners, then later German prisoners of war.

Karmel Heilig Blut + Carmelite Convent ‘Heilig Blut’ +

Das Karmel Heilig Blut

The Carmelite Convent ‘Heilig Blut’

Das Karmel Heilig Blut

Postkarte des Karmelitinnenkloster und der der Katholischen Todesangst Christi-Kapelle
© StadtA Dachau

Post card of the Carmelite convent and the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel
© StadtA Dachau

Hinter der nördlichen Mauer des ehemaligen Häftlingslagers, auf dem Gelände des früheren „Wildparks“ des KZ Dachau befindet sich seit 1964 das Karmelitinnenkloster Heilig Blut. Weihbischof Neuhäusler weihte das Kloster am 22. November 1964 ein.
Die Initiative zur Einrichtung des Klosters ging von der Priorin des Karmel Konvent in Bonn aus. Der Münchner Kardinal Döpfner unterstützte das Projekt und betraute den ehemaligen Dachauer Häftling Bischof Johannes Neuhäusler mit der Planung.
Die Klosteranlage kann durch ein Tor im Nordturm betreten werden. Der Grundriss des Klosters hat die Form eines Kreuzes, die Kapelle steht für die Besucher der Gedenkstätte offen. In der Kapelle wird die „Madonna von Dachau”, eine Marienstatue aus dem Priesterblock 26 des Konzentrationslagers aufbewahrt.

Behind the northern wall of the former prisoner camp, on the grounds of the earlier “deer park” of the Dachau concentration camp, is the Carmelite convent ‘Heilig Blut’, consecrated on November 22 1964 by Bishop Neuhäusler.
The initiative to build a convent came from the prioress of the Carmelite convent in Bonn. Cardinal Döpfner of Munich supported the project and entrusted the former Dachau prisoner Bishop Johannes Neuhäusler with the planning.
Entrance to the convent is by a door in the north tower. The ground plan is based on the form of a cross; the chapel is open for Memorial Site visitors. The “Madonna of Dachau”, a statue of Mary from priest block 26 of the Dachau concentration camp, is kept in the chapel.

Leitenberg + Leitenberg +

Gedenkorte auf dem Leitenberg

Commemoration on the Leitenberg

Leitenberg

Gedenktafeln auf dem Leitenberg (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Memorial plaques on the Leitenberg (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Vom 28. Februar 1945 bis zum 27. April 1945, möglicherweise auch schon im Oktober 1944, wurden auf Anweisung der Kommandantur des KZ Dachau auf dem Leitenberg Massengräber angelegt. Weitere verstorbene Häftlinge wurden dort nach der Befreiung bestattet. Nach Überführungen von Toten mehrerer europäischer Staaten in den Jahren 1955 bis 1959 in ihre Heimat, sind heute noch 7.439 KZ-Häftlinge am Leitenberg bestattet.

Neben dem 1949 eingeweihten Ehrenfriedhof befindet sich dort heute eine achteckige, turmartige Gedächtnishalle für die KZ-Opfer sowie die 1963 errichtete italienische Gedenkkapelle Regina Pacis. 1999 wurde ein Gedenkstein für die polnischen Opfer unter den Toten eingeweiht.

Between February 28 1945 and April 27 1945, possibly as early as October 1944, the commandant’s office ordered the digging of mass graves on the Leitenberg. Other prisoners who died after liberation were also buried there. After the remains of the dead from many European states were returned home between 1955 and 1959, today 7 439 concentration camp prisoners are buried on the Leitenberg.
Along with the Cemetery of Honor inaugurated in 1949, located on the site today are an octagonal, tower-like commemorative hall for the concentration camp victims and the Italian memorial chapel Regina Pacis built in 1963. In 1999 a memorial stone for the Polish victims amongst the dead was unveiled.

Waldfriedhof + Woodlands Cemetery +

Waldfriedhof

Woodlands Cemetery

Waldfriedhof

Die Gräber von KZ-Häftlingen auf dem Waldfriedhof (2012)
© KZ-Gst. Dachau

The graves of the former camp prisoners at the woodlands cemetery (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Auf dem Waldfriedhof wurden nach Kriegsende vor allem diejenigen ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau begraben, die in den Monaten unmittelbar nach der Befreiung noch an den Folgen ihrer Haft starben. Unter den mehr als 1.300 Bestatteten befinden sich auch ehemalige jüdische Häftlinge, die den Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau Ende April 1945 nicht überlebten. Im Lauf der Nachkriegsjahre wurden mehrere der auf dem Waldfriedhof bestatteten KZ Häftlinge auf Friedhöfe ihrer Heimatländer umgebettet.

After the war, those former prisoners of the Dachau concentration camp were buried at the woodlands cemetery who died as a result of their imprisonment in the months directly following liberation. Amongst the 1,300 persons buried there are former Jewish prisoners who did not survive the death march from the Flossenbürg concentration camp to Dachau at the end of April 1945. Over the years, several of the bodies were reinterred at cemeteries in their home countries.

Internationales Mahnmal + International Monument +

Das Internationale Mahnmal

The International Monument

Internationales Mahnmal

Bauarbeiten für das Mahnmal, 1967.
© KZ-Gst. Dachau

Building work on the Monument, 1967.
© KZ-Gst. Dachau

Das Internationale Mahnmal war eine zentrale Forderung des Comité International de Dachau (CID), das sich bis heute aus ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen zusammensetzt. Am 8. September 1968 wurde das von dem Künstler Nandor Glid (1924-1997) entworfene Mahnmal eingeweiht. Es besteht aus folgenden Komponenten:

Der Eingangsmauer, gewidmet den Widerstandskämpfern.

Der bronzenen Großskulptur „Menschen im Stacheldraht“. Ihre 24 Betonpfeiler verweisen auf die Bewachungsanlage des Lagers und dazu auf die ursprüngliche Zahl der Herkunftsstaaten der Häftlinge.

Einem Ketten-Relief mit verschiedenen Häftlingswinkeln, die für die Solidarität der Häftlinge stehen. Auf Beschluss des CID wurden der grüne, der schwarze und der rosa Winkel für die sog. „kriminellen“, „asozialen“ und homosexuellen Opfer in der Ausführung nicht umgesetzt.
Dem Grundstein und der Urne mit der Asche eines unbekannten Häftlings.

Einer granitgetäfelten Inschriftenwand mit der Mahnung „Nie wieder“ in fünf Sprachen.


The International Monument was a main demand of the Comité International de Dachau (CID), which is today still made up of former prisoners and their relatives. Created by the artist Nandor Glid (1924-1997), the monument was unveiled on September 8 1968. It is comprised by the following elements:
The entrance wall, dedicated to resistance fighters.
The large bronze sculpture “In Barbed Wire”. Its 24 concrete pillars refer to the camp’s guard facilities and the initially known number of countries from which prisoners came.
A chain relief with different prisoner triangular patches, representing the solidarity amongst the prisoners. Following a decision by the CID, the green, black, and pink triangles for the so-called “criminal”, “asocial”, and homosexual victims were not included in the final version.
The foundation stone and urn with the ashes of an unknown prisoner.
A granite inscription wall with the admonition “Never Again” in five languages.


Internationales Mahnmal

Nandor Glid bei der Eröffnung des Mahnmals 1968
© Privatbesitz Familie Glid

Nandor Glid at the inauguration of the Monument, 1968 © private property Family Glid

Internationales Mahnmal

Das Ketten-Relief des Mahnmals, 2011
© KZ-Gst. Dachau

The chain relief of the Monument, 2011 © KZ-Gst. Dachau

Ehemaliges Arrestgebäude + Former Detention +

Der Arrestbau 1945-1972

The Detention Building 1945-1972

Nach 1945 internierte die US-Armee in dem Gefängnisbau mutmaßliche Kriegsverbrecher bis zu ihrem Prozess. Danach wurde das Gebäude bis zum Jahr 1972 als Militärgefängnis der US-Streitkräfte genutzt.

After 1945 the U.S. Army interned suspected war criminals in the detention building until their trial. The building was then used as a U.S. Armed Forces military prison until 1972.

Jourhaus + Jourhaus +

Jourhaus

Jourhaus

Jourhaus

Das Jourhaus vom inneren der Gedenkstätte (2011)
© KZ-Gst. Dachau

The Jourhaus/Gatehouse from inside the Memorial Site (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Nach 1945 wurde das Jourhaus während der Nutzung unter US-Verwaltung leicht umgebaut. Der Wachturm wurde entfernt, die Inschrift „Arbeit macht frei“ am Gittertor demontiert. Nachdem das Gebäude 1972 wieder freigegeben war, erfolgte der Rückbau in seinen weitgehend ursprünglichen Zustand.
An den Wänden des Torbogens sind heute zwei Gedenktafeln angebracht, die an die Befreiung des Lagers durch amerikanische Einheiten am 29. April 1945 erinnern.

After 1945 slight building modifications were made to the Jourhaus/Gatehouse during its use by the U.S. Army. The guard tower was dismantled, the inscription on the paled gate – “Arbeit macht frei” – was removed. After the building was once again vacated in 1972 it was then restored to something closer to its original state. Today two memorial plaques are attached to the walls of the archway, both of which commemorate the liberation of the camp by American units on April 29 1945.

Krematoriumsbereich + Crematoria Area +

Der Krematoriumsbereich

The Crematoria Area

Der Krematoriumsbereich

Krematorium im Jahr 2011
© KZ-Gst. Dachau

Crematoria in the year 2011
© KZ-Gst. Dachau

Der Bereich mit den beiden Krematorien von 1940 beziehungsweise 1942/43 ist der zentrale Gedenkort und Friedhof der KZ-Gedenkstätte Dachau. Er war ursprünglich vom Häftlingslager strikt getrennt. Vor dem Jourhaus zweigte der Weg innerhalb des SS-Lagers hierher ab und nur die Häftlinge, die für die Arbeiten im Krematorium eingesetzt waren, durften das Gelände betreten.
Im hinteren Bereich liegt der Exekutionsort, an dem sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge der Gestapo erschossen wurden.
Im Sommer 1945 zeigten ehemalige Häftlinge hier eine Ausstellung, die im Zusammenhang mit den im November 1945 beginnenden Dachauer Prozessen die Verbrechen der SS dokumentieren sollte. 1953 schloss der Bayerische Staat die Ausstellung. Zwischen 1960 und 1964 zeigte das CID aus Anlass des eucharistischen Weltkongresses eine weitere Ausstellung. Die heutige Verbindung zwischen Häftlingslager- und Krematoriumsbereich entstand nach dem Zweiten Weltkrieg.

The area with the two crematoria from 1940 and 1942/43 is the main place of remembrance and cemetery in the Dachau Concentration Camp Memorial Site. It was originally strictly separated from the prisoner camp. In front of the Jourhaus the path within the SS camp forked here and only those prisoners detailed to work in the crematorium were allowed to enter the grounds.
At the back of the area is the execution site where Soviet prisoners of war and prisoners of the Gestapo were shot.
In the summer of 1945 former prisoners showed an exhibition here which, together with the Dachau Trials due to commence in November 1945, was to document the crimes of the SS. In 1953 the Bavarian state closed the exhibition. Between 1960 and 1964 the CID presented another exhibition, opened to coincide with the Eucharistic World Congress. The connection between the prisoner camp grounds and the crematorium area was created after the Second World War.



Denk- und Mahnmale im Krematoriumsbereich

Memorials and Monuments in the Crematorium Area


Im Krematoriumsbereich sind verschiedene Denk- und Mahnmale entlang eines Rundweges angelegt. Aus dem Jahr 1950 stammt der Findlingsstein mit der Inschrift: „Denket daran, wie wir hier starben“ kurz hinter der Brücke in einer Nische auf der rechten Seite. Ein jüdisches Denkmal mit dem Text "Grab Tausend Unbekannter“ befindet sich auf der rückwärtigen Seite des Krematoriums. Es wird ergänzt durch einen dahinter aufgestellten Grabstein mit dem Namen eines bekannten jüdischen Häftlings „Czitron Dezsö, gestorben 1945“. Daneben steht ein steinernes Denkmal, das den Davidstern mit der Menorah und den Worten „vergiss nicht“ verbindet. Das Denkmal des Bildhauers Fritz Koelle ist dem „Unbekannten Häftling“ gewidmet. In der „Baracke X“ erinnert eine Gedenktafel an die weiblichen Offiziere der britischen Streitkräfte, die zur Unterstützung der Résistance in Frankreich mit dem Fallschirm abgesprungen waren und in der Nähe des Krematoriums erschossen wurden.

Various memorials and monuments are positioned along a circular path in the crematorium area. From 1950 is the boulder inscribed: “Think of how we died here”, located behind the bridge in a niche on the right-hand side. A Jewish monument with the text “Grave of the Unknown Thousands” is at the rear side of the crematorium. It is complemented by a headstone positioned behind it with the name of a known Jewish prisoner “Czitron Dezsö, died 1945”. Next to it is a stone monument that joins the Star of David with the menorah and the words “don’t forget”. The monument by the sculptor Fritz Koelle is dedicated to the “unknown prisoner”. In “barrack X” a memorial plaque recalls the female officers of the British Armed Forces who had been captured after parachuting into France to support the Résistance and were executed near the crematorium.



„Alter Galgenstand“

“Old Gallows Post“


Das Betonfundament vor dem großen Krematorium, in dem der Galgen eingelassen war, trägt die Inschrift „Alter Galgenstand“. Ab den 1960er Jahren wurde die Tafel, wie auch der restliche Bereich in ein gärtnerisches Gesamtkonzept eingebettet.

The concrete foundation in front of the large crematorium, where the gallows were positioned, bears the inscription “old gallows post”. In the 1960s, along with the other monuments and memorials, the plaque was embedded in a garden concept for the whole area.



Aschegräber und Hinrichtungsstätte

Ash Graves and Execution Site


Der angelegte Rundweg im Krematoriumsbereich führt zu den Aschegräbern der in den Krematorien verbrannten Leichen. Nach der Befreiung wurden diese Orte als Grabstätten gekennzeichnet. Heute befinden sich dort Grabmale.
Auch an der ehemaligen Hinrichtungsstätte befindet sich eine Steinplatte, die die Inschrift „Genickschuss-Stand mit Blutgraben“ trägt. Im Herbst 1944 erschoss die SS dort 92 sowjetische Offiziere, Mitglieder einer Widerstandsorganisation.

The circular path in the crematorium area leads to the ash graves of those bodies burnt in the crematorium. They were designated a gravesite after liberation. Gravestones are there today. A stone plaque is also positioned at the former execution site; it is inscribed “execution by a shot in the back of the head – blood grave”. Here, in the fall of 1944, the SS executed 92 Soviet officers, members of a resistance group, in this way.


Modellbaracken + Model Barracks +

Die Modellbaracken

The Model Barracks

Die Modellbaracken

Außenwand einer der beiden rekonstruierten Modellbaracken (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Exterior wall of one of the two reconstructed model barracks (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Die beiden heutigen Baracken sind 1965 errichtete, aber keine originalgetreue Nachbauten. Die historischen Bauten waren weniger stabil gebaut, besaßen keine Fundamente und hatten einen dunkelgrünen Außenanstrich. An der Stelle der heutigen Nachbauten befanden sich historisch das propagandistisch genutzte Lagermuseum und am Ort der heutigen Ausstellungsbaracke eine Baracke des „Krankenreviers“.
Der fehlende politische Wille zum Unterhalt der originalen Baracken führte zwischen 1963 und 1964 zu ihrem Abriss. An die Stelle der historischen Relikte trat eine gestaltete Gedenkstätte.
Die Ausstellung in der heutigen Modellbaracke will die Wohnsituation und Lebensbedingungen der Häftlinge in den Jahren 1933/34, 1937/38 und 1944/45 vermitteln. Sie verdeutlicht die zunehmende Enge und die sich kontinuierlich verschlechternden hygienischen Verhältnisse.

The two present-day barracks were built in 1965; they are not faithful reconstructions however. The historical prisoner barracks were far less stable constructs, had no foundations, and were painted dark green on the outside. Located where today’s replica stand was the propagandistic camp museum, while where today’s exhibition barrack stands was once the location of a “sickbay” barrack.
The lack of political will to maintain the original barracks led to their demolition between 1963 and 1964. The historical relics were replaced by a newly constructed memorial site.
The exhibition in today’s model barrack aims to convey an impression of the accommodation situation and the living conditions the prisoners faced in 1933/34, 1937/38, and 1944/45. It illustrates the increasing overcrowding and the continuously deteriorating hygienic conditions.

Jüdische Gedenkstätte + Jewish Memorial +

Die Jüdische Gedenkstätte

The Jewish Memorial

Die Jüdische Gedenkstätte

Die jüdische Gedenkstätte (2011)
© KZ-Gst. Dachau

The Jewish memorial (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Der jüdische Gedenkort, gestaltet von dem Architekten Zvi Guttmann, wurde am 7. Mai 1967 eingeweiht. Von 1937 bis 1945 befand sich hier die Angorazucht, deren Abriss 1964 erfolgte. Östlich hiervon waren bis 1964 die vormalige Desinfektionsbaracke und das ehemalige Lagerbordell.
Wie auf einer Rampe führt der Gedenkort in die Tiefe, eine symbolische Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden. Am tiefsten Punkt dringt Licht durch eine Öffnung in der Decke. Überragt wird der Bau von einer Menorah aus Peki’in Marmor. Der Ort Peki’in in Israel soll stets von wenigstens einem Juden bewohnt gewesen sein, wodurch eine Kontinuität des Judentums symbolisiert wird. Im Inneren leuchtet das „Ner Tamid”, das Ewige Licht. Über dem Eingang des Gedenkortes ist der folgende Psalm eingemeißelt: „Stelle, oh Ewiger, ihnen eine Warnung hin! Erfahren sollen die Völker, dass sie Sterbliche sind. Selah”. Eine Inschrift im Inneren der Gedenkortes erinnert an den Genozid an den Juden zwischen 1933-1945.

The Jewish memorial, designed by the architect Zvi Guttmann, was inaugurated on May 7 1967. From 1937 to 1945 the site was the location of the Angora breeding sheds, which were torn down in 1964. To the east was the onetime disinfection barrack and the former bordello until 1964.
As if on a ramp, the memorial leads visitors downwards, a symbolic reference to the extermination of European Jews. At its lowest point light shines in through an opening in the ceiling. The building is dominated by a menorah out of Peki’in marble. Peki’n is a town in northern Israel where at least one Jew has always lived, thus symbolizing continuity. The “Ner Tamid” shines in the interior, the Eternal Light. Carved above the entrance to the memorial in Hebrew and German is the Psalm verse:“Put them in fear, O Lord: that the nations may know themselves to be but men. Selah.” An inscription in the interior commemorates the genocide of the Jews between 1933 and 1945.

Karmel Heilig Blut + Carmelite Convent ‘Heilig Blut’ +

Das Karmel Heilig Blut

The Carmelite Convent ‘Heilig Blut’

Das Karmel Heilig Blut

Postkarte des Karmelitinnenkloster und der der Katholischen Todesangst Christi-Kapelle
© StadtA Dachau

Post card of the Carmelite convent and the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel
© StadtA Dachau

Hinter der nördlichen Mauer des ehemaligen Häftlingslagers, auf dem Gelände des früheren „Wildparks“ des KZ Dachau befindet sich seit 1964 das Karmelitinnenkloster Heilig Blut. Weihbischof Neuhäusler weihte das Kloster am 22. November 1964 ein.
Die Initiative zur Einrichtung des Klosters ging von der Priorin des Karmel Konvent in Bonn aus. Der Münchner Kardinal Döpfner unterstützte das Projekt und betraute den ehemaligen Dachauer Häftling Bischof Johannes Neuhäusler mit der Planung.
Die Klosteranlage kann durch ein Tor im Nordturm betreten werden. Der Grundriss des Klosters hat die Form eines Kreuzes, die Kapelle steht für die Besucher der Gedenkstätte offen. In der Kapelle wird die „Madonna von Dachau”, eine Marienstatue aus dem Priesterblock 26 des Konzentrationslagers aufbewahrt.

Behind the northern wall of the former prisoner camp, on the grounds of the earlier “deer park” of the Dachau concentration camp, is the Carmelite convent ‘Heilig Blut’, consecrated on November 22 1964 by Bishop Neuhäusler.
The initiative to build a convent came from the prioress of the Carmelite convent in Bonn. Cardinal Döpfner of Munich supported the project and entrusted the former Dachau prisoner Bishop Johannes Neuhäusler with the planning.
Entrance to the convent is by a door in the north tower. The ground plan is based on the form of a cross; the chapel is open for Memorial Site visitors. The “Madonna of Dachau”, a statue of Mary from priest block 26 of the Dachau concentration camp, is kept in the chapel.

Versöhnungskirche + Church of Reconciliation +

Die Evangelische Versöhnungskirche

The Protestant Church of Reconciliation

Die Evangelische Versöhnungskirche

Evangelische Versöhnungskirche (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Protestant Church of Reconciliation (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Am 30. April 1967 wurde die Versöhnungskirche von Pfarrer Martin Niemöller eingeweiht, einem ehemaligen „Sonderhäftling“ im KZ Dachau. In der Zeit des KZ Dachau befand sich an der Stelle der Kirche die Lagergärtnerei.
Die Entstehung der Evangelischen Versöhnungskirche geht zurück auf die Initiative ehemaliger Dachau-Häftlinge.
Der Bau des Architekten Helmut Strifler ist in den Grund der Gedenkstätte eingelassen und führt über Treppen unter die Oberfläche. An der Grenze zwischen Dunkelheit und Licht steht ein Stahltor von Fritz Kuhn mit Worten aus dem 17. Psalm: „Zuflucht ist unter dem Schatten deiner Flügel.” Der gebrochene und unregelmäßige Grundriss entzieht sich bewusst der rechtwinkeligen Anlage der NS-Lagerarchitektur. Die Räume sollen sich in ihrer Unregelmäßigkeit dem Ordnungsterror und der Uniformität des Konzentrationslagers entgegen stellen.

On April 30 1967 the Church of Reconciliation was consecrated by Pastor Martin Niemöller, a former “special prisoner” in the Dachau concentration camp. The Church is located where the camp horticulture garden once stood.
The Protestant Church of Reconciliation was built on the initiative of former Dachau prisoners.
Designed by the architect Helmut Strifler, the building is set below the ground level of the Memorial Site, with steps leading underground. At the threshold between darkness and light is a steel gate by Fritz Kuhn with a line from Psalm 17: “hide me under the shadow of your wings”. The fractured and irregular floorplan intentionally counters the rectangular rigidity of the Nazi camp architecture. In their inhomogeneity the rooms are designed to confront the terror of the imposed order and uniformity of the concentration camp.

Ehemalige Plantage + Former Plantation +

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau nach 1945
Transformation eines Geländes:
Vom Häftlingskommando zur Gärtnerei und Sozialwohnheim

The Former Plantation of the Dachau Concentration Camp after 1945
Transformation of the Grounds:
from Prisoner Work Detail to a Horticultural Business and Hostel

Ehemaliger Kräutergarten

Wohnheim für Sozialbedürftige Mitbürger (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Residence for people in need of social welfare(2006)
© KZ-Gst. Dachau

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau wurde nach dem Krieg unter dem neuen Namen Deutsche Versuchsanstalt weitergeführt. Der Betrieb stand unter staatlicher Aufsicht, wurde jedoch am 1. April 1949 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Eine Privatfirma übernahm das Gelände und errichtete zwischen 1954 und 1957 weitere Gewächshäuser. In den 1970er Jahren kam es infolge weiterer Besitzerwechsel zu Umbaumaßnahmen und Abrissen. Die Agrarflächen wurden mit dem Gewerbegebiet Dachau-Ost überbaut. Weitgehend zerstört sind die drei historischen Gewächshäuser, sanierungsbedürftig die historischen Kopfbauten. Gut erhalten sind der ehemalige Verkaufsladen und das ehemalige Bienenhaus. Das Gebäude des ehemaligen Forschungsinstituts und der Verwaltung wird heute noch als Wohnheim für Obdachlose genutzt. Sie befinden sich im Besitz der Stadt Dachau.


The former plantation of the Dachau concentration camp was continued after the war under the new name of Deutsche Versuchsanstalt. The enterprise was now run by the state, but ceased operations however on April 1 1949 for economic reasons. A private firm took over the grounds and built additional greenhouses between 1954 and 1957. In the 1970s more reconstruction work and demolitions followed as ownership changed hands. The agricultural land was overbuilt with the new industrial zone Dachau-East. Largely destroyed are the three historical greenhouses, while the historical gables are in need of renovation. In good condition are the former commercial store and the former bee house. The building of the onetime research institute and administrative offices is still in use today as a hostel for homeless persons. These are all owned by the City of Dachau authority.


Ehemaliger Kräutergarten

Hauptgebäude des ehemaligen Kräutergartens mit Treibhaus (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Main building of the former “herb garden” with greenhouse (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Todesangst-Christi-Kapelle + Mortal Agony of Christ Chapel +

Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle

The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel

Katholische Todesangst-Christi-Kapelle

Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle (2010)
© KZ-Gst. Dachau

The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel (2010)
© KZ-Gst. Dachau

Am 5. August 1960 wurde die katholische Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht.
Sie entstand auf Initiative des Münchner Weihbischofs und ehemaligen Dachauer KZ-Häftlings Johannes Neuhäusler. Den monumentalen Rundbau aus unbehauenen Kieselsteinen aus der Isar entwarf der Münchner Architekt Josef Wiedemann. An ihrer Rückseite ist eine Gedenktafel mit einem Christusbildnis angebracht, die von ehemals inhaftierten Geistlichen aus Polen gestiftet und am 19. August 1972 enthüllt wurde. Die Tafel berichtet in verschiedenen Sprachen von den Leiden polnischer Häftlinge im KZ Dachau.
Die Glocke vor dem Gebäude wurde von ehemaligen österreichischen Häftlingen gestiftet und von Emmerich Hornich, selbst ein ehemaliger Dachau-Häftling, gegossen. Am 22. Juli 1961 wurde sie geweiht. Seitdem läutet sie jeden Nachmittag um 14:50 Uhr zum Gebet für die Opfer des Konzentrationslagers.

On August 5 1960 the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel, located at the end of the former camp road, was consecrated.
The chapel was built on the initiative of the Munich auxiliary bishop and former Dachau camp prisoner Johannes Neuhäusler. The monumental circular building made of unhewn pebble stones from the Isar River was designed by the Munich architect Josef Wiedemann. Attached at the back of the building is a memorial plaque with a portrait of Christ, dedicated by former imprisoned Polish priests. It was unveiled on August 19 1972. In several languages the plaque tells of the suffering of the Polish prisoners, the largest prisoner group, in Dachau. The bell in front of the building was donated by former Austrian prisoners and was cast by Emmerich Hornich, a former Dachau prisoner. It was consecrated on July 22 1961. Since then it rings out every afternoon at 2:50 p.m., calling for prayers for the victims of the concentration camp.

Leitenberg + Leitenberg +

Gedenkorte auf dem Leitenberg

Commemoration on the Leitenberg

Leitenberg

Gedenktafeln auf dem Leitenberg (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Memorial plaques on the Leitenberg (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Vom 28. Februar 1945 bis zum 27. April 1945, möglicherweise auch schon im Oktober 1944, wurden auf Anweisung der Kommandantur des KZ Dachau auf dem Leitenberg Massengräber angelegt. Weitere verstorbene Häftlinge wurden dort nach der Befreiung bestattet. Nach Überführungen von Toten mehrerer europäischer Staaten in den Jahren 1955 bis 1959 in ihre Heimat, sind heute noch 7.439 KZ-Häftlinge am Leitenberg bestattet.

Neben dem 1949 eingeweihten Ehrenfriedhof befindet sich dort heute eine achteckige, turmartige Gedächtnishalle für die KZ-Opfer sowie die 1963 errichtete italienische Gedenkkapelle Regina Pacis. 1999 wurde ein Gedenkstein für die polnischen Opfer unter den Toten eingeweiht.

Between February 28 1945 and April 27 1945, possibly as early as October 1944, the commandant’s office ordered the digging of mass graves on the Leitenberg. Other prisoners who died after liberation were also buried there. After the remains of the dead from many European states were returned home between 1955 and 1959, today 7 439 concentration camp prisoners are buried on the Leitenberg.
Along with the Cemetery of Honor inaugurated in 1949, located on the site today are an octagonal, tower-like commemorative hall for the concentration camp victims and the Italian memorial chapel Regina Pacis built in 1963. In 1999 a memorial stone for the Polish victims amongst the dead was unveiled.

Waldfriedhof + Woodlands Cemetery +

Waldfriedhof

Woodlands Cemetery

Waldfriedhof

Die Gräber von KZ-Häftlingen auf dem Waldfriedhof (2012)
© KZ-Gst. Dachau

The graves of the former camp prisoners at the woodlands cemetery (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Auf dem Waldfriedhof wurden nach Kriegsende vor allem diejenigen ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau begraben, die in den Monaten unmittelbar nach der Befreiung noch an den Folgen ihrer Haft starben. Unter den mehr als 1.300 Bestatteten befinden sich auch ehemalige jüdische Häftlinge, die den Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau Ende April 1945 nicht überlebten. Im Lauf der Nachkriegsjahre wurden mehrere der auf dem Waldfriedhof bestatteten KZ Häftlinge auf Friedhöfe ihrer Heimatländer umgebettet.

After the war, those former prisoners of the Dachau concentration camp were buried at the woodlands cemetery who died as a result of their imprisonment in the months directly following liberation. Amongst the 1,300 persons buried there are former Jewish prisoners who did not survive the death march from the Flossenbürg concentration camp to Dachau at the end of April 1945. Over the years, several of the bodies were reinterred at cemeteries in their home countries.

Neubausiedlung Römerhain + Römerhain, the New Residential Estate +

Neubausiedlung Römerhain

Römerhain, the New Residential Estate

Neubausiedlung Römerhain

Nachbarschaft. Blick vom Jourhaus über die Gedenkstätte zur angrenzenden Neubausiedlung (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Neighbors. View from the Jourhaus across the Memorial Site to the adjacent new residential estate (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Seit 1990 ist am südlichen Ende der Gedenkstätte, auf dem Gelände des ehemaligen Heereszeugamts das Neubaugebiet Am Römerhain entstanden und die historische Topografie zerstört. Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, die zum damaligen Zeitpunkt noch Trägerin der Gedenkstätte war, konnte lediglich einen Mindestabstand von fünf Metern der Gebäude zur Gedenkstätte durchsetzen. Die Forderungen von Denkmalschützern und der Gedenkstätte nach einer generellen „Baubannmeile“ um das historische Areal wurde von politischer Seite aus nicht berücksichtigt.



Für die Wahrnehmung der Besucher ist die Siedlung bedeutsam, da sie teilweise annehmen, dass die Häuser dort auch bereits zur Zeit des NS-Regime existierten.

At the southern end of the Memorial Site, since 1990 the new residential estate Am Römerhain has been developed on the grounds of the former army ordnance depot, destroying the historical topography. The Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, at the time responsible for the Memorial Site, could only force through a minimum distance of five meters between the buildings and the Memorial Site. The demands of monument conservators and the Memorial Site to erect a general “no-building zone” around the historical grounds was ignored by politicians.

Informing visitors about the estate is important, for otherwise it is easily assumed that the buildings here already existed during the Nazi period.

Ehemalige Plantage + Former Plantation +

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau nach 1945
Transformation eines Geländes:
Vom Häftlingskommando zur Gärtnerei und Sozialwohnheim

The Former Plantation of the Dachau Concentration Camp after 1945
Transformation of the Grounds:
from Prisoner Work Detail to a Horticultural Business and Hostel

Ehemaliger Kräutergarten

Wohnheim für Sozialbedürftige Mitbürger (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Residence for people in need of social welfare(2006)
© KZ-Gst. Dachau

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau wurde nach dem Krieg unter dem neuen Namen Deutsche Versuchsanstalt weitergeführt. Der Betrieb stand unter staatlicher Aufsicht, wurde jedoch am 1. April 1949 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Eine Privatfirma übernahm das Gelände und errichtete zwischen 1954 und 1957 weitere Gewächshäuser. In den 1970er Jahren kam es infolge weiterer Besitzerwechsel zu Umbaumaßnahmen und Abrissen. Die Agrarflächen wurden mit dem Gewerbegebiet Dachau-Ost überbaut. Weitgehend zerstört sind die drei historischen Gewächshäuser, sanierungsbedürftig die historischen Kopfbauten. Gut erhalten sind der ehemalige Verkaufsladen und das ehemalige Bienenhaus. Das Gebäude des ehemaligen Forschungsinstituts und der Verwaltung wird heute noch als Wohnheim für Obdachlose genutzt. Sie befinden sich im Besitz der Stadt Dachau.


The former plantation of the Dachau concentration camp was continued after the war under the new name of Deutsche Versuchsanstalt. The enterprise was now run by the state, but ceased operations however on April 1 1949 for economic reasons. A private firm took over the grounds and built additional greenhouses between 1954 and 1957. In the 1970s more reconstruction work and demolitions followed as ownership changed hands. The agricultural land was overbuilt with the new industrial zone Dachau-East. Largely destroyed are the three historical greenhouses, while the historical gables are in need of renovation. In good condition are the former commercial store and the former bee house. The building of the onetime research institute and administrative offices is still in use today as a hostel for homeless persons. These are all owned by the City of Dachau authority.


Ehemaliger Kräutergarten

Hauptgebäude des ehemaligen Kräutergartens mit Treibhaus (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Main building of the former “herb garden” with greenhouse (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Weg des Erinnerns + Path of Remembrance +

Weg des Erinnerns

Path of Remembrance

Weg des Erinnerns

Informationstafel am Weg des Erinnerns (2010)
© Müller-Naumann

Information panel on the Path of Remembrance (2010)
© Müller-Naumann

Mit dem etwa drei Kilometer langen Weg des Erinnerns erinnert die Stadt Dachau seit 2007 an den Weg, den die Häftlinge nach ihrer Ankunft am Dachauer Bahnhof zum Konzentrationslager zurücklegen mussten. Er endet am Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau. Seine zwölf Informationstafeln sind an baulichen Überresten zu finden. Der Bahndamm ist erkennbar, über den Gefangenenzüge ins Konzentrationslager rollten. Straßen sind erhalten, zu deren Bau KZ-Häftlinge eingesetzt wurden. Unmittelbar vor der Befreiung des KZ Dachau trieb die SS auf diesen Straßen noch 7.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch ins Ungewisse. An der Straße der KZ-Opfer veranschaulichen Informationstafeln vor Wohn- und Geschäftshäusern für SS-Angehörige die enge Nachbarschaft zwischen SS und Zivilbevölkerung. Erhalten haben sich auch Reste von Straßenbelägen und Bordsteine.

Neben dem Besucherzentrum konnten Fundamente der Hauptwache freigelegt werden, die die Häftlinge ab 1935 bei ihrer Einlieferung passieren mussten.

