Krematorium

Station 11

Übersichtsplan

Die Anlage des Krematoriums war vom Häftlingslager strikt getrennt. Vor dem Jourhaus zweigte der Weg innerhalb des SS-Lagers zum Krematoriumsbereich ab, und nur die Häftlinge, die für die Arbeiten im Krematorium eingesetzt waren, durften das Gelände betreten.

In diesem Bereich sind noch beide Krematorien erhalten, die es im KZ Dachau gab: das erste Krematorium aus dem Jahr 1940 sowie die so genannte Baracke X, die im Jahr 1942/43 erbaut wurde. Darüber hinaus ist im hinteren Bereich des Areals der Exekutionsort gekennzeichnet, an dem sowjetische Kriegsgefangene oder Gestapo-Häftlinge erschossen wurden.

Die Krematorien dienten zur Beseitigung der Leichen aus dem Konzentrationslager, die Öfen waren meist Tag und Nacht in Betrieb. Ende 1944 reichte die Kapazität der Öfen für die Verbrennung der vielen Toten aus dem Lager nicht mehr aus. Bei der Befreiung des Lagers Ende April 1945 stießen die Amerikaner auf unzählige Leichen, die im Krematorium lagen. Die Bilder hiervon gingen um die Welt und zeigten das Ausmaß und die Konsequenz der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik.

Schon im Sommer 1945 wurde in der Baracke X die erste Ausstellung über die Verbrechen der SS gezeigt, die vor allem im Rahmen der im November beginnenden Prozesse gegen die Konzentrationslager-SS diese dokumentieren sollte. Die Ausstellung wurde 1953 vom Bayerischen Staat geschlossen. Eine weitere Ausstellung des Comité International de Dachau war schließlich wieder zwischen 1960-64 zu sehen.

Das Gelände ist heute der zentrale Gendenkort und Friedhof der KZ-Gedenkstätte Dachau. Im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau sind 32.000 Todesfälle nachweislich beurkundet, doch viele Tausende von Toten blieben ungezählt:

  • Unbekannt ist die Zahl der vielen getöteten jüdischen Häftlinge, die vor allem in den Außenlagern nicht mehr registriert wurden, wie auch bei Russen und Polen.
  • Unbekannt ist die Zahl der Opfer, die von der Gestapo hingerichtet wurden.
  • Unbekannt ist die Zahl der sowjetischen Kriegsgefangenen, die in den Jahren 1941 und 1942 hingerichtet wurden.
  • Unbekannt ist die Zahl der Toten der Evakuierungsmärsche und derjenigen, die kurz nach der Befreiung an den Folgen der Haft starben.
Historisches Bild

Krematorium "Baracke X", US-Soldaten stehen vor einem Leichenberg. Unbekannter Fotograf, kurz nach der Befreiung Mai 1945. © National Archives Washington.

Heutige Ansicht

Aufnahme von der so genannten Baracke X aus dem Jahr 2007.

Detailansicht

Denkmal "Der unbekannte Häftling" von Fritz Koelle. Der Sockel trägt die Inschrift "Den Toten zur Ehr, den Lebenden zur Mahnung".