Wirtschaftsgebäude

Station 4

Übersichtsplan

Die Errichtung des Wirtschaftsgebäudes 1938 bildete den Abschluss von Bauarbeiten, die im Rahmen einer Umgestaltung und Vergrößerung des Konzentrationslagers in den Jahren 1937/38 durchgeführt wurden. Bereits im Frühsommer 1936 mussten die Häftlinge das Jourhaus als ersten Bau der Umbaumaßnahme errichten. Die Erweiterung des Lagers war eine Auswirkung des Plans, die Konzentrationslager als eine dauerhafte Einrichtung des NS-Staates zu etablieren. Wurden in den ersten Monaten der Diktatur vor allem politische Gegner der Nationalsozialisten in den Lagern gefangen gesetzt, so weitete sich die Verfolgung nun auch zunehmend auf andere Menschengruppen aus, die nicht in das nationalsozialistische Gesellschaftsbild passten und aus der "Volksgemeinschaft" ausgeschlossen werden sollten.

Das Wirtschaftsgebäude bildet den südlichen Abschluss des ehemaligen Appellplatzes. Hier mussten die Häftlinge sich täglich morgens und abends aufstellen und stundenlange Zählungen über sich ergehen lassen. Dabei blickten sie auf das Dach des Wirtschaftsgebäudes, auf dem die Inschrift "Es gibt einen Weg zur Freiheit, seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland." angebracht war. Wie auch die Inschrift "Arbeit macht frei" am Tor des Jourhauses drückt dieser Satz den Zynismus der SS gegenüber den Häftlingen aus. So muss beispielsweise die Rede von der "Liebe zum Vaterland" auf die ausländischen Häftlinge, die nach Beginn des Krieges in zunehmend großer Zahl ins KZ Dachau verschleppt wurden, wie blanker Hohn gewirkt haben.

In den Räumen des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes ist heute die Dokumentationsausstellung zur Geschichte des KZ Dachau untergebracht. Darüber hinaus werden auch jeweils die Räume in ihrer historischen Funktion vorgestellt. Neben verschiedenen Werkstätten und Lagerräume sowie der Häftlingsküche und der Wäscherei befanden sich dort der so genannte "Schubraum" und das "Häftlingsbad", in denen die entwürdigende Einlieferungsprozedur der Häftlinge stattfand.

Im Ostflügel des Wirtschaftsgebäudes, an der Alten Römerstraße gelegen, befinden sich heute die Verwaltung mit dem Archiv und der Bibliothek sowie die Seminarräume der Gedenkstätte.

Historisches Bild

Foto der SS vom Wirtschaftsgebäude mit Inschrift auf dem Dach.
© KZ-Gedenkstätte Dachau