In 2007 the City of Dachau opened the Path of Remembrance. Three kilometers long, it recalls the path the prisoners were forced to take from Dachau station to the concentration camp. It ends at the Visitors' Center in the Memorial Site. Its twelve information panels are mounted on various building remains. The embankment is visible along which the prisoner trains rolled into the concentration camp. Streets constructed with the forced labor of the camp prisoners have survived. Just before the concentration camp was liberated, the SS herded 7 000 prisoners along these streets – the start of a death march into the unknown. On the Straße der KZ-Opfer, information panels about the residential quarters and businesses used by members of the SS illustrate the close ties between the SS and the civilian population. Remnants of road surfaces and curbs have survived.
Next to the Visitors' Center, the foundations of the main guardhouse were uncovered which, from 1935, the prisoners had to pass through when arriving at the camp.

Leitenberg + Leitenberg +

Gedenkorte auf dem Leitenberg

Commemoration on the Leitenberg

Leitenberg

Gedenktafeln auf dem Leitenberg
© KZ-Gst. Dachau

Memorial plaques on the Leitenberg
© KZ-Gst. Dachau

Vom 28. Februar 1945 bis zum 27. April 1945, möglicherweise auch schon im Oktober 1944, wurden auf Anweisung der Kommandantur des KZ Dachau auf dem Leitenberg Massengräber angelegt. Weitere verstorbene Häftlinge wurden dort nach der Befreiung bestattet. Nach Überführungen von Toten mehrerer europäischer Staaten in den Jahren 1955 bis 1959 in ihre Heimat, sind heute noch 7.439 KZ-Häftlinge am Leitenberg bestattet.

Neben dem 1949 eingeweihten Ehrenfriedhof befindet sich dort heute eine achteckige, turmartige Gedächtnishalle für die KZ-Opfer sowie die 1963 errichtete italienische Gedenkkapelle Regina Pacis. 1999 wurde ein Gedenkstein für die polnischen Opfer unter den Toten eingeweiht.

Between February 28 1945 and April 27 1945, possibly as early as October 1944, the commandant’s office ordered the digging of mass graves on the Leitenberg. Other prisoners who died after liberation were also buried there. After the remains of the dead from many European states were returned home between 1955 and 1959, today 7 439 concentration camp prisoners are buried on the Leitenberg.
Along with the Cemetery of Honor inaugurated in 1949, located on the site today are an octagonal, tower-like commemorative hall for the concentration camp victims and the Italian memorial chapel Regina Pacis built in 1963. In 1999 a memorial stone for the Polish victims amongst the dead was unveiled.

Gleisstück + Rail-Track Section +

Das Gleisstück

The Rail-Track Section

Gleisstück

Reste des Gleisstücks welches in das ehemalige Lager führte (2015)
© KZ-Gst. Dachau

Reste des Gleisstücks welches in das ehemalige Lager führte (2015)
© KZ-Gst. Dachau

Das ehemalige KZ Dachau war über ein Nebengleis mit dem Dachauer Bahnhof verbunden. Auf den Schienen, die entlang eines heutigen Fuß- und Radweges an der heutigen Friedensstraße verliefen, wurden während des Krieges Häftlinge mit Güterwaggons in das Lager transportiert. Die Gleisanlage auf dem Gebiet der Stadt Dachau und auf dem Gelände der Bayerischen Bereitschaftspolizei wurde 1984 abgerissen. Seit März 2007 dokumentieren die Informationstafeln des „Wegs des Erinnerns“ die Beziehung der Häftlinge zum Dachauer Umfeld und den Verlauf des ursprünglichen Bahndamms ins vormalige KZ Dachau.

The Dachau concentration camp was connected to Dachau main station via a sidetrack. During the war, prisoners were transported to the camp in goods wagons using this section of track, which ran parallel to the footpath and bicycle track on today’s Friedensstraße. The sections of track on land owned by the City of Dachau and the Bavarian Riot Police were removed in 1984. Since March 2007 information panels entitled the “Path of Remembrance” document the relationship prisoners had to their Dachau surrounds and mark out the course of the original railroad embankment leading to the former Dachau camp.

Gedenkort Hebertshausen + Commemorative site Hebertshausen +

Gedenkort ehemaliger "SS-Schießplatz Hebertshausen"

The commemorative site Hebertshausen after its redevelopment (2014)

Gedenkort Hebertshausen

Der Gedenkort Hebertshausen nach seiner Neugestaltung (2014)
© KZ-Gst. Dachau

The commemorative site Hebertshausen after its redevelopment (2014)
© KZ-Gst. Dachau

Angehörige der Dachauer Lager-SS ermordeten hier 1941 und 1942 über 4.000 sowjetische Kriegsgefangene. Am 2. Mai 2014 wurde der neugestaltete Gedenkort ehemaliger „SS-Schießplatz Hebertshausen“ eröffnet. Eine Open-Air-Ausstellung informiert ausführlich über die historischen Hintergründe des Massenmords und stellt die Biografien der Opfer in den Mittelpunkt. Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind die Rolle der Täter und das Wissen der Bevölkerung über die Verbrechen. In der dreisprachigen Ausstellung (Russisch, Deutsch, Englisch) werden über 100 Fotos, Dokumente, Zeichnungen und Pläne präsentiert. Am Gedenkort befindet sich zudem die Installation ,,Ort der Namen“. Sie besteht aus fünf in den Boden eingelassenen Gedenktafeln mit den Namen sowie den Geburts- und Sterbedaten der Opfer in kyrillischer und lateinischer Schrift. Entlang eines Rundweges befinden sich ergänzend zur Ausstellung Informationstafeln, die Besuchern helfen, Ereignisse auf dem Gelände zu verorten.

Members of the Dachau camp SS murdered over 4 000 Soviet prisoners of war here between 1941 and 1942. On May 2 2014 the redeveloped commemorative site at the former “SS shooting range Hebertshausen” was opened. An open-air exhibition provides detailed information on the historical background to the mass murder and places the biographies of the victims at the center of attention. Other key points of the exhibition are the role of the perpetrators and what the local population knew about the crimes. Trilingual (Russian, German, English), the exhibition presents over 100 photos, documents, drawings, and plans. Also located at this commemorative site is the installation “Memorial for the Victims”. It is comprised of five commemorative plaques set into the ground with the names of the victims in Cyrillic and Latin letters as well as their dates of birth and death. Along a circular path information panels complementing the exhibition help visitors locate where events took place.

Waldfriedhof + Woodlands Cemetery +

Waldfriedhof

Woodlands Cemetery

Waldfriedhof

Die Gräber von verstorbenen Häftlingen auf dem Waldfriedhof (2012)
© KZ-Gst. Dachau

The graves of former camp prisoners at the woodlands cemetery (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Auf dem Waldfriedhof wurden nach Kriegsende vor allem diejenigen ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau begraben, die in den Monaten unmittelbar nach der Befreiung noch an den Folgen ihrer Haft starben. Unter den mehr als 1.300 Bestatteten befinden sich auch ehemalige jüdische Häftlinge, die den Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau Ende April 1945 nicht überlebten. Im Lauf der Nachkriegsjahre wurden mehrere der auf dem Waldfriedhof bestatteten KZ Häftlinge auf Friedhöfe ihrer Heimatländer umgebettet.

After the war, those former prisoners of the Dachau concentration camp were buried at the woodlands cemetery who died as a result of their imprisonment in the months directly following liberation. Amongst the 1,300 persons buried there are former Jewish prisoners who did not survive the death march from the Flossenbürg concentration camp to Dachau at the end of April 1945. Over the years, several of the bodies were reinterred at cemeteries in their home countries.

Mahnmal Todesmärsche + Monument Death Marches +

Mahnmal zum Gedenken an die Todesmärsche

Monument Commemorating the Death Marches

Mahnmal Todesmärsche

Eines der 21 Mahnmäler (2014)
© KZ-Gst. Dachau

One of the 21 monuments (2014)
© KZ-Gst. Dachau

Ein Kilometer Luftlinie südwestlich des Besucherzentrums der KZ-Gedenkstätte Dachau gelegen, erinnert das 2001 von Hubertus von Pilgrim geschaffene Mahnmal an die Todesmärsche in Dachau. Mit dem Vorrücken der alliierten Truppen räumte die SS immer mehr Konzentrationslager, darunter die Außenlager und Außenkommandos des Lagers Dachau gegen Ende April 1945. Am 26. April 1945 wurden vom Konzentrationslager Dachau aus rund 7.000 Häftlinge auf einen Marsch in Richtung Süden geschickt. Eine große, nicht mehr feststellbare Zahl von Gefangenen kam auf den Märschen ums Leben, wurde von Tieffliegerangriffen auf Eisenbahntransporten getötet oder noch vor dem Abtransport von der SS ermordet.
Ein Abguss des Mahnmals befindet sich in der Hauptausstellung der KZ-Gedenkstätte Dachau sowie in über 21 Orten entlang der Routen der Todesmärsche aus dem KZ Dachau.

Located a kilometer linear distance to the southwest of the Visitors' Center on the Memorial Site is the monument commemorating the death marches in Dachau, created in 2001 by Hubertus von Pilgrim. With Allied troops advancing, the SS evacuated more and more concentration camps, including the subcamps and external work details of the Dachau camp towards the end of April 1945. On April 26 1945, some 7 000 prisoners were sent from the Dachau concentration camp on a march southwards. A large number of prisoners – how many is no longer ascertainable – lost their lives on these marches, were killed by low-flying attacks while on railway transports, or murdered by the SS before the evacuation.
A cast of the monument is presented in the main exhibition of the Memorial Site as well as at 21 locations along the routes taken by the death marches from the Dachau concentration camp.

Besucherzentrum + Visitors' Center +

Besucherzentrum

Visitor Center

Seit April 2009 besteht das von dem Münchner Architekten Florian Nagler gestaltete Besucherzentrum der KZ Gedenkstätte Dachau. Um dem Gedenk- und Friedhofscharakter Rechnung zu tragen, wurde es mit seinen Serviceeinrichtungen außerhalb des früheren Häftlingslagers gebaut. „Kein Haus, sondern einen Ort bauen“ beschreibt die Grundidee des Gebäudes. Es ordnet sich in den Kontext des umliegenden Baumbestandes ein und greift diesen mit seiner Fassade aus schrägen Holzstützen auf.

Das Besucherzentrum ist Bestandteil des Wegs des Erinnerns, der vom Dachauer Bahnhof kommend am Besucherzentrum endet. Es ist die zentrale Anlaufstelle der jährlich etwa 900.000 Besucher der KZ-Gedenkstätte. Es enthält die Besucherinformation, eine Audioguide-Ausleihe-Stelle, ein Bistro und eine Literaturhandlung.

The Visitors' Center of the Dachau Memorial Site, design by the Munich architect Florian Nagler, was completed in April 2009. To avoid the services it offers disrespecting the commemorative and cemetery character of the grounds in any way, the Center was built outside the one-time prisoner camp. “Not a building but a place” is the basic idea. It is thus integrated into the context of the surrounding trees, epitomized by its façade of slanting timber.
The Visitors' Center is the end of the Path of Remembrance that leads from Dachau station. It is the main meeting place for the 900 000 visitors who come to the Memorial Site annually, offering relevant practical information, an audio guide desk, a bistro, and a bookshop.

Internationales Mahnmal + International Monument +

Das Internationale Mahnmal

The International Monument

Internationales Mahnmal

Bauarbeiten für das Mahnmal, 1967.
© KZ-Gst. Dachau

Building work on the Monument, 1967. © KZ-Gst. Dachau

Das Internationale Mahnmal war eine zentrale Forderung des Comité International de Dachau (CID), das sich bis heute aus ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen zusammensetzt. Am 8. September 1968 wurde das von dem Künstler Nandor Glid (1924-1997) entworfene Mahnmal eingeweiht. Es besteht aus folgenden Komponenten:

Der Eingangsmauer, gewidmet den Widerstandskämpfern.

Der bronzenen Großskulptur „Menschen im Stacheldraht“. Ihre 24 Betonpfeiler verweisen auf die Bewachungsanlage des Lagers und dazu auf die ursprüngliche Zahl der Herkunftsstaaten der Häftlinge.

Einem Ketten-Relief mit verschiedenen Häftlingswinkeln, die für die Solidarität der Häftlinge stehen. Auf Beschluss des CID wurden der grüne, der schwarze und der rosa Winkel für die sog. „kriminellen“, „asozialen“ und homosexuellen Opfer in der Ausführung nicht umgesetzt.
Dem Grundstein und der Urne mit der Asche eines unbekannten Häftlings.

Einer granitgetäfelten Inschriftenwand mit der Mahnung „Nie wieder“ in fünf Sprachen.


The International Monument was a main demand of the Comité International de Dachau (CID), which is today still made up of former prisoners and their relatives. Created by the artist Nandor Glid (1924-1997), the monument was unveiled on September 8 1968. It is comprised by the following elements:
The entrance wall, dedicated to resistance fighters.
The large bronze sculpture “In Barbed Wire”. Its 24 concrete pillars refer to the camp’s guard facilities and the initially known number of countries from which prisoners came.
A chain relief with different prisoner triangular patches, representing the solidarity amongst the prisoners. Following a decision by the CID, the green, black, and pink triangles for the so-called “criminal”, “asocial”, and homosexual victims were not included in the final version.
The foundation stone and urn with the ashes of an unknown prisoner.
A granite inscription wall with the admonition “Never Again” in five languages.


Internationales Mahnmal

Nandor Glid bei der Eröffnung des Mahnmals (1968)
© Privatbesitz Familie Glid

© private property Family Glid

Internationales Mahnmal

Das Ketten-Relief des Mahnmals, 2011.
© KZ-Gst. Dachau

The chain relief of the Monument, 2011. © KZ-Gst. Dachau

Russisch-orthodoxe Kapelle + Russian Orthodox Chapel +

Russisch-orthodoxe Kapelle

The Russian Orthodox Chapel

Russisch-Orthodoxe Kapelle

Die Russisch-orthodoxe Kapelle (2012)
© KZ-Gst. Dachau

The Russian Orthodox Chapel (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Die Russisch-orthodoxe Kapelle Auferstehung unseres Herrn
Die am 29. April 1995 eingeweihte russisch-orthodoxe Kapelle Auferstehung unseres Herrn befindet sich am Übergang vom ehemaligen Häftlingslager zum Krematoriumsbereich. Sie erinnert an die im Konzentrationslager Dachau Ermordeten aus der Sowjetunion. Erbaut wurde die Kapelle von Angehörigen der russischen Streitkräfte. Als Form wählten sie ein Oktogon aus Holzbalken. Es steht auf einem kleinen Hügel, der teilweise mit Erde aus der ehemaligen Sowjetunion aufgeschüttet wurde. Die Hauptikone im Innern des Gebäudes zeigt eine Christusfigur, die die Lagerhäftlinge aus ihren Baracken durch ein von Engeln geöffnetes Tor herausführt. Auf den beiden anderen Ikonen ist Jesus beim letzten Gebet im Garten Gethsemane dargestellt und Christus, wie Pilatus ihn dem Volk vorstellt: „Ecce homo”.

Consecrated on April 29 1995, the Russian Orthodox chapel Resurrection of Our Lord is located on the way from the former prisoner camp to the crematorium area. It is dedicated to those murdered in the Dachau concentration camp who came from the Soviet Union. The chapel was built by members of the Russian Armed Forces. They chose to build an octagon made of wooden beams. It is positioned on a small mound, heaped up with earth that partly comes from the former Soviet Union. The main icon in the interior shows Christ leading camp prisoners from their barracks through a gate held open by angels. The other two icons depict Jesus praying in the garden of Gethsemane and Christ as Pilate presents him to the people: “Ecce homo”.

Lagerbäckerei + Camp Bakery +

Die Gebäude der ehemaligen Lagerbäckerei nach 1945 bis heute

The Buildings of the Former Camp Bakery from 1945 to the Present

SS-Bereich Lagerbäckerei

Ehemalige SS-Wirtschaftsbetriebe (2006). In diesem Fabrikgebäude befand sich auch die Lagerbäckerei
© KZ-Gst. Dachau

Former SS businesses (2006). The camp bakery was located in this factory building © KZ-Gst. Dachau

Nach dem Krieg nutzten die amerikanischen Truppen das Gebäude bis 1958 weiterhin als Bäckerei, danach diente die Halle als Lebensmittellager. Nach der Übergabe des Geländes an die VI. Bereitschaftspolizeiabteilung Dachau (1972) wurde ein Teil der Halle abgerissen. Die verbliebenen Gebäude werden heute als Werkstätten zur Sonderausrüstung von Kraftfahrzeugen genutzt.

After the war the U.S. troops continued to use the building as a bakery until 1958; the hall then served to store food supplies. A section of the hall was demolished following the handover of the grounds to the 6th Riot Police Division Dachau (1972). The rest of the buildings are today used as workshops producing special equipment for vehicles.

Todesangst-Christi-Kapelle + Mortal Agony of Christ Chapel +

Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle

The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel

Katholische Todesangst-Christi-Kapelle

Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle
© KZ-Gst. Dachau

The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel
© KZ-Gst. Dachau

Am 5. August 1960 wurde die katholische Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht.
Sie entstand auf Initiative des Münchner Weihbischofs und ehemaligen Dachauer KZ-Häftlings Johannes Neuhäusler. Den monumentalen Rundbau aus unbehauenen Kieselsteinen aus der Isar entwarf der Münchner Architekt Josef Wiedemann. An ihrer Rückseite ist eine Gedenktafel mit einem Christusbildnis angebracht, die von ehemals inhaftierten Geistlichen aus Polen gestiftet und am 19. August 1972 enthüllt wurde. Die Tafel berichtet in verschiedenen Sprachen von den Leiden polnischer Häftlinge im KZ Dachau.
Die Glocke vor dem Gebäude wurde von ehemaligen österreichischen Häftlingen gestiftet und von Emmerich Hornich, selbst ein ehemaliger Dachau-Häftling, gegossen. Am 22. Juli 1961 wurde sie geweiht. Seitdem läutet sie jeden Nachmittag um 14:50 Uhr zum Gebet für die Opfer des Konzentrationslagers.

On August 5 1960 the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel, located at the end of the former camp road, was consecrated.
The chapel was built on the initiative of the Munich auxiliary bishop and former Dachau camp prisoner Johannes Neuhäusler. The monumental circular building made of unhewn pebble stones from the Isar River was designed by the Munich architect Josef Wiedemann. Attached at the back of the building is a memorial plaque with a portrait of Christ, dedicated by former imprisoned Polish priests. It was unveiled on August 19 1972. In several languages the plaque tells of the suffering of the Polish prisoners, the largest prisoner group, in Dachau. The bell in front of the building was donated by former Austrian prisoners and was cast by Emmerich Hornich, a former Dachau prisoner. It was consecrated on July 22 1961. Since then it rings out every afternoon at 2:50 p.m., calling for prayers for the victims of the concentration camp.

Versöhnungskirche + Church of Reconciliation +

Die Evangelische Versöhnungskirche

The Protestant Church of Reconciliation

Versöhnungskirche

Evangelische Versöhnungskirche (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Protestant Church of Reconciliation (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Am 30. April 1967 wurde die Versöhnungskirche von Pfarrer Martin Niemöller eingeweiht, einem ehemaligen „Sonderhäftling“ im KZ Dachau. In der Zeit des KZ Dachau befand sich an der Stelle der Kirche die Lagergärtnerei.
Die Entstehung der Evangelischen Versöhnungskirche geht zurück auf die Initiative ehemaliger Dachau-Häftlinge.
Der Bau des Architekten Helmut Strifler ist in den Grund der Gedenkstätte eingelassen und führt über Treppen unter die Oberfläche. An der Grenze zwischen Dunkelheit und Licht steht ein Stahltor von Fritz Kuhn mit Worten aus dem 17. Psalm: „Zuflucht ist unter dem Schatten deiner Flügel.” Der gebrochene und unregelmäßige Grundriss entzieht sich bewusst der rechtwinkeligen Anlage der NS-Lagerarchitektur. Die Räume sollen sich in ihrer Unregelmäßigkeit dem Ordnungsterror und der Uniformität des Konzentrationslagers entgegen stellen.

On April 30 1967 the Church of Reconciliation was consecrated by Pastor Martin Niemöller, a former “special prisoner” in the Dachau concentration camp. The Church is located where the camp horticulture garden once stood. The Protestant Church of Reconciliation was built on the initiative of former Dachau prisoners.
Designed by the architect Helmut Strifler, the building is set below the ground level of the Memorial Site, with steps leading underground. At the threshold between darkness and light is a steel gate by Fritz Kuhn with a line from Psalm 17: “hide me under the shadow of your wings”. The fractured and irregular floorplan intentionally counters the rectangular rigidity of the Nazi camp architecture. In their inhomogeneity the rooms are designed to confront the terror of the imposed order and uniformity of the concentration camp.

Karmel Heilig Blut + Carmelite Convent ‘Heilig Blut +

Das Karmel Heilig Blut

The Carmelite Convent Heilig Blut

Das Karmel Heilig Blut

Postkarte des Karmelitinnenkloster und der der Katholischen Todesangst Christi-Kapelle
© StadtA Dachau

Post card of the Carmelite convent and the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel
© StadtA Dachau

Hinter der nördlichen Mauer des ehemaligen Häftlingslagers, auf dem Gelände des früheren „Wildparks“ des KZ Dachau befindet sich seit 1964 das Karmelitinnenkloster Heilig Blut. Weihbischof Neuhäusler weihte das Kloster am 22. November 1964 ein.
Die Initiative zur Einrichtung des Klosters ging von der Priorin des Karmel Konvent in Bonn aus. Der Münchner Kardinal Döpfner unterstützte das Projekt und betraute den ehemaligen Dachauer Häftling Bischof Johannes Neuhäusler mit der Planung.
Die Klosteranlage kann durch ein Tor im Nordturm betreten werden. Der Grundriss des Klosters hat die Form eines Kreuzes, die Kapelle steht den Besuchern der Gedenkstätte offen. In der Kapelle wird die Madonna von Dachau, eine Marienstatue aus dem Priesterblock 26 des Konzentrationslagers aufbewahrt.

Behind the northern wall of the former prisoner camp, on the grounds of the earlier “deer park” of the Dachau concentration camp, is the Carmelite convent Heilig Blut, consecrated on November 22 1964 by Bishop Neuhäusler.
The initiative to build a convent came from the prioress of the Carmelite convent in Bonn. Cardinal Döpfner of Munich supported the project and entrusted the former Dachau prisoner Bishop Johannes Neuhäusler with the planning.
Entrance to the convent is by a door in the north tower. The ground plan is based on the form of a cross; the chapel is open for Memorial Site visitors. The Madonna of Dachau, a statue of Mary from priest block 26 of the Dachau concentration camp, is kept in the chapel.

Jüdische Gedenkstätte + Jewish Memorial +

Die Jüdische Gedenkstätte

The Jewish Memorial

Jüdische Gedenkstätte

Die jüdische Gedenkstätte (2011)
© KZ-Gst. Dachau

The Jewish memorial (2011)
© KZ-Gst. Dachau

Der jüdische Gedenkort, gestaltet von dem Architekten Zvi Guttmann, wurde am 7. Mai 1967 eingeweiht. Von 1937 bis 1945 befand sich hier die Angorazucht, deren Abriss 1964 erfolgte. Östlich hiervon waren bis 1964 die vormalige Desinfektionsbaracke und das ehemalige Lagerbordell.
Wie auf einer Rampe führt der Gedenkort in die Tiefe, eine symbolische Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden. Am tiefsten Punkt dringt Licht durch eine Öffnung in der Decke. Überragt wird der Bau von einer Menorah aus Peki’in Marmor. Der Ort Peki’in in Israel soll stets von wenigstens einem Juden bewohnt gewesen sein, wodurch eine Kontinuität des Judentums symbolisiert wird. Im Inneren leuchtet das „Ner Tamid”, das Ewige Licht. Über dem Eingang des Gedenkortes ist der folgende Psalm eingemeißelt: „Stelle, oh Ewiger, ihnen eine Warnung hin! Erfahren sollen die Völker, dass sie Sterbliche sind. Selah”. Eine Inschrift im Inneren der Gedenkortes erinnert an den Genozid an den Juden zwischen 1939-1945.

The Jewish memorial, designed by the architect Zvi Guttmann, was inaugurated on May 7 1967. From 1937 to 1945 the site was the location of the Angora breeding sheds, which were torn down in 1964. To the east was the onetime disinfection barrack and the former bordello until 1964.
As if on a ramp, the memorial leads visitors downwards, a symbolic reference to the extermination of European Jews. At its lowest point light shines in through an opening in the ceiling. The building is dominated by a menorah out of Peki’in marble. Peki’n is a town in northern Israel where at least one Jew has always lived, thus symbolizing continuity. The “Ner Tamid” shines in the interior, the Eternal Light. Carved above the entrance to the memorial in Hebrew and German is the Psalm verse: “Put them in fear, O Lord: that the nations may know themselves to be but men. Selah.” An inscription in the interior commemorates the genocide of the Jews between 1939 and 1945.

Wasserturm + Water Tower +

Wasserturm

Water Tower

Wasserturm

Aufnahme von 2010
© KZ-Gst. Dachau

Photo from 2010
© KZ-Gst. Dachau

Auf dem heutigen Gelände der Bereitschaftspolizei ist der Wasserturm von 1915 weiterhin als markantes, aber stark baufälliges Gebäude zu erkennen.


Still to be seen on the grounds of the Riot Police today is the water tower from 1915, a striking building but still in severe disrepair.


Wasserturm und Wasserleitungen

Aufnahme aus den 1940er Jahren
© BA Berlin, R 2/28350

Photo from the 1940s
© BA Berlin, R 2/28350

Heizkraftwerk + Power Station +

Heizkraftwerk (1983-heute)

Power Station (1983-today)

Heizkraftwerk 1983-Heute

Die letzten Reste des Heizkraftwerks nach dem Teilabriss. Aufnahme von 2007
© KZ-Gst. Dachau

The rest of the power station after its partial demolition (2007)
© KZ-Gst. Dachau

Das Heizkraftwerk der früheren Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik wurde 1983 stillgelegt. Seither wird immer wieder über den Fortbestand des Gebäudes gerungen. Obwohl es schon in den 1980er Jahren als denkmalwürdig eingestuft wurde, verweigerte die Stadt Dachau den Eintrag in die Denkmalschutzliste. 1985 wurden etwa Zwei Drittel des Gebäudes und der markante Schornstein abgerissen. Eine Sanierung des Restbestandes steht aus.

The power station, originally built to serve the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory, was finally closed down in 1983. The survival of the building has been a matter of contention ever since. Although classified as a historical site worthy of preservation as early as the 1980s, the City of Dachau has refused to register it on the official list of historical monuments and buildings. In 1985 around two-thirds of the building and its striking chimney were demolished. The necessary renovation of the rest remains undone.

Holländerhalle + Holländer hall +

Holländerhalle (1973 - heute)

Holländer hall (1973 - today)

Holländerhalle

Fuhrpark der Polizei in der Holländerhalle
© KZ-Gst. Dachau, Fotograf B.Fischer

Police vehicle fleet in the Holländer hall
© KZ-Gst. Dachau, photographer B.Fischer

Die dreischiffige Holländerhalle von 1915 stammt aus der Anfangszeit des Stahlbetonskelettbaus und diente zur Aufnahme der als „Holländer“ bezeichneten Maschinen. Die VI. Bereitschaftspolizeiabteilung Dachau stellte eine längere Zeit hier ihre Fahrzeuge unter. Als bedeutsames Industriedenkmal mit Anklängen an den Jugendstil ist sie heute stark baufällig erhalten und darf nicht mehr betreten oder genutzt werden.


The three-aisled Holländer hall from 1915 was built as precast concrete skeleton construction was just beginning and served to house the machinery known as the “Holländer”. For many years the 6th Riot Police Division Dachau used the building as a garage for vehicles. An important industrial monument with elements reminiscent of Jugendstil, the hall is in a state of severe disrepair and may no longer be entered or used.


Holländerhalle

Die einsturzgefährdete Holländerhalle (2010)
© KZ-Gst. Dachau

The Holländer hall in danger of collapsing (2010)
© KZ-Gst. Dachau

Ehemaliges
Wirtschaftsgebäude +
Former
Maintenance Building +

Das ehemalige Wirtschaftsgebäude heute

The Former Maintenance Building Today

Das ehemalige Wirtschaftsgebäude heute

Das Wirtschaftsgebäude im Jahr 2011. Davor ist ein Teil des Internationalen Mahnmals zu sehen
© KZ-Gst. Dachau

The former maintenance building in 2011. In front, a part of the International Monument
© KZ-Gst. Dachau

Außer dem Museum befinden sich heute im ehemaligen Wirtschaftsgebäude das Kino, der Buchverkauf des Comité International de Dachau (CID), die Seminarräume, die Gedenkstättenverwaltung, die Bibliothek und das Archiv.

Besides the museum, the former maintenance building now houses the cinema, the bookstore of the Comité International de Dachau (CID), seminar rooms, the memorial site administration offices, the library, and the archive.

Jourhaus + Jourhaus/Gatehouse +

Eingangstor mit Inschrift „Arbeit macht frei“ in der KZ-Gedenkstätte Dachau gestohlen

Entrance Gate with the inscription “Arbeit macht frei” Stolen from the Dachau Memorial Site

In der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014 stahlen unbekannte Täter das Lagertor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“.


Das historische Lagertor wurde 1936 auf Befehl der SS bei der Errichtung des Jourhauses von Häftlingen des KZ Dachau geschmiedet. Die von dem kommunistischen Häftling Karl Röder angefertigte Inschrift „Arbeit macht frei“ wurde nach Kriegsende entfernt und 1972 rekonstruiert. Das Tor selbst blieb nach fachlicher Expertise höchstwahrscheinlich im Original erhalten. Der Diebstahl des Tores im November 2014 veranlasste die Gedenkstätte, zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau eine schmiedeeiserne Reproduktion des Tores in moderner Ausführung anfertigen zu lassen. Ende 2016 konnte das gestohlene Tor nach einem anonymen Hinweis von den Polizeibehörden in Bergen (Norwegen) sichergestellt werden. Seit 2017 ist es im Museum der KZ-Gedenkstätte Dachau zu besichtigen.

On the night of November 1-2 2014, unknown offenders stole the camp gate with the inscription “Arbeit macht frei”.
The SS ordered Dachau concentration camp prisoners to forge the historical camp gate for the Jourhaus in 1936. The inscription “Arbeit macht frei”, made by the Communist prisoner Karl Röder, was removed after the end of the war and then reconstructed in 1972. Experts consider it highly likely that the gate itself remained the original. The theft of the gate in November 2014 prompted the Memorial Site to have a wrought-iron reproduction in a modern design made for the 70th anniversary of the liberation of the Dachau concentration camp. At the end of 2016 the stolen gate was recovered by the police in Bergen (Norway) following an anonymous tip-off. Since 2017 the gate is on display in the Dachau Memorial Site’s museum.

Krematoriumsbereich + Crematorium Area +

Der Krematoriumsbereich

The Crematoria Area

Der Krematoriumsbereich

Das Krematorium im Jahr 2011
© KZ-Gst. Dachau

Crematoria in the year 2011
© KZ-Gst. Dachau

Der Bereich mit den beiden Krematorien von 1940 beziehungsweise 1942/43 ist der zentrale Gedenkort und Friedhof der KZ-Gedenkstätte Dachau. Er war ursprünglich vom Häftlingslager strikt getrennt. Vor dem Jourhaus zweigte der Weg innerhalb des SS-Lagers hierher ab und nur die Häftlinge, die für die Arbeiten im Krematorium eingesetzt waren, durften das Gelände betreten.
Im hinteren Bereich liegt der Exekutionsort, an dem sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge der Gestapo erschossen wurden.
Im Sommer 1945 zeigten ehemalige Häftlinge hier eine Ausstellung, die im Zusammenhang mit den im November 1945 beginnenden Dachauer Prozessen die Verbrechen der SS dokumentieren sollte. 1953 schloss der Bayerische Staat die Ausstellung. Zwischen 1960 und 1964 zeigte das CID aus Anlass des eucharistischen Weltkongresses eine weitere Ausstellung. Die heutige Verbindung zwischen Häftlingslager- und Krematoriumsbereich entstand nach dem Zweiten Weltkrieg.

The area with the two crematoria from 1940 and 1942/43 is the main place of remembrance and cemetery in the Dachau Concentration Camp Memorial Site. It was originally strictly separated from the prisoner camp. In front of the Jourhaus the path within the SS camp forked here and only those prisoners detailed to work in the crematorium were allowed to enter the grounds.
At the back of the area is the execution site where Soviet prisoners of war and prisoners of the Gestapo were shot.
In the summer of 1945 former prisoners showed an exhibition here which, together with the Dachau Trials due to commence in November 1945, was to document the crimes of the SS. In 1953 the Bavarian state closed the exhibition. Between 1960 and 1964 the CID presented another exhibition, opened to coincide with the Eucharistic World Congress. The connection between the prisoner camp grounds and the crematorium area was created after the Second World War.



Denk- und Mahnmale im Krematoriumsbereich

Memorials and Monuments in the Crematorium Area


Im Krematoriumsbereich sind verschiedene Denk- und Mahnmale entlang eines Rundweges angelegt. Aus dem Jahr 1950 stammt der Findlingsstein mit der Inschrift: „Denket daran, wie wir hier starben“ kurz hinter der Brücke in einer Nische auf der rechten Seite. Ein jüdisches Denkmal mit dem Text „Grab Tausend Unbekannter“ befindet sich auf der rückwärtigen Seite des Krematoriums. Es wird ergänzt durch einen dahinter aufgestellten Grabstein mit dem Namen eines bekannten jüdischen Häftlings „Czitron Dezsö, gestorben 1945“. Daneben steht ein steinernes Denkmal, das den Davidstern mit der Menorah und den Worten „vergiss nicht“ verbindet. Das Denkmal des Bildhauers Fritz Koelle ist dem „Unbekannten Häftling“ gewidmet. In der „ Baracke X“ erinnert eine Gedenktafel an die weiblichen Offiziere der britischen Streitkräfte, die zur Unterstützung der Résistance in Frankreich mit dem Fallschirm abgesprungen waren und in der Nähe des Krematoriums erschossen wurden.

Various memorials and monuments are positioned along a circular path in the crematorium area. From 1950 is the boulder inscribed: “Think of how we died here”, located behind the bridge in a niche on the right-hand side. A Jewish monument with the text “Grave of the Unknown Thousands” is at the rear side of the crematorium. It is complemented by a headstone positioned behind it with the name of a known Jewish prisoner “Czitron Dezsö, died 1945”. Next to it is a stone monument that joins the Star of David with the menorah and the words “don’t forget”. The monument by the sculptor Fritz Koelle is dedicated to the “unknown prisoner”. In “barrack X” a memorial plaque recalls the female officers of the British Armed Forces who had been captured after parachuting into France to support the Résistance and were executed near the crematorium.



„Alter Galgenstand“

“Old Gallows Post“


Das Betonfundament vor dem großen Krematorium, in dem der Galgen eingelassen war, trägt die Inschrift „Alter Galgenstand“. Ab den 1960er Jahren wurde die Tafel, wie auch der restliche Bereich in ein gärtnerisches Gesamtkonzept eingebettet.

