Nachruf Pim Reijntjes

Pim Reijntjes ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Die Gedenkstätte trauert um einen niederländischen Überlebenden des KZ Dachau, der sich stets mit ganzer Kraft für das Gedenken und die Weitervermittlung des Geschehens an die nachfolgenden Generationen eingesetzt hat.

Reijntjes – seine offiziellen Vornamen sind Willem Gerrit - wurde 1919 in Den Haag geboren und wuchs in Amsterdam auf. Als junger Soldat musste er 1940 die Zerstörung Rotterdams durch die deutsche Luftwaffe erleben. Hunderte Menschen kamen dabei ums Leben. Als zahlreiche Widerstandskämpfer, auch aus seinem Freundeskreis, hingerichtet wurden, beschloss er, zusammen mit seinem Bruder, sich ebenfalls widerständig zu verhalten. Im Mai 1943 fasste Reijntjes gemeinsam mit anderen den Plan, mit einem Fischerboot nach England zu fliehen, doch wurde die Gruppe verraten und inhaftiert.

Pim Reijntjes und sein jüngerer Bruder Loek (Louis Philippe) wurden in das berüchtigte Gefängnis Oranjehotel in Scheveningen gebracht, danach in das KZ Vught bei Hertogenbosch. Als Nacht und Nebel-Häftling wurden sie im Februar 1944 in das KZ Natzweiler überstellt. Mit der Räumung Natzweilers wurden er, sein Bruder und zahlreiche weitere niederländische Widerstandskämpfer nach Dachau gebracht. Reijntjes wurde zu schwerer Zwangsarbeit in den Außenlagern von Augsburg und Lauingen gezwungen. Im Januar 1945 wurde er zurück nach Dachau transportiert und erkrankte an Fleckfieber. Schließlich erlebte er die Befreiung des Lagers. Von den acht Verhafteten, die nach England fliegen wollten, blieben nur er und sein Bruder am Leben.

Nach der Rückkehr in seine Heimat arbeitete Reijntjes als Nachrichtensprecher für verschiedene niederländische Radiostationen. Später arbeitete er auch als Redakteur und Herausgeber von Nachrichtenzeitschriften. Nach seiner Pensionierung setzte er sich für die Errichtung einer Dachau-Gedenkstätte ein, die 1993 am Stadtrand von Amsterdam eingeweiht werden konnte. Reijntjes wurde zum ersten Vorsitzenden der Stichting Nationaal Dachau Monument gewählt. Er war Träger des Ritterordens von Oranje-Nassau sowie des Ordens für Widerstandskämpfer und Nacht-und-Nebel-Häftlinge.

Pim Reijntjes hat sich immer wieder als Zeitzeuge gegen das Vergessen eingesetzt. Er war häufiger Gast in der Gedenkstätte und war zuletzt im März 2011 hier, als seine Biografie im Rahmen des Gedächtnisbuchprojekts der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

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