Jourhaus

Station 2

Übersichtsplan

Das Jourhaus war der Ein- und Ausgang des Häftlingslagers und das Dienstgebäude der Lager-SS. Der Durchgang des Gebäudes war durch ein geschmiedetes Tor verschlossen, durch das die Häftlinge nach ihrer Ankunft das Lager betraten und dann täglich zu den Arbeitskommandos marschieren mussten. Das Torhaus markierte so die Grenze zwischen der Außenwelt und der Inhaftierung. In seinen Aufzeichnungen "Die Mächtigen und die Hilflosen" beschreibt der ehemalige Häftling Edgar Kupfer-Koberwitz seinen Weg in das Konzentrationslager Dachau am Tag seiner Einlieferung am 11.11.1940:

"Der Wagen hielt. Wir kletterten hinaus und wurden vor ein niedriges Gebäude geführt. Vor uns floss, in einem Graben, ein etwa vier Meter breites Wasser. Auf der anderen Seite war ein Stacheldraht gespannt. Über das Wasser führte eine Brücke. Ein Gebäude war auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke vorgelagert, in seiner Mitte ein großes gähnendes Tor, über diesem Tor, aus dem Dache des Gebäudes ragend, ein viereckiger Turm, auf ihm standen Posten mit Stahlhelmen. Maschinengewehrläufe ragten aus der Windscheibe. Mein Nachbar flüsterte mir zu: "Der Draht ist elektrisch geladen. Siehst Du den großen freien Platz und dahinter die vielen niedrigen Baracken? Dort wohnen wir.
Die fernen Baracken schimmerten grün herüber durch den Stacheldraht. Man selbst sah von weitem, alles war peinlich sauber gehalten, nicht das kleinste Stück Papier lag irgendwo. Aber über allem dräute etwas Unerbittliches, etwas Furchtbares, etwas Eiskaltes, das beängstigte. Eine Kolonne im Marschschritt kam die Pappelallee entlang. Sie sang irgendein Lied. Direkt auf das Tor marschierte sie zu, ganz exakt im gleichen Schritt und schnurgerader Linie. Alle sahen seltsam bleich aus. Einige schielten interessiert zu uns herüber, aber keiner wagte den Kopf zu heben. In der großen Toreinfahrt wurde ein schmiedeeisernes Gitter geöffnet. Der Trupp passierte die Brücke und das Tor, marschierte dann singend über den großen freien Platz und verschwand zwischen den fernen Baracken."

Am Lagertor ließ die SS den Spruch "Arbeit macht frei" anbringen. In diesem Spruch spiegelt sich die verharmlosende NS-Propaganda wider, die die Konzentrationslager nach außen hin als "Arbeits- und Umerziehungslager" darstellen wollte. Zugleich markieren diese Worte die zynische Haltung der SS gegenüber den Häftlingen, denn in den Konzentrationslagern war die Zwangsarbeit eines der zentralen Mittel des Terrors.

An den Wänden des Torbogens sind heute zwei Gedenktafeln zu erkennen, die an die Befreiung des Lagers durch amerikanische Einheiten am 29. April 1945 erinnern.

Historisches Bild

Aufnahme des Jourhauses am Tag der Befreiung des Lagers. Unbekannter Fotograf, 29.4.1945
© KZ-Gedenkstätte Dachau

Heutige Ansicht

Aufnahme des Jourhauses von 2007.

Detailansicht

Blick durch den Durchgang des Jourhauses auf das Tor mit der Inschrift "Arbeit macht frei".