The concrete foundation in front of the large crematorium, where the gallows were positioned, bears the inscription “old gallows post”. In the 1960s, along with the other monuments and memorials, the plaque was embedded in a garden concept for the whole area.



Aschegräber und Hinrichtungsstätte

Ash Graves and Execution Site


Der angelegte Rundweg im Krematoriumsbereich führt zu den Aschegräbern der in den Krematorien verbrannten Leichen. Nach der Befreiung wurden diese Orte als Grabstätten gekennzeichnet. Heute befinden sich dort Grabmale.
Auch an der ehemaligen Hinrichtungsstätte befindet sich eine Steinplatte, die die Inschrift „Genickschuss-Stand mit Blutgraben“ trägt. Im Herbst 1944 erschoss die SS dort 92 sowjetische Offiziere, Mitglieder einer Widerstandsorganisation.

The circular path in the crematorium area leads to the ash graves of those bodies burnt in the crematorium. They were designated a gravesite after liberation. Gravestones are there today. A stone plaque is also positioned at the former execution site; it is inscribed “execution by a shot in the back of the head – blood grave”. Here, in the fall of 1944, the SS executed 92 Soviet officers, members of a resistance group, in this way.


Modellbaracken + Model Barracks +

Die Modellbaracken

The Model Barracks

Die Modellbaracken

Außenwand einer der beiden rekonstruierten Modellbaracken (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Exterior wall of one of the two reconstructed model barracks (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Die beiden heutigen Baracken sind 1965 errichtete, aber keine originalgetreue Nachbauten. Die historischen Bauten waren weniger stabil gebaut, besaßen keine Fundamente und hatten einen dunkelgrünen Außenanstrich. An der Stelle der heutigen Nachbauten befanden sich historisch das propagandistisch genutzte Lagermuseum und am Ort der heutigen Ausstellungsbaracke eine Baracke des „Krankenreviers“.
Der fehlende politische Wille zum Unterhalt der originalen Baracken führte zwischen 1963 und 1964 zu ihrem Abriss. An die Stelle der historischen Relikte trat eine gestaltete Gedenkstätte.
Die Ausstellung in der heutigen Modellbaracke will die Wohnsituation und Lebensbedingungen der Häftlinge in den Jahren 1933/34, 1937/38 und 1944/45 vermitteln. Sie verdeutlicht die zunehmende Enge und die sich kontinuierlich verschlechternden hygienischen Verhältnisse.

The two present-day barracks were built in 1965; they are not faithful reconstructions however. The historical prisoner barracks were far less stable constructs, had no foundations, and were painted dark green on the outside. Located where today’s replica stand was the propagandistic camp museum, while where today’s exhibition barrack stands was once the location of a “sickbay” barrack.
The lack of political will to maintain the original barracks led to their demolition between 1963 and 1964. The historical relics were replaced by a newly constructed memorial site.
The exhibition in today’s model barrack aims to convey an impression of the accommodation situation and the living conditions the prisoners faced in 1933/34, 1937/38, and 1944/45. It illustrates the increasing overcrowding and the continuously deteriorating hygienic conditions.

1915–1933

Pulver- und Munitionsfabrik

Gunpowder and Munitions Factory

Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik

Südtor der ehemaligen Königlichen Pulver- und Munitionsfabrik im Jahr 1920
© StadtA Dachau, III/A 483

South gate of the former Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik in 1920
© StadtA Dachau, III/A 483

Kriegsrüstung in Dachau: Die Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik geht in Betrieb (1915–1918)

Das Konzentrationslager Dachau wurde im März 1933 auf dem ehemaligen Gelände der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik eingerichtet. Die Fabrik, etwa fünf Kilometer östlich von der Stadt Dachau zwischen den Flüssen Amper und Würm gelegen, stammte aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Sie wurde zwischen 1915 und 1916 im Auftrag des Bayerischen Kriegsministeriums erbaut.
Das Gelände bot alle Vorzüge für die Produktion: Anbindung an eine Hauptbahnstrecke, die Nähe zu einem Industriestandort mit gut ausgebildeten Facharbeitern. Auf einer Gesamtfläche von fast 200 Hektar wurden insgesamt 304 Gebäude und die dazugehörige Infrastruktur wie Wasser- und Stromanbindung, eine Heizkraftanlage, Hochwasserschutz sowie Straßen und Gleise gebaut.
Außer der Fabrik entstanden auf dem südlichen Teil des Geländes auch Wohnhäuser für Offiziere und Beamte, sowie Arbeiterwohnungen östlich der Würm. Für Munitionstests wurden Schießstände errichtet.

Wartime Armaments Production in Dachau: the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory (1915–1918)

The Dachau concentration camp was set up in March 1933 on the former grounds of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory. Located around five kilometers to the east of the town of Dachau between the Amper and Würm Rivers, the factory was commissioned by the Bavarian War Ministry and built between 1915 and 1916.
The grounds offered all the advantages needed for production: connection to a railway line and close proximity to an industrial base with skilled workers. On an area covering almost 200 hectares, a total of 304 buildings and the requisite infrastructure were built, including water and electrical mains, a heating and power station, flood protection facilities as well as roads and rail tracks.
Besides the factory, residential houses were built for officers and civil servants on the southern section of the grounds, as were apartments for workers to the east of the Würm. Shooting stands were erected to test the munitions.

1933–1937

Der Beginn des nationalsozialistischen Terrors

Nazi Terror Begins

Ankunft des ersten Gefangenentransportes im KZ Dachau, 22.03.1933

Ankunft des ersten Gefangenentransportes im KZ Dachau, 22.03.1933
© StadtA München

Arrival of the first prisoner transport at the Dachau concentration camp, March 22 1933
© StadtA München

Das Konzentrationslager Dachau 1933 bis 1937/38

Unmittelbar nach dem Machtantritt begann das nationalsozialistische Regime mit der Verfolgung und Verhaftung politischer Gegner. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort zur Errichtung eines Konzentrationslagers bei München, entschied man sich für das verlassende Gelände der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik bei Dachau. Es befand sich bereits im Besitz des bayerischen Staates. Am 21. März verkündete die Augsburger Neue Nationalzeitung die Eröffnung eines Staatlichen Konzentrationslagers in Dachau. Bereits einen Tag später wurden die ersten 150 Häftlinge eingeliefert.
Die Bewachung des KZ Dachau übernahm zunächst die Bayerische Landespolizei, ab dem 10. April 1933 die SS. Die Häftlingszahlen stiegen im Juni 1933 auf 1.953 Personen.
Die Häftlinge wurden zum Aus- und Umbau des Konzentrationslagers herangezogen.

Das Konzentrationslager und die SS

Zum KZ Dachau gehörte neben dem Häftlingslager der riesige Komplex des SS-Areals. Der SS-Bereich beherbergte neben Baracken, Kasernen und Waffendepots auch eine SS-Wohnanlage und das SS-Übungslager. Zugleich war das KZ Dachau Garnisonsstützpunkt der SS-Totenkopfstandarte Oberbayern. Das SS-Übungslager, zentraler militärischer Stützpunkt mit der Führerschule des SS-Wirtschafts- und Verwaltungsdienstes, der Waffentechnischen Lehranstalt, der Sanitätsschule der Waffen-SS, der SS-Lehrküche und der SS-Reitschule diente zur soldatischen und ideologischen Ausbildung der SS-Mannschaften. Es grenzte direkt an den Bereich des Häftlingslagers.

The Dachau Concentration Camp 1933–1937/38

Immediately after seizing power the Nazi regime began to persecute and arrest political opponents. Looking for a suitable location for a concentration camp near Munich, the vacated grounds of the former munitions factory close to Dachau seemed ideal. It was already in the possession of the Bavarian state. On March 21 the Augsburg Neue Nationalzeitung announced the opening of a state-run concentration camp in Dachau. The first 150 prisoners were sent to the location just a day later.
Guard duties at the Dachau concentration camp were initially taken over by the Bavarian State Police, from April 10 1933 on by the SS. The number of prisoners rose to 1953 persons in June 1933.
The prisoners were forced to work on enlarging and converting the grounds and its facilities into a concentration camp.

The Concentration Camp and the SS

Besides the prisoner camp, the Dachau concentration camp also included the large SS complex. Along with barracks, administrative buildings, and weapon depots, the SS area contained a SS housing complex and the SS training camp. The Dachau concentration camp also served as a garrison base for the SS Death Head’s unit Oberbayern. The SS training camp was a major military base and included a “leadership school” for the SS Economic and Administrative Service, a weapons technology academy, a medical orderly school of the Waffen-SS, the SS training kitchen, and the SS riding school, all serving the military drilling and ideological indoctrination of the SS units. It was directly adjacent to the prisoner camp.

1937–1945

Der Umbau des Häftlingslagers (1937/38)

Rebuilding the prisoner camp (1937/38)

Blick auf die Baustelle einer Baracke (1937-1938)

Blick auf die Baustelle einer Baracke (1937/1938)
© KZ-Gst. Dachau

View of building work on a barrack (1937/1938)
© KZ-Gst. Dachau

Der Umbau des Häftlingslagers

1937/38 mussten die Häftlinge große Teile des Häftlingslagers Dachau abbrechen und einen deutlich größeren Lagerkomplex errichten, der für 6.000 Häftlinge vorgesehen war. Zu den Neubauten gehörten das Jourhaus, das Wirtschaftsgebäude, der Arrestbau und 34 Baracken. Der SS-Bereich wurde ebenfalls erweitert.

Rebuilding the prisoner camp

In 1937/38 the prisoners were forced to dismantle large sections of the Dachau prisoner camp and build a much larger camp complex that was designed to hold 6 000 prisoners. The new buildings included the Jourhaus, the maintenance building, the detention building, and 34 barracks. The SS area was also enlarged.

1945–1964

Der schwierige Weg zur Gedenkstätte

The Difficult Path to the Memorial Site

KZ-Gedenkstätte Dachau. Luftbild (2006)

KZ-Gedenkstätte Dachau. Luftbild (2006)
© Luftbildverlag Bertram GmbH

Dachau Concentration Camp Memorial Site. Aerial view (2006)
© Luftbildverlag Bertram GmbH

Der schwierige Weg zur Gedenkstätte

Bewohner des Flüchtlingslagers fordern eine Unterbringung außerhalb des ehemaligen Konzentrationslagers
© Privatbesitz, R. Fischer

Inhabitants of the reception camp for refugees are protesting for housing outside the former concentration camp
© Privatbesitz, R. Fischer

Der schwierige Weg zur Gedenkstätte

Nach dem Ende der Dachauer Prozesse und der Schließung des Internierungslagers (1948) übergab das US-Militär das Gelände des ehemaligen Häftlingslagers zurück an den bayerischen Staat. Der Freistaat Bayern errichte dort ein Auffanglager für Flüchtlinge und Heimatlose, später als Wohnsiedlung Dachau-Ost bezeichnet.
Das Comité International de Dachau (CID), das sich 1955 wiedergegründet hatte, konnte verhindern, dass das ehemalige Krematorium abgerissen wurde. Dort wurden zwischen 1945 und 1960 drei Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers gezeigt. Im Jahr 1965 wurde die KZ-Gedenkstätte Dachau mit einer Dokumentarausstellung eröffnet.

The Difficult Path to the Memorial Site

After the end of the Dachau Trials and the closing of the internment camp (1948), the U.S. military handed the grounds of the former prisoner camp back to the Bavarian state. The Free State of Bavaria set up there a reception camp for refugees and expellees; the camp was latter called the Dachau-East Residential Estate.
The Comité International de Dachau (CID), re-founded in 1955, was able to prevent the former crematorium from being demolished. Three exhibitions on the history of the concentration camp were shown there between 1945 and 1960. In 1965 the Dachau Concentration Camp Memorial Site, featuring a documentary exhibition, was opened.

Ehrengäste bei der Eröffnung der KZ-Gedenkstätte Dachau (1965)

Ehrengäste bei der Eröffnung der KZ-Gedenkstätte Dachau (1965)
© KZ-Gst. Dachau

Guests of honor at the opening of the Dachau Concentration Camp Memorial Site (1965)
© KZ-Gst. Dachau

1965–1972

Der schwierige Weg zur Gedenkstätte

The Difficult Path to the Memorial Site

Ausstellung im Krematorium (1960-1965)

Ausstellung im ehemaligem Krematorium (1960–1965)
© KZ-Gst. Dachau

Exhibition in the former crematorium (1960–1965)
© KZ-Gst. Dachau

Die Entwicklung in den 1960er Jahren

Am 23. Juli 1960 wurde im Gebäude des ehemaligen Krematoriums ein provisorisches, von Überlebenden konzipiertes Museum eröffnet. Auf Initiative der Überlebenden, organisiert im Comité International de Dachau (CID), entstand 1965 mit Unterstützung des Freistaates Bayern die KZ-Gedenkstätte Dachau. Sie gehört heute zur Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

In den Jahren zwischen 1960 und 1995 entstanden auf dem Gedenkstättengelände verschiedene religiöse Gedenkorte: Während des Eucharistischen Weltkongresses in München (31.7.-7.8.1960) wurde die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht (5.8.1960). Es folgten die Errichtung des Karmel Heilig Blut (1964), der Evangelischen Versöhnungskirche, der Jüdischen Gedenkstätte (1967) und der russisch-orthodoxen Kapelle Auferstehung unseres Herrn (1995).

Developments in the 1960s

On July 23 1960, a provisional museum, based on plans by survivors, opened in the building of the former crematorium. On the initiative of survivors, organized in the Comité International de Dachau(CID), the Dachau Concentration Camp Memorial Site was founded in 1965, supported by the Free State of Bavaria. Today it belongs to the Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

Different religious places of remembrance were founded between 1960 and 1995: the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel was consecrated (8.5.1960) during the Eucharistic World Congress in Munich (7.31.–8.7.1960). It followed the Carmelite convent Heilig Blut (1964), the Protestant Reconciliation Church, the Jewish Memorial (1967), and the Russian Orthodox chapel, Resurrection of Our Lord (1995).

1973–Heute

Gedenkstätte und Besucherzentrum

Memorial Site and Visitors' Center

Modell des neuen Besucherzentrums

Modell des neuen Besucherzentrums
© KZ-Gst. Dachau

Model of the new Visitors' Center
© KZ-Gst. Dachau

Gedenkstätte und Besucherzentrum

Das KZ Dachau gehörte zu den ersten Konzentrationslagern und bestand als einziges Lager während der gesamten zwölf Jahre der NS-Herrschaft. Hier und in den zahlreichen Außenlagern waren über 200.000 Personen aus ganz Europa inhaftiert. Mehr als 43.000 kamen ums Leben. Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das Lager. Danach erfuhr es verschiedene Umnutzungen und große bauliche Veränderungen: 1945–1948 inhaftierte das US-Militär hier NSDAP-Funktionäre und Angehörige der SS. Danach diente es bis 1963/64 der Unterbringung von Flüchtlingen und Heimatlosen.
Auf Initiative der Überlebenden, organisiert im Comité International de Dachau (CID), wurde 1965 das ehemalige Häftlingslager zur Gedenkstätte umgestaltet. Seit den 1960er Jahren befinden sich auf dem Gedenkstättengelände zudem verschiedene religiöse Gedenkorte.
Seit April 2009 ist das Besucherzentrum die zentrale Anlaufstelle für die Besucher.

Memorial Site and Visitors' Center

The Dachau concentration camp was one of the first concentration camps and the only camp to exist for the whole twelve years of the Nazi dictatorship. Over 200 000 persons from all over Europe were imprisoned here and in the numerous subcamps. More than 43 000 lost their lives. U.S. troops liberated the camp on April 29 1945. In the ensuing years the grounds were used for a variety of purposes and large architectural changes were made: in 1945-1948 the U.S. military authorities imprisoned Nazi Party officials and members of the SS; until 1963/64 it then served to accommodate refugees and ethnic German expellees from Eastern Europe.
On the initiative of the survivors, organized into the Comité International de Dachau (CID), the former prisoner camp was redeveloped into a memorial site in 1965. Since the 1960s various religious places of remembrance are located on the grounds.
Since April 2009 the Visitors' Center is the main contact point for visitors.

Die Entwicklung des Geländes nach dem ersten Weltkrieg

Teildemontage der Pulver- und Munitionsfabrik nach dem Ende des Ersten Weltkriegs
© KZ-Gst. Dachau

Partial dismantling of the Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik after the end of the war
© KZ-Gst. Dachau

1919 musste die Fabrik nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages ihre Produktion einstellen und die Anlagen demontiert werden. Dabei wurde ein großer Teil der Gebäude beschädigt. Mehr als 8.000 Arbeiter verloren ihre Arbeit. Der riesige Produktionsstandort blieb bis 1920 ungenutzt.

In 1919 the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory, founded in 1915, was forced to cease production in line with the stipulations of the Versailles Peace Treaty and its various facilities were dismantled. A large number of the buildings were damaged in the process. Over 8 000 workers lost their jobs. The giant manufacturing site remained unused until 1920.

Arbeiter und Arbeiterinnen in der Pulver- und Munitionsfabrik (1916–1918)

Arbeiter und Arbeiterinnen in der Pulver- und Munitionsfabrik (1916–1918)
© StadtA Dachau, Slg. 221

Workers in the gunpowder and munitions factory (1916–1918)
© StadtA Dachau, Slg. 221

Anfang 1916 nahm der Betrieb der Pulver- und Munitionsfabrik seine Arbeit auf. Gegen Ende des Jahres begann auch die Produktion von Infanterie- und Artilleriemunition. Die Zahl der Arbeiter wuchs rasch an. Waren es zu Beginn 500 männliche und 180 weibliche Arbeitskräfte, arbeiteten bei Kriegsende in dem Werk 8.000 Menschen, die aus ganz Bayern nach Dachau gezogen waren.

Dachau erlebte in dieser Zeit einen enormen Bevölkerungszuwachs. Im Jahr 1913 hatte der Ort etwa 5.000, drei Jahre später bereits 7.500 Einwohner. Die neu errichteten Wohnbaracken reichten bei Weitem nicht aus, so dass etliche Familien in Wohnwagensiedlungen unterkommen mussten.

The munitions factory commenced operations at the beginning of 1916. The production of infantry and artillery ammunition started at the end of the year. The number of workers grew quickly. Initially 500 men and 180 women were employed. By the end of war, some 8000 people from all over Bavaria were working in the factory.

The population of Dachau grew enormously in this period. In 1913 the town had 5 000 residents; just three years later the number was 7 500. The newly built residential barracks were not nearly enough and several families had to be accommodated in caravans.

Im Jahr 1920 setzten auf dem Areal der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik erste Sanierungen und Weiternutzungen ein. Es siedelten sich eine Druckerei und eine Fabrik für Teppichkehrmaschinen an. Außerdem befanden sich dort die Deutsche Werke AG, die hier bis 1924 Dreschwagen produzierte und Schreinerarbeiten durchführen ließ. Die genauen Betriebsgebäude sind heute nicht mehr bekannt.

Das Kraftwerk produzierte weiterhin Strom, der über die Amperwerke verkauft wurde. Misswirtschaft, hohe Pachtpreise und die wirtschaftliche Rezession der 1920er führten zum Ende der Fabriken. Abermals blieb das Gelände ungenutzt: 1926 übernahm das Land Bayern die verbliebene Anlage. In den Folgejahren wurden Teile der Geländeflächen verkauft, kleinere Firmen siedelten sich an. Der Großteil der Gebäude blieb jedoch bis 1933 verwaist und verfiel zunehmend.

In 1920 the first renovation and reutilization measures were undertaken on the grounds of the former munitions factory. A printing works and a factory producing carpet sweepers located on the site. The Deutsche Werke AG also set up operations, producing threshing machines and running a carpentry until 1924. Exactly which buildings were used is no longer known.

The power station continued to produce electricity, which was sold by the Amperwerke. Mismanagement, high leases, and the economic recession of the 1920s meant the end of factory operations. Once again the grounds were unused: in 1926 the Bavarian state took over the remaining site. In the following years parts of the grounds were sold, smaller companies set up operations. The majority of the buildings remained vacant however and increasingly fell into disrepair until 1933.

Wahrnehmung des KZ Dachau in der Dachauer Bevölkerung

SS-Angehörige in der Dachauer Altstadt um 1934
© KZ-Gst. Dachau

SS members in the city center of Dachau (1934)
© KZ-Gst. Dachau

Viele Dachauer erhofften sich von dem Bau des Konzentrationslagers einen wirtschaftlichen Aufschwung, da in der Region seit der Schließung der Pulver- und Munitionsfabrik eine hohe Arbeitslosigkeit bestand. Bereits eine Woche vor Eröffnung des Konzentrationslagers war in der Dachauer Zeitung von einer „wirtschaftlichen Zeitenwende“ und dem Heraufziehen „glücklicherer Tage“ die Rede. Vor allem durch den Zuzug der Wachmannschaften und Verwaltungsbeamten erhoffte man sich eine Ankurbelung der Geschäfte. 1933 profitierte die Stadt tatsächlich wirtschaftlich durch Bauaufträge und die Beteiligung an der Versorgung des Konzentrationslagers. Der erwünschte anhaltende wirtschaftliche Aufschwung trat jedoch in den Folgejahren nicht ein, da der Lagerkomplex wirtschaftlich eher autark blieb. Auch das Problem der hohen Arbeitslosigkeit löste sich nur zögerlich, sodass Dachau bis zum Zweiten Weltkrieg vom bayerischen Innenministerium zur „Notstandskommune“ erklärte wurde.

Many Dachau residents hoped that the construction of the concentration camp would come with an economic boom. The region had been plagued by high unemployment ever since the closure of the munitions factory. Already a week before the concentration camp opened, the Dachauer Zeitung claimed that a “change in economic fortunes” was imminent and “happier days” were about to begin. In particular the stationing of the guard squads and the administrative officials were seen as boosts for local businesses. In 1933 Dachau did indeed profit economically thanks to construction contracts and supplying the concentration camp. The desired long-term economic upturn failed to eventuate however in the following years, foremost because the camp complex remained economically self-reliant. The problem of high unemployment was only haltingly solved over the years and Dachau was designated a “crisis municipality” by the Bavarian Interior Ministry up until the Second World War.

SA-Männer vor dem Dachauer Rathaus (vor 1935)

SA-Männer vor dem Dachauer Rathaus (vor 1935)
© StadtA Dachau, Slg. 1126

SA men in front of the Dachau town hall (before 1935)
© StadtA Dachau, Slg. 1126

Kontakte
Zwischen der Stadtbevölkerung und dem Lagerpersonal entstanden private Kontakte und Verbindungen. Die SS-Sportgemeinschaft schloss sich dem bürgerlichen Sportclub TSV 1865 Dachau an und trug in Kombinationsmannschaften aus SS-Männern und Zivilisten gemeinsame Fußballspiele aus. Darüber hinaus entstanden private Beziehungen der Wachmannschaften zur Dachauer Bevölkerung.

Konflikte
Vereinzelt ergaben sich Streitfälle zwischen der Stadt und der Lagerverwaltung, wie im Fall einer Barackensiedlung der einstigen Pulvermunitionsfabrik-Arbeiter auf dem Lagergelände. Um die „Sicherheit des Lagerbetriebs“ zu gewährleisten sollten 1933/34 etwa 300 Personen nach dem Willen der KZ-Kommandantur und des Verwaltungsamts der SS zwangsumgesiedelt werden. Da die Stadt die Umsiedlung aus finanziellen Gründen nicht umsetzen konnte, zog sich der Konflikt mit der SS bis 1938 hin. Schließlich wurden die Bewohner nach Allach zwangsumgesiedelt.

Contacts
Private contacts and ties arose between the town population and the camp personnel. The SS sports group affiliated with the civilian sports club TSV 1865 Dachau and held football matches fielding teams made up of SS men and regular club members. In addition, private relationships developed between the guard squads and the Dachau population.

Conflicts
There were isolated disputes between the town authority and the camp administration, for instance about a barracks complex housing workers of the former munitions factory that was situated on the camp grounds. To guarantee “the security of camp operations”, in 1933/34 the commandant’s office and the SS administrative office demanded that 300 persons be forcibly resettled. With the town authority unable to implement the resettlement for financial reasons, the conflict with the SS dragged on until 1938. Eventually the residents were relocated to Allach.

Häftlinge bei Maurerarbeiten im SS-Lager, 1936. SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer

Häftlinge bei Maurerarbeiten im SS-Lager, 1936. SS-Fotograf Friedrich Franz Bauer
© BA Koblenz/Film 152-11-14

Prisoners performing bricklaying work in the SS camp, 1936. SS photographer Friedrich Franz Bauer
© BA Koblenz/Film 152-11-14

Das SS-Lager entstand ab dem 11. April 1933 auf dem Gelände der ehemaligen Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik, nachdem die SS die Überwachung des KZ Dachau von der Bayerischen Landespolizei übernommen hatte.

Viele Gebäude waren verfallen und erneuerungsbedürftig. Ähnlich war es um die Gleisanlagen, Wasseranschlüsse, Brücken und Straßen bestellt. Bis 1936 erfolgten mithilfe des erzwungenen Arbeitseinsatzes der KZ-Häftlinge die Instandsetzung, der Um- und Neubau der Liegenschaft.

After the SS took over the guarding of the Dachau concentration camp from the Bavarian Police, work on erecting an SS camp began on April 11 1933 on the grounds of the former Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory.

Many of the buildings were dilapidated and in need of repairs. The same applied to the railway tracks, the water mains, bridges, and roads. Using the forced labor of the concentration camp prisoners, the repair work, renovations, and new construction proceeded until 1936.

Häftlinge bei Abbruch- und Grabungsarbeiten auf dem SS-Gelände, 1933

Häftlinge bei Abbruch- und Grabungsarbeiten auf dem SS-Gelände, 1933
© KZ-Gst. Dachau

Prisoners performing demolition and digging work on the SS grounds, 1933
© KZ-Gst. Dachau

Luftaufnahme des ehemaligen SS-Kommandanturbereichs, 1950er

Luftaufnahme des ehemaligen SS-Kommandanturbereichs, 1950er
© US-Armee

Aerial shot of the former SS commandant headquarters, 1950s
© US Army

Das SS-Lager gliederte sich in den sogenannten Kommandanturbereich, in dem die Kommandantur, die Wache, die Politische Abteilung, die SS-Verwaltung des Lagers, die Unterkünfte der Wachmannschaften und Versorgungseinheiten untergebracht waren. An diesen Bereich grenzte das SS-Übungslager, der Ort der soldatischen und ideologischen Ausbildung der SS-Mannschaften. Dieses SS-Übungslager war Standort der Führerschule des SS-Wirtschafts- und Verwaltungsdienstes, der Waffentechnischen Lehranstalt, der Sanitätsschule der Waffen-SS, der SS-Lehrküche und der SS-Reitschule. Der Garnisonsstützpunkt der SS-Totenkopfstandarte Oberbayern befand sich ebenfalls in diesem Areal.

The SS camp was divided into the so-called commandant headquarters, where the commandant’s office, the guardhouse, the offices of the Political Department, the SS administrative office, the accommodation of the guard squads and the supply units were all located. Adjacent to this area was the SS training camp, where the SS units received their military and ideological training. Located in this SS training camp were the “leadership school” of the SS Economic and Administrative Service, the weapons technology school, the medical orderly school of the Waffen-SS, the SS teaching kitchen, and the SS riding school. The area also served as the garrison base for the SS Death’s Head unit Oberbayern.

Um- und Neubauten 1934/35

Einer der Wachtürme des ersten Häftlingslagers. Das Foto wurde in einem NS-Pressebericht im „Illustrierten Beobachter“ 1936 veröffentlicht
© BA, F.F. Bauer

One of the watchtowers of the first prisoners camp. The photograph was published in a national socialist press release in 1936
© BA, F.F. Bauer

1934/35 wurden mehrere Gebäude nutzbar gemacht oder neu gebaut, wie Kasernen, eine Küche, Speiseräume, ein Unterführerheim und eine SS-Krankenstation. Ebenso fanden Arbeiten an Straßen, Plätzen, Grenzmauern und dem Haupteingang zum Übungslager statt. 1935 wurden der Aufmarschplatz, der „Reichsschatzmeister-Schwarz-Platz“ vor dem Tor angelegt, ein SS-Stabsgebäude mit Arresttrakt, eine Kleiderkammer mit Werkstätten, ein SS-Mannschaftsheim mit Kantine, ein Schulungsgebäude, Lagerräume für Lebensmittel, eine Waffenmeisterei, Materiallager für Waffen und Ausrüstungen, Mastviehstallungen, Baustofflager sowie Wohnungen und Unterkünfte für Beschäftigte der Wirtschaftsbetriebe hergerichtet. In der Holländerhalle entstanden Garagen und Autowerkstätten nebst Materialmagazinen, eine Tankstelle, eine Reithalle und Ställe für 100 Pferde, eine Schmiede, eine Exerzierhalle, sowie ein Materiallager der SS-Unterkunftsverwaltung.

In 1934/35 several buildings were renovated for use or newly built, such as the barracks buildings, a kitchen, dining areas, quarters for NCOs, and an SS infirmary. Considerable work was also carried out on roads, squares, boundary walls, and the main entrance to the training camp. In 1935 the parade square – the “Reichsschatzmeister-Schwarz-Platz” – was laid out in front of the gate, while an SS staff building with detention block, a uniforms store with workshops, an SS club with canteen, an instruction building, provisions storerooms, an armory workshop, a weapons and equipment stores, fat stock stalls, a building materials store, as well as apartments and accommodation for employees of the SS economic enterprises, were all put in place. In the Holländerhalle/Holländer hall garages and auto repairs were set up, alongside material magazines, a filling station, a riding arena and stables for 100 horses, a blacksmiths, a parade hall, and a materials store for the SS accommodation administration.

Der SS-Bereich 1936 bis 1944

Das Schwimmbad innerhalb des SS-Bereichs (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37-1, Nr. 44

The swimming pool within the SS area (1941)
© ISO/A 700, Bde. 37-1, Nr. 44

Auch nach der Einweihung des SS-Lagers (1936) folgten diverse infrastrukturelle und bauliche Erweiterungen des SS-Lagers. Es wurden zusätzliche Garagen errichtet, außerdem entstanden ein Turngerätelager und eine weitere Wohnbaracke. Für die mittlerweile 2.500 SS-Männer entstand 1937 zusammen mit einem Sportplatz ein SS-Bad an der Amper. Auch um den "Eickeplatz" gab es bauliche Veränderungen: Ein neues Gebäude am westlichen Ende des Platzes beherbergte eine Post, eine Metzgerei, einen Kolonialwarenladen sowie eine Gaststätte. Dem "Eickeplatz" gegenüberliegend befand sich das sogenannte Kino, ein Gemeinschaftshaus der SS. Noch vor Kriegsbeginn entstand in der Nähe des Platzes die Kommandantenvilla. 1941 nahm die Besoldungsstelle der Waffen-SS in einem bislang als Kaserne genutzten Gebäude ihre Arbeit auf. Im Laufe des Krieges wurde auch das SS-Lazarett vergrößert. Nach einem Bombenangriff im Juli 1944 wurden einige Gebäude des SS-Lagers zerstört. Daraufhin wurde ein Hochbunker errichtet.

Even after its official opening (1936), the SS camp was continuously upgraded with diverse infrastructure and building improvements. Additional garages were built, as were a store for gymnastics equipment and another residential barrack. For the SS men, meanwhile numbering 2 500, a sports area and a SS baths on the shore of the Amper River were built in 1937. Changes were also made to the area around the "Eickeplatz": a new building on its western side housed a post office, a butchery, a general store, and an inn. Opposite "Eickeplatz" was the so-called cinema, an SS assembly hall. Located close to the square, the commandant’s villa was completed before the war. In 1941 the paymaster’s office of the Waffen-SS commenced operations in a building hitherto used as a barracks. The SS infirmary was enlarged over the course of the war. Some of the buildings in the SS camp were destroyed during an air raid in July 1944. An above-ground bunker was subsequently built.

Mit der Befreiung des Konzentrationslagers durch US-Truppen übernahm zunächst die US-Armee die Hoheit über das Areal des früheren SS-Bereichs. Seit 1972 ist dieses Gelände Sitz der Bereitschaftspolizei VI. Abteilung Dachau und für die Öffentlichkeit unzugänglich. Die KZ-Gedenkstätte Dachau umfasst den Bereich des früheren Häftlingslagers und den des ehemaligen Krematoriums.

Einen Eindruck vom früheren SS-Bereich können Besucher an einigen Standorten gewinnen: Die historischen Stabsgebäude und SS-Unterkünfte sind von der Straße der KZ-Opfer aus sichtbar. Die früheren Garagen und die Gebäude der SS-Lagerbäckerei befinden sich gegenüber dem Besucherzentrum, jenseits eines Maschendrahtzauns. Gegenüber dem historischen Jourhaus, dem Torgebäude des ehemaligen Häftlingslagers, sind äußerlich nahezu unverändert die ehemalige Kommandantur und die Kaserne des SS-Übungslagers erhalten.

With the liberation of the camp by U.S. troops, the U.S. Army initially exercised authority over the former SS area and its compound. Since 1972 this area serves as the headquarters of the Bavarian Riot Police, Section IV Dachau, and is inaccessible to the public. The Memorial Site covers the area of the earlier prisoner camp and the former crematorium.

Visitors can get an impression of the SS area from a number of vantage points: the historical staff building and the SS quarters are visible from the Straße der KZ-Opfer; the garages and buildings of the SS camp bakery are located opposite the Visitors' Center, on the other side of the wire-mesh fence; opposite the historical Jourhaus, the gatehouse to the former prisoner camp, are – almost unchanged – the onetime commandant’s headquarters and the barracks of the SS training camp.

Die architektonische Ausrichtung orientierte sich nach dem Neubau des Häftlingslagers an einer strengen Mittelachse. Auf der 250 Meter mal 800 Meter großen Fläche standen Barackenbauten, die wie in einer militärischen Formation auf den Appellplatz ausgerichtet waren. Alle Baracken waren durchnummeriert, auf der rechten Seite waren die Nummern ungerade, auf der linken gerade. Ursprünglich sollten hier 6.000 Gefangene untergebracht werden. Ab 1940 waren es indes nie weniger als 12.000, bei der Befreiung über 32.000.

Gegenüber den Baracken stand das dreiflügelige, ebenfalls symmetrische, Wirtschaftsgebäude. Dahinter schloss sich ebenso in symmetrischer Bauweise das Lagergefängnis an. Im Wirtschaftsgebäude befanden sich Funktionsräume wie z.B. Werkstätten, die Häftlingsküche und die Wäscherei. Das Wirtschaftsgebäude war auch Ort der Einlieferungsprozedur, in der die Häftlinge durch den sogenannten Schubraum, den Desinfektionsraum und das Häftlingsbad geschleust wurden.

