Häftlingsbad

Station 6

Übersichtsplan

Das Bad war die letzte Station der Einlieferungsprozedur. Dort wurden die neu angekommenen Häftlinge kahlgeschoren, mussten in einem Fass mit brennendem Desinfektionsmittel untertauchen und wurden unter die Duschen geschickt. Im Anschluss daran wurde ihnen die gestreifte Häftlingskleidung zugeteilt. Edgar Kupfer-Koberwitz berichtet hierzu:

"Wir wurden unter Einzelbrausen an der Wand abgeduscht. ... Auf einer Bank unter den Kleiderständern lag bündelweise unsere neue Kleidung. Ich kam als letzter. Es war nur noch ein Bündel da, ein Hemd, es ging mir nicht weit über den Nabel, eine dünne Unterhose ..., Strümpfe, bei denen die Ferse des Strumpfes auf die Mitte der Sohle kam, und der gestreifte Anzug! Die Hose war zu kurz, ging bis eine Handbreit über die Knöchel, und der Kittel schloss mit Mühe und Not unten, über der Brust war er aber nicht zuzukriegen. Seine Ärmel waren viel zu kurz und spannten in den Ellenbogen. Ich hatte zwei verschiedene Schuhe erwischt, einer passte, der andere war eine Folterkammer. ... Den Abschluss bildete die kreisrunde gestreifte und schirmlose Mütze, ich konnte sie aber nur wie eine Krone tragen, so hoch oben saß sie, und boshafterweise ließ sie sich selbst mit Gewalt nicht weiten. ... Ich begriff, dass man so etwas ... mit dem Worte Kluft bezeichnet."

Die bereits Inhaftierten kamen anfangs einmal in der Woche - später dann seltener - hierher zum "Baden", einer Prozedur, die nach den Erinnerungen Überlebender oft mit Schikanen verbunden war.

Ab Ende des Jahres 1940 wurde im Häftlingsbad die Strafe des "Pfahlhängens" vorgenommen. Hierzu ließ die SS zwischen den Säulen des Raumes Holzbalken mit Haken im Abstand von ca. 40-50 cm anbringen. Bei den verurteilten Häftlingen wurden mit einer Kette die Hände auf dem Rücken zusammengebunden. Der Häftling musste dann auf eine Fußbank treten, die Kette wurde an einem der Haken befestigt und ein SS-Mann stieß die Fußbank weg.

Das Aufhängen zählte zu den drastischsten und gefährlichsten Strafen im Konzentrationslager. Überlebte der Häftling die Strafe, so trug er oft langanhaltende Schädigungen der Hand- und Schultergelenke davon.

Historisches Bild

Häftlingsbad, unbekannter Fotograf nach der Befreiung April/Mai 1945.
© KZ-Gedenkstätte Dachau

Heutige Ansicht

Fotografie des ehemaligen Häftlingsbads von 2008.

Detailansicht

Pfahlhängen, Zeichnung von Georg Tauber.
© KZ-Gedenkstätte Dachau