Appellplatz

Station 8

Übersichtsplan

Zwischen dem Internationalen Mahnmal und den beiden Baracken erstreckt sich der ehemalige Appellplatz, der gemäß dem Zustand des Appellplatzes nach der Vergrößerung des Lagers 1937/38 rekonstruiert wurde. Die Fläche konnte 40.000 bis 50.000 Menschen fassen und diente vor allem den Häftlingsappellen, bei denen die Gefangenen jeden Morgen und Abend gezählt wurden, oder zur öffentlichen Durchführung von Strafen. Von hier aus wurden die Häftlinge außerdem zur Arbeit eingeteilt. Der ehemalige Häftling Kupfer-Koberwitz berichtet in seinen Aufzeichnungen zum Tag seiner Einlieferung am 11.11.1940:

"Militärisch exakt setzten wir uns in Bewegung, marschierten die Blockstraße hinaus, auf die Lagerstraße, dann eine scharfe Wendung und geradeaus zum Appellplatz. Auf dem riesigen Platz waren schon Gruppen von Leuten versammelt. Singend kamen andere Trupps zum Tor hinein, oft nur wenige Mann, manchmal einige Hundert. Auf Kommando hielten sie und verteilten sich dann auf verschiedene Stellen. Jeder schien seinen Platz zu kennen. Bei dem Wort "Achtung" richteten sich alle auf, nahmen Haltung an. Bei "Stillgestanden" schlugen sie die Hacken zusammen, legten die Hände an die Hosennaht und blickten starr geradeaus. Die rechte Hand aller flog bei "Mützen" zum Kopf, bei "ab" rissen sie die Mützen vom Kopf. Eine brüllende Stimme rechts hinter uns tönte über den Appellplatz. Es war nicht die Stimme eines Menschen, es war die Stimme eines wütenden Tieres. Ich sah einen SS-Offizier von vierschrötiger Gestalt, der trotz der Uniform bäuerlich wirkte. Er hatte die Hände in die Hüften gestemmt und schrie auf einen Häftling ein, der vor ihm stand, die Mütze an der Hosennaht. Und dann trat er ihm mit seinen derben Stiefeln kräftig gegen die Schienbeine, wieder und wieder. Mich berührte eine Hand. Mein Nebenmann flüsterte mir zu: "Nicht Dich umsehen, wir müssen geradeaus schauen. Wenn er sieht, dass Du dich umdrehst, macht er es Dir genau so. Das ist Remmele, der Rapportführer. Er ist Schwabe.""

Historisches Bild

Strafstehen auf dem Appellplatz, 28. Juni 1938. Foto: Friedrich Franz Bauer im Auftrag der SS.
© Bundesarchiv, Außenstelle Ludwigsburg

Heutige Ansicht

Aufnahme vom ehemaligen Appellplatz aus dem Jahr 2007.

Detailansicht

"Appell im November 1938".Zeichnung von Karl Freund, 17.12.1938.
© KZ-Gedenkstätte Dachau