Augenzeugenbericht

Der Neubau der Baracken musste von den Häftlingen selbst durchgeführt werden. Dabei waren sie dem Terror der sie zur Arbeit antreibenden SS-Wachmannschaft ausgesetzt. Der ehemalige Häftling Hugo Burkhard erinnert sich an den Arbeitsablauf:

„Wir hatten die Aufgabe, die Grundpfeiler für die neu zu erbauenden Baracken mittels eines schweren, eisernen Gewichts, das an einem Seil befestig war – dem sogenannten Rammbock – in den Boden zu rammen. Der Häftling zog das Seil mit dem schweren Gewicht in die Höhe und ließ es auf den Pfahl niedersausen“
(Hugo Burkhard, Tanz mal Jude! Meine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald, Getto Shanghai, 1933–1948, R. Reichenbach Vlg., 1967, S. 101)

Following the rebuilding of the prisoner camp, the architecture was now oriented around a strictly-defined central axis. Located on the area measuring 250 x 800 meters were barracks which, as in a typical military formation, faced the roll call area. All of the barracks were numbered, on the right were the odd numbers, on the left the even. Originally 6 000 prisoners were to be accommodated here. From 1940 their number was never below 12000 however, and at liberation there were more than 32000.

Opposite the barracks was the maintenance building, which had three wings and was also symmetrical. Behind it, again following a symmetrical construction, was the camp prison. The maintenance building contained various functional rooms, e.g. workshops, the prisoner kitchen, and the laundry. The maintenance building was also where the arrival procedure took place, during which the prisoners had to pass through the so-called shunt room, the disinfection room, and the prisoner baths.

Eyewitness account

The prisoners had to build the new barracks themselves. While driven on to work at an unrelenting pace, they were also exposed to the terror of the SS guard details. The former prisoner Hugo Burkhard recalls one instance of how work was done:

“We had to ram the foundations pillars for the new barracks into the ground using a heavy, iron weight that was attached to a rope – a device known as the battering ram. The prisoner pulled the rope with the heavy weight upwards and then let it drop down onto the pillar.”
(Hugo Burkhard, Tanz mal Jude! Meine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald, Getto Shanghai, 1933–1948, R. Reichenbach Vlg., 1967, p. 101)

Luftaufnahme der Baracken kurz nach Befreiung, Mai 1945

Luftaufnahme der Baracken kurz nach Befreiung, Mai 1945
© KZ-Gst. Dachau

Aerial shot of the barracks shortly after liberation, May 1945
© KZ-Gst. Dachau

1937/38–1944

Die Baracken im ehemaligen Konzentrationslager hatten die unterschiedlichsten Funktionen. In erster Linie dienten sie der Unterbringung der Häftlinge, aber auch als Werkstätten, Krankenstation, Kantine, Bücherei und als Schulungsräume. 1937 bis 1938 wurde das alte Häftlingslager nach und nach durch ein neues, wesentlich größeres Lager ersetzt. Die neu errichteten 30 Unterkunftsbaracken wurden jetzt als „Blöcke“ bezeichnet. Ein Block bestand aus vier so genannten Stuben mit je einem Aufenthalts- und einem Schlafraum. Jede war für 52 Häftlinge eingerichtet. Für je zwei Stuben gab es eine gemeinsame Wasch- und Toilettenanlage. Nach Kriegsbeginn wurden immer mehr Häftlinge eingeliefert, so dass das für maximal 6.240 Häftlinge gebaute Lager bald völlig überfüllt war. Unmittelbar nach den November-Pogromen wurden 1938 bereits über 11.000 Juden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt. Die SS pferchte sie in wenige Baracken, aus denen das Mobiliar entfernt worden war.

1944–1945

Ab Ende 1944 stieg die Belegung des Lagers auf rund 30.000 Häftlinge. Dadurch wurden die Verhältnisse in den meisten Baracken vollends unmenschlich.

In manche Unterkünfte pferchte die SS nun bis zu 2.000 Häftlinge. Als im November 1944 eine Typhusepidemie ausbrach, mussten immer mehr Baracken mit Kranken belegt und unter Quarantäne gestellt werden. Die Baracken wurden zu Orten des Sterbens.

Während der Umgestaltung des Geländes zur Gedenkstätte wurden die ehemaligen Häftlingsunterkünfte abgerissen. Die heutigen Betonfundamente kennzeichnen die Umrisse der ehemaligen Häftlingsbaracken aus der Zeit nach dem Um- bzw. Neubau des Lagers 1937/38.

Augenzeugenbericht

„Der Fußboden war ein Heiligtum. Niemand durfte mit Holzschuhen oder Pantoffeln eintreten. Nur barfuß oder in Socken, damit der Boden geschont würde … Wie beim Militär waren Sauberkeit und Ordnung Mittel zu Schikanen, nur hier im Lager in teuflischerem Ausmaß.“
„Dachau – eine Welt ohne Gott“, Häftlingsbericht von Sales Heß (1941 – 1945 im KZ Dachau), 1946 (Auszug)

Sales Heß trat nach der Reifeprüfung in Lohr am Main 1919 in die Abtei Münsterschwarzach ein und wurde 1925 zum Priester geweiht. Über die Aufhebung der Abtei Münsterschwarzach durch die Nationalsozialisten 1941 verbreitete Pater Franz Sales Heß Flugblätter. Daraufhin wurde er am 31. Mai 1941 von der Gestapo verhaftet und in den Priesterblock des KZ Dachau überstellt. Nach fast vierjähriger Haft wurde er am 28. März 1945 entlassen. Über seine Erfahrungen schrieb er nach seiner Freilassung das Buch KZ Dachau – Eine Welt ohne Gott. Nach dem Krieg arbeitete er als Lehrer und Schuldirektor. Er starb 1989.

1937/38–1944

The barracks in the former concentration camp had a diverse array of functions. Foremost, they were for accommodating the prisoners, but they also served as workshops, as a sickbay, a canteen, a library, and as instruction rooms. From 1937 to 1938 the old prisoner camp was gradually replaced by a new, significantly larger camp. The newly-built 30 accommodation barracks were now called “blocks”. Each block comprised four rooms, each with its own day and sleeping quarters. Each of these rooms was to hold 52 prisoners. Two rooms shared a wash and toilet facility. With the beginning of the war prisoner numbers increased. Built to hold a maximum of 6 240 prisoners, the camp was soon completely overcrowded. Directly after the November pogroms of 1938, more than 11 000 Jews were arrested and deported to the Dachau concentration camp. The SS crammed them into just a few barracks in which the furniture and fittings had been removed.

1944–1945

By the end of 1944 around 30 000 prisoners were in the camp. Conditions in most barracks were utterly inhumane.

The SS now crammed up to 2 000 prisoners in some barracks. As a typhus epidemic broke out in November 1944, more and more barracks were used to accommodate the sick and placed under quarantine. The barracks turned into places of death.

The former prisoner barracks were demolished during the conversion of the grounds into a memorial site. The concrete foundations visible today mark the layout of the former prisoner barracks from the period after the reconstruction of the camp in 1937/38.

Eyewitness account

“The floor was sacred. Nobody was allowed to enter with clogs on. Only barefoot or in socks to spare the floor … As in the military, cleanliness and orderliness were means to torment (the prisoners), only here it was done on a sinister scale.”
“Dachau – a Godless World,” prisoner account by Sales Heß (1941–1945 in the Dachau concentration camp), 1946 (excerpt)

After graduating from school in Lohr am Main in 1919, Sales Heß entered Münsterschwarzach Abbey and was ordained as a priest in 1925. After the National Socialists compounded the abbey in 1941, Father Heß distributed pamphlets in protest. He was arrested by the Gestapo on May 31, 1941 and transferred to the priest block in the Dachau concentration camp. After almost four years of imprisonment he was released on March 28, 1945. He wrote a book about his experiences, The Dachau Concentration Camp – A Godless World. After the war he worked as a teacher and school principal. He died in 1989.

Wahrnehmung Stadt Dachau -KZ Dachau 1937

Fahrplan der Busline zwischen der Stadt und dem SS-Lager
© KZ-Gst. Dachau

Timetable of the bus line connecting the city with the SS-camp
© KZ-Gst. Dachau

Auf Initiative des KZ-Kommandanten Hans Loritz und auf Wunsch der Stadtverwaltung wurde das Gelände des KZ schließlich 1939 in Dachau eingemeindet. Aus steuerlichen und wirtschaftlichen Gründen forcierte die Stadt die Eingemeindung in ihr Hoheiheitsgebiet. Dagegen leisteten zunächst die kleineren Gemeinden, in deren Gemarkungen mehrere Grundstücke, wie die "Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung" lagen, Widerstand.

Die KZ-Verwaltung, interessiert an ihrer verwaltungstechnischen Unabhängigkeit, errichtete zunehmend eigene Behörden im Lager, wie die Poststelle und das Standesamt. Durch die Einrichtung einer Buslinie (1937) und den Ausbau der Straßenverbindung bis zum Eingang des SS-Lagers, rückte das Konzentrationslager näher an die Stadt heran.

Der verstärkte Zwangsarbeitseinsatz von KZ-Häftlingen in Dachauer Betrieben, aber auch Heiraten zwischen SS-Angehörigen und Einheimischen, zeigen die Verflechtungen zwischen Stadt und Lager.

On the initiative of camp commandant Hans Loritz and at the request of the town authority, the concentration camp grounds were eventually incorporated into Dachau in 1939. The town was interested in having the camp within its district boundaries for taxation and economic reasons and wished to consolidate existing relationships to the concentration and SS camps. Smaller districts within which several properties were located, for example the "German Research Institute for Nutrition and Provisions", initially objected.

The concentration camp administration, wishing to remain independent, increasingly set up their own agencies in the camp, like the post and the registry offices. The establishment of a bus line (1937) and the extension of the road to the entrance of the SS camp linked the camp complex closer to the town.

The increased use of concentration camp prisoners as forced laborers in Dachau businesses, as well as marriages between members of the SS and locals, show the close relationship that existed between the town and the camp.

Blick über den Heilkräutergarten auf das Hauptgebäude der Plantage

Blick über den "Heilkräutergarten" auf das Hauptgebäude der Plantage
© KZ-Gst. Dachau

View across the "medicinal herb garden" to the main building of the plantation
© KZ-Gst. Dachau

Östlich der heutigen KZ-Gedenkstätte befand sich das Gelände der NS-eigenen "Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung". 1938 mussten KZ-Häftlinge hier eine große landwirtschaftliche Anlage, die sogenannte Plantage errichten. Der Anbau einheimischer Kräuter war beim Reichsführer der SS Heinrich Himmler auf besonderes Interesse gestoßen. Deutschland sollte von der Einfuhr ausländischer Medikamente und Gewürze unabhängig gemacht werden. Gewaltsam trieben SS-Posten die KZ-Häftlinge zur Arbeit auf dem großen Freigelände an, willkürlich wurden Häftlinge "auf der Flucht erschossen". Unterernährung und unzureichende Kleidung machten die Arbeit unerträglich. Weniger brutale Arbeitsbedingungen bestanden nur in den Gebäuden oder den Gewächshäusern.

Located to the east of today’s Memorial Site were the grounds of the SS-owned "German Research Institute for Nutrition and Provisions". In 1938 the prisoners had to prepare here an expansive agricultural grounds, the so-called plantation. SS leader Heinrich Himmler had become interested in cultivating local herbs: Germany was to become self-reliant and no longer dependent on medicines and spices from abroad. SS guards violently pushed the prisoners to perform the arduous work on the large open area, arbitrarily shooting prisoners “trying to escape”. Undernourishment and inadequate clothing made the work unbearable. The working conditions were a little less brutal only inside the buildings or the greenhouses.

Grundriss der Anlage Kräutergarten

Grundriss der Anlage Kräutergarten/Plantage
© KZ-Gst. Dachau

Plan of the medicinal herb garden/plantation
© KZ-Gst. Dachau

Die Erweiterung der Plantage um das so genannte "Freiland II" mit 148 Hektar Fläche setzte im Frühjahr 1941 ein. Dazu wurden 1942 auf dem Gelände des „Wildparks“ nördlich des Schutzhaftlagers Primeln zur Vitamin C-Gewinnung angebaut. Nun arbeiteten in den Sommermonaten bis zu 1.500 Häftlingen auf dem Gelände: die meisten im Gartenbau auf dem Freiland, etwa ein Drittel an den Gewürzmühlen, im Forschungslabor und den restlichen Werkstätten.

Auf der Plantage arbeiteten die Häftlinge unter mörderischen Bedingungen. Pflüge, Sämaschinen und Walzen wurden durch Muskelkraft ersetzt. Im nahe gelegen Karpfenteich wurden Häftlinge ertränkt.

The extension of the plantation with the addition of the area known as “Freiland II”, which covered 148 hectares of land, had begun in the spring of 1941. In addition, on the grounds of the “deer park” to the north of the protective custody camp, primroses were cultivated to extract vitamin C in 1942. In the summer months up to 1 500 prisoners now worked on the grounds: most of them in horticultural work on the open land, around a third at the spice mills, in research labs, and the other workshops.

The working conditions on the plantation were murderous. The prisoners were forced to perform the arduous work without the help of ploughs, sowers and rollers. Prisoners were drowned in the nearby carp pond.

Alte Maschine, die auf der Plantage zum Einsatz kam

Alte Maschine, die auf der Plantage zum Einsatz kam
© KZ-Gst. Dachau

Old machinery used on the plantation
© KZ-Gst. Dachau

Hauptgebäude der Plantage und Gewächshäuser unmittelbar nach Kriegsende

Hauptgebäude der Plantage und Gewächshäuser unmittelbar nach Kriegsende
© KZ-Gst. Dachau

Main building of the plantation and greenhouse directly after the end of the war
© KZ-Gst. Dachau

Die Plantage nimmt in der Topografie des KZ Dachau eine besondere Stellung ein. Aufgrund der öffentlichen Verkaufsstelle für Erzeugnisse der Plantage, wie Blumen, Pflanzensetzlinge und Ersatzpfeffer, ergaben sich Kontaktmöglichkeiten zwischen Häftlingen und der Zivilbevölkerung. Nachweislich fand ab 1941 ein Austausch von Nachrichten, Lebensmitteln, Medikamenten sowie Hostien und Wein für die Priester statt. Die Verbindung zwischen dem Priesterkommando auf der Plantage und der Stadtpfarrei St. Jakob stellte die erst zehnjährige Christa Steinbüchler her, die regelmäßig die Verkaufsstelle aufsuchte. Auch eine Novizin der Schwesternschule in Freising leistete ähnliche Hilfe. Diese Akte des Widerstands kamen jedoch nur vereinzelt vor.

The plantation has a special place in the topography of the Dachau concentration camp. Selling products from the plantation to the public, for example flowers, saplings, and pepper substitute, meant that it was possible for the prisoners and civilian population to come into contact. There is documented evidence that from 1941 there was an exchange of news, food, medicine, and indeed hosts and wine for the priests. Responsible for establishing the contact between the priest detail working on the plantation and St. Jacob’s parish was the 10 year-old Christa Steinbüchler, who regularly visited the selling stand. A novice of the sister school in Freising also helped in a similar way. Acts of resistance like these were however few and far between.

Wohnheim für Sozialbedürftige Mitbürger (2006)

Wohnheim für Sozialbedürftige Bürger (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Hostel for socially needy persons (2006)
© KZ-Gst. Dachau

Transformation eines Geländes: Vom Häftlingskommando zur Gärtnerei und Sozialwohnheim

Die ehemalige Plantage des KZ Dachau wurde nach dem Krieg unter dem neuen Namen Deutsche Versuchsanstalt weitergeführt. Der Betrieb stand unter staatlicher Aufsicht, wurde jedoch am 1. April 1949 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Eine Privatfirma übernahm das Gelände und errichtete zwischen 1954 und 1957 weitere Gewächshäuser. In den 1970er Jahren kam es infolge weiterer Besitzerwechsel zu Umbaumaßnahmen und Abrissen. Die Agrarflächen wurden mit dem Gewerbegebiet Dachau-Ost überbaut. Weitgehend zerstört sind die drei historischen Gewächshäuser, sanierungsbedürftig die historischen Kopfbauten. Gut erhalten sind der ehemalige Verkaufsladen und das ehemalige Bienenhaus. Das Gebäude des ehemaligen Forschungsinstituts und der Verwaltung wird heute noch als Wohnheim für Obdachlose genutzt. Sie befinden sich im Besitz der Stadt Dachau.

Transformation of the grounds: from prisoner detail to horticultural garden and hostel

The former plantation of the Dachau concentration camp was continued after the war under the new name of Deutsche Versuchsanstalt. The enterprise was now run by the state, but ceased operations on April 1 1949 for economic reasons. A private firm took over the grounds and between 1954 and 1957 built additional greenhouses. In the 1970s more reconstruction work and demolitions followed as ownership changed hands. The agricultural land was overbuilt with the new industrial zone Dachau-East. Largely destroyed are the three historical greenhouses, the historical gables are in need of renovation. In good condition are the former commercial store and the former bee house. The building of the former research institute and administrative offices is still in use today as a hostel for homeless persons. They are all owned by the City of Dachau.

Hauptgebäude des ehemaligen „Kräutergartens“ mit Treibhaus (2012)

Hauptgebäude des ehemaligen Kräutergartens/Plantage mit Treibhaus (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Main building of the former herb garden/plantation with greenhouse (2012)
© KZ-Gst. Dachau

Ausstellung im Krematorium (1945)

Ausstellung im ehemaligen Krematorium (1945)
© KZ-Gst. Dachau

Exhibition in the former crematorium (1945)
© KZ-Gst. Dachau

Vergessen und Verdrängen – mit dieser Haltung der Mehrheit der westdeutschen Gesellschaft im Umgang mit dem Erbe der Konzentrationslager sahen sich die Überlebenden konfrontiert. Eine erste Ausstellung, noch unter der Obhut der amerikanischen Militärbehörden, wurde im Spätherbst 1945 im großen Krematoriumsgebäude eingerichtet. Sie veranschaulichte zeitgleich zu den Dachauer Prozessen die grauenhaften Zustände im KZ Dachau. Kuratoren der Ausstellung waren ehemalige Häftlinge.

Forget and repress – the survivors saw themselves confronted with this attitude adopted by the majority of West German society when it came to the legacy of the concentration camps. The first exhibition, overseen by the American military authorities, was opened in late fall 1945 in the large crematorium building. Held at the same time as the Dachau Trials, the exhibition showed the horrific conditions which had prevailed in the Dachau concentration camp. The curators of the exhibition were former prisoners.

Ausstellung im Krematorium (1950-1960)

Ausstellung im ehemaligen Krematorium (1950–1960)
© KZ-Gst. Dachau

Exhibition in the former crematorium (1950–1960)
© KZ-Gst. Dachau

1950 eröffnete das für das Gelände damals zuständige Landesentschädigungsamt im ehemaligen Krematorium eine überarbeitete, um die Darstellung des KZ-Systems und der Häftlingskategorisierung erweiterte Ausstellung. Aufgrund einer kritischen Presseberichterstattung schloss die unterdessen für das Gelände zuständige Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung diese Dokumentation im Mai 1953.

Im April 1955 gründete sich das Comité International de Dachau (CID) mit dem Ziel der Errichtung einer würdigen Gedenkstätte. Gefordert wurden der Rückbau der zahlreichen Überformungen, die Räumung des Flüchtlingslagers und der Bau eines zentralen Mahnmals auf dem ehemaligen Appellplatz.

In 1950 the Bavarian Reparations Office, the body responsible for the grounds at the time, opened a reworked exhibition in the former crematorium that now also included the concentration camp system and the categorization of the prisoners. Following critical press coverage, this documentation was closed in May 1953 by the Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, the body meanwhile responsible for the grounds. In April 1955 the Comité International de Dachau (CID) was formed with the objective of establishing a worthy memorial site. The CID demanded that the numerous building additions be removed, the refugee camp disbanded, and a main monument be built on the former roll call area.

Aufbau eines US-Stützpunktes nach dem Krieg

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers durch US-amerikanische Truppen am 29. April 1945 nutzte die US-Armee das SS-Gelände unter dem Namen Eastman Barracks als Kaserne. Die US-Einheit übernahm das Gelände bis zur ehemaligen Kommandantenvilla und die Häuser der ehemaligen SS-Wohnsiedlung am "Eickeplatz". Nach und nach dehnte die US-Armee ihren Bereich weiter nach Süden aus und errichtete ein neues Wachgebäude an der Gabelung der Straße der KZ-Opfer/Marienstraße. Durch die verschiedenen Nutzungen veränderte sich die Topografie des Geländes erheblich. Beispielsweise wurde auf dem ehemaligen Appellplatz im Frühjahr 1946 von ehemaligen SS-Angehörigen eine Kirche errichtet, die heute nicht mehr vorhanden ist.

Nach dem Ende der Dachauer Prozesse 1948 übergab die US-Militärregierung das ehemalige Häftlingslager den bayerischen Behörden, die dort Flüchtlinge und Vertriebene unterbrachten. Die US-Armee richtete auf dem Gelände der SS-Verfügungstruppe einen Truppenstandort ein.

U.S. Military Compound directly after the War

After U.S. troops had liberated the concentration camp on April 29 1945, the U.S. Army used the SS grounds as a compound, calling it the Eastman Barracks. The stationed U.S. unit took over the grounds up to the former commandant’s villa and the houses of the former SS residential estate at "Eickeplatz". Gradually the U.S. Army extended its area southwards and built a new guardhouse at the fork of Straße der KZ-Opfer/Marienstraße. The topography of the grounds changed considerably due to the varied uses. For example: former members of the SS built a church on the onetime roll call area in the spring of 1946, which no longer exists.

After the conclusion of the Dachau Trials in 1948, the U.S. military government handed over the former prisoner camp to the Bavarian authorities, who then accommodated refugees and German expellees from Eastern Europe there. The U.S. Army set up a military base on the grounds of the SS Verfügungstruppe.

Im nordöstlichen Teil des ehemaligen Häftlingslagers und im früheren SS-Bereich befanden sich vom Sommer 1945 bis Mitte Januar 1948 mehrere „Sonderlager“, die als War Crime Enclosure bezeichnet wurden. Im War Crime Enclosure hielt man sogenannte War-Crimes-Suspects streng getrennt von anderen Internierten fest. Es handelte sich um ehemalige KZ-Wachverbände, Angehörige des Generalstabs, der Waffen-SS sowie der SS-Divisionen „Das Reich“ und „Adolf Hitler“, denen besonders schwere Kriegsverbrechen angelastet wurden.
Bis zu 12.000 mutmaßliche Kriegsverbrecher waren hier für die Dauer von Ermittlungen inhaftiert, die bei entsprechender Beweislast zum Prozess führten. Sie wurden als Teil der Dachauer Prozesse verhandelt, in denen die amerikanischen Militärgerichte in 489 Verfahren über mehr als 1.600 Angeklagte urteilten.

Between the summer of 1945 and the middle of January of 1948, several “special camps” were set up in the northeast part of the former prisoner camp and in the onetime SS area; these were called the War Crimes Enclosure. Here the so-called war crimes suspects were kept strictly seperated from other interned persons. These men were former concentration camp guard units, members of the general staff, the Waffen SS, as well as the SS divisions “Das Reich” and “Adolf Hitler”, who were accused of particularly serious war crimes.
Over the course of the investigations, up to 12000 suspected war criminals were imprisoned here; if sufficient evidence was collected, a trial followed. These cases were then heard as part of the Dachau Trials, in which the American military courts passed judgment on more than 1600 accused men in 489 trials.

Hauptgebäude der US-Kaserne, noch mit Reichsadler

Hauptgebäude der US-Kaserne, noch mit Reichsadler
© KZ-Gst. Dachau

Main building of the U.S. military compound, still with a Nazi Reich eagle
© KZ-Gst. Dachau

Bereits Ende der 1940er Jahre bezog eine US-Artillerieeinheit das frühere SS-Kasernengelände. Sie blieb bis Ender der 1960er Jahre.

Fahrbereitschaften und der Artilleriebereich wurden in den Garagen aus dem Jahre 1941 untergebracht. Die Umnutzung der Gebäude zog Um- und Neubauten nach sich. Werkstätten fanden in den Hallen der ehemaligen Wirtschaftsbetriebe Platz. Es entstanden Sportstätten und eine Bowlingbahn. Neugebaut wurden eine Turnhalle, eine Schule, zwei Wohngebäude und eine Garage. In den 1950er Jahren legte man einen Golfplatz an. Alle in den 1930er und 40er Jahren in Holzbauweise errichteten Gebäude - meist Unterkünfte der SS - wurden in der Nachkriegszeit abgerissen.

Ende der 1960er Jahre verließ ein Großteil der US-Truppen die Kaserne und die meisten Gebäude standen nun leer. 1973 zogen auch die letzten verbliebenen Soldaten ab.

Already at the end of the 1940s a U.S. artillery unit moved into the former SS barracks compound. It remained stationed there until the end of the 1960s.

Motor pools and the artillery division were quartered in the garages from 1941. Reutilizing entailed renovations and new construction work. Workshops were located in the halls of the former economic enterprises. Sport facilities and a bowling alley were set up. A gymnasium, a school, two apartment houses, and a garage were newly built. In the 1950s a golf course was laid out. All of the timber-constructed buildings from the 1930s and 1940s – most of them quarters for the SS – were demolished in the postwar years.

At the end of the 1960s a large section of the U.S. troops left the barracks and most buildings now stood empty. The remaining soldiers moved out in 1973.

Ehemaliges SS-Hauptgebäude nun Poststelle der US-Armee

Ehemaliges SS-Hauptgebäude nun Poststelle der US-Armee
© KZ-Gst. Dachau

Former SS main building, now a U.S. Army post office
© KZ-Gst. Dachau

Ehemalige Häftlingsbaracken, umgebaut zu Wohnungen (ca. 1960). In den Baracken waren jeweils 16 Zweizimmer- und acht Einzimmerwohnungen entstanden.

Ehemalige Häftlingsbaracken, umgebaut zu Wohnungen (ca. 1960). In den Baracken waren jeweils 16 Zweizimmer- und acht Einzimmerwohnungen entstanden
© M. Fackelmann

Former prisoner barracks, converted into apartments (ca. 1960). Each barrack now had 16 two-room and eight single-room apartments
© M. Fackelmann

„Vom Häftlings- zum Flüchtlingslager“

Trotz heftiger Proteste von Überlebenden wurden die 34 ehemaligen Häftlingsbaracken zur Unterbringung von 2.300 Flüchtlingen und Vertriebenen umgebaut. Der Bayerische Staat investierte 4,8 Millionen Mark in die Wohnsiedlung Dachau-Ost. Ausstattung wie Öfen, Herde, Betten, Tische wurden den Menschen zur Verfügung gestellt.

Trotz der hohen Investitionen bestanden große Probleme. Die Strom- und Wasserversorgung brach ständig zusammen und die Wohnungen waren schlecht isoliert. Dennoch gründeten die neuen Bewohner Geschäfte für den alltäglichen Bedarf und Gaststätten. Es entstanden Arztpraxen, ein Kindergarten und eine Grundschule.

Teile der ehemaligen Sicherheitsanlagen wurden abgebaut, die Ummauerung blieb jedoch bestehen. Der Graben, der die KZ-Häftlinge an der Flucht hindern sollte, wurde überbaut.

Im Juli 1954 zeigte sich die Stadt Dachau nach jahrelanger Weigerung bereit, die Wohnsiedlung Dachau-Ost in ihre Verwaltung zu übernehmen.

“From prisoner to refugee camp”

Despite vehement protests by survivors, the 34 former prisoner barracks were converted into accommodation for 2 300 refugees and expellees. The Bavarian state invested 4.8 million West German marks in the Dachau East Residential Estate. Furnishings and fittings like oven, stoves, beds, and tables were made available.

Despite the large investment, great problems remained. The power and water supply constantly broke down and the apartments were poorly insulated. Nevertheless, the new inhabitants set up small businesses catering to everyday needs and inns. There were also medical practices, a kindergarten, and a primary school.

Parts of the former security facilities were dismantled, the encircling wall remained however. The trenches designed to prevent the concentration camp prisoners from escaping were filled in and built over.

In July 1954 the City of Dachau, after years of refusal, finally incorporated the Dachau East Residential Estate into its administration.

Die ersten Zeitungsberichte über das Konzentrationslager Dachau erschienen bereits am 1. Mai 1945. Bis Sommer 1945 ging der Name "Dachau" als Synonym des Schreckens durch die Weltpresse. Die Berichte der US-Armee lassen für den Sommer 1945 und die Zeit danach in keiner Weise mehr auf ein schlechtes Verhältnis zwischen Besatzungsmacht und Bevölkerung schließen. Die Amerikaner monierten allerdings ein Rückzugsverhalten der Dachauer Bevölkerung ins Privatleben und eine starke Lethargie in politischen Fragen. Einige ehemalige Häftlinge, wie der Überlebende Nico Rost nahmen die Dachauer Bevölkerung in Schutz. Nico Rost appellierte in seiner Publikation „Die Stadt trägt keine Schuld“, „das Städtchen und seine Bewohner nicht zu hassen“. Die Dachauer Bevölkerung leistete neben bayerischen Politikern und Behörden lange Widerstand gegen die Pläne für eine Gedenkstätte, wie sie das Comité International de Dachau ehemaliger Häftlinge forderten.

The first newspaper reports on the Dachau concentration camp appeared directly on May 1 1945. Until the summer of 1945, the name "Dachau" became a synonym for horror in the world press. The reports of the U.S. Army for the summer of 1945 and afterwards provide no evidence of a poor relationship between the occupying power and the population. At the same time however, the Americans criticized how the local population retreated into private life and, as far as politics was concerned, was very lethargic. Some former prisoners, like the survivor Nico Rost, came to the defense of the Dachau population. In Die Stadt trägt keine Schuld (The Town is not to Blame), Rost appealed “not to hate the town and its residents”. Along with Bavarian politicians and authorities, the Dachau population resisted plans for a memorial site as demanded by the Comité International de Dachau made up by former prisoners.

Verklärung der Verantwortung

Das Verhältnis der Stadt zum Konzentrationslager kurz nach der Befreiung drückte Erwartungen aus, die zum Leitbild der Wiederherstellung des nationalen Politikverständnisses Westdeutschlands werden sollten: Es war die Vorstellung, den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen zu sein. Von den Verbrechen in den Lagern habe man nichts gewusst und nichts wissen können. Dazu pflegte die Stadt Dachau den Mythos eines schuldlosen „anderen Deutschlands“ welches sein Bestes tat, den „fremden Nationalsozialisten“ zu widerstehen, oder sie wenigstens an den schlimmsten Exzessen zu hindern.

Distorting Responsibility

The relationship of the town with the concentration camp shortly after liberation expressed expectations which would become a model for restoring a national understanding of politics in West Germany: the idea of having being a victim of the National Socialists. It was claimed that one had not known about the crimes in the camp and could not have known. Moreover, the town cultivated the myth of an innocent “other Germany” which had done its best to resist the “foreign Nazis”, or at least had hindered the worst excesses.

In den Jahren 1996 bis 2003 wurde in Zusammenarbeit mit den im Internationalen Dachau Komitee (CID), dem Verband, in dem überlebende Häftlinge organisiert sind, und einem wissenschaftlichen Fachbeirat eine neue Dokumentarausstellung mit dem Leitmotiv „Der Weg der Häftlinge“ geschaffen. Die Projektleitung oblag dem Haus der Bayerischen Geschichte. Gezeigt werden die verschiedenen Wege der Häftlinge in das Lager, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen, ihr Sterben oder ihre Befreiung.

Mit der Neukonzeption kam es zur Öffnung zusätzlicher Gebäude, wie des ehemaligen Lagergefängnisses (Bunker) und des Westflügels des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes mit dem historischen Schubraum und dem Häftlingsbad.

Das Wort „Schub“ bezeichnet einen Häftlingstransport. Der Schubraum war der Hauptort der Einlieferungsprozedur, die mit dem gewaltsamen Verlust der menschlichen Eigenständigkeit und aller persönlichen Rechte und Freiheiten einherging. In diesem Raum wurde der ankommende Mensch zu einem namenlosen Häftling. Hier erhielt er seine Häftlingsnummer zugewiesen.

Between 1996 and 2003 a new documentary exhibition was created together with the prisoners organized in the International Dachau Committee (CID), the survivors’ association, and a scholarly advisory board. The new exhibition followed the leitmotif “the path of the prisoners”. The Haus der Bayerischen Geschichte was responsible for realizing the project. The aim is to show the different paths that led to the prisoners being imprisoned in the camp, the living and working conditions they had to endure, their death or their liberation.

The new conception entailed the opening of additional buildings, for example the camp prison (bunker) and the western wing of the former maintenance building with the historical Schubraum and the prisoner baths.

The word “Schub” (“shunt”) refers to a prisoner transport. The shunt room was the main place in the arrivals procedure, which involved the violently enforced loss of human individuality and the deprivation of all personal rights and freedoms. The arriving person who entered the room was turned into a nameless prisoner. This was where the prisoner number was assigned.

Bauarbeiten bei der Verlegung des Eingangs über das Jourhaus

Bauarbeiten bei der Verlegung des Eingangs über das Jourhaus
© KZ-Gst. Dachau

Building work to relocate the entrance via the Jourhaus
© KZ-Gst. Dachau

Anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung des KZ Dachau wurde 2005 der Eingang zur Gedenkstätte am Jourhaus ermöglicht. Somit kann die Gedenkstätte wieder über den Weg betreten werden, den die Häftlinge bei ihrer Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau nehmen mussten.

Dass die Verlegung des Eingangs zur Gedenkstätte ein langer Prozess war, ist an der Eingangstafel des Internationalen Mahnmals ersichtlich. Sie wurde bereits im Jahr 1968 in Richtung des Jourhauses aufgestellt.

Die Bezeichnung „Jourhaus“ entstammt dem militärischen Sprachgebrauch und besagt, dass hier der Dienst des Tages untergebracht war.

On the occasion of the 60th anniversary of the liberation of Dachau concentration camp in 2005, the entrance to the Memorial Site via the Jourhaus was made possible. Thus, the Memorial Site can once again be entered the same way as the prisoners were forced to when deported to the concentration camp.

The plaque at the entry to the International Monument reveals how long the process was to have the entrance to the Memorial Site relocated: it was mounted in 1968 to face the Jourhaus.

“Jourhaus” is a military term and means that this is where the guard duty of the day were stationed.

Bedeutung und Verantwortung: Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Seit 2003 hat die Stiftung Bayerische Gedenkstätten die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg übernommen. Ziel der Stiftung ist,

„die Gedenkstätten als Zeugen für die Verbrechen des Nationalsozialismus, als Orte der Erinnerung an die Leiden der Opfer und als Lernorte für künftige Generationen zu erhalten und zu gestalten, die darauf bezogene geschichtliche Forschung zu unterstützen und dazu beizutragen, dass das Wissen über das historische Geschehen im Bewusstsein der Menschen wachgehalten wird.“

(Art. 2, Absatz 1. Gedenkstätten­stiftungsgesetz)

Bedeutung und Verantwortung: Comité International de Dachau (CID)

Bereits 1945, vor der Befreiung des KZs, wurde das CID von Häftlingen gegründet. Heute setzt es sich aus Überlebenden und ihren Angehörigen zusammen. Es vertritt Menschen aus über 30 Ländern, die in das KZ Dachau und seinen Außenkommandos verschleppt wurden.

