Lagerstraße

Station 10

Übersichtsplan

Die ehemalige Lagerstraße führt heute vom Appellplatz zu den religiösen Gedenkorten und zum Krematoriumsbereich. Rechts und links der Lagerstraße erstreckten sich die Baracken, deren Nummern heute am Kopf der Steinfundamente eingelassen sind. Den jeweils ersten beiden Baracken waren eine besondere Funktion zugedacht, in ihnen befand sich der Häftlingskrankenbau (rechts) die Lagerbücherei, eine Kantine für Häftlinge, später auch eine Schreibstube und eine Produktionsstätte für die Rüstungsindustrie (links).

Der Häftlingskrankenbau ("Revier") wuchs im Laufe der Jahre immer mehr an und erstreckte sich zum Schluss auf die ersten neun Baracken an der rechten Seite. Die medizinische Versorgung im Lager war dennoch vollkommen unzureichend. Darüber hinaus war hier der Ort, an dem SS-Ärzte brutale Versuche an Menschen durchführten. Nico Rost erinnert sich bei seinem Besuch in Dachau 1955 an diese Versuche:

"Noch heute, so viele Jahre nach der Befreiung, fühlt der Besucher eine gewisse Angst, während er die Querstraße zum früheren Block drei einschlägt. Das war die von den Häftlingen am meisten gefürchtete Baracke - die Baracke der Experimente, das Reich des Doktor Rascher. ... Hier wurden Gräuel verübt, die alles übertrafen, was sonst in deutschen KZs an Grausamkeiten verübt wurde ... SS-Ärzte verübten sie an wehrlosen Häftlingen, missbrauchten sie für ihre sogenannten medizinischen Versuche: Hier wurden Häftlinge in Eiswasser gelegt, bis sie völlig erstarrt waren, oft viele Stunden lang, um so die durchschnittliche Zeit zu ermitteln, nach deren Ablauf es keinen Sinn mehr hatte, nach abgeschossenen Fallschirmspringern im Ärmelkanal zu suchen. Auch Knochentransplantations-, Phlegmone- und Unterkühlungsversuche fanden in diesen Baracken statt und führten nach schrecklichen Leiden zu einem qualvollen Tod."

Die Belegung der Baracken folgte der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten: In den vorderen Baracken waren deutsche Häftlinge und Häftlinge aus den westlichen besetzten Ländern untergebracht. Nach hinten hin wurden Menschen untergebracht, die aus Sicht der Nationalsozialisten nur geringen Wert hatten: Polen, Häftlinge aus der SU, Juden. Zugleich gab es auch besondere Bereiche, z.B. der nochmals eingezäunte Bereich der Strafbaracken, die Quarantäneblocks der neu in das Lager Eingewiesenen, die so genannten Invalidenblocks und die Priesterbaracken, in die vor allem Geistliche aus Polen eingeliefert wurden.

Hinter den Häftlingsbaracken befanden sich auch noch die Desinfektionsbaracken zur Kleiderdesinfektion, die Kaninchenzucht und die Lagergärtnerei. Heute stehen auf diesem Areal die religiösen Gedenkstätten. Der Rundgang führt jedoch zunächst zum Krematoriumsbereich, der sich hinter der Brücke auf der linken Seite befindet.

Historisches Bild

Gruppe von Häftlingen vor dem Krankenrevier. Heimliches Foto, Rudolf Cisar, Frühjahr 1943.

Heutige Ansicht

Aufnahme der ehemaligen Lagerstraße aus dem Jahr 2007.

Detailansicht

Steinfundament, das den Standort der Baracke 1 markiert.