Das CID hat die Gedenkstätte ins Leben gerufen. Ihm wurde durch den Bayerischen Landtag ein Mitwirkungsrecht bei allen wesentlichen, sie betreffenden Angelegenheiten, eingeräumt.

Neben der Wahrung der historischen Bedeutung und des gesamten kulturellen Erbes der KZ-Gedenkstätte Dachau sollen

„die Besucher auch über die unterschiedliche Herkunft der in den Lagern festgehaltenen Menschen sowie die Ursachen ihrer Deportation informiert werden.“

(Resolution des Europäischen Parlaments 1993)

Importance and Responsibility – the Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Since 2003 responsibility for the Dachau and Flossenbürg Memorial Sites lies with the Stiftung Bayerische Gedenkstätten. The goal of the foundation is

“to maintain and develop the Memorial Sites as a witness to the crimes of National Socialism, as places of remembrance for the suffering of the victims, and as learning centers for future generations, to support the historical research relevant to fulfilling these tasks, and to contribute to ensuring that knowledge about historical events is kept alive”.

(article 2, paragraph 1. Memorial Sites Foundation Law)

Importance and Responsibility: Comité International de Dachau

The CID was founded by prisoners in 1945, already before the concentration camp was liberated. Today it is comprised of survivors and their relatives. It represents persons from more than 30 countries who were deported to the Dachau concentration camp and its external work details.

The CID initiated the Memorial Site. The Bavarian state parliament has provided the CID with a right of participation for all essential matters concerning the Memorial Site.

Besides protecting the historical importance and the whole cultural legacy of the Memorial Site,

“visitors are to be informed about the different origins of the persons imprisoned in the camps and the causes behind their deportation.”

(Resolution of the European Parliament 1993)

Geländeentwicklung seit 1972

1973 stellte die US-Armee die Nutzung des Geländes ein; seitdem ist es Standort der VI. Bereitschaftspolizeiabteilung.

Bereits 1972 nahm die Bayerische Polizeischule, Ausbildungsstätte Dachau, auf dem Gelände ihren Betrieb auf. Als erstes Gebäude wurde das ehemalige SS-Lazarett 1973 grundlegend renoviert. Weitere Gebäude wurden im Laufe der Zeit grundsaniert. Viele Bauten wurden allerdings ohne Rücksichtnahme auf ihre geschichtliche Bedeutung abgerissen. Aus der Zeit des SS-Lagers verschwanden die Garagen und die SS-Wohnanlage am ehemaligen "Eickeplatz", das Heizkraftwerk, die ehemalige SS-Kommandantenvilla, einige SS-Wohnheime und das SS-Kasino.

Aus der Zeit des US-Lagers blieben nicht erhalten: Zwei Drittel der Großwäscherei-Werkstätten, die ehemalige US-Kommandantur und der Offiziers-Club.

In den 1990er Jahren entstanden auf dem Gelände der Bayerischen Bereitschaftspolizei verschiedene Neubauten, der historische Ort wurde auch hier immer weiter minimiert und weniger erfahrbar.

Developments on the Grounds since 1972

In 1973 the U.S. Army ceased using the area; it has since served as the base of the Bavarian Riot Police.

The Bavarian Police School, in the form of its Dachau training center, already began operations in 1972. The first building to be extensively renovated was the former SS infirmary in 1973. Further buildings followed over the years. Many structures were demolished without any consideration of their historical significance. No longer existent from the period of the SS camp are the garages and the SS residential estate at the former "Eickeplatz", the power station, the SS commandant’s villa, some SS residential quarters, and the SS officers’ mess.

The following have not survived the period of the U.S. camp: two-thirds of the large laundry workshops, the headquarters, and the officers’ club.

In the 1990s a number of new structures were built on the grounds of the Bavarian Riot Police, further diminishing the historical location and any experience of it.

Mit der Befreiung des Konzentrationslagers durch US-Truppen übernahm zunächst die US-Armee die Hoheit über das Areal des früheren SS-Bereichs. Seit 1972 ist dieses Gelände Sitz der Bereitschaftspolizei VI. Abteilung Dachau und für die Öffentlichkeit unzugänglich. Die KZ-Gedenkstätte Dachau umfasst den Bereich des früheren Häftlingslagers und den des ehemaligen Krematoriums.

Einen Eindruck vom früheren SS-Bereich können Besucher an einigen Standorten gewinnen: Die historischen Stabsgebäude und SS-Unterkünfte sind von der Straße der KZ-Opfer aus sichtbar. Die früheren Garagen und die Gebäude der SS-Lagerbäckerei befinden sich gegenüber dem Besucherzentrum, jenseits eines Maschendrahtzauns. Gegenüber dem historischen Jourhaus, dem Torgebäude des ehemaligen Häftlingslagers, haben sich äußerlich nahezu unverändert die ehemalige Kommandantur und die Kaserne des SS-Übungslagers erhalten.

With the liberation of the camp by U.S. troops, the U.S. Army initially exercised authority over the earlier SS area and its compound. Since 1972 this area serves as the headquarters of the Bavarian Riot Police, Section IV Dachau, and is inaccessible to the public. The Memorial Site covers the area of the earlier prisoner camp and the former crematorium.

Visitors can gain an impression of the SS area from a number of vantage points: the historical staff building and the SS quarters are visible from the Straße der KZ-Opfer; the garages and buildings of the SS camp bakery are located opposite the Visitor's Center, on the other side of the wire-mesh fence; opposite the historical Jourhaus, the gatehouse to the former prisoner camp, are – almost unchanged – the onetime commandant’s headquarters and the barracks of the SS training camp.

 

Kontext

Context

  • Die KZ-Gedenkstätte Dachau

    Am 22. März 1933 wurde in Dachau ein Konzentrationslager für politische Häftlinge errichtet. Es diente als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt“ der SS, unter deren Herrschaft es stand. In den 12 Jahren seines Bestehens waren über 200.000 Personen aus ganz Europa inhaftiert, die aus politischen, rassistischen und biologistischen Gründen verfolgt wurden. Etwa jeder Fünfte starb hier.
    Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das Lager. Danach erfuhr es verschiedene Umnutzungen und bauliche Veränderungen: 1945-1948 inhaftierte das US-Militär hier NSDAP-Funktionäre und Angehörige der SS. Bis 1963/64 diente es der Unterbringung von Flüchtlingen und Heimatlosen. Der gesamte Bereich des früheren SS-Lagers, das Jourhaus, der ehemalige Bunker und der Westflügel des Wirtschaftsgebäudes blieben bis 1972 unter amerikanischer Militärverwaltung.
    Auf Initiative der Überlebenden, organisiert im Comité International de Dachau (CID), entstand 1965 mit Unterstützung des Freistaates Bayern die KZ-Gedenkstätte Dachau. Sie gehört heute zur Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Seit den 1960er Jahren befinden sich auf dem Gedenkstättengelände zudem verschiedene religiöse Gedenkorte.

  • Wie konnte es zur nationalsozialistischen Diktatur kommen?

    Der Erste Weltkrieg (1914–1918) forderte mehr als 10 Millionen Tote, Millionen Verletzte und traumatisierte Menschen. Angesichts der im Spätsommer 1918 sich abzeichnenden Niederlage der deutschen Truppen, gelang es der Obersten Heeresleitung die Waffenstillstandsverhandlungen mit den Kriegsgegnern auf die Vertreter eines Verständigungsfriedens und demokratische Reformen abzuwälzen. Aus der Erhebung der Matrosen in Kiel gegen einen militärisch sinnlosen Auslaufbefehl entwickelte sich im November 1918 die weitgehend unblutige Revolution, die das Ende des Kaiserreiches herbeiführte.

    Der Versailler Friedensvertrag vom 28. Juni 1919 schrieb Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu. Er legte Gebietsabtretungen, militärische Abrüstung und Reparations­zahlungen an die Siegermächte fest. Als Folge des Vertrags wurde die deutsche Wirtschaftskraft erheblich geschwächt. Die Mehrheit der Deutschen empfand den Vertrag und die Auflagen als illegitim und demütigend.
    Die von der deutschen Obersten Heeresleitung verbreitete „Dolchstoßlegende“ verschärfte zusätzlich das politische Klima in Deutschland. Sie besagte, das deutsche Heer sei „im Felde unbesiegt“ geblieben und habe erst durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten und Politiker aus der Heimat einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten. Mit der "Dolchstoßlegende" korrespondierte die „Kriegsunschuldlüge“, wonach Deutschland keine oder wenig Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs treffe. Insbesondere die „Dolchstoßlegende“ begünstigte den Aufstieg der Nationalsozialisten.
    Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die katholische Zentrumspartei und die Deutsche Demokratische Partei (DDP) bildeten die Mehrheit in der Nationalversammlung und schafften eine neue Verfassung. Freiheitliche und soziale Grundrechte, wie das Frauenwahlrecht, die Meinungs- und Religionsfreiheit, wurden verankert. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert wurde am 9. November 1918 Reichskanzler.
    Die sogenannte Weimarer Republik wurde in den Jahren bis 1923 immer wieder von Aufständen, Putschversuchen und politischen Morden erschüttert. Die extreme Linke strebte einen revolutionären Politikwechsel nach sowjetischem Vorbild an. In der extremen Rechten fanden sich Monarchisten, Rechtskonservative und völkische Nationalisten zusammen. Sie wanden sich gegen die Republik, die Auflagen des Versailler Friedensvertrags, sie verbreiteten die "Dolchstoßlegende" und waren oftmals antisemitisch eingestellt. Die Jahre von 1923 bis 1929 waren eine Zeit der wirtschaftlichen, innen- und außenpolitischen Erholung. Die schwere Wirtschaftskrise von 1929 markiert die letzte Phase der Weimarer Republik. Massenarbeitslosigkeit, Hungersnöte und soziale Gegensätze führten zu einer fortschreitenden Auflösung der demokratischen Fundamente. Ab 1930 regierten die Reichskanzler auf der Grundlage von Notverordnungen des Reichspräsidenten. Bei den Reichstagswahlen 1932 wurde die NSDAP stärkste Kraft im Reichstag. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 entstand die nationalsozialistische Diktatur.

  • Die Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik in Dachau

    Die Königlich Bayerische Pulver- und Munitionsfabrik in Dachau 1915–1933

    Das Konzentrationslager Dachau wurde am 22. März 1933 auf dem Areal der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik eröffnet. Diese Fabrik, zwischen den Flüssen Amper und Würm gelegen, war im Auftrag des bayerischen Kriegsministeriums zum Anfang des Ersten Weltkrieges errichtet worden.
    Das Gelände bot alle Vorzüge für die Produktion von Munitions­pulver: Zugang zu Wasser, Anbindung an eine Hauptbahnstrecke, die Nähe zu einem Industriestandort mit gut ausgebildeten Facharbeitern und zugleich einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu Wohnhäusern. Der Baubeginn war im Jahr 1915. Neben der Fabrik entstanden auf dem südlichen Teil des Geländes Wohnhäuser für Offiziere und Beamte, sowie Arbeiter­wohnungen östlich der Würm. Für Munitionstests wurden Schießstände in unmittelbarer Umgebung des Betriebes errichtet. Auf einer Gesamtfläche von fast 200 Hektar wurden insgesamt 304 Gebäude und die dazugehörige Infrastruktur wie Wasser- und Stromanbindung, eine Heizkraftanlage, Hochwasserschutz sowie Straßen und Gleise gebaut.
    Anfang 1916 wurde die Pulverfabrik in Betrieb genommen. Gegen Ende des Jahres begann auch die Produktion von Infanterie- und Artilleriemunition. Der Ausbau der Gesamtanlage war im Jahr 1917 größtenteils abgeschlossen. Bei Ausbruch der Revolution im Oktober 1918, wurde der Betrieb in allen Teilen stillgelegt. Der Friedensvertrag von Versailles aus dem Jahr 1919 regelte den Rückbau des Rüstungsbetriebes. Es folgte die Demontage der Fabrikanlagen, bei der ein großer Teil der Gebäude beschädigt wurde.

    Die Arbeiterschaft

    Die Zahl der Arbeiter wuchs rasch an. Waren es zu Beginn 680 Arbeiter (davon 180 weibliche), arbeiteten bei Kriegsende in dem Werk 8.000 Menschen, die aus ganz Bayern hergezogen waren. Für Dachau bedeutete dies einen enormen Bevölkerungszuwachs. Im Jahr 1913 hatte der Ort etwa 5.000, drei Jahre später bereits 7.500 Einwohner. Die neu errichteten Wohnbaracken reichten bei Weitem nicht aus, sodass etliche Familien in Wohnwagensiedlungen unterkommen mussten.

    Die Pulver- und Munitionsfabrik in der Zeit der Weimarer Republik

    Im Jahr 1920 setzten auf dem Areal der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik erste Sanierungen und Weiternutzungen ein: Die Deutsche Werke AG produzierte bis 1924 auf dem Gelände Dreschwagen und ließ Schreinerarbeiten durchführen. Darüber hinaus existierten eine Druckerei und eine Fabrik für Teppichkehr­maschinen. In welchen Gebäuden diese Betriebe untergebracht waren, ist heute nicht mehr bekannt. Das Kraftwerk produzierte weiterhin Strom, der über die Amperwerke verkauft wurde. Misswirtschaft, hohe Pachtpreise und die wirtschaftliche Rezession der 1920er führten zum Ende der Fabriken. Abermals blieb das Gelände ungenutzt: 1926 übernahm das Land Bayern die verbliebene Anlage. In den Folgejahren wurden Teile der Geländeflächen verkauft, kleinere Firmen siedelten sich an. Der Großteil der Gebäude blieb jedoch bis 1933 verwaist.

  • Das KZ Dachau im System der national­sozialistischen Diktatur

    Das KZ Dachau im System der nationalsozialistischen Diktatur

    Die Konzentrationslager waren ein zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Diktatur. Sie ermöglichten einen von der Justiz unabhängigen Zugriff auf die politischen Gegner, ihre vollkommene Ausgrenzung aus der Gesellschaft, Aussetzung der Bürgerechte und Missachtung der universellen Menschenrechte.
    Der Reichstagsbrand (28. Februar 1933) bot den National­sozialisten Anlass für Massenverhaftungen und die Verfolgung politischer Gegner. Bald waren die Gefängnisse und die „wilden Konzentrationslager“ überfüllt. Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände zur Errichtung eines Konzentrationslagers bei München, fiel die Wahl auf das verlassende Gelände der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik bei Dachau. Bereits am 21. März 1933 verkündete die Augsburger Neue Nationalzeitung die Eröffnung eines Staatlichen Konzentrationslagers in Dachau. Schon einen Tag später wurden die ersten 150 Häftlinge eingeliefert. Die Häftlings­zahlen stiegen im Juni 1933 auf 1.953 Personen. Die Bewachung übernahm zunächst die Bayerische Landespolizei, ab dem 11. April 1933 die SS. Bis Ende Mai 1933 wurden im KZ Dachau 13 Häftlinge ermordet.
    Durch die sogenannten Nürnberger Gesetze (1935), die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ (1937 und 1938) und die Inhaftierung von politischen Gegnern aus Österreich und dem Sudetenland, veränderte sich die Häftlingsgesellschaft in Dachau zahlenmäßig und in ihrem Gefüge stark. Mit Kriegsbeginn expandierte das KZ-System; in den eroberten Gebieten in Osteuropa wurden weitere Konzentrationslager errichtet. Politische Gegner und Wider­stands­kämpfer aus west- und nordeuropäischen Ländern waren auf der Grundlage eines Erlasses vom 7. Dezember 1941 („Nacht- und Nebel“-Erlass) von Verfolgung bedroht. Im KZ Dachau stieg die Zahl der Häftlinge von 21.400 im August 1939 auf etwa 70.000 bis 80.000 im März 1942 an.
    Ab 1941 wurde das KZ Dachau zur Tötungsstätte im Rahmen der „Aktion 14f13“: arbeitsunfähige Häftlinge wurden ermordet oder in Vernichtungslager und Euthanasieanstalten wie Schloss Hartheim bei Linz zur Tötung überstellt. In den Jahren 1941 und 1942 ermordeten Angehörige der Dachauer Lager-SS 4.000 sowjetische Kriegsgefangene auf dem Schießplatz bei Hebertshausen.
    Mit der Umstellung der Wirtschaft auf die Erfordernisse eines langjährigen Krieges kamen KZ-Häftlinge ab 1942 in der Rüstungs­industrie zum Zwangs­arbeitseinsatz. Das KZ Dachau wurde durch ein Netz von 140 Außenkommandos und Außenlager erweitert. Insbesondere in den Lagerkomplexen von Kaufering und Mühldorf arbeiteten Häftlinge unter unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen.
    Am 29. April 1945 befreiten Einheiten der US-Armee das KZ Dachau. Als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt” für die Männer der SS, unter deren Herrschaft es stand, hat sich der Name Dachau im kulturellen Gedächtnis der Menschheit eingeprägt.

  • Das KZ Dachau unter der Befehlsgewalt der SS

    Das Konzentrations­lager Dachau unter der Befehlsgewalt der SS

    Auf einer Pressekonferenz am 20. März 1933 verkündete Heinrich Himmler (1900–1945), kommissarischer Polizeipräsident von München und ab dem 1. April 1933 Befehlshaber der Politischen Polizei in Bayern, seinen Plan, die politischen Gegner in einem Lager bei Dachau zu inhaftieren. Die Bewachung der ersten Häftlinge übte bis zum 10. April 1933 die Bayerische Landespolizei aus. Ab dem 11. April 1933 war das KZ Dachau der SS unterstellt.
    Als „Reichsführer SS“ war Himmler seit 1929 auch Vorgesetzter der Schutzstaffel (SS). Nach der Ermordung der gesamten SA-Führung durch SS-Einheiten am 30. Juni 1934, formte er die SS zur zentralen Organisation der Überwachung, der Verfolgung und des Terrors. Mit der Gründung der „Inspektion der Konzentrations­lager“ (1934) förderte Himmler die Zentralisierung der Konzentrations­lager unter der Führung der SS. Im Juni 1936 wurde Himmler zudem zum „Chef der deutschen Polizei“ ernannt. 1939 kam es zur Zusammenlegung der Führungsinstanzen der "Geheimen Staatspolizei (Gestapo)", der Kriminalpolizei, der Ordnungspolizei und des "Sicherheitsdienstes der SS" zum "Reichs­sicherheitshauptamt (RSHA)".

    Organisationsstruktur der Lager-SS

    Theodor Eicke (1892–1943), von 1933 bis 1934 zweiter Lager­kommandant des KZ Dachau, führte eine straff gegliederte Verwaltungs­organisation ein. Er teilte die Lager-SS in die Wach­truppe einerseits und in den Kommandanturstab mit fünf Abteilungen ein. Der Lager-Kommandant (Abteilung I) besaß fast unbeschränkte Vollmachten und befehligte die SS-Angehörigen. Die Adjutantur war für die Umsetzung seiner Anordnungen verantwortlich. Die Politische Abteilung (Abteilung II) leitete als Außenstelle der Politischen Polizei die Registrierung der Häftlinge, verwaltete die Gefangenenakten und führte, auch unter Einsatz von Folter, Vernehmungen durch. Der Abteilung III war die Leitung des Häftlings­lagers zugeordnet. Der Schutzhaft­lagerführer und die SS-Kompanieführer unterwarfen die Häftlinge der Lager­ordnung. Die „Arbeitsverteilungsstelle“ wies die Häftlings­kommandos den Werkstätten und Baustellen zu. Da die Ausbeutung der KZ-Zwangsarbeit immer wichtiger wurde, bildete sich während des Zweiten Weltkriegs die Verwaltungs­abteilung III E Arbeitseinsatz aus. Die SS-eigenen Wirtschaftsbetriebe der einzelnen Konzentrations­lager wurden 1939 den „Deutschen Ausrüstungs­werken“, ab 1942 dem "Wirtschafts-Verwaltungs­hauptamt" in Berlin unterstellt.
    Die Abteilung IV Verwaltungs­führung verfügte über die Haushaltsmittel, leitete die SS-Betriebe und Versorgungs­einrichtungen. Die Medizinische Abteilung (Abteilung V) wurde vom Lagerarzt geführt. In seiner Verantwortung lagen die medizinische Versorgung der Häftlinge, die Durchführung der Menschenversuche und die „Selektionen“ der nicht mehr „arbeitsfähigen“ Häftlinge.

    Ausbildung der SS-Führer und der KZ-Wachverbände

    Im SS-Übungslager wurden die Wach­truppen ideologisch und militärisch geschult. In den ersten Jahren durchliefen auch die SS-Angehörigen der anderen Konzentrations­lager die „Mörderschule“ von Dachau, darunter Adolf Eichmann, der spätere verwaltungs­technische Organisator des Massenmordes an den Juden und Rudolf Höß, zwischen 1940 bis 1943 Kommandant des Vernichtungs­lagers Auschwitz.
    Die Wachmann­schaft des KZ Dachau bestand Ende 1937 aus 1.621 Mann des in Dachau stationierten SS-Totenkopfverbandes. Im April 1945 befanden sich im KZ Dachau und den Außenlagern 245 SS-Angehörige im Kommandanturstab sowie 3.853 als Wachmannschaften.

    Dachau: Modell für das KZ-System

    Theodor Eicke wurde am 26. Juni 1933 zum SS-Oberführer und von Himmler zum Kommandanten des KZ Dachau ernannt. Im Juli 1934 stieg er zum Leiter der "Inspektion der Konzentrations­lager" in Oranienburg auf. Im KZ Dachau schuf er in kurzer Zeit eine Lager­herrschaft, die den Terror durch die „Disziplinar- und Strafordnung“ und die Dienstvorschriften für die SS-Wachmannschaften systematisierte. Er prägte entscheidend die rassistischen und menschenverachtenden Inhalte in der Ausbildung der KZ-Wachverbände und SS-Führer. Die SS-Männer waren angewiesen, die Häftlinge hart zu behandeln und sie zu misshandeln. Eicke führte die gestreifte Häftlings­kleidung und die Kennzeichnung der Häftlinge durch farbige Stoffdreiecke ein. Dieses Modell Dachau und die Dachauer Vorschriften übertrug Eicke ab 1934 auf alle bestehenden und neu gegründeten Konzentrations­lager.

  • Juristische Aufarbeitung der Verbrechen:
    Internierungs- und Kriegsgefangenenlager

    Juristische Aufarbeitung der Verbrechen: War Crime Enclosure (Internierungs- und Kriegsgefangenenlager), 1945–1965

    Anfang Juli 1945 kündigte die amerikanische Militärführung an, in Dachau ein Internierungslager mit einer Aufnahmekapazität von 30.000 Personen einzurichten. Das Internierungslager, das in der Folge bis Ende 1948 bestand, hatte vier Funktionen.

    1. SS-Compound

    Von Juli 1945 bis Juni 1946 wurde auf dem Areal des ehemaligen Häftlingslagers ein so genannter SS-Compound eingerichtet, der auch die Bezeichnungen Cage 1 oder Freiland trug. Hier wurden zwischen 10.000 und 13.000 Angehörige der SS, Waffen-SS sowie Funktionäre der NSDAP und ihrer Organisationen interniert. Im Januar 1946 kam es zur Entlassung von SS-Männern mit niedrigeren Dienstgraden. Nach weiteren Entlassungswellen löste die US-amerikanische Lagerleitung ab dem 27. Mai 1946 den Bereich vollständig auf. Die verbliebenen SS-Männer verlegte sie in die Internierungslager in Bad Aibling bei Rosenheim bzw. Plattling in Niederbayern.

    2. Kriegsgefangenenlager

    Zwischen Juli 1945 und Juni 1946 bestand auf dem Gelände der vormaligen SS-Kaserne als weiterer Teilbereich des Internierungslagers ein Kriegsgefangenenlager. Hier waren überwiegend solche Wehrmachtsangehörige interniert, die aus den mittlerweile sowjetisch besetzten Gebieten stammten. Man sonderte sie strikt von den deutschen Generälen und den ungarischen Kriegsgefangenen ab. Von Juli 1946 bis zum 3. Oktober 1947 diente dieser Bereich auch als Entlassungslager für aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft repatriierte deutsche Kriegsgefangene.

    3. War Crime Enclosure

    Im nordöstlichen Teil des ehemaligen Häftlingslagers und im früheren SS-Bereich befanden sich vom Sommer 1945 bis Mitte Januar 1948 mehrere „Sonderlager“, die als War Crime Enclosure bezeichnet wurden. Im War Crime Enclosure hielt man sogenannte War-Crimes-Suspects streng getrennt von anderen Internierten fest. Es handelt sich um ehemalige KZ-Wachverbände, Angehörige des Generalstabs, der Waffen-SS sowie der SS-Divisionen „Das Reich“ und „Adolf Hitler“, denen besonders schwere Kriegsverbrechen angelastet wurden.
    Bis zu 12.000 mutmaßliche Kriegsverbrecher waren hier für die Dauer von Ermittlungen inhaftiert, die bei entsprechender Beweislast zum Prozess führten. Sie wurden als Teil der Dachauer Prozesse verhandelt, in denen die amerikanischen Militärgerichte in 489 Verfahren über mehr als 1.600 Angeklagte urteilten. Sie verhängten 426 Todesurteile, die jedoch nicht alle vollstreckt wurden; 256 Angeklagte wurden freigesprochen.

    4. Zivilinternierungslager Camp Nr. 29

    Nach der Auflösung des SS-Compound, wurde auf dem Areal des früheren Freilands, d.h., dem ehemaligen Häftlingslager, das Zivilinternierungslager Camp Nr. 29 geschaffen. Es bildete den vierten Funktionsbereich des Internierungslagers Dachau und bestand bis zum 31. August 1948. Im Camp Nr. 29 wurden Personen bis zur Entnazifizierung vor deutschen Spruchkammern eingewiesen, insofern ihre Schuld nicht nachweisbar war. Die Verwaltung dieses Lagerbereichs übergaben die US-amerikanischen Behörden ab dem 1. August 1946 schrittweise an deutsche Behörden.
    Durch die verschiedenen Nutzungen und hierdurch bedingte Umbauten veränderte sich die Topografie des Geländes erheblich. So errichteten beispielsweise im Frühjahr 1946 ehemalige SS-Angehörige auf dem einstigen Appellplatz eine Kirche, die heute nicht mehr vorhanden ist.
    Nach dem Ende der Dachauer Prozesse 1948 übergab die US-Militärregierung das ehemalige Schutzhaftlager den bayerischen Behörden, die dort Flüchtlinge und Vertriebene unterbrachten. Die US-Armee richtete auf dem Gelände der SS-Verfügungstruppe einen Truppenstandort ein.

  • Vom Häftlings- zum Flüchtlingslager:
    Das Wohnlager Dachau-Ost

    Im Januar 1948 übergaben die US-Behörden das ehemalige Häftlingslager des KZ Dachau an die Bayerische Regierung. Diese entschied, dort Kriegsvertriebene unterzubringen, da die anderen zwölf Notunterkünfte im Stadtgebiet nicht mehr ausreichten. In das als Wohnlager Dachau-Ost bezeichnete Flüchtlingslager wurden etwa 2.300 Flüchtlinge aufgenommen. Sie kamen zumeist aus dem Sudentenland, teilweise auch aus dem ehemaligen Ostpreußen.

    34 ehemalige Häftlingsbaracken wurden für 4,8 Millionen Mark umgebaut; Öfen, Herde, Betten, Tische, Schränke, Lampen sowie Decken und Strohsäcke zur Verfügung gestellt. Obwohl die Investitionskosten für die damalige Zeit immens waren, bestanden weiterhin große infrastrukturelle Probleme. Die Strom- und Wasserversorgung brach ständig zusammen und die Wohnungen waren schlecht isoliert. Dennoch richteten sich die neuen Bewohner ein. In die Baracken zogen Geschäfte für den alltäglichen Bedarf, wie Lebensmittelläden, eine Metzgerei, eine Post, eine Drogerie und Gaststätten. Außerdem entstanden Arztpraxen, ein Kindergarten und eine Grundschule. Die ehemalige Desinfektionsbaracke am nördlichen Ende des Geländes wurde zu einem Restaurant umgebaut. Auf dem ehemaligen Appellplatz wurde die evangelische Golgatha-Kirche errichtet. In den übrigen Baracken entstanden jeweils 16 Zweizimmer- und acht Einzimmerwohnungen.

    Der Stacheldrahtzaun der ehemaligen Sicherheitsanlagen wurde abgebaut, die Ummauerung blieb jedoch bestehen. Der Graben, der die KZ-Häftlinge an der Flucht aus dem Häftlingslager hindern sollte, wurde zugeschüttet. Darüber baute man Backsteinhäuser, in denen Kohlen gelagert wurden. Das Wohnlager unterstand unmittelbar dem Beauftragten für das Flüchtlingswesen der Regierung von Oberbayern. Erst am 1. Juli 1952 wurde das Wohnlager dem Flüchtlingsamt Dachau unterstellt. Die Flüchtlinge erreichten am 4. Juni 1950 durch ihren fortwährenden Protest gegen ihre schlechte Unterbringung die Grundsteinlegung für die neue Friedlandsiedlung in Dachau. Diese Siedlung ist zwischen der heutigen Sudentenland- und Theodor-Heuss-Straße zu verorten. Mehrere Bewohner des Wohnlagers zogen allmählich dorthin. 1964 verließen die letzten Bewohner das Wohnlager Dachau-Ost und die Baracken wurden abgerissen. Die KZ-Gedenkstätte Dachau wurde im Mai 1965 eröffnet.

  • KZ-Gedenkstätte Dachau:
    Der schwierige Weg zur Gedenkstätte

    Vergessen und Verdrängen – mit dieser Haltung der Mehrheit der westdeutschen Gesellschaft im Umgang mit dem Erbe der Konzentrationslager sahen sich die Überlebenden konfrontiert.
    Eine erste Ausstellung, noch unter der Obhut der amerikanischen Militärbehörden, wurde im Spätherbst 1945 von Angehörigen der US-Armee und Überlebenden im großen Krematoriumsgebäude eingerichtet. Sie veranschaulichte zeitgleich zu den Dachauer Prozessen die grauenhaften Zustände im KZ Dachau. Fünf Jahre später eröffnete das für das Gelände damals zuständige Landesentschädigungsamt am gleichen Ort eine überarbeitete, um die Darstellung des KZ-Systems und der Häftlingskategorisierung erweiterte Ausstellung. Aufgrund einer kritischen Presseberichterstattung schloss die unterdessen für das Gelände zuständige Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung diese Dokumentation im Mai 1953.

    Im April 1955 gründete sich das Comité International de Dachau (CID) mit dem Ziel der Errichtung einer würdigen Gedenkstätte.
    Gefordert wurden der Rückbau der zahlreichen Überformungen, die Räumung des Flüchtlingslagers und der Bau eines zentralen Mahnmals auf dem ehemaligen Appellplatz. In seinem Kampf gegen die lokalen Behörden erhielt das Komitee wesentliche Unterstützung von einer Gruppe ehemaliger Verfolgter in Bayern wie von Alois Hundhammer, Otto Kohlhofer, Johannes Neuhäusler, Ruth Jakusch und Leonhard Roth.

    Am 23. Juli 1960 wurde im Gebäude des ehemaligen Krematoriums ein provisorisches, von Überlebenden konzipiertes Museum eröffnet. Auf Initiative der Überlebenden, organisiert im CID, entstand 1965 mit Unterstützung des Freistaates Bayern die KZ-Gedenkstätte Dachau. Sie gehört heute zur Stiftung Bayerische Gedenkstätten.
    In den Jahren zwischen 1960 und 1995 entstanden auf dem Gedenkstättengelände verschiedene religiöse Gedenkorte: Während des Eucharistischen Weltkongresses in München (31.7.-7.8.1960) wurde die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht (5.8.1960). Es folgten die Errichtung des Karmel Heilig Blut (1964), der Evangelischen Versöhnungskirche, der Jüdischen Gedenkstätte (1967) und der russisch-orthodoxe Kapelle Auferstehung unseres Herrn (1995).

  • Die Topografie des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau im Wandel der Zeit

    Das Gelände der heutigen KZ-Gedenkstätte Dachau im Nordosten der Stadt Dachau bildet nur einen kleinen Teil des Gesamtgeländes des Konzentrationslagers Dachau: Es umfasst das ehemalige Häftlingslager, den Zugangsbereich und das Areal der Krematorien. Zur Gedenkstätte gehören zudem die außerhalb gelegenen Gedenkorte Ehemaliger „SS-Schießplatz Hebertshausen“, der KZ-Ehrenfriedhof Leitenberg und der Waldfriedhof.
    Wie in anderen Konzentrationslagern existierten im KZ Dachau verschiedene Teilbereiche, die topografisch und funktional voneinander getrennt waren: Außer dem Häftlingslager gab es den Kommandanturbereich, das SS-Übungslager, die SS-Siedlung sowie Werkstätten und Produktionsanlagen. Das Gesamtgelände einschließlich der östlich des Häftlingslagers gelegenen SS-Versuchsgüter/Plantage („Kräutergarten“) umfasste eine Fläche von etwa 203 Hektar. Im Nordosten wird das historische Gelände vom Fluss Amper und der Alten Römerstraße, im Osten ebenfalls von der Alten Römerstraße und der Bebauung „Am Kräutergarten“ mit den historischen Funktionsgebäuden und Anlagen der „Plantage“ begrenzt. Die südliche Grenze bilden der John-F.-Kennedy-Platz, die Straße der KZ-Opfer, der Kreuzplatz und die Pater-Roth-Straße. Westlich der heutigen Gedenkstätte erstreckt sich bis zur Amper und der Rosswachtstrasse das Gelände der VI. Bereitschaftspolizeiabteilung. Dort befand sich das SS-Gelände mit dem Kommandanturbereich des Konzentrationslagers und dem SS-Übungslager.

    Nach 1945 waren die Zuständigkeiten für einzelne Bereiche auf dem ehemaligen Areal des Konzentrationslagers Dachau und des SS-Übungslagers sehr vielfältig. Der größte Teil stand unter US-Verwaltung, die das Areal als Internierungslager und Garnison nutzte. Die Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen im ehemaligen Häftlingslager durch die bayrische Regierung (1948 bis 1963) führte zu einer pragmatischen Nachnutzung einzelner Gebäude, aber auch zu erheblichen baulichen Veränderungen, Neubauten und Abrissen. Der Bereich des ehemaligen Krematoriums unterstand ab 1952 der „Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung“, eine Unterabteilung des bayerischen Finanzministeriums.
    Die größte Veränderung setzte aber 1963 ein: Der fehlende politische Wille zum Erhalt des „Denkmals aus der Zeit“ führte zum Verschwinden beinahe des gesamten ehemaligen Häftlingslagerbereichs. Überlebende des KZ-Dachau, organisiert im internationalen Häftlingskomitee Comité International de Dachau (CID) vermochten dank internationaler Unterstützung den von Dachauer Politik und Bevölkerung geforderten Abbruch des Krematoriums zu verhindern. Der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich von 1955 verpflichtete Deutschland zum Erhalt der ehemaligen Gedenkorte. Zwanzig Jahre nach der Befreiung des KZ Dachau konnte 1965 die KZ-Gedenkstätte im Bereich des ehemaligen Häftlingslagers eingeweiht werden. Von der ehemaligen Lagerbebauung behaupten sich das Jourhaus, das Wirtschaftsgebäude, das baulich reduzierte Lagergefängnis („Bunker“) des Häftlingslagers von 1938, der Krematoriumsbereich. Zusammen mit den Mitte der 1960er Jahren neu errichteten Modellbaracken und den teilrekonstruierten Sicherungsanlagen sind sie Sachbeweise gegen Verharmlosungen oder Verleugnungen. Ausgeprägt ist die Präsenz der religiösen Gedenkorte, die den Eindruck eines gestalteten Erinnerungsortes verstärken.

    Auch der ehemalige SS-Bereich veränderte sich gravierend: 1973 räumte die US-Armee das Gelände. Bereits 1972 nahm die Bayerische Polizeischule, Ausbildungsstätte Dachau, auf dem Gelände ihren Betrieb auf. Als erstes Gebäude von vielen wurde das ehemalige SS-Lazarett 1973 grundlegend renoviert. Ohne Rücksichtnahme auf ihre geschichtliche Bedeutung wurden zahlreiche Bauwerke abgerissen. Aus der Zeit des SS-Lagers verschwanden die Garagen und die SS-Wohnanlage am ehemaligen Theodor-Eicke-Platz, Teile des Heizkraftwerks, die ehemalige SS-Kommandantenvilla, einige SS-Wohnheime und das SS-Kasino. Zwei Drittel der Großwäscherei-Werkstätten, die ehemalige US-Kommandantur und der Offiziers-Club aus der Zeit des US-Lagers blieben nicht erhalten. In den 1990er Jahren entstanden auf dem Gelände der Bayerischen Bereitschaftspolizei verschiedene Neubauten, der historische Ort wurde immer weiter minimiert und weniger erfahrbar.
    Zeitgleich begann das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sich intensiver mit den verschiedenen Funktionsbereichen des ehemaligen KZ Dachau zu befassen, insbesondere mit den Arealen abseits der Gedenkstätte. Infolgedessen stellte sie 1993 die verbliebenen Relikte, Denkmäler und topographischen Spuren im gesamten, ca. zwei Quadratkilometer umfassenden historischen Gelände unter Ensembleschutz.
    Die Relikte des Konzentrationslagers Dachau sind nie systematisch untersucht worden. Die Medienstation umfasst erstmalig eine Beschreibung von etwa150 Gebäuden und verschiedener Lagerareale. 50 Gebäude sind zusätzlich lokalisiert, können aber in ihren Funktionen und ihrer Geschichte noch nicht näher beschrieben werden. Die KZ-Gedenkstätte Dachau hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Desiderate weiter zu erforschen und die Erkenntnisse über die Medienstation zugänglich zu machen.

  • Zitierte Zeitzeugen

    Hugo Burkhardt (1899-1971)

    Hugo Burkhard, geboren 1899, wurde im Juni 1933 in Hüttenbach (Mittelfranken) auf Betreiben des dortigen NSDAP-Ortsgruppenleiters in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ-Dachau gebracht.
    Beim Eintreffen prügelten ihn SS-Männer fast zu Tode. Er kam in die „Straf- und Judenkompanie“. Mit den anderen jüdischen Häftlingen wurde er im September 1938 in das
    KZ Buchenwald gebracht und dort im März 1940 entlassen. Er konnte nach Shanghai und später in die USA auswandern. Nach dem Krieg kehrte Hugo Burkhard nach Nürnberg zurück.

    Leo de Coninck (1889-1956)

    Der belgische Pater Leo de Coninck wurde 1941 aufgrund seiner religiösen Kritik am Nationalsozialismus in Brüssel verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung seiner Gefängnishaft, wurde er im Mai 1942 ohne Verurteilung ins KZ Dachau gebracht. Er musste in verschiedenen Kommandos arbeiten. Nach seiner Befreiung durch die Amerikaner kehrte er nach Belgien zurück.

    Ludwig Göhring (1910-1999)

    Ludwig Göhring wurde 1910 in Nürnberg geboren. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 war er im Widerstand aktiv und verteilte oppositionelle Schriften. Im August 1933 wurde er verhaftet und in das Lagergefängnis des KZ Dachau überstellt. Mehr als ein Jahr verbrachte er in Einzelhaft in einer Dunkelzelle. Kurzzeitig war er im Justizgefängnis in Nürnberg eingesperrt. 1936 wurde er als „Schutzhäftling“ erneut in das KZ Dachau eingeliefert. 1944 wurde er in die SS-Sondereinheit Dirlewanger gezwungen, setzte sich aber an der Front von der Einheit ab und kämpfte fortan auf Seiten der Roten Armee. Nach dem Krieg kehrte er nach Nürnberg zurück, wo er 1999 starb.

    Heinrich Grüber (1891-1975)

    Heinrich Grüber wurde 1940 in „Schutzhaft“ genommen und 1941 ins KZ Dachau überstellt. Der Geistliche hatte sich zuvor gegen die Judenverfolgung eingesetzt. Im KZ Dachau war er Blockältester des Priesterblocks. Während einer Durchsuchung durch die SS wurde Grüber schwer misshandelt und verlor alle seine Zähne. Nach zwei Herzinfarkten und dem Einsatz seines Schwagers wurde Grüber 1943 aus dem KZ Dachau entlassen.

    Franz Sales Hess (1899-1989)

    Franz Sales Hess, geboren als Johann Sigmund Hess, trat nach der Reifeprüfung 1919 in das Kanonische Noviziat der Abtei Münsterschwarzach ein. Von 1920 bis 1926 studierte er Philosophie und Theologie in St. Ottilien und Würzburg. 1925 wurde er zum Priester geweiht.
    Nach der Aufhebung der Abtei Münsterschwarzach durch die Nationalsozialisten 1941 verbreitete er Flugblätter, um die Menschen darüber zu informieren. Daraufhin wurde er verhaftet und ins KZ Dachau überstellt. Nach fast vierjähriger Haft wurde er am 28. März 1945, kurz vor Kriegsende, entlassen. Nach dem Krieg arbeitete er als Lehrer und Direktor am Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach, wo er am 21. März 1989 starb.

    Karel Kašák (1906-1991)

    Der tschechische Journalist Karel Kašák wurde am 9. Juni 1939 neben 108 weiteren Personen des öffentlichen Lebens in Kladno verhaftet, nachdem dort ein deutscher Polizist ermordet worden war. Man verschleppte ihn ins KZ Dachau. Ab Ende 1939 arbeitete er im Kommando der botanischen Maler in der Plantage, das bald einige Privilegien genoss (u.a. Unterbringung in angenehmen Räumlichkeiten mit eigenen sanitären Einrichtungen, dieselbe Verpflegung wie die SS, Freistellung von Zählappellen). Kašák führte von September 1940 bis Mai 1945 Tagebuch. Die die Notizen verbarg er in Blechdosen in Trockenböden der Plantage). Er besaß relative Bewegungsfreiheit, hatte auch Zugang zur Tagespresse und stand im Kontakt zu Zivilangestellten und SS-Posten. Im August 1943 wurde er mit der Auflage aus der Haft entlassen, mit seiner Arbeit als Zivilangestellter fortzufahren. Von diesem Zeitpunkt an hatte er keinen Zugang zum Häftlingslager mehr.

    Edgar Kupfer-Koberwitz (1906-1991)

    Edgar Kupfer-Koberwitz kam in Koberwitz zur Welt und arbeitete als Angestellter und Schriftsteller in Stuttgart. 1934 emigrierte er nach Paris und 1937 auf die italienische Insel Ischia. Im September 1940 wurde er nach Deutschland ausgeliefert und zunächst im Gestapogefängnis Innsbruck inhaftiert. Am 11. November 1940 wurde er als „Schutzhäftling“ ins KZ Dachau eingeliefert. Ab November 1942 arbeitete er im Arbeitskommando Präzifix, wo seine heimlichen Aufzeichnungen entstanden. Er konnte seine Schriften im Werk verstecken. Seine Befreiung erlebte er im Krankenrevier. Er starb 1991 in der Nähe von Stuttgart.

    Eugen Mondt (1888-?)

    Eugen Mondt wurde 1888 in Trier geboren und studierte Kunstgeschichte in Leipzig. Nach Dachau zog Mondt, angezogen durch die Dachauer Künstlerkolonie, während des Ersten Weltkriegs. Der Schriftsteller hatte zudem Kontakt zu Rilke und Kafka. Seine Autobiographie erschien 1979 unter dem Titel „Künstler und Käuze. Aufzeichnungen aus dem Dachau der 20er Jahre.“

    Nico Rost (1896-1967)

    Der holländische Schriftsteller und Kommunist Nico Rost, geboren 1896, lebte in den 1920er Jahren in Berlin. 1933 wurde er für kurze Zeit im KZ Oranienburg inhaftiert und ausgewiesen. Er ging nach Brüssel. Anfang 1943 wurde er erneut verhaftet und kam Juni 1944 in das KZ Dachau. 1946 veröffentlichte er sein heimlich geführtes Tagebuch unter dem Titel „Goethe in Dachau“. 1955 verfasste er nach dem Besuch des ehemaligen Lagergeländes die Broschüre „Ich war wieder in Dachau“. Nico Rost hatte wesentlichen Anteil an der Errichtung der Gedenkstätte. Er starb 1967 in Amsterdam.

    Ludwig Schecher (?-1954)

    Der Jurist Ludwig Schecher lebte in den 1930er Jahren in München. Von 1935 bis 1945 war als „Schutzhäftling“ in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg. Am 29. April 1945 erlebte er seine Befreiung im KZ Dachau. Von 1945 bis 1947 war Ludwig Schecher der erste Landrat im Landkreis Kehl am Rhein. Er starb im Jahr 1954 in München.

    Heinrich Stöhr (1904-1058)

    Heinrich Stöhr wurde bereits 1934 verhaftet und war ab 1940 im KZ Dachau inhaftiert. Er arbeitet als Häftlingspfleger in der Phlegmonen-Abteilung des Krankenreviers. Dort setzte er verbesserte Bedingungen für seine Mithäftlinge durch und rettete mehreren von ihnen das Leben. Nach seiner Befreiung sagte er als Zeuge im ersten Dachauer Prozess, sowie im Nürnberger Ärzteprozess aus. Er starb 1958 kurz nach seiner Wiederwahl als SPD-Landtagsabgeordneter.

  • The Dachau Concentration Camp Memorial Site

    A concentration camp for political prisoners was erected in Dachau on March 22 1933. A model for later Nazi concentration camps, it also served as a “school of violence” for the SS, who exercised authority over the camp. In the 12 years of its existence, more than 200 000 persons from across Europe were imprisoned here, persecuted for political, racist, and biologistic “reasons”. One in every five prisoners died.
    American troops liberated the camp on April 29 1945. In the following years it was used for a variety of purposes and a number of architectural changes were made. Between 1945 and 1948 the U.S. military interned former Nazi Party functionaries and members of the SS. The camp then served as living quarters for refugees and ethnic German expellees from Eastern Europe until 1963/64. The whole area of the earlier SS camp, the Jourhaus, the former bunker and the west wing of the maintenance building remained under the control of the American military administration until 1972.
    On the initiative of the survivors, organized into the Comité International de Dachau (CID), and with the support of the Free State of Bavaria, the Dachau Memorial Site was opened in 1965. Today it belongs to the Stifting Bayerische Gedenkstätten. Since the 1960s various religious places of remembrance are located on the grounds of the Memorial Site.

  • How could the National Socialist Dictatorship happen?

    The First World War (1914–1918) claimed more than 10 million lives, while millions of others were left maimed and traumatized. Faced with the impending defeat of German troops in the late summer of 1918, the Supreme Army Command succeeded in shifting responsibility for ceasefire talks with the enemy onto politicians advocating a negotiated peace and democratic reform. A mutiny by sailors of the German fleet in Kiel against a militarily futile order to dispatch for battle triggered a largely bloodless revolution in November 1918 that brought about the end of the Hohenzollern monarchy.

    The Versailles Peace Treaty from June 28 1919 gave Germany and its allies sole responsibility for the outbreak of the First World War. Its terms included cession of territories, military disarmament, and reparation payments to the victorious powers. The treaty and its repercussions severely weakened the German economy. The majority of Germans felt that the treaty and its conditions were illegitimate and humiliating.
    Spread by the German Supreme Army Command, the “stab-in-the-back legend” further aggravated the already tense political climate in Germany; it claimed that German forces had remained “undefeated” on the battlefield, only to be “stabbed in the back” by “unpatriotic” civilians and politicians at home. Corresponding to this legend was the lie that Germany bore no responsibility for starting the First World War. The myth of the “stab-in-the-back” was particularly conducive for the rise of the Nazis.
    The Social Democratic Party (SPD), the Catholic Center Party, and the German Democratic Party formed the majority in the national assembly and drafted a new constitution. Basic civil and social rights such as women’s suffrage, freedom of speech and religion, were anchored in the document. The Social Democrat Friedrich Ebert was named Reich Chancellor on November 9 1918.
    Through to 1923 the Weimar Republic was repeatedly shaken by rebellions, attempted putsches, and political assassinations. The extreme left sought to bring about further revolutionary change based on the Soviet model. The extreme right was a melting pot of monarchists, conservatives, and nationalists. They sought to overthrow the republic, stridently opposed the conditions of the Versailles Peace Treaty, spread the “stab-in-the-back” legend, and were often anti-Semitic. The years between 1923 and 1929 were marked by relative stability on both the domestic and foreign political fronts, while the economy recovered. This all changed dramatically with the onset of the Great Depression in 1929: mass unemployment, severe food shortages, and social tensions undermined the democratic foundations of the Weimar Republic. From 1930 the Reich Chancellor governed on the basis of emergency decrees signed by the Reich President. At the Reichstag elections of 1932 the Nazi Party emerged as the strongest party. The appointment of Adolf Hitler to the post of Reich Chancellor on January 30 1933 paved the way for the establishment of the Nazi dictatorship.

  • The Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory in Dachau

    The Dachau concentration camp was opened on March 22 1933 on the grounds of the former gunpowder and munitions factory. Located between the Amper and Würm Rivers, this factory was commissioned by the Bavarian War Ministry and built at the beginning of the First World War.
    The grounds possessed all the advantages needed to produce munitions powder: access to water, connection to a main railway line, proximity to an industrial location with well-trained skilled workers, and sufficient safety distance to residential buildings. Building work began in 1915. Along with the factory, residential houses were built for officers and civil servants on the southern section of the grounds, as were apartments for workers to the east of the Würm. Shooting stands to test munitions were erected in the direct vicinity. On an area covering almost 200 hectares, 304 buildings and the requisite infrastructure were built, including water and electrical mains, a heating and power station, flood protection facilities as well as roads and rail tracks.
    The powder factory commenced operations in early 1916. Towards the end of the year, the production of infantry and artillery munitions began. The plans for the whole complex were largely completed in 1917. As revolution broke out in October 1918, operations ceased in all sections. The Versailles Peace Treaty from 1919 set the terms under which armament production was to be no longer possible. At Dachau, a large number of the buildings were damaged during disassembly work.

    The labor force

    The number of workers grew quickly. Initially 500 men and 180 women were employed; by the end of war, some 8 000 people were working in the factory, coming from throughout Bavaria. This meant an enormous rise in the population of Dachau. In 1913 the town had 5 000 residents; just three years later the number was 7 500. The newly built residential barracks were not nearly enough and several families had to be accommodated in caravans.

    The gunpowder and munitions factory in the Weimar Republic

    In 1920 the first renovation and reutilization measures were undertaken on the grounds of the former munitions factory: the Deutsche Werke AG produced threshing machines and ran a carpentry until 1924. There were also a printing works and a factory producing carpet sweepers. Exactly which buildings were used is no longer known. The power station continued to produce electricity, which was sold by the Amperwerke. Mismanagement, high leases, and the economic recession of the 1920s meant the end of factory operations. Once again the grounds were unused: in 1926 the Bavarian state took over the remaining site. In the following years parts of the grounds were sold, smaller companies set up operations. The majority of the buildings remained in disrepair until 1933.

  • The Dachau Concentration Camp in the System of the National Socialist Dictatorship

    The concentration camp was an integral component of the Nazi dictatorship. It enabled the arrest of political opponents without recourse to the legal system, to exclude them completely from the rest of society, to suspend and rescind citizen’s rights, and to violate universal human rights.
    The Reichstag fire (February 28 1933) gave the National Socialists the pretense to embark on a campaign of mass arrests and persecution of political opponents. The prisons and “wild” (i.e. early improvised) concentration camps were soon filled to overflowing. Looking for a suitable site for a concentration camp close to Munich, it was decided to utilize the disused grounds of the former gunpowder and munitions factory near Dachau. On March 21 1933, the Augsburg newspaper Neue Nationalzeitung announced the opening of a state concentration camp in Dachau. Already on the very next day, the first 150 prisoners were transported to the site. In June 1933 prisoner numbers rose to 1 953. Guard duties were first assigned to the Bavarian state police, before the SS took over on April 11 1933. By the end of May 1933, 13 prisoners had been murdered in the Dachau concentration camp.
    The so-called Nuremberg Laws (1935), the arrest campaign known as “Work-shy Reich” (1937 and 1938), and the imprisonment of political opponents from Austria and the Sudetenland significantly changed the numbers and composition of the prisoners in Dachau. The concentration camp system expanded with the outbreak of the Second World War; additional concentration camps were built in the occupied territories of East European. Political opponents and resistance fighters from Western and Northern European countries were threatened with persecution on the basis of a directive issued on December 7 1941 (known as the “Night and Fog” directive). In Dachau, the number of prisoners rose from 21 400 in August 1939 to between 70 000 and 80 000 in March 1942.
    From 1941 the Dachau concentration camp was turned into a killing center as part of the “14f13” campaign: prisoners unable to work were murdered or transferred to extermination camps and “euthanasia” facilities like Hartheim castle near Linz to be killed. In 1941 and 1942 members of the Dachau SS murdered some 4 000 Soviet prisoners of war at the shooting range near Hebertshausen.
    With the economy reorganized to meet the demands of a protracted war, the Nazis ruthlessly exploited the labor of the concentration camp prisoners, deploying them from 1942 onwards in the armaments industry. A network of 140 external work details and subcamps was added to the main Dachau concentration camp. At the camp complexes in Kaufering and Mühldorf in particular, the prisoners were forced to live and work in inhumane conditions.
    On April 29 1945, units of the U.S. Army liberated the Dachau concentration camp. The model for all subsequent concentration camps and where the SS, who exercised authority over the camp, “schooled” its men in violence, the name Dachau has become etched in the cultural memory of humanity.

  • The Dachau Concentration Camp under SS Command

    At a press conference given on March 20 1933, Heinrich Himmler (1900–1945), commissary Police President of Munich and as of April 1 1933 Commander of the Political Police in Bavaria, announced plans to imprison political opponents to the Nazi regime in a camp near Dachau. The first contingent of prisoners was guarded by the Bavarian state police until April 10 1933. The SS took over the Dachau concentration camp on April 11 1933.

    Himmler was appointed “Reichsführer SS” in 1929 and so leader of the SS. Following the murder of the entire SA leadership by SS units on June 30 1934, the SS became the main organization for surveillance, persecution, and terror. With the founding of the “Concentration Camp Inspectorate” (1934), Himmler pressed ahead with centralizing authority over the concentration camps under the SS. Himmler was appointed “Chief of German Police” in June 1936, further reinforcing his position. In 1939 key authorities were merged into the "Reich Security Main Office": the "Secret State Police (Gestapo)", the Criminal Police, the Order Police, and the "Security Service of the SS".

    Organizational structure of the camp SS

    Theodor Eicke (1892–1943), from 1933 to 1934 second camp commandant at Dachau, introduced a strictly compartmentalized administrative organization. He divided the camp SS into guard troops on the one hand and the commandant headquarters staff/Kommandanturstab on the other, the latter with five departments. The camp commandant/ Kommandant (department I) possessed almost unlimited powers and commanded the members of the SS. The adjutant was responsible for ensuring his orders were followed. The Political Department/ Politische Abteilung (department II), a branch office of the Political Police, oversaw the registering of the prisoners, administered the prisoner files, and conducted – using torture – interrogations. Department III was responsible for running the prisoner camp. The protective custody camp leader and the SS company leader imposed the camp regulations on the prisoners. The “work deployment office” assigned the prisoner work details to the various workshops and construction sites. As exploitation of the prisoners’ labor became increasingly important during the Second World War, the administrative department III E ‘Work Deployment’ was founded. The SS-owned economic enterprises operating in the concentration camps were placed under the authority of the “German Equipment Works” in 1939, the SS Economic and Administration Main Office" in Berlin in 1942.
    Department IV, Administration, was in charge of the budget, ran the SS companies, and ensured the supply and maintenance of the camp. The Medical Department (V) was under the leadership of the camp doctor. He was responsible for the medical attention of the prisoners, the conducting of experiments on humans, and the “selection” of those prisoners considered no longer “fit for work”.

    Training of SS leaders and concentration camp guard units

    The guard troops were given their ideological and military instruction at the SS training camp /SS-Übungslager. In the early years, SS men from other concentration camps passed through the “murder school” of Dachau, amongst them Adolf Eichmann, later the administrative organizer of the genocide of the Jews, and Rudolf Höß, commandant of the Auschwitz extermination camp from 1940 to 1943.
    At the end of 1937, the guard forces of the Dachau concentration camp comprised the 1 621 men of the SS Death’s Head Division stationed here. In April 1945, there were 245 SS men serving in the commandant headquarters and 3 853 as guards.

    Dachau: the model for the concentration camp system

    Theodor Eicke was appointed SS Senior Leader on June 26 1933 and posted by Himmler to the position of commandant at the Dachau concentration camp. In July 1934 he was named chief of the "Concentration Camp Inspectorate" in Oranienburg. In an exceptionally short time he created a camp regime in Dachau that systematized terror based on the “Disciplinary and Punishment Regulations” and the duty instructions issued to the SS guard units. He contributed decisively to the racist and inhumane training given to the guards and the SS leaders. The SS men were instructed to treat the prisoners harshly and abuse them. Eicke introduced the striped prisoner clothing and the marking of the prisoners with colored patch triangles. Eicke had this Dachau model and the regulations implemented at all existing and newly founded concentration camps from 1934.

  • Judicial Investigation and Trials:
    The War Crimes Enclosure

    Judicial Investigation and Trials: The War Crimes Enclosure (internment and POW camp), 1945–1965

    In early July 1945 the American military leadership announced the setting up of an internment camp with a capacity to hold 30 000 persons in Dachau. The internment camp, which would remain in existence until the end of 1948, served four functions.

    1. SS-Compound

    From July 1945 to June 1946, a so-called SS-Compound was set up on the area of the former prisoner camp, which was also known as Cage 1 or Freiland. Here between 10 000 and 13 000 members of the SS, Waffen SS as well as functionaries of the Nazi Party and its organizations were interned. In January 1946, low-ranking SS men were released. After further waves of releases, the U.S. camp leadership completely disbanded the area on May 27 1946. The remaining SS men were transferred to the internment camps at Bad Aibling near Rosenheim or Plattling in Lower Bavaria.

    2. Prisoner-of-War Camp

    Between July 1945 and June 1946 a prisoner-of-war camp was set up on the grounds of the former SS barracks complex as a further section of the internment camp. Interned here were mainly German soldiers from territories meanwhile under Soviet occupation. They were strictly isolated from German generals and Hungarian prisoners of war. From July 1946 to October 3 1947 this area also served as a release camp for German prisoners of war repatriated from captivity in U.S. hands.

    3. War Crimes Enclosure

    Between the summer of 1945 and the middle of January of 1948, several “special camps” were set up in the northeast part of the former prisoner camp and in the onetime SS area; these were called the War Crimes Enclosure. Here the so-called war crimes suspects were kept strictly apart from other interned persons. These men were former concentration camp guard units, members of the general staff, the Waffen SS, as well as the SS divisions “Das Reich” and “Adolf Hitler”, who were accused of particularly serious war crimes.
    Over the course of investigations, up to 12 000 suspected war criminals were imprisoned here; if sufficient evidence was collected, a trial followed. These cases were then heard as part of the Dachau Trials, in which the American military courts passed judgment on more than 1 600 accused men in 489 trials. 426 death sentences were passed, not of all which were carried out however; 256 accused were acquitted.

    4. Civilian internment camp, the Camp No. 29

    After the disbanding of the SS-compound, a civilian internment camp, called Camp No. 29, was set up on the grounds of the former Freiland, i.e. on the former prisoner camp. It was the fourth functional area of the internment camp Dachau and existed until August 31 1948. In Camp No. 29 persons were detained until their de-Nazification hearing provided that their guilt was not demonstrable. From August 1 1946, the U.S. authorities gradually handed over administration of this section of the camp to the German authorities.
    The topography of the grounds changed considerably due to the various uses and the accompanying building alterations. In the spring of 1946 for example, former members of the SS built a church on the onetime roll call area; it has not survived.
    After the conclusion of the Dachau Trials in 1948, the U.S. military government handed over the former protective custody camp to the Bavarian authorities, who used it to house refugees and ethnic German expellees from Eastern Europe. The U.S. Army set up a military base on the grounds of the former SS Verfügungstruppe.

  • From prisoner to refugee camp:
    Residential Camp Dachau East

    In January 1948 the U.S. authorities handed over the former prisoner camp of the Dachau concentration camp to the Bavarian government. Because the other twelve emergency accommodation centers in the Munich city area were full, the authorities decided to use the camp, which was then called Residential Camp Dachau East, to house war refugees. Some 2 300 refugees, mostly from the Sudetenland but also the former East Prussia, were taken in.

    Thirty-four prisoner barracks were rebuilt at a cost of 4.8 million West German marks; stoves, ovens, beds, tables, wardrobes, lamps, blankets, and straw mattresses were made available. Although the investment costs were immense for the time, enormous infrastructural problems remained: the electricity and water supply constantly broke down and the apartments were poorly insulated. The new inhabitants nevertheless settled in. Small businesses catering to everyday needs were set up in the barracks, such as food stores, a butcher, a post office, a drugstore, and inns. There were also medical practices, a kindergarten, and a primary school. The former disinfection barrack at the northern end of the grounds was converted into a restaurant. The Protestant Golgotha Church was built on the former roll call area. Each of the remaining barracks housed 16 two-room and eight one-room apartments.

    The barbed-wire fence belonging to the former security facilities was dismantled, but the encircling wall remained. The trenches designed to prevent the concentration camp prisoners from escaping were filled in. Brick buildings were built over them to store coal. The Commissioner for Refugees of the Upper Bavarian district government was responsible for the residential camp. Authority over the camp was first transferred to the Dachau Refugee Office on July 1 1952. Thanks to their ongoing protests against the poor accommodation quarters, the refugees finally achieved the goal of having the foundation stone laid for the Friedland Estate in Dachau on June 4 1950. This estate is located between today’s Sudetenlandstraße and Theodor-Heuss-Straße. Gradually, many camp residents moved to the estate. The final residents of Residential Camp Dachau East left the camp in 1964 and the barracks were demolished. The Dachau Concentration Camp Memorial Site was opened in May 1965.

  • The Dachau Concentration Camp Memorial Site:
    The difficult Route to the Memorial Site

    Forget and repress – the survivors saw themselves confronted with this attitude adopted by the majority of West German society when it came to the legacy of the concentration camps.
    The first exhibition, overseen by the American military authorities, was organized by members of the U.S. Army and survivors and opened in late fall 1945 in the large crematorium building. Held at the same time as the Dachau Trials, the exhibition showed the horrific conditions which had prevailed in the Dachau concentration camp. Five years later, the Bavarian Reparations Office, the body responsible for the grounds at the time, opened in the former crematorium a reworked exhibition that now also included the concentration camp system and the categorization of the prisoners. Following critical press coverage, this documentation was closed in May 1953 by the Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, the body meanwhile responsible for the grounds.

    In April 1955 the Comité International de Dachau (CID) was formed with the objective of establishing a worthy memorial site.
    The CID demanded that the numerous building additions be removed, the refugee camp disbanded, and a main monument be built on the former roll call area. In its struggle against the local authorities, the CID received great support from persons in Bavaria who themselves had endured persecution, Alois Hundhammer, Otto Kohlhofer, Johannes Neuhäusler, Ruth Jakusch, and Leonhard Roth.

    On July 23 1960, a provisional museum, based on plans by survivors, was opened in the building of the former crematorium. On the initiative of survivors, organized in the Comité International de Dachau (CID), the Dachau Concentration Camp Memorial Site was founded in 1965, supported by the Free State of Bavaria. Today it belongs to the Stiftung Bayerische Gedenkstätten.
    Different religious places of remembrance were founded between 1960 and 1995: the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel was consecrated (8.5.1960) during the Eucharistic World Congress in Munich (7.31.-8.7.1960). There followed the Carmelite convent Heilig Blut (1964), the Protestant Reconciliation Church, the Jewish Memorial (1967), and the Russian Orthodox chapel, Resurrection of Our Lord (1995).

  • The topography of the former Dachau concentration camp and its changes over time

    The grounds of today’s Dachau Concentration Camp Memorial Site, located in the northeastern part of the town of Dachau, makes up only a small fraction of the area once covered by the historical Dachau concentration camp: it encompasses the former prisoner camp, the access and the crematoria areas. Also belonging to the Memorial Site are places of remembrance outside the designated grounds: the former SS Shooting Range Hebertshausen, the concentration camp cemetery of honor on the Leitenberg, and the woodlands cemetery.
    As in other concentration camps, the camp complex in Dachau was made up of different sections topographically and functionally separated from one another: besides the prisoner camp, these were the commandant’s headquarters, the SS training camp, the SS residential estate, as well as a host of workshops and production facilities. Including the SS agricultural experiment stations/plantation (the “herb garden”) located to the east of the prisoner camp, the grounds covered in total some 203 hectares. To the northeast, the historical grounds are bounded today by the Amper River and the Alte Römerstraße, in the east once more by the Alte Römerstraße and the built area “Am Kräutergarten” with the historical functional buildings and facilities of the “plantation”. The southern boundary is marked by John-F.-Kennedy-Platz, the Straße der KZ-Opfer, Kreuzplatz, and Pater-Roth-Straße. To the west of today’s Memorial Site, the grounds of the 6th Riot Police Division Dachau stretches to the Amper and the Rosswachtstraße. Located here were the SS grounds with the commandant’s headquarters and the SS training camp.
    After 1945, responsibility for and control over the particular areas on the former grounds of the Dachau concentration camp and the SS training camp was held by a variety authorities. The United States Military Administration oversaw the greatest portion, using the grounds as an internment camp and garrison base. The accommodation of refugees and ethnic German expellees from Eastern Europe in the onetime prisoner camp by the Bavarian government (1948 to 1963) entailed a pragmatic reuse of some buildings, but also meant considerable architectural changes, the construction of new buildings, and demolitions. From 1952, the Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, a department of the Bavarian Finance Ministry, assumed responsibility for the area of the former crematorium.
    The greatest change began in 1963 however: the lack of political will to preserve the “authentic historical memorial” led to the disappearance of almost the entire former prisoner camp area. Survivors of the Dachau concentration camp, organized into the former prisoner committee known as the Comité International de Dachau (CID), was able – thanks to international support – to prevent the demolition of the crematorium, which had been demanded by Dachau politicians and the population. Signed by the Federal Republic of Germany and France in 1955, a treaty obligated Germany to ensure that places of remembrance be preserved. The Memorial Site, located in the former prisoner camp, could finally be inaugurated in 1965, twenty years after the liberation of the Dachau concentration camp. Those buildings remaining were the Jourhaus, the maintenance building, the camp prison (“bunker”) of 1938, now smaller in size, and the crematorium area. Together with the model barracks newly built in the 1960s and the partly reconstructed guard installations, they are material evidence defying any downplaying or denying of history. Religious places of remembrance also have a strong presence, reinforcing the impression of an orderly arranged memorial site.

    The former SS area has also undergone drastic changes. In 1973, the U.S. Army vacated the grounds., The Bavarian Police Academy, Training Center Dachau, had already commenced operations there in 1972. As the first of many, the onetime SS infirmary was extensively renovated in 1973. Without any consideration of their historical importance, numerous buildings were demolished. From the time of the SS camp, the garages and the SS residential complex on the former “Theodor-Eicke-Platz” were demolished, so too parts of the power station, the former SS commandant’s villa, some SS dormitories, and the SS officers’ mess. From the period of the U.S. camp, two-thirds of the laundry facilities, the former U.S. garrison headquarters, and the officers’ club have not survived. Over the course of the 1990s, various new buildings were constructed on the grounds of the Bavarian Riot Police; the dimensions of the historical site were continuously reduced and any possible tangible experience considerably diminished.
    At the same time, the Bayerische Landesamt für Denkmalpflege began to take a greater interest in the different functional areas of the onetime concentration camp, in particular those lying outside the Memorial Site. As a result, this agency in charge of historical preservation placed the remaining relics, monuments, and topographical traces on the historical grounds, covering a total area of two square kilometers, under listed protection as a historic ensemble.
    The remnants of the Dachau concentration camp have never been examined systematically. The media station provides for the first time a description of some 150 buildings and various sections of the camp. An additional fifty buildings were localized, but their function and history could not be described in any greater deal. The Dachau Concentration Camp Memorial Site has set itself the task to continue researching these gaps and present any future results in the media station.

 

A–Z

  • Abort

    Toilette

  • „Alte Kämpfer“

    Bezeichnung für NSDAP-Parteimitglieder mit einer Mitgliedsnummer unter 100.000, die auch das Goldene Parteiabzeichen tragen durften. Diese Mitgliedsnummer war etwa 1928 erreicht. Nach der Machtergreifung wurden ihnen Vorteile zugedacht, so bei der Vergabe von Arbeitsplätzen oder ähnlichem. Zu den Jahrestagen des „Hitlerputsches“ lud Hitler sie in den Bürgerbräukeller in München zur Feier ein.

  • Appellplatz, ehemaliger

    Der ehemalige Appellplatz (1945–1948) Zwischen 1945 bis 1948 wurde das Gelände des vormaligen Konzentrationslagers Dachau von der US-Armee als Internierungslager für deutsche Kriegsgefangene genutzt. Deutsche Kriegsgefangene, die sich wegen Kriegsverbrechen vor US-Militärgerichten verantworten mussten, bauten 1945 auf dem Appellplatz die katholische Heiligkreuz-Kirche. Sie wurde 1964 im Zuge der Umbauten zur Gedenkstätte abgerissen.

  • Arrestbau

    Der Arrestbau 1945–1972 Nach 1945 internierte die US-Armee in dem Gefängnisbau mutmaßliche Kriegsverbrecher bis zu ihrem Prozess. Danach wurde das Gebäude bis zum Jahr 1972 als Militärgefängnis der US-Streitkräfte genutzt.

  • Detention Building

    The Detention Building 1945–1972 After 1945 the U.S. Army interned suspected war criminals in the detention building until their trial. The building was then used as a U.S. Armed Forces military prison until 1972.

  • Artgleich

    Biologischer Begriff, mit dem in der Vererbungslehre Lebewesen zu einer Abstammungsgemeinschaft zusammengeführt werden. In der nationalsozialistischen Weltanschauung wurde er auch auf Menschen angewandt. Als „artgleich“ (oder „arteigen“, „deutschblütig“) galten alle, die zum deutschen Volk gehörten. Juden und „Zigeuner“ (Sinti und Roma) sowie Menschen, die aufgrund ihres Verhaltens oder von Krankheiten als „lebensunwert“ galten als „artfremd“.

  • Besucherzentrum

    Besucherzentrum Seit April 2009 besteht das von dem Münchner Architekten Florian Nagler gestaltete Besucherzentrum der KZ Gedenkstätte Dachau. Um dem Gedenk- und Friedhofscharakter Rechnung zu tragen, wurde es mit seinen Serviceeinrichtungen außerhalb des früheren Häftlingslagers gebaut. „Kein Haus, sondern einen Ort bauen“ beschreibt die Grundidee des Gebäudes. Es ordnet sich in den Kontext des umliegenden Baumbestandes ein und greift diesen mit seiner Fassade aus schrägen Holzstützen auf. Das Besucherzentrum ist Bestandteil des Wegs des Erinnerns, der vom Dachauer Bahnhof kommend am Besucherzentrum endet. Es ist die zentrale Anlaufstelle der jährlich etwa 900.000 Besucher der KZ-Gedenkstätte. Es enthält die Besucherinformation, eine Audioguide-Ausleihe-Stelle, ein Bistro und eine Literaturhandlung.

  • Visitor center

    Visitor center The Visitor Center of the Dachau Memorial Site, design by the Munich architect Florian Nagler, was completed in April 2009. To avoid the services it offers disrespecting the commemorative and cemetery character of the grounds in any way, the Center was built outside the one-time prisoner camp. “Not a building but a place” is the basic idea. It is thus integrated into the context of the surrounding trees, epitomized by its façade of slanting timber. The Visitor Center is the end of the Path of Remembrance that leads from Dachau station. It is the main meeting place for the 900 000 visitors who come to the Memorial Site annually, offering relevant practical information, an audio guide desk, a bistro, and a bookshop.

  • Bewachungsanlage

    Bewachungsanlage (1933) Das Konzentrationslager von 1933 war von einer etwa drei Meter hohen stacheldrahtbewehrten Mauer umgeben. Diese Mauer umschloss das Häftlings- wie das SS-Lager. Zudem waren die Häftlingsunterkünfte mit einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun und einem Lattenzaun umgrenzt. Vier mit Maschinengewehrständen und Schweinwerfern bestückte Wachtürme umgaben den Häftlingslagerbereich. Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung des KZ Dachau ab 1937, erfolgte der Abriss und Neubau der Wachtürme und der Sicherungsanlagen im Häftlingslagerbereich.

  • „blutmäßig definierte Elite“

    Rassistischer Propagandabegriff. Die deutsche Volksgemeinschaft sollte sich im nationalsozialistischen Staat auf einem gemeinsamen politischen Glauben und einem gemeinsamen Schicksal aller Deutschen „blutmäßig“ (d.h. nur als Deutsche, ohne Klassenunterschiede) definieren. Juden, Sinti und Roma sowie andere Nationen waren davon generell ausgeschlossen. Die SS verstand sich im diesem Sinne als die Elite des deutschen Volkes.

  • BVP

    Bayerische Volkspartei war eine politische Partei in Bayern in der Weimarer Republik. Sie wurde als Abspaltung der bayerischen Fraktion der katholischen Zentrumspartei 1919 in Regensburg gegründet. Die BVP war eine großbürgerliche, konservative Partei und versuchte, die -> SPD in der bayerischen Politik auszugrenzen. Sie stellte zweimal den bayerischen Ministerpräsidenten; Heinrich Held, bayerischer Ministerpräsident von der BVP, musste im März 1933 zurücktreten. Die Partei löste sich im Sommer 1933 auf.

  • Block

    Bezeichnung der Baracken im KZ. Jeder Block hatte eine Nummer und eine Funktion, z. B. Krankenrevier oder „Strafblock“ etc. Die Häftlinge wurden in Blocks untergebracht, in denen sie nach Nationen oder den so genannten „Haftgründen“ kategorisiert waren (z. B. „Priesterblock“, „Judenblock“). Auch damit wurde eine Hierarchie in der Häftlingsgesellschaft geschaffen, da Blocks z. B. mit deutschen Häftlingen von der SS Vergünstigungen erhielten, andere aber wie Juden oder Russen die niedrigste Stufe dieser Hierarchie bildeten. Als Block wurde auch die Häftlingsbelegung einer Baracke bezeichnet.

  • Bolschewistisch, Bolschewik

    (russ.), deutsch „Mehrheit“; Eigenbezeichnung der radikalen Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), den Bolschewiki Abwertender begriff für alles, was kommunistisch ist oder so gesehen wird. Wurde im Nationalsozialismus zudem als herabsetzender Begriff für sowjetisch oder russisch benutzt.

  • Denk- und Mahnmale im Krematoriumsbereich

    „Alter Galgenstand“ Das Betonfundament vor dem großen Krematorium, in dem der Galgen eingelassen war, trägt die Inschrift „Alter Galgenstand“. Ab den 1960er Jahren wurde die Tafel, wie auch der restliche Bereich in ein gärtnerisches Gesamtkonzept eingebettet.

  • Memorials in the crematorium area

    “Old Gallows Post“ The concrete foundation in front of the large crematorium, where the gallows were positioned, bears the inscription “old gallows post”. In the 1960s, along with the other monuments and memorials, the plaque was embedded in a garden concept for the whole area.

  • Deutsche Lebensmittel GmbH (DLG)

    „Deutsche Lebensmittel GmbH, gegründet am 8. Oktober 1941 zur Herstellung und zum Vertrieb von Backwaren und Fleisch, zählte zu den bedeutendsten Häftlingsbetrieben im Verfügungsbereich des SS-Verwaltungschefs. Ihre Produktion diente der Selbstversorgung der SS. Die Hauptverwaltung der DLG befand sich in Berlin.

  • Deutsche Ausrüstungswerke GmbH

    Die Deutschen Ausrüstungswerke GmbH (DAW), gegründet 1939, war das größte Unternehmen der SS. Es unterstand dem SS-Verwaltungschef. Für die DAW arbeiteten zweitweise 18.000 KZ-Häftlinge. 1943 betrug ihr Jahresumsatz 23,2 Millionen Reichsmark. 1944 gehörten zur DAW 15 Werke im

    Bestandteile der DAW im KZ Dachau
    Die Schreinerei, die Schlosserei, die Elektrowerkstatt und eine Lehrwerkstatt des KZ Dachau bildeten Bestandteile der DAW. Hingegen gehörten die Schlachterei, die Brotfabrik und die Lebensmittelgeschäfte am Eickeplatz nur 1940 zu den DAW; ab dem 1.9.1941 wurden sie dem SS-Wirtschaftshauptamt, Abteilung W III (Nahrungsmittel) unterstellt.

  • Eickeplatz

    "Theodor-Eicke-Platz" Der „Theodor-Eicke-Platz“ war benannt nach dem zweiten Kommandanten des KZ Dachau. Alte Aufnahmen lassen einen weitläufigen, begrünten Platz erkennen. Der Platz wurde zivil von den anwohnenden SS-Angehörigen und ihren Familien genutzt. Heute ist der Platz überbaut. Er befand sich unweit des heutigen Besucherzentrums der KZ Gedenkstätte Dachau, ungefähr an der Straßenkreuzung Pater-Roth-Straße und Pfarrer-Lechner-Weg.

  • Eickeplatz

    "Theodor-Eicke-Platz" The “Theodor-Eicke-Platz” was named after the second commandant of the Dachau concentration camp. Old photographs show a spacious, greened square. The square was used by members of the SS and their families who lived nearby. Today the square is built over. It was located not far from the Visitor Center in the Dachau Memorial Site, roughly at the intersection between Pater-Roth-Straße and Pfarrer-Lechner-Weg.

  • Entomologisches Institut

    SS-Bereich - Entomologisches Institut Auf Anordnung von Heinrich Himmler wurde 1942 das Entomologische Institut im KZ Dachau zur Erforschung und biochemische Bekämpfung der für Menschen schädlichen Ungezieferinsekten gegründet. Die Leitung des Instituts übernahm der parteilose Zoologe Dr. Eduard May im Februar 1942. Für das Institut waren zwei Holzbaracken vorgesehen, die auf einem Grundstück in der Nähe der Würmmühle im Herbst 1943 bezugsfertig wurden. Knapp 20 Mitarbeiter nahmen 1944 ihre Arbeit zur Erforschung der Schädlingsbekämpfung auf. Das als Wohnbaracke genutzte Gebäude wurde bereits 1945 abgerissen. Die Forschungsbaracke diente bis 1965 zur Unterbringung von Flüchtlingen und Überlebenden des KZ Dachau. Heute steht auf dem Gelände ein Wohnhaus.

  • Entomological Institute

    SS Area – Entomological Institute Following orders issued by Heinrich Himmler, the Entomological Institute was founded in the Dachau concentration camp in 1942 to research insect pests harmful to humans and find biochemical methods to combat them. Dr Eduard May, a zoologist without any party affiliations, was named director in February 1942. Two wooden barracks were set aside on a property near the Würm mill and the Institute was able to move in during the fall of 1943. Some 20 staff began researching pest control methods in 1944. The building used as a housing barrack was torn down as early as 1945, while the research barrack served to accommodate survivors of the Dachau concentration camp und refugees until 1965. Today a residential house is on the grounds.

  • Erbgut

    Biologischer Begriff, bezeichnet die Gesamtheit der Erbanlagen; wurde als Begriff von den Nationalsozialisten missbraucht, um Menschen künstlich zu unterscheiden. Nur deutsches Erbgut galt als schützenswert. Siehe -> „artgleich“

  • Eucharistischer Weltkongress

    Der erste internationale Eucharistische Weltkongress fand 1883 in Lille statt. Diese Veranstaltung der römisch-katholischen Kirche wird seither, mit Ausnahme der Zeit der Weltkriege, im Abstand von einem bis fünf Jahren an unterschiedlichen Orten durchgeführt. 1960 fand der Eucharistische Weltkongress vom 31. Juli bis 7. August in München statt. Während des Kongresses wurde auf Anregung von Weihbischof Neuhäusler, einem ehemaligen Häftling, unter Teilnahme von 40.000 Personen die Todesangst-Christi-Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau eingeweiht.

  • Euthanasie (auch: Euthanasie-Morde)

    Systematischer Mord an Kranken und Behinderten zur Zeit des Nationalsozialismus im Sinne einer rassistisch und biologistisch orientierten Politik, in der nach „wetvollem“ und „unwerten“ Leben unterschieden wurde.

  • Freikorps

    Militärische Gruppierungen. Nach Ende des Ersten Weltkrieges entstanden in Deutschland solche Gruppierungen, die national und rechts eingestellt waren. Sie kämpften massiv gegen die Räterepubliken und die Auswirkungen der Novemberrevolution, z. T. mit Unterstützung der Regierung.

  • Gefangenen-Eigentums-Verwaltung

    Der gesamte Besitz, den Häftlinge bei ihrer Ankunft im KZ Dachau mit sich führten, ging an die Gefangenen-Eigentumsverwaltung über. Die Gefangenen-Geld-Verwaltung übernahm hingegen das Bargeld und alle Wertsachen der Inhaftierten. Beide Einrichtungen gehörten zur Abteilung IV des Konzentrationslagers, d.h. zur Verwaltung. Sie wurden von einem SS-Verwaltungsführer geleitet. Er und die Abteilung unterstanden dem jeweiligen KZ-Kommandanten und der Inspektion der Konzentrationslager. 1942 wurde die Inspektion der Konzentrationslager als Amtsgruppe D des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) unter der Leitung von Oswald Pohl neu geordnet.

    In der Gefangenen-Eigentumsverwaltung und in der Gefangenen-Geld-Verwaltung des KZ Dachau arbeiten Überlebenden zufolge ca. 25 Funktionshäftlinge aus Deutschland und Österreich.
    Die Habseligkeiten, die die Häftlinge der Gefangenen-Eigentums-Verwaltung überlassen mussten, wurden „Effekten“ genannt. Für jeden Häftling wurde ein Effektenverzeichnis angelegt, auf dem die abgegebenen Gegenstände vermerkt und vom Eigentümer auf die Richtigkeit hin bezeugt waren. Die Effekten wurden im Schubraum selbst und in der „Effektenkammer“ im Dachgeschoss des Wirtschaftsgebäudes verwahrt.

    Im Falle der Entlassung erhielt der Betreffende seine Gegenstände zurück. Im Todesfalle wurde der Besitz den Angehörigen zugeschickt. Erst in den 1940er Jahren schränkte die SS-Verwaltung die Rückgabe der Häftlingseffekten nach und nach ein. Ab dem 23. September 1940 vereinnahmte die SS auf Anordnung von Heinrich Himmler das Zahngold verstorbener Häftlinge sowie das nicht „mehr reparaturfähige“ Zahngold lebender KZ-Häftlinge. Am 1. September 1942 ordnete Himmler an, dass der Besitz polnischer, sowjetischer und jüdischer Häftlinge sowie deutscher Häftlinge ohne Angehörige in den Besitz des Deutschen Reiches übergehen sollte.

  • Gefangenen-Geld-Verwaltung

    Der überwiegende Geldbestand, den die Häftlinge bei ihrer Inhaftierung mit sich geführt hatten, aber auch Zusendungen von Angehörigen, wurden von der Gefangenen-Geld-Verwaltung auf einem Sammelkonto „Gefangenen-Eigengelder“ bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in Dachau eingezahlt. Ein Teil des Geldes verblieb als Bargeldreserve in der Gefangenen-Geld-Verwaltung. Diese befand sich im Kassenraum neben dem Schubraum und vermerkte dort auf Karteíkarten und Listen das Eigengeld und die Kontobewegungen ihrer Mithäftlinge.
    1939 konnten sich die Häftlinge monatlich maximal 30 Reichsmark (RM) auszahlen lassen. 1941 war die Abhebung von 15 RM alle zwei Wochen üblich. Die Geldanforderungen der Häftlinge wurden in den Blocks ermittelt und der Häftlingsverwaltung gemeldet. Der SS-Führer zeichnete die Anforderungsliste ab; die Häftlinge quittierten den Empfang ihres Geldes. Ab dem 15. Mai 1943 wurde offiziell die Barzahlung abgeschafft. Das für den Kantinenbesuch erforderliche Geld wurde direkt vom „Konto“ des Häftlings abgebucht. Neben diesem Zahlungsverkehr existierten 1943 provisorische „Prämienscheine“ zur Bezahlung in der Kantine.
    Für prominente Häftlinge und Funktionshäftlinge sind allerdings wöchentliche „Geldanforderungen“ und dazugehörige Kassenanweisungen und Auszahlungen von Eigengeld für den Gebrauch im Stammlager Dachau noch im Juli 1944 bekannt.

  • Gemeinschaftsfremd

    Gegenteil der Volksgemeinschaft; alle Gegner des Nationalsozialismus, Nichtdeutsche, Juden, Homosexuelle, Behinderte oder durch die Nationalsozialisten als krank definierte Menschen, Sinti und Roma und viele andere Menschen, die durch ihr Verhalten nicht in das Bild des NS passten.

  • Gräuelpropaganda, Gräuelmärchen oder -nachrichten

    Von den Nationalsozialisten wurden alle Meldungen oder Mitteilungen als G. eingestuft, die die wahren Zustände in deutschen Gefängnissen oder KZ oder bei der Behandlung von Gegnern schilderten. Angebliche G. wurde auch als Aufhänger genutzt, um Boykotts wie den am 1.4.1933 gegen jüdische Geschäftsleute zu rechtfertigen. Damit wurde ausländischen Medien die „Schuld“ an Verfolgungsmaßnahmen zugeschoben.

  • Grundschule

    Grundschule Im ehemaligen „Block“ 30 bestand bis zur Auflösung der Wohnsiedlung eine Grundschule für die ortsansässigen Kinder.

  • Primary school

    Primary school A primary school for children was located in “block” 30 until the residential estate was closed.

  • Hauptwache

    SS-Hauptwache (1935) Die SS-Hauptwache bildete seit 1935 den äußeren Zugang zum KZ Dachau und zum SS-Kommandanturbereich. Dieser war seit 1936 durch eine Mauer vom SS-Übungslager getrennt. Das Torgebäude ist heute nicht mehr erhalten. Bei den Bauarbeiten für das Besucherzentrum konnten im Jahr 2008 Fundamente und der historische Straßenbelag der ehemaligen Tordurchfahrt freigelegt werden.

  • SS Main Guardhouse

    SS Main Guardhouse (1935) From 1935 the SS main guardhouse was the entrance to the Dachau concentration camp and the SS commandant headquarters. The latter area was separated from the SS training camp by a wall in 1936. The gate building is not preserved today. During construction work on the Visitor Center in 2008, the foundations and the original road surface of the former gate thoroughfare were uncovered.

  • Hebertshausen, Gedenkort

    Gedenkort ehemaliger "SS-Schießplatz Hebertshausen" Angehörige der Dachauer Lager-SS ermordeten hier 1941 und 1942 über 4.000 sowjetische Kriegsgefangene. Am 2. Mai 2014 wurde der neugestaltete Gedenkort ehemaliger „SS-Schießplatz Hebertshausen“ eröffnet. Eine Open-Air-Ausstellung informiert ausführlich über die historischen Hintergründe des Massenmords und stellt die Biografien der Opfer in den Mittelpunkt. Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind die Rolle der Täter und das Wissen der Bevölkerung über die Verbrechen. In der dreisprachigen Ausstellung (Russisch, Deutsch, Englisch) werden über 100 Fotos, Dokumente, Zeichnungen und Pläne präsentiert. Am Gedenkort befindet sich zudem die Installation ,,Ort der Namen“. Sie besteht aus fünf in den Boden eingelassenen Gedenktafeln mit den Namen sowie den Geburts- und Sterbedaten der Opfer in kyrillischer und lateinischer Schrift. Entlang eines Rundweges befinden sich ergänzend zur Ausstellung Informationstafeln, die Besuchern helfen, Ereignisse auf dem Gelände zu verorten.

  • Heizkraftwerk

    Das Heizkraftwerk der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik (1910–1983) Das 1910 errichtete Gebäude diente bis 1983 als Heizkraftwerk für das gesamte Areal der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik und deren Nachnutzungen. Da es ab 1937/38 die ehemalige SS-Kaserne und das Häftlingslager mit Fernwärme und Elektrizität versorgte, ist das Heizkraftwerk auch ein Denkmal aus der Zeit des Konzentrationslagers.

  • Power Station

    The Heat and Power Station of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory (1910–1983) Built in 1910, the building served as a heat and power station for the entire grounds of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory and all its later utilizations until 1983. Because it provided the former SS compound and the prisoner camp with long-distance heating and electricity from 1937/38, the station is also a monument from the time of the concentration camp.

  • Heizkraftwerk und Kohlenhof

    Heizkraftwerk und Kohlenhof (1937–1945) Das 1910 errichtete Gebäude versorgte auch die ehemalige SS-Kaserne und das Häftlingslager mit Fernwärme und Elektrizität. Bei der Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 kam es auf dem Kohlenhof am Heizkraftwerk zur Erschießung von SS-Wachleuten durch amerikanische Soldaten. Unter dem schockierenden Eindruck der Tausenden Leichen auf dem gesamten Gelände des Häftlingslagers, im Krematoriumsbereich und in vorgefundenen Waggons töteten sie etwa 39 SS-Wachmänner. Die völkerrechtswidrigen Erschießungen wurden von der amerikanischen Armee umgehend vor einem Militärgericht verhandelt.

  • Power Station and Coal Yard

    Power Station and Coal Yard (1937–1945) Built in 1910, the power station also supplied the former SS barracks complex and the prisoner camp with long-distance heating and electricity. During the liberation of the Dachau concentration camp on April 29 1945, American soldiers shot SS guards at the station’s coal yard. Shocked by the thousands of corpses they encountered in the prisoner camp, the crematorium area, and abandoned railroad wagons, they killed 39 SS guards. Contravening international law, the U.S. Army immediately brought the cases before a military court.

  • Hitlerputsch

    Versuch Hitlers und der NSDAP, am 9.11.1923 von München aus die Reichsregierung zu entmachten. Der geplante „Marsch auf Berlin“ fand aber nicht statt, da der Putsch zuvor niedergeschlagen wurde.

  • Holzpritsche

    Primitives Bett, meist nur ein Holzbrett.

  • Internationales Mahnmal

    Das Internationale Mahnmal Das Internationale Mahnmal war eine zentrale Forderung des Comité International de Dachau (CID), das sich bis heute aus ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen zusammensetzt. Am 8. September 1968 wurde das von dem Künstler Nandor Glid (1924–1997) entworfene Mahnmal eingeweiht. Es besteht aus folgenden Komponenten: Der Eingangsmauer, gewidmet den Widerstandskämpfern. Der bronzenen Großskulptur „Menschen im Stacheldraht“. Ihre 24 Betonpfeiler verweisen auf die Bewachungsanlage des Lagers und dazu auf die ursprüngliche Zahl der Herkunftsstaaten der Häftlinge. Einem Ketten-Relief mit verschiedenen Häftlingswinkeln, die für die Solidarität der Häftlinge stehen. Auf Beschluss des CID wurden der grüne, der schwarze und der rosa Winkel für die sog. „kriminellen“, „asozialen“ und homosexuellen Opfer in der Ausführung nicht umgesetzt. Dem Grundstein und der Urne mit der Asche eines unbekannten Häftlings. Einer granitgetäfelten Inschriftenwand mit der Mahnung „Nie wieder“ in fünf Sprachen.

  • International Monument

    The International Monument The International Monument was a main demand of the Comité International de Dachau (CID), which is today still made up of former prisoners and their relatives. Created by the artist Nandor Glid (1924–1997), the monument was unveiled on September 8 1968. It is comprised by the following elements: The entrance wall, dedicated to resistance fighters. The large bronze sculpture “In Barbed Wire”. Its 24 concrete pillars refer to the camp’s guard facilities and the initially known number of countries from which prisoners came. A chain relief with different prisoner triangular patches, representing the solidarity amongst the prisoners. Following a decision by the CID, the green, black, and pink triangles for the so-called “criminal”, “asocial”, and homosexual victims were not included in the final version. The foundation stone and urn with the ashes of an unknown prisoner. A granite inscription wall with the admonition “Never Again” in five languages.

  • Jourhaus

    Eingangstor mit Inschrift „Arbeit macht frei“ in der KZ-Gedenkstätte Dachau gestohlen In der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014 stahlen unbekannte Täter das Lagertor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“. Das historische Lagertor wurde 1936 auf Befehl der SS bei der Errichtung des Jourhauses von Häftlingen des KZ Dachau geschmiedet. Die von dem kommunistischen Häftling Karl Röder angefertigte Inschrift „Arbeit macht frei“ wurde nach Kriegsende entfernt und 1972 rekonstruiert. Das Tor selbst blieb nach fachlicher Expertise höchstwahrscheinlich im Original erhalten. Der Diebstahl des Tores im November 2014 veranlasste die Gedenkstätte, zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau eine schmiedeeiserne Reproduktion des Tores in moderner Ausführung anfertigen zu lassen. Ende 2016 konnte das gestohlene Tor nach einem anonymen Hinweis von den Polizeibehörden in Bergen (Norwegen) sichergestellt werden. Seit 2017 ist es im Museum der KZ-Gedenkstätte Dachau zu besichtigen.

  • Jourhaus

    Entrance Gate with the inscription “Arbeit macht frei” Stolen from the Dachau Memorial Site On the night of November 1-2 2014, unknown offenders stole the camp gate with the inscription “Arbeit macht frei”. The SS ordered Dachau concentration camp prisoners to forge the historical camp gate for the Jourhaus in 1936. The inscription “Arbeit macht frei”, made by the Communist prisoner Karl Röder, was removed after the end of the war and then reconstructed in 1972. Experts consider it highly likely that the gate itself remained the original. The theft of the gate in November 2014 prompted the Memorial Site to have a wrought-iron reproduction in a modern design made for the 70th anniversary of the liberation of the Dachau concentration camp. At the end of 2016 the stolen gate was recovered by the police in Bergen (Norway) following an anonymous tip-off. Since 2017 the gate is on display in the Dachau Memorial Site’s museum.

  • Kapo

    Vorarbeiter Im KZ wurde ein Kapo als Vorarbeiter über eine Gruppe von Häftlingen gesetzt und war der SS verantwortlich, der er Arbeit abnahm. Die Stellung des Kapos war sehr zwiespältig, da die SS Brutalität gegenüber den Häftlingen erwartete; zudem genoss er einige Vorteile. Viele Kapos wurden zu Werkzeugen der SS, aber bei weitem nicht alle. Viele nutzten ihre Funktion, um Kameraden zu helfen, so weit es ihnen möglich war, und machten sich nicht mit der SS gemein.

  • Kalfaktor

    Ursprüngliche Bedeutung: Heizer; in Gefängnissen und Konzentrationslagern ein Gefangener, der Hilfsdienste für die Wärter, hier die SS, erbringen muss.

  • Karmel Heilig Blut

    Das Karmel Heilig Blut Hinter der nördlichen Mauer des ehemaligen Häftlingslagers, auf dem Gelände des früheren „Wildparks“ des KZ Dachau befindet sich seit 1964 das Karmelitinnenkloster Heilig Blut. Weihbischof Neuhäusler weihte das Kloster am 22. November 1964 ein. Die Initiative zur Einrichtung des Klosters ging von der Priorin des Karmel Konvent in Bonn aus. Der Münchner Kardinal Döpfner unterstützte das Projekt und betraute den ehemaligen Dachauer Häftling Bischof Johannes Neuhäusler mit der Planung. Die Klosteranlage kann durch ein Tor im Nordturm betreten werden. Der Grundriss des Klosters hat die Form eines Kreuzes, die Kapelle steht den Besuchern der Gedenkstätte offen. In der Kapelle wird die Madonna von Dachau, eine Marienstatue aus dem Priesterblock 26 des Konzentrationslagers aufbewahrt.

  • Carmelite Convent ’Heilig Blut‘

    The Carmelite Convent ’Heilig Blut‘ Behind the northern wall of the former prisoner camp, on the grounds of the earlier “deer park” of the Dachau concentration camp, is the Carmelite convent Heilig Blut, consecrated on November 22 1964 by Bishop Neuhäusler. The initiative to build a convent came from the prioress of the Carmelite convent in Bonn. Cardinal Döpfner of Munich supported the project and entrusted the former Dachau prisoner Bishop Johannes Neuhäusler with the planning. Entrance to the convent is by a door in the north tower. The ground plan is based on the form of a cross; the chapel is open for Memorial Site visitors. The Madonna of Dachau, a statue of Mary from priest block 26 of the Dachau concentration camp, is kept in the chapel.

  • Kaserne

    Kaserne 1936 entstanden für die SS-Totenkopfverbände eine neue Kaserne mit L-förmigem Grundriss, eine Großküche mit Speisesaal für 1.200 Personen, Mannschaftsheime mit Kantine sowie Bäder, eine Friseurstube und Verwaltungsbüros. Am 25. März 1936 weihte Heinrich Himmler die Anlage ein.

  • Barracks complex

    Barracks complex In 1936 a new barracks complex with an L-shaped layout, a large kitchen with a dining hall seating 1 200 persons, enlisted clubs with messes, as well as bathhouses, barber shops, and administrative offices were built for the SS Death’s Head Units. The complex was officially opened by Heinrich Himmler on March 25 1936.

  • Kiesgrube

    Eines der grausamsten Arbeitskommandos im KZ Dachau. Es bestand von 1933 bis 1938, da es mit der Fertigstellung des Lagerneubaus geschlossen wurde.

  • Kirchen

    Kirchen auf dem ehemaligen Appellplatz Die im November 1945 auf dem ehemaligen Appellplatz für das Internierungslager errichtete katholische Heiligkreuz-Kirche blieb bis 1964 bestehen. Für das Flüchtlingslager wurde 1951 zusätzlich die evangelische Golgatha-Kirche errichtet. Beide Kirchen-Gebäude wurden 1964 im Zuge der Umbauten zur Gedenkstätte wieder entfernt. Die Golgatha-Kirche steht bis heute im acht Kilometer entfernten Ort Ludwigsfeld.

  • Churches

    Churches on the Former Roll Call Area Built in November 1945 on the former roll call area for the internment camp, the Catholic Holy Cross Church stood until 1964. In 1951 the Protestant Golgotha Church was additionally built for the refugee camp. Both churches were removed in 1964 as part of the redevelopment of the grounds into a memorial site. The Golgotha Church was relocated to Ludwigsfeld, some eight kilometers away, where it stills stands today.

  • Kommandanturbereich

    Kommandantur (1933–1941) Das Gebäude der SS-Kommandantur, des Dienstsitzes des Lagerkommandanten, stammt aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik. Östlich, aber außerhalb des Gebäudes gelegen ist eine zweischiffige Kellerhalle, die der SS als Kegelbahn diente. Freizeiteinrichtungen wie die Kegelbahn, sollten den Gemeinschaftssinn innerhalb der SS fördern. Dazu stellten sie einen Versuch dar, die SS-Wachmannschaften an das Konzentrationslager zu binden und die Weitergabe über die Geschehen im Konzentrationslager zu minimieren. Stark baufällig kann die Kegelbahn heute nicht mehr betreten werden.

  • Commandant Headquaters

    Commandant Headquaters (1933–1941) The SS headquarters and camp commandant’s office is a building from the period of the Royal Bavarian Gunpowder and Munitions Factory. To the east, but located outside the building, is a two-aisled basement hall that the SS used as a bowling alley. Recreational facilities like the bowling alley were designed to bolster the sense of community within the SS. They were also an attempt to strengthen the ties of the SS guard squads to the concentration camp and thus prevent news about what was going on in the camp from spreading. In a state of severe disrepair, entering the bowling alley is no longer permitted.

  • Kommissarisch

    Leiter für eine Übergangszeit, in der er selbst das Amt erhält oder es an einen Anderen geht.

  • KPD

    Kommunistische Partei Deutschlands; wurde am 30.12.1918 gegründet und war 1932 die drittstärkste Partei in Deutschland. Sie verstand sich als linke, revolutionäre Partei, die ein sozialistisches Deutschland erkämpfen wollten. Sie war sehr stark an der Sowjetunion orientiert und lehnte die NSADP ab. Zwischen 1921-1933 herrschten erbitterte, z. T. gewaltsame Kämpfe zwischen beiden Parteien. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war sie die einzige Partei, die zum Generalstreik aufrief, allerdings erfolglos. Der ersten Verhaftungswelle fielen etwa 11000 Menschen zum Opfer. Für die NSDAP gehörte sie zu den Hauptfeinden und ihre Anhänger wurden ab 1933 massiv verfolgt und viele ermordet. Sie wurde ab dem 5.3.1933 verboten. Es gab eine Exilorganisation. In Deutschland hatte sie durch die dauernden Verhaftungen und Verfolgungen fast keine Möglichkeit mehr zum Widerstand.

  • Kornsud

    Kaffee-ähnliches Getränk aus Korn, meist aus verschiedenen Getreidesorten. Enthält kein Koffein.

  • Krematoriumsbereich

    Der Krematoriumsbereich Der Bereich mit den beiden Krematorien von 1940 beziehungsweise 1942/43 ist der zentrale Gedenkort und Friedhof der KZ-Gedenkstätte Dachau. Er war ursprünglich vom Häftlingslager strikt getrennt. Vor dem Jourhaus zweigte der Weg innerhalb des SS-Lagers hierher ab und nur die Häftlinge, die für die Arbeiten im Krematorium eingesetzt waren, durften das Gelände betreten. Im hinteren Bereich liegt der Exekutionsort, an dem sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge der Gestapo erschossen wurden. Im Sommer 1945 zeigten ehemalige Häftlinge hier eine Ausstellung, die im Zusammenhang mit den im November 1945 beginnenden Dachauer Prozessen die Verbrechen der SS dokumentieren sollte. 1953 schloss der Bayerische Staat die Ausstellung. Zwischen 1960 und 1964 zeigte das CID aus Anlass des eucharistischen Weltkongresses eine weitere Ausstellung. Die heutige Verbindung zwischen Häftlingslager- und Krematoriumsbereich entstand nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Denk- und Mahnmale im Krematoriumsbereich Im Krematoriumsbereich sind verschiedene Denk- und Mahnmale entlang eines Rundweges angelegt. Aus dem Jahr 1950 stammt der Findlingsstein mit der Inschrift: „Denket daran, wie wir hier starben“ kurz hinter der Brücke in einer Nische auf der rechten Seite. Ein jüdisches Denkmal mit dem Text „Grab Tausend Unbekannter“ befindet sich auf der rückwärtigen Seite des Krematoriums. Es wird ergänzt durch einen dahinter aufgestellten Grabstein mit dem Namen eines bekannten jüdischen Häftlings „Czitron Dezsö, gestorben 1945“. Daneben steht ein steinernes Denkmal, das den Davidstern mit der Menorah und den Worten „vergiss nicht“ verbindet. Das Denkmal des Bildhauers Fritz Koelle ist dem „Unbekannten Häftling“ gewidmet. In der „Baracke X“ erinnert eine Gedenktafel an die weiblichen Offiziere der britischen Streitkräfte, die zur Unterstützung der Résistance in Frankreich mit dem Fallschirm abgesprungen waren und in der Nähe des Krematoriums erschossen wurden.

    Aschegräber und Hinrichtungsstätte Der angelegte Rundweg im Krematoriumsbereich führt zu den Aschegräbern der in den Krematorien verbrannten Leichen. Nach der Befreiung wurden diese Orte als Grabstätten gekennzeichnet. Heute befinden sich dort Grabmale. Auch an der ehemaligen Hinrichtungsstätte befindet sich eine Steinplatte, die die Inschrift „Genickschuss-Stand mit Blutgraben“ trägt. Im Herbst 1944 erschoss die SS dort 92 sowjetische Offiziere, Mitglieder einer Widerstandsorganisation.

  • Crematorium Area

    Crematorium Area The area with the two crematoria from 1940 and 1942/43 is the main place of remembrance and cemetery in the Dachau Concentration Camp Memorial Site. It was originally strictly separated from the prisoner camp. In front of the Jourhaus the path within the SS camp forked here and only those prisoners detailed to work in the crematorium were allowed to enter the grounds. At the back of the area is the execution site where Soviet prisoners of war and prisoners of the Gestapo were shot. In the summer of 1945 former prisoners showed an exhibition here which, together with the Dachau Trials due to commence in November 1945, was to document the crimes of the SS. In 1953 the Bavarian state closed the exhibition. Between 1960 and 1964 the CID presented another exhibition, opened to coincide with the Eucharistic World Congress. The connection between the prisoner camp grounds and the crematorium area was created after the Second World War.

    Memorials and Monuments in the Crematorium Area Various memorials and monuments are positioned along a circular path in the crematorium area. From 1950 is the boulder inscribed: “Think of how we died here”, located behind the bridge in a niche on the right-hand side. A Jewish monument with the text “Grave of the Unknown Thousands” is at the rear side of the crematorium. It is complemented by a headstone positioned behind it with the name of a known Jewish prisoner “Czitron Dezsö, died 1945”. Next to it is a stone monument that joins the Star of David with the menorah and the words “don’t forget”. The monument by the sculptor Fritz Koelle is dedicated to the “unknown prisoner”. In “barrack X” a memorial plaque recalls the female officers of the British Armed Forces who had been captured after parachuting into France to support the Résistance and were executed near the crematorium.

    Ash Graves and Execution Site The circular path in the crematorium area leads to the ash graves of those bodies burnt in the crematorium. They were designated a gravesite after liberation. Gravestones are there today. A stone plaque is also positioned at the former execution site; it is inscribed “execution by a shot in the back of the head – blood grave”. Here, in the fall of 1944, the SS executed 92 Soviet officers, members of a resistance group, in this way.

  • Krematorium, Baracke X

    Das große Krematorium, die „Baracke X“ (1942/43) Das Gebäude wurde vom Mai 1942 bis April 1943 als Tötungseinrichtung und zur Einäscherung von Leichen errichtet. In den Baudokumenten wurde es zunächst als „Gebäude X“, später als „Baracke X“ bezeichnet. In der Mitte des Baus befand sich das „Brausebad“. Diese als Dusche getarnte Gaskammer wurde Überlebenden zufolge von der SS zur Ermordung einzelner Häftlinge und kleinerer Gruppen durch Giftgas genutzt. In der „Baracke X“ befanden sich zudem die Kleiderdesinfektionskammern, der Eingangs- , Warte- und Auskleideraum, zwei Totenkammern und der Verbrennungsraum mit vier Verbrennungsöfen. Dahinter lagen die Räume für den SS-Kommandoführer, die Garage und Unterkünfte für ein Häftlingskommando. Im Februar 1945, eventuell auch schon im Oktober 1944, wurde das Krematorium wegen Kohlemangels außer Betrieb gesetzt. Häftlinge wurden gezwungen, die Leichen auf dem Leitenberg in Dachau-Etzenhausen zu begraben. Mit dem Näherrücken der alliierten Truppen wurden die Leichen im Krematoriumsbereich und in der Nähe des Krankenreviers gesammelt.

  • Crematorium, Barrack X

    The Former Large Crematorium, “Barrack X” after 1945 In late fall 1945 the first documentary exhibition on the Dachau concentration camp was opened in the former “barrack X”. Held at the same time as the Dachau Trials, the exhibition showed the horrific conditions which had prevailed in the concentration camp. The Bavarian government closed this exhibition in 1953. This move was part of the effort to have the Dachau concentration camp disappear from official public memory. In about 1958 the large chimney needed to be repaired for static reasons and was shortened by four meters.

  • Krematorium, erstes

    Das erste Krematorium (1940) Dieses Krematorium wurde im Sommer 1940 erbaut, nachdem mit dem Eintreffen der ausländischen Häftlinge die Sterblichkeit stark angestiegen war. Das Gebäude lag etwas abseits zwischen Bäumen auf dem SS-Gelände. Der Zugang zum Kreamtoriumsbereich zweigte vor dem Jourhaus ab; die heutige Brücke zum ehemaligen Häftlingslager wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen. Das erste Krematorium war mit einem sogenannten Doppelmuffelofen ausgestattet. Ein spezielles Häftlingskommando, das „Arbeitskommando Krematorium“ durfte das Gelände betreten, um die Einäscherungen vorzunehmen. Das Kommando hatte keinerlei Kontakt zu den übrigen Häftlingen. Bereits 1941 reichte die Kapazität des Krematoriums nicht mehr aus. Es war noch bis etwa April 1943 in Betrieb. In diesem Zeitraum wurden hier rund 11.000 Leichen eingeäschert.

  • The First Crematorium

    The First Crematorium (1940) This crematorium was built in summer 1940 after the death rate increased dramatically with the arrival of foreign prisoners. The building was somewhat isolated, located between trees on the SS grounds. Access to the crematorium area forked off in front of the Jourhaus; the bridge that today leads to the former prisoner camp was first built after the Second World War. The first crematorium was fitted with a so-called double muffle oven. A special prisoner detail, the “crematorium work detail”, was permitted to enter the area. The members of the detail had no contact to the other prisoners. The capacity of the crematorium was already insufficient by 1941. It remained in operation until around April 1943. Up until then, around 11 000 bodies were cremated here.

  • Kriegsgefangenenlager

    Kriegsgefangenenlager Zwischen Juli 1945 und Juni 1946 bestand auf dem Gelände der vormaligen SS-Kaserne als weiterer Teilbereich des Internierungslagers ein Kriegsgefangenenlager. Hier waren überwiegend solche Wehrmachtsangehörige interniert, die aus den mittlerweile sowjetisch besetzten Gebieten stammten. Man sonderte sie strikt von den deutschen Generälen und den ungarischen Kriegsgefangenen ab. Von Juli 1946 bis zum 3. Oktober 1947 diente dieser Bereich auch als Entlassungslager für aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft repatriierte deutsche Kriegsgefangene. Der aktuelle Forschungsstand lässt eine genaue räumliche Verortung des Kriegsgefangenlagers nicht zu.

  • Prisoners of War Camp

    Prisoners of War Camp Between July 1945 and June 1946 a prisoner-of-war camp was set up on the grounds of the former SS barracks complex. Interned here were mainly German soldiers from territories meanwhile under Soviet occupation. They were strictly isolated from German generals and Hungarian prisoners of war. From July 1946 to October 3 1947 this area also served as a release camp for German prisoners of war repatriated from captivity in U.S. hands. Polish squads were mainly entrusted with the guard duties.

  • Latrine, Latrinenkommando

    Primitive Toilette; Das Latrinenkommando musste unter menschenverachtenden und grausamen Bedingungen die Latrinen reinigen.

  • Lazarett

    SS-Bereich: Lazarett Westlich des Pollnbachs gelegen befand sich das Lazarett der SS in den Werkstattgebäuden der ehemaligen Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik. Mit zunehmender Kriegsdauer wurde es vergrößert und erstreckte sich über fast sämtliche Gebäude westlich des Pollnbachs. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte auch die US-Armee das ehemalige SS-Lazarett. Zunächst wurden hier kranke ehemalige KZ-Häftlinge behandelt, später auch deutsche Kriegsgefangene.

  • Infirmary

    SS-Area: Infirmary The SS infirmary was located to the west of the Pollnbach in the workshop buildings of the former munitions factory. It was enlarged as the war progressed and eventually included almost all of the buildings to the west of Pollnbach. After the Second World War, the U.S. Army also used the former SS infirmary. At first, ill former concentration camp prisoners received treatment, later German prisoners of war.

  • Leitenberg

    Gedenkorte auf dem Leitenberg Vom 28. Februar 1945 bis zum 27. April 1945, möglicherweise auch schon im Oktober 1944, wurden auf Anweisung der Kommandantur des KZ Dachau auf dem Leitenberg Massengräber angelegt. Weitere verstorbene Häftlinge wurden dort nach der Befreiung bestattet. Nach Überführungen von Toten mehrerer europäischer Staaten in den Jahren 1955 bis 1959 in ihre Heimat, sind heute noch 7.439 KZ-Häftlinge am Leitenberg bestattet. Neben dem 1949 eingeweihten Ehrenfriedhof befindet sich dort heute eine achteckige, turmartige Gedächtnishalle für die KZ-Opfer sowie die 1963 errichtete italienische Gedenkkapelle Regina Pacis. 1999 wurde ein Gedenkstein für die polnischen Opfer unter den Toten eingeweiht.

  • Leitenberg

    Commemoration on the Leitenberg Between February 28 1945 and April 27 1945, possibly as early as October 1944, the commandant’s office ordered the digging of mass graves on the Leitenberg. Other prisoners who died after liberation were also buried there. After the remains of the dead from many European states were returned home between 1955 and 1959, today 7 439 concentration camp prisoners are buried on the Leitenberg. Along with the Cemetery of Honor inaugurated in 1949, located on the site today are an octagonal, tower-like commemorative hall for the concentration camp victims and the Italian memorial chapel Regina Pacis built in 1963. In 1999 a memorial stone for the Polish victims amongst the dead was unveiled.

  • Marxistisch

    Geht auf Karl Marx zurück, der im 19. Jahrhundert eine Gesellschaftslehre entwickelte, die teilweise von den Sozialdemokraten, vor allem aber von den Kommunisten geteilt wurde. Zielt auf die Verstaatlichung der Banken und Produktionsanlagen und propagiert eine gerechtere Welt vor allem für die Arbeiterklasse und Besitzlosen. Im Nationalsozialismus abwertend für Kommunisten gebraucht.

  • Messerschmitt Werkstätte

    Abteilung der Flugzeugwerke Messerschmitt AG Die Schulungsbaracke, auch „Baracke D“ oder "Unterrichtsbaracke“ genannt, war mit keiner Nummerierung versehen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde darin eine Abteilung der Flugzeugwerke Messerschmitt AG eingerichtet, in der Häftlinge Flugzeugteile fertigten. Sie erhielt daher die Bezeichnung „Messerschmittbaracke“. Die Flugzeugwerke Messerschmitt AG mit Hauptsitz in Augsburg war 1938 aus der Bayerischen Flugwerke AG hervorgegangen. 1944 wurde der Betrieb im KZ Dachau aufgrund von Materialmangel eingestellt. Der Abriss des Gebäudes erfolgte 1964 im Zuge der Gedenkstättengestaltung.

  • Miliz

    Bürgerheer aus Freiwilligen; in Diktaturen Mittel zur Unterdrückung, meist kasernierte Polizeiverbände.

  • Modellbaracken

    Die Modellbaracken Die beiden heutigen Baracken sind 1965 errichtete, aber keine originalgetreue Nachbauten. Die historischen Bauten waren weniger stabil gebaut, besaßen keine Fundamente und hatten einen dunkelgrünen Außenanstrich. An der Stelle der heutigen Nachbauten befanden sich historisch das propagandistisch genutzte Lagermuseum und am Ort der heutigen Ausstellungsbaracke eine Baracke des Krankenreviers. Der fehlende politische Wille zum Unterhalt der originalen Baracken führte zwischen 1963 und 1964 zu ihrem Abriss. An die Stelle der historischen Relikte trat eine gestaltete Gedenkstätte. Die Ausstellung in der heutigen Modellbaracke will die Wohnsituation und Lebensbedingungen der Häftlinge in den Jahren 1933/34, 1937/38 und 1944/45 vermitteln. Sie verdeutlicht die zunehmende Enge und die sich kontinuierlich verschlechternden hygienischen Verhältnisse.

  • Model Barracks

    The Model Barracks The two present-day barracks were built in 1965; they are not faithful reconstructions however. The historical prisoner barracks were far less stable constructs, had no foundations, and were painted dark green on the outside. Located where today’s replica stand was the propagandistic camp museum, while where today’s exhibition barrack stands was once the location of a “sickbay” barrack.
    The lack of political will to maintain the original barracks led to their demolition between 1963 and 1964. The historical relics were replaced by a newly constructed memorial site.
    The exhibition in today’s model barrack aims to convey an impression of the accommodation situation and the living conditions the prisoners faced in 1933/34, 1937/38, and 1944/45. It illustrates the increasing overcrowding and the continuously deteriorating hygienic conditions.

  • Munitionsbunker

    Munitionsbunker Für die Pulver- und Munitionsfabrik wurden um 1915 neun oder zehn Munitionsbunker erbaut. Detaillierte Angaben können nach der aktuellen Quellenlage nicht gemacht werden. Nach den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags blieben sie nach dem Ersten Weltkrieg ungenutzt. Ab 1940/41 nutzte die "Schraubenfabrik Präzifix" die Munitionsbunker zur Fertigung von Präzisionsteilen für Flugmotoren. Diese wurden der Messerschmitt AG und der Bayerischen Motorenwerke AG zugeliefert.

  • Munitions Bunkers

    Munitions Bunkers Nine or ten munitions bunkers were built around 1915 for the factory. The currently available sources do not allow for any detailed information. In line with the stipulations of the Versailles Peace Treaty, they remained unused after the First World War. From 1940/41 these munitions bunkers were used by the Präzifix screw factory to manufacture precision components for aircraft engines. These were then delivered to the Messerschmitt AG and the Bayerische Motorenwerke AG.

  • Obduktion

    Gerichtlich angeordnete Leichenöffnung, wenn der Verdacht eines unnatürlichen Todes vorliegt, um die tatsächliche Todesursache zu klären.

  • Politische Abteilung

    Politische Abteilung Die Politische Abteilung leitete als Außenstelle der Politischen Polizei die Registrierung der Häftlinge und verwaltete die Häftlingsakten. Sie unterstand der "Geheimen Staatspolizei (Gestapo)". Unter Einsatz von Folter führte sie Vernehmungen durch. Die Politische Abteilung hatte ein Vernehmungszimmer im Jourhaus. Dazu befand sich vor dem Eingang des Jourhauses eine lang gestreckte, parallel zur Würm verlaufende Baracke für die Registrierung der Häftlinge. Die Baracke der Politischen Abteilung wurde vermutlich zwischen 1978 und 1982 abgerissen. Den Standort der ehemaligen Politischen Abteilung kennzeichnen seit 2005 Eisenwinkel, die im Boden eingelassen sind.

  • Political Department

    Political Department The Political Department, a branch office of the Political Police, was responsible for registering the prisoners and administering the prisoner files. It was under the authority of the Secret State Police (the Gestapo). The Department conducted interrogations, using torture. An interrogation room was in the Jourhaus. There was also, in front of the entrance to the Jourhaus, a long barrack running parallel to the Würm, used to register prisoners. The barrack of the Political Department was demolished presumably between 1978 and 1984. The location of the former Political Department is marked since 2005 by angle irons embedded in the ground.

  • Prämienscheine

    Mit der Bestimmung der Prämien-Vorschrift des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) der SS vom 15. Mai 1943 wurde in den KZ der Barzahlungsverkehr offiziell abgeschafft. Das für den Kantinenbesuch erforderliche Geld wurde direkt vom „Konto“ des Häftlings abgebucht. Neben diesem Zahlungsverkehr existierten 1943 zudem provisorische „Prämienscheine“ zur Bezahlung in der Kantine.
    Zur Steigerung der Arbeitsleistungen der Häftlinge in Außenlagern, den Arbeitskommandos und den SS-Betrieben wurden zudem Prämienscheine für Hafterleichterungen wie z.B. Friseurbesuche oder Kleiderkäufe; Verpflegungszulagen, Geldprämien, Tabakwarenbezug oder Bordellbesuche eingeführt. Die Prämienscheine bildeten keinen Geldersatz, vielmehr waren sie eine Art Verrechnungsscheine. Sie wurden allerdings von den Betrieben und Arbeitskommandos, in denen Häftlinge eingesetzt waren, nur sehr selten ausgegeben und führten deshalb nicht zu den gewünschten Anreizen zur Steigerung der Produktivität der Häftlinge. Mit der Neuregelung vom 14.2.1944 wurde der Wert der Prämienscheine auf Konten der Häftlinge „gutgeschrieben“ und konnte von ihnen zum Eigenverbrauch abgehoben werden. Allerdings gab es ab 1943 in der Kantine des KZ Dachau oder den Außenlagern kaum mehr Kleidung oder Lebensmittel zu kaufen.

  • Propagandistisch, Propaganda

    absichtlicher und systematischer Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, um eine gewisse, erwünschte Reaktion zu erhalten.

  • Räterepublik

    Politisches System, bei der die Macht von der Bevölkerung über direkt gewählte Räte ausgeht. In Deutschland entstanden 1918 solche Räterepubliken im Zuge der revolutionären Umbrüche nach Ende des Ersten Weltkrieges. Jedoch wurde im Dezember 1918 beschlossen, Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung abzuhalten und keine Räte mehr zu wählen.

  • Rasse

    Nach einer veralteten Rassenkunde ist die Menschheit angeblich in verschiedene „Rassen“ eingeteilt, die als naturgegebene Einheiten bzw. biologische Tatsachen bestehen. Sie dienten als scheinbar wissenschaftliche Grundlage des modernen Rassismus, dessen Einfluss bis heute fortwirkt. Die Nationalsozialisten trieben diesen Rassenbegriff so weit, dass nur Deutsche der „höchsten Rasse“ („Arier“) angehören, andere „Völker oder Nationen wie Slawen, Juden, Sinti und Roma oder Farbige dagegen minderwertig, Untermenschen seien, die vernichtet werden.

  • Reichswehr

    Name der deutschen Streitkräfte zwischen 1921-1935; dann „Wehrmacht“

  • Revier

    Primitive Krankenstation im KZ, die der SS nicht selten zu Ausmusterung der Schwächsten diente, die dann getötet wurden.

  • Röhmputsch

    Eigentlich irreführende Bezeichnung für die Entmachtung der SA am 30.6./1.7.1934. Auf Befehl Hitlers wurden SA-Führer verhaftet, darunter auch Ernst Röhm, und hingerichtet. Die SA war für Hitler zu einer Gefahr geworden, da sie seiner Annäherung an die Reichswehr entgegenstanden und zu viel Macht beanspruchten. Die SA wurde danach politisch bedeutungslos.

  • Russisch-orthodoxe Kapelle

    Russisch-orthodoxe Kapelle Die am 29. April 1995 eingeweihte russisch-orthodoxe Kapelle Auferstehung unseres Herrn befindet sich am Übergang vom ehemaligen Häftlingslager zum Krematoriumsbereich. Sie erinnert an die im Konzentrationslager Dachau Ermordeten aus der Sowjetunion. Erbaut wurde die Kapelle von Angehörigen der russischen Streitkräfte. Als Form wählten sie ein Oktogon aus Holzbalken. Es steht auf einem kleinen Hügel, der teilweise mit Erde aus der ehemaligen Sowjetunion aufgeschüttet wurde. Die Hauptikone im Innern des Gebäudes zeigt eine Christusfigur, die die Lagerhäftlinge aus ihren Baracken durch ein von Engeln geöffnetes Tor herausführt. Auf den beiden anderen Ikonen ist Jesus beim letzten Gebet im Garten Gethsemane dargestellt und Christus, wie Pilatus ihn dem Volk vorstellt: „Ecce homo”.

  • „Schlageterfeier“

    Umschreibung für die Prügelstrafe im KZ Dachau, z. T. wegen der Ähnlichkeit zum Wort „Schlagen“. Andererseits mussten die Häftlinge auch ein Denkmal für Albert Schlageter im KZ bauen. Schlageter wurde als Märtyrer der NSDAP kultisch verehrt, da er von Frankreich 1923 als Spion zum Tode verurteilt worden war.

  • Schlagerterhäuschen, Schlageterkeller“

    s. Schlageterfeier

  • Setzerei

    Teil einer Druckerei. Der Schriftsetzer arbeitet in der Setzerei, der aus dem gelieferten Manuskript eine Druckvorlage fertigt. Früher wurden Texte für Zeitungen, Bücher etc. mechanisch gesetzt, mit einzelnen Schrifttypen, die in Setzkästen aufbewahrt wurden.

  • Sicherungsanlage

    Sicherungsanlage (1937/38 bis 1945) Das Häftlingslager war von einer Umzäunung umgeben, die jede Flucht unmöglich machen sollte. Von insgesamt sieben Wachtürmen überwachten SS-Männer mit Maschinengewehren rund um die Uhr das Lagergelände. Die Befestigung des Häftlingslagers bestand aus fünf Hindernissen: Mit Ausnahme zur Westseite, also zum SS-Bereich hin, war das Areal von einer Außenmauer umgeben, über der vier Reihen Stacheldraht gespannt waren. Es folgten der Postengang, der elektrisch geladene Lagerzaun, der Graben und die Sperrzone, auch Todesstreifen genannt. Sobald ein Häftling dieses acht Meter breite Rasenband betrat, wurde auf ihn ohne Vorwarnung geschossen. Zur Straße hin lag der Patrouillestreifen, auf dem SS-Hundeführer Wache liefen. Die Lagerumzäunung wurde 1965 teilrekonstruiert. Die teilweise Rekonstruktion der heute vorhandenen Wachtürme erfolgte in den späten 1960er Jahren.

  • Security Facility

    Prisoner Camp Security Facility (1937/38 to 1945) The prisoner camp was enclosed by a boundary fence designed to make escape impossible. Positioned in seven towers, SS men armed with machineguns kept watch around the clock. The on-ground fortification around the prisoner camp was made up of five obstacles. With the exception of the western side, i.e. facing the SS area, the grounds were surrounded by an outer wall spanned with four rows of barbed wire. Then came the guard walkway, the electrically-charged camp fence, the ditch, and the restricted zone, also known as the death strip. Guards opened fire without warning as soon as a prisoner entered this eight meter-wide strip of grass. In the direction of the camp road was the patrol strip where SS dog leaders kept watch. The camp fence was partly reconstructed in 1965. The part reconstruction of the guard towers existing today was undertaken in the 1960s.

  • SPD

    Sozialdemokratische Partei Deutschlands; Vorgängerpartei wurde 1863 gegründet, nannte sich ab 1875 SPD. Sie war 1932 die stärkste Partei im Reichstag und stimmte als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz und wurde am 22.6.1933 verboten. Viele ihre Mitglieder wurden verfolgt und gingen ins Exil, wo es eine Exilorganisation gab. Die meisten Mitglieder zogen sich ins Privatleben zurück, nur wenige versuchten Widerstandsarbeit, die aber bis 1937 von den Nazis ausgeschaltet worden war.

  • SS-Compound

    SS-Compound Von Juli 1945 bis Juni 1946 wurde auf dem Areal des ehemaligen Häftlingslagers ein so genannter SS-Compound eingerichtet, der auch die Bezeichnungen Cage 1 oder Freiland trug. Hier wurden zwischen 10.000 und 13.000 Angehörige der SS, Waffen-SS sowie Funktionäre der NSDAP und ihrer Organisationen interniert. Im Januar 1946 kam es zur Entlassung von SS-Männern mit niedrigeren Dienstgraden. Nach weiteren Entlassungswellen löste die US-amerikanische Lagerleitung ab dem 27. Mai 1946 den Bereich vollständig auf. Die verbliebenen SS-Männer verlegte sie in die Internierungslager in Bad Aibling bei Rosenheim bzw. Plattling in Niederbayern. Nach der Auflösung des SS-Compound wurde das Zivilinternierungslager Camp Nr. 29 geschaffen. Es bildete den vierten Funktionsbereich des Internierungslagers Dachau und bestand bis zum 31. August 1948.

  • SS-Compound

    SS-Compound From July 1945 to June 1946, a so-called SS Compound was set up on the area of the former prisoner camp, which was also known as “Cage 1” or “Freiland”. Here between 10 000 and 13 000 members of the SS, Waffen SS as well as functionaries of the Nazi Party and its organizations were interned. In January 1946, low-ranking SS men were released. After further waves of releases, the US camp leadership completely disbanded the area on May 27 1946. The remaining SS men were transferred to the internment camps at Bad Aibling near Rosenheim or Plattling in Lower Bavaria. After the disbanding of the SS compound, a civilian internment camp, called Camp No. 29, was set up. It was the fourth functional area of the internment camp Dachau and existed until August 31 1948.

  • SS-Siedlung

    Die SS-Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz“ Die Siedlung am „Theodor-Eicke-Platz“ wurde von KZ-Häftlingen erbaut. Neben Wohnhäusern umfasste sie eine Bäckerei, einen Laden, eine Gastwirtschaft, eine Poststelle und das Gemeinschaftshaus mit Veranstaltungsräumen. Benannt war der Platz nach dem zweiten Lagerkommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke. Er hatte maßgeblich Anteil daran, dass das KZ Dachau zum Modell für die späteren Konzentrationslager wurde. Die Siedlung lag außerhalb des ummauerten KZ-Bereichs und war öffentlich zugänglich. 1937 richtete die Stadt Dachau eine eigene Buslinie vom Bahnhof zum Konzentrationslager ein. In den 1980er Jahren wurden die Gebäude abgerissen und mit neuen Wohnhäusern überbaut. Nur im Nordwesten sind noch Reste alter Bordsteine des ursprünglichen Platzes erhalten.

  • SS Residential Estate

    The SS residential estate on “Theodor-Eicke-Platz” The residential estate on “Theodor-Eicke-Platz” was built by concentration camp prisoners. Besides residential buildings, it included a bakery, a general store, an inn, a post office, and a community center with rooms for holding events. The square was named after the second camp commandant of Dachau, Theodor Eicke. He was instrumental in turning the Dachau concentration camp into the model for later concentration camps. The estate was located outside the SS area and was accessible to the general public. In 1937 the City of Dachau authority introduced a bus line connecting the rail station to the concentration camp. In the 1980s the buildings were demolished and replaced by new residential buildings. The only remains are those of the old curbs of the original square in the northwest corner.

  • Stalinistische Säuberung

    Aktionen Stalins gegen echte, zumeist aber nur eingebildete Feinde und Missliebige in der Sowjetunion. Die größte Welle der Säuberungen fand zwischen 1936 und 1938 an, wo in großen Schauprozessen Menschen aufgrund erfundener Anklagen getötet und in Arbeitslager, so genannte Gulags, deportiert wurden. Diese Säuberungen betrafen Millionen von Menschen.

  • Standrecht

    Bezeichnet das Recht von Militärbefehlshabern anstatt der Juristen Recht zu sprechen. Ihnen steht ein Kriegsgericht zur Seite, das Standgericht. Bei Gebrauch des Standrechts geht man davon aus, dass ein ordentliches Verfahren aus Mangel an Zeit oder Gelegenheit zwar nicht durchführbar, eine Bestrafung des Täters in Form des „Kurzen Prozesses“ wegen der Bedeutung der Tat aber unumgänglich ist. Es wird in Kriegszeiten bei Revolten und ähnlichem eingesetzt.

  • Todesangst-Christi-Kapelle, Katholische

    Die Katholische Todesangst-Christi-Kapelle Am 5. August 1960 wurde die katholische Todesangst-Christi-Kapelle eingeweiht. Sie entstand auf Initiative des Münchner Weihbischofs und ehemaligen Dachauer KZ-Häftlings Johannes Neuhäusler. Den monumentalen Rundbau aus unbehauenen Kieselsteinen aus der Isar entwarf der Münchner Architekt Josef Wiedemann. An ihrer Rückseite ist eine Gedenktafel mit einem Christusbildnis angebracht, die von ehemals inhaftierten Geistlichen aus Polen gestiftet und am 19. August 1972 enthüllt wurde. Die Tafel berichtet in verschiedenen Sprachen von den Leiden polnischer Häftlinge im KZ Dachau. Die Glocke vor dem Gebäude wurde von ehemaligen österreichischen Häftlingen gestiftet und von Emmerich Hornich, selbst ein ehemaliger Dachau-Häftling, gegossen. Am 22. Juli 1961 wurde sie geweiht. Seitdem läutet sie jeden Nachmittag um 14:50 Uhr zum Gebet für die Opfer des Konzentrationslagers.

  • Catholic Mortal Agony of Christ Chapel

    The Catholic Mortal Agony of Christ Chapel On August 5 1960 the Catholic Mortal Agony of Christ Chapel, located at the end of the former camp road, was consecrated. The chapel was built on the initiative of the Munich auxiliary bishop and former Dachau camp prisoner Johannes Neuhäusler. The monumental circular building made of unhewn pebble stones from the Isar River was designed by the Munich architect Josef Wiedemann. Attached at the back of the building is a memorial plaque with a portrait of Christ, dedicated by former imprisoned Polish priests. It was unveiled on August 19 1972. In several languages the plaque tells of the suffering of the Polish prisoners, the largest prisoner group, in Dachau. The bell in front of the building was donated by former Austrian prisoners and was cast by Emmerich Hornich, a former Dachau prisoner. It was consecrated on July 22 1961. Since then it rings out every afternoon at 2:50 p.m., calling for prayers for the victims of the concentration camp.

  • Tornister

    Im militärischen Sprachgebrauch eine Art Rucksack, meist aus Leder und mit fester

  • Völkisch

    Ein auf „Rasse“ bezogener Begriff, der vor allem von nationalen Kreisen und später den Nationalsozialisten benutzt wurde. Diente zumeist der Überhöhung des eigenen Volkes und der Herabsetzung anderer Völker und Nationen.

  • Volksgemeinschaft

    Nationalsozialistischer Begriff einer Gemeinschaft, die darauf zielte, alle Unterschiede zwischen Stand, Klasse, Herkunft, oder Einkommen zu verneinen. Dabei war die Zugehörigkeit zur ->arischen Rasse zwar eine notwendige Bedingung für die Zugehörigkeit zur deutschen Volksgemeinschaft, aber sie war nicht hinreichend. Die Volksgemeinschaft war eine Gesinnungsgemeinschaft, die das Bekenntnis zur Weltanschauung des Nationalsozialismus erforderte. Ausdruck der V. waren Rituale, wie z. B. NS-Feiertage, die „Ehrung der Mutter“, „Eintopfsonntage“ oder das Winterhilfswerk, an denen alle Mitglieder teilnehmen sollten und so das Erlebnis der „Gemeinschaft des Volkes“ erfuhren.

  • Waldfriedhof

    Waldfriedhof Auf dem Waldfriedhof wurden nach Kriegsende vor allem diejenigen ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau begraben, die in den Monaten unmittelbar nach der Befreiung noch an den Folgen ihrer Haft starben. Unter den mehr als 1.300 Bestatteten befinden sich auch ehemalige jüdische Häftlinge, die den Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau Ende April 1945 nicht überlebten. Im Lauf der Nachkriegsjahre wurden mehrere der auf dem Waldfriedhof bestatteten KZ Häftlinge auf Friedhöfe ihrer Heimatländer umgebettet.

  • Woodlands Cemetery

    Woodlands Cemetery After the war, those former prisoners of the Dachau concentration camp were buried at the woodlands cemetery who died as a result of their imprisonment in the months directly following liberation. Amongst the 1,300 persons buried there are former Jewish prisoners who did not survive the death march from the Flossenbürg concentration camp to Dachau at the end of April 1945. Over the years, several of the bodies were reinterred at cemeteries in their home countries.

  • Wasserturm und Wasserleitungen

    Wasserturm und Wasserleitungen Aus der Zeit der Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik (1915) stammt die eigenständige Wasserversorgungsanlage des späteren SS-Lagers. Herzstück der Anlage bildeten ein Wasserturm und ein Pumpenhaus, hier zu sehen auf einer Aufnahme aus den 1940er Jahren. Im Turm konnten 100 cbm Trinkwasser und 420 cbm Gebrauchswasser gespeichert werden. Das Wasser wurde über ein Pumpensystem verteilt.

    Wasserturm Auf dem heutigen Gelände der Bereitschaftspolizei ist der Wasserturm von 1915 weiterhin als markantes, aber stark baufälliges Gebäude zu erkennen.

  • Water Tower and Mains

    Water Tower Still to be seen on the grounds of the Riot Police today is the water tower from 1915, a striking building but still in severe disrepair.

  • Weg des Erinnerns

    Weg des Erinnerns Mit dem etwa drei Kilometer langen Weg des Erinnerns erinnert die Stadt Dachau seit 2007 an den Weg, den die Häftlinge nach ihrer Ankunft am Dachauer Bahnhof zum Konzentrationslager zurücklegen mussten. Er endet am Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau. Seine zwölf Informationstafeln sind an baulichen Überresten zu finden. Der Bahndamm ist erkennbar, über den Gefangenenzüge ins Konzentrationslager rollten. Straßen sind erhalten, zu deren Bau KZ-Häftlinge eingesetzt wurden. Unmittelbar vor der Befreiung des KZ Dachau trieb die SS auf diesen Straßen noch 7.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch ins Ungewisse. An der Straße der KZ-Opfer veranschaulichen Informationstafeln vor Wohn- und Geschäftshäusern für SS-Angehörige die enge Nachbarschaft zwischen SS und Zivilbevölkerung. Erhalten haben sich auch Reste von Straßenbelägen und Bordsteine. Neben dem Besucherzentrum konnten Fundamente der Hauptwache freigelegt werden, die die Häftlinge ab 1935 bei ihrer Einlieferung passieren mussten.

  • Path of Remembrance

    Path of Remembrance In 2007 the City of Dachau opened the Path of Remembrance. Three kilometers long, it recalls the path the prisoners were forced to take from Dachau station to the concentration camp. It ends at the Visitor Center in the Memorial Site. Its twelve information panels are mounted on various building remains. The embankment is visible along which the prisoner trains rolled into the concentration camp. Streets constructed with the forced labor of the camp prisoners have survived. Just before the concentration camp was liberated, the SS herded 7 000 prisoners along these streets – the start of a death march into the unknown. On the Straße der KZ-Opfer, information panels about the residential quarters and businesses used by members of the SS illustrate the close ties between the SS and the civilian population. Remnants of road surfaces and curbs have survived. Next to the Visitor Center, the foundations of the main guardhouse were uncovered which, from 1935, the prisoners had to pass through when arriving at the camp.

  • Wildpark

    "Wildpark" Der „Wildpark“ der SS befand sich im Norden der Häftlingsbaracken, außerhalb der Umzäunung des Häftlingslagers. 1937/38 mussten Häftlinge dieses weitläufige Gelände, das sie selbst auch Fuchsbau nannten, in ein Freigehe mit einem Schwanenweiher, Fischteichen und Wegen umgestalten. Es wurden ein Blockhaus, mehrere Schuppen, Lager- und Gerätehäuser sowie Geflügelställe errichtet. Der „Wildpark“ war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein persönliches Bauprojekt des damaligen KZ-Kommandanten Hans Loritz, das nicht von der "Inspektion der Konzentrationslager" genehmigt worden war. Heute ist der „Wildpark“ nicht mehr erhalten. Seit 1964 befinden sich auf seinem Gelände ein Teil des Golfplatzes und das Karmel Heilig Blut. Nur der dicht bewaldete Klostergarten zeugt von der ursprünglichen Geschichte des Ortes.

  • Deer Park

    "Deer Park" The SS “deer park” was located to the north of the prisoner barracks, outside the perimeter fence of the prisoner camp. In 1937/38 the prisoners had to redevelop these spacious grounds, which they called the fox den, into an outdoor enclosure with swan and fish ponds as well as paths. A log cabin, several sheds for various purposes, and poultry coops were also built. The “deer park” was most likely a personal building project of the camp commandant of the time, Hans Loritz, and was not approved by the Inspectorate for Concentration Camps. The “deer park” no longer exists today. Since 1964 a section of the golf course and the Carmelite convent are located on the grounds. Only the densely wooded convent garden testifies to the original history of the